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im 3. Jahrhundert n. Chr. mit allen Herrlichkeiten Und Prachtbauten ausgestattet, deren Drummer noch heute Staunen erregen. Hier haben Constantius Chlorus und sein größerer Sohn Constantin gewohnt und gelebt, von hier aus Spanien, Gallien, Britannien verwaltet, was die damalige Bedeutung Triers klar erkennen läßt. Der Wanderer, der vom Bahnhof aus Trier betritt, findet plötzlich mitten in der modernen Stadt einen großartigen, aus mächtigen Quadersteinen ohne Mörtel aufgerichteten Bau, die Porta nigra, die bekannteste Sehenswürdigkeit Triers. Mit Erklärung dieses Nordtors des viertorigen Trier begann der Gang durch die alte Kaiserresidenz.
„Lassen Sie uns von der Seite beginnen, von ivo unsere Vorfahren dieses Römertor zuerst sahen, von wo sie immer wieder aiisturmten, bis es endlich ihren wuchtigen Angriffen erlag." Mit diesen Worten begann Museumsdirektor Dr. Kr ü g e r-Trier seinen Vortrag auf dem durch Germanenblut geweihten Böden. Staunend sahen wir die in die mächtigen Quadersteine geschlagenen Löcher, aus denen die wilden Söhne unserer Heimat die zur Waffenherstellung für sie so wertvollen Eisenklammern herausrissen, staunend hörten und sahen wir, wie rasch infolge drohender Germanengefahr dieser Bau errichtet, wie wild und stürmisch hier gerungen und gekämpft worden ist. Automobile und Wagen der elektrischen Bahn störten uns in unserer Betrachtung und wiesen energisch auf die Gegenwart. Niemand dachte bei den Leben und Geist atmenden Vorträgen Dr. Krügers und des aus Frankfurt gekommenen Prof. Dragendorff, daß schon 1600 Jahre seit dieser Zeit verflossen seien, so nah, so lebendig stand alles vor uns.
Trotz des eiligen, mörtelfreien Aufbaues hat die Porta nigra, die int Mittelalter den Hauptteil der Simeons- kirche bildete, die Jahrhunderte überstanden; Römerbau und mittelalterlicher Bau sind deutlich voneinander unter» scheidbar. Von den drei anderen Toren Triers ist nur das Osttor vorhanden: nämlich das auch als Ausgangstor dienende mächtige Amphitheater. Leider hat die preußische Regierung voriges Jahr die Ausgrabungsarbeiten aus Mangel an Mitteln einstellen lassen, was um so trauriger ist, als das außerdem noch in Metz ausgegrabene Amphitheater durch Bahnhofsbauten wieder verschüttet iver- deu mußte. Stolz waren wir Hessen, als der Vortragende unsere hessische Regierung als die an Verständnis und Interesse für Belebung alter Zeiten an der Spitze marschierende bezeichnete, die hessische Regierung, die alljährlich Mittel zu derartigen wissenschaftlichen Reisen bewilligt, als Muster und Vorbild für andere empfahl, ein Lob, das seinen Höhepunkt erreichte in den Worten:Läge dieses Amphitheater in Hessen, eine Zierde römischer Zeit wäre aus deutschem Boden ausgegraben, ein Wallfahrtsort für Tausende, die sehen und lernen wollen, wie derartige Amphitheater eingerichtet waren, wo junge Christen, in der Schlacht gefangene Feinde, Löwen und Tigern, bereit Käfige übrigens noch recht deutlich, beinahe wie zur Benutzung vorhanden sind, vorgeworfen wurden, wo in weitem Umkreis Tausende saßen, um dem Kampf geschulter römischer Gladiatoren mit den wilden Bestien zuzusehen.
Ein weiteres Bauwerk, auf das Trier stolz sein kann, sind die Thermen, d. h. die römische Badeanlage. Kem Bad der Neuzeit übertrifft diese, jegliche Anforderung befriedigende, Badeanlage. In riesiger Ausdehnung liegen die Thermen, zum größten Teil ausgegrabeu, vor uns, «ms zeigend, wie verständnisvoll das Römervolk derartige Bauten auszuführen verstand. Als Frigidarium, d. h. kaltes Bad, diente ein Saal von 54 Meter Länge und 20 Meter Breite, dann gabs darin ein Tepidarium, d. h. mäßig warmes Bad, dann ein Caldarium, d. h. heißes Bad, dann Aus- kleideräume, warme Schwimmbäder und derartige Einrichtungen mehr, alles genau und deutlich erkennbar. Wann hat hier wohl der letzte Römer gebadet? 388 u. Ehr. hört Trier auf, Kaiserresidenz zu sein, der stolze K a i s e r p a l a st, der im östlichen Stadtteil Triers liegt, zerfällt langsam. Von Konstantin gebaut, geben uns die hoch in die Lüfte ragenden Manern einen Begriff, wie herrlich, wie großartig diese Kaiserbnrg gewesen sein muß.
Wie die Porta nigra beit Hauptteil ber Simeouskirche bildete, so dient die mächtige altrömische Basilika heute als protestantische Kirche. Auch ber Dom und die an-
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Bri
grenzende L t e b s r a u e n k i r ch e wurden einer eingehenden Besichtigung unterzogen. Der im Dom untergebrachte Domschatz wurde durch einen Domprobst uns in freundlichster Weise erklärt.
Im Trierer Provinzialmuseum, in das alle im Rei glerungsbezirk Trier sich findenden Altertümer abgeliefert werden müssen, verbrachten wir fast den ganzen zweiten Tag unserer zweitägigen Reise. Gern hörten wir den Vor-, trögen ber einzelnen Herren zu. Worte, bie ber Borstel-, lang entbehrten, gewannen Klarheit; Trümmer unb Steine, von Moos überwuchert, von Schutt bebeckt, sie gewannen Leben, sie sprachen in jetzt verstänblicher Sprache, sie er* zählten von vergangener Zeit.
Was wir dachten, was wir fühlten, als bei der Ab* reise Trier unseren Augen entschwand, es sei ausgesprochen in den Worten:
Nichts gleichet dir, o Trümmerheiligtum, In deinem Sturz noch ist dein Glanz zu lesen; Gefallene Stadt, was sag' ich dir zum Ruhm, Als die vier Worte: Dies ist Trier gewesen.
Du eiust'ger Größe Bild und ew'ger Schmach, So reich, so schön trotz Alter, Zeit und Flammen, 9Hc wieder ganz entsteht, was hier zerbrach, Nie bricht, was hier noch stehet, ganz zusammen.
____________ F. H.
Vermachtes.
* Engländerei. Von Jahr zu Jahr mehren sich die englischen Fremdwörter in unserer Sprache. Englisch wird leider immer mehr und mehr Trumpf. Wie in früheren Jahrhunderten unter dem Einfluß der „galanten Mode" französische Wörter massenhaft in unser Deutsch eindrangen, so erleben wir jetzt eine Ueberflutung unserer Muttersprache durch englische Ausdrücke. Um diesem Hebet zu wehren, veröffentlichte von zehn Jahren Hermann Dünger einen in Deutschland sowohl wie in Amerika sehr freundlich aufgenommenen Vortrag: Wider die Engländerei in der deutschen Sprache. Jetzt ist von diesem eine völlig umgearbeitete und vielfach vermehrte Auslage erschienen unter dem Titel: Engländerei in der deutschen Sprache, Verlag des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins, F. Berggold, Berlin, Preis 1,20 Mk. Wie stark sich leider, gerade wie einst die französische, so jetzt die englische Wörterschar in den letzten Jahren vermehrt hat, beweist zur Genüge der Umstand, daß das neue Buch säst fünfmal so gro» ist, wie das alte. _ In frischer, lebendiger Darstellung zeigt der Verfasser, wie diese englischen Wörter bei uns eindringen, in Namen und Geschäftsbezeichnnngen, im häuslichen und öffentlichen Leben, in Gewerbe und Handel, in Wissenschaft und Technik, in Schrifttum und Zeitungswesen, und ganz besonders int Sport. Neu hinzugekommen sind Abschnitte über Lehnwörter aus dem Englischen, Uebersetzung englischer Wörter und Wendungen, Engländerei in der Seemannsprache, fehlerhaftes Englisch, Einfluß des Englischen auf die deutsche Schreib- und Ausdrucksweise, Buchstabemvörter (Hapag, Damuka) und Kurzwörter nach englischer Art (Konsols, Osram). Das Buch verdient von allen, die ihre Muttersprache lieben, gelesen und beherzigt zu werden. Möchte es doch dazu beitragen, daß nicht gedankenlos immer neue englische Wörter eingeschmuggelt werden in unser geliebtes Deutsch! Ist es nicht wahrhaft albern, daß wir Deutsche von Globetrotters, Natives, Girls, Niggers, Snobs, Messenger-Boys reden, daß überall ge- engläitdert wird, vom Baby unb seiner Nurse bis zur Lady Pa- troneß und vom Vacunm-Cleaner bis zum Voeal Recital? Ist denn unsere so bildsame Sprache nicht noch immer so reich wie keine zweite auf der Welt? Sorge jeder an seinem Teil dafür, daß sie nicht auch zu einem so häßlichen Zerrbild werde, wie es gewisses amerikanisches Deutsch ist, von dem Dünger ergötzliche, aber im Grunde traurige Beispiele anführt!
* Offenherzig. Gast /im Restaurant gegenüber dem Gerichtsgebäude): „Bringen Sie mir 'mal noch eine Flasche Champagner, Herr Wirt!" — Wirt (vertraulich): „Freigesprochen worden?" — Gast: „Nein — Offenbarnngseid geleistet."
T-mschrätsel.
Wand, Feder, Mans, Ader, Most, Sichel, Hebel, Kahn, Engel, Ohr, Asche, Degen.
Die Anfangsbuchstaben nebenstehender Wörter find mit anderen Buchstaben derart zu vertauschen, daß man ebenso viele neue. Wörter erhält, deren Anfangsbuchstaben den Namen eines bekannten Philosophen ergeben.
Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung des Rösselsprungs in voriger Nummer:
Eines wisse, eines merk, Kraft wirds Dir verleihen: Glauben mußt Du an Dein Werk, Wenn es soll gedeihen.
hl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße».


