Ausgabe 
7.6.1909
 
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aller Widerstand war ihm' ein Spiel, spielend überwand er ihn zmd sie sah ihm zu. Lächelnd, winkend.

So ging er wie im Traumei Weit wär ihm die Welt ge-^ worden, und doch nur eine enge Bühne für seine Taten. Vornehm', stolz-gerüstet, ein glänzender Ritter seine Jugend grüßte ihn. Tas Beste seiner Jugend in seinem schönsten Lebensmomente.

Er zahlte seinen Einsatz.

Ter Jean wirst! Hurra!"

Er würde gewinnen, er wußte es. Siegen! Es war die größte Tat, die er jetzt vollbringen konnte.

Er stellte sich in die Reihe, er wartete geduldig. Er sah gar nicht, was die anderen warfen. Tas war ihm gleichgültig.

Es rief seinen Namen. Er trat vor wieder wie im Traume. Er nahm eine Kugel. Er prüfte nicht erst. Tie erste beste nahm er und schob sie hinaus.

Hurra! Alle Nenne!"

Sie lagen alle.

Alle Neune, richtig!" ries der Polizeidiener.

Zweite Kugel, HerrOber"!" rief der Lehrer.

Jean schob die zweite.

Runde! Bravo, Bravo!"

Ter hot Glick! Tunncrwetter! Der hat die Uhr!"

Runde, richtig!" rief der Polizeidiener.

Tritte Sugcl, HerrOber" auf den König!" rief der Lehrer. _

E fein Spritzkigelche jetzt", sagte einer wohlmeinend zum Jean und klopfte ihm aus die Schulter,do kimmt kaner driwwer."

Der Jean schob die dritte. Er zielte jetzt doch ein wenig.

Zweimal zagte er. Tann beim drittenmal flog die Kugel. Fein mitten setzte sie auf. Drei Schritte lief er mit.Der liegt!" sagte er und drehte sich um.

In der halben Bahn tat die Kugel den ersten Sprung, gleich darauf noch einen, beim drittenspritzte" sie'über den liegenden! Bauer, und der! König lag.

König!"

König, richtig!" rief der Polizeidiener.

Neun, Runde, König"

Ter Lehrer zählte dann die Würfe zusammen, aber der Lärm, das Hallo war so groß geworden, daß män's nicht mehr verstehen konnte.

Jean schritt auf seinen Platz zu. stolz, hoch in die Brust geworfen. Tie Buchenauer brachten ihm' ein Hoch aus. Er schwenkte ihnen den Hut zu.

Tanke!" rief er. Dabei sah er die Anna an. Mit einem großen verschlingenden Blick,

Einen Humpen! Einen Humpen Wein!"

Tic Anna strahlte. Ihr Blick hing an dein seinen, so tief, so innig, so eins.

Tas Fremdartige, was ihr an dem starken und schönen Italiener so sehr gefallen hatte, das luitrbe jetzt ganz in Schatten gestellt von der! Kraft und Schönheit der eigenen Stamuiesart.

Heiß entbrannt war ihr Herz. Doppelt heiß in dieser Stunde, da er sie aus ihrer Bedrängnis befreien, aus der Gefahr, in dick sie sich begeben, erlösen wollte. Sie war sein! Sie fühlte: der konnte sie fordern, -er würde es tun. Ihr Blick gab ihm alle Rechte auf sie.

Sie zitterte. Nicht aus Angst in glücklicher Erregtheit. Ten Italiener fürchtete sie jetzt reicht mehr. Ter ivar ihr gleichgültig.

Sie vertraute voll auf den Jean. Wie es werden sollte, was werden sollte, wußte sie ja nicht, konnte sie nicht ausdenkeir. Am liebsten wäre sie ihm in die Arme gestürzt, hätte ihn geküßt, nur geküßt, geküßt!

Aber sie tat nichts. Sie wartete auf ihn!. Er würde alles schon machen, dieser starke, stolze, umjübclte Mann.

Der Italiener knirschte. Er sprach erregt mit seinen Kame­raden. Er hatte erkannt, daß hier einer um sein Mädchen warb daß er ihm den Mang ablaufen würdet Ja, daß er schon gewonnen hatte.

Tie Italiener tranken rasch leer.

.Aus!" zischte eramante mia; Anna!" flötete er nach.

Sie gehorchte.

Ta kam der Jean mit dem Humpen auf sie zu.

Flamme ging zu Flamme.

Auf deine Gesundheit, Mädchen!"

Prost! Bravo!" schrie's rings. Man hatte jetzt den Jean verstanden.

Prost!"

Hinten rollte dumpf eine Kugel in die Vollen.

Anna schlug die Augen nieder.

Ter Jean tat' einen tiefen Zug. Tann reichte er den Humpen peilt! Mädchen.

Ter Italiener Hatte die Anna schon am Arm.

Tie bleibt hier!" sprach der Jean, als ob er ihr Herr, ihr' Vater fei.

Sic stand schon an seiner Seite und atmete tief ans.

Tie Italiener waren doch verblüfft. Einen Augenblick wären sie sprachlos. Tann brachen sie in Fluchen aus.

Tie Anna schmiegte sich eng an den Jean. Ter legte seinen! Arm um ihren Racken.

Wer will itum noch was?"

Und groß stand er da.

Bravo!" rief's.

Eben kam der Humpen mit dem Rest zurück.

Ter Jean leerte ihn.

Wie er trank, flog ihm ein Messer an den Augen vorbei.

Ha, ha!" sagte er.Jetzt gilt's! Aber offen und ehrlich, Kraft gegen Kraft. Ein Schuft, der sich fein Mädchen nehmen läßt. Nun wer gewinnt!"

Rasch hatte er die Anna, hinter sich auf einen sicheren Platz! gesetzt.

Nun itand er zum Kampfe bereit.

Hier stehe ich allons!" sagte er.

Ein Italiener war schon gepackt worden. Ter habe das' Messer geworfen. Ter Polizeidiener war dazwischen gesprungen er war machtlos. Von allen Seiten sausten die Hiebe. Stöcke, Gläser, Fäuste. Alles ging schon drunter und drüber.

Ehrlich!" rief der Jean,Kraft gegen Kraft, nicht das Messer! Ein feiger Schuft, wer sticht!"

Vor ihm rangen sie, in einem solchen Durcheinander, daß Frennd oder Feind schwer zu unterscheiden war. Nun sprang der Jean hinein. Wer von ihm gepackt wurde, fiel, den Freund befreite er, half ihm, den Verletzten riß er heraus. Keine Waffe hatte er, seine Faust, sein starker Arm genügten ihm.

Ter verschmähte Liebhaber kämpfte wütend. Er suchte an den Jean heranzukommen.

Und auch dem Jean luarS recht.

Jetzt hatte er freie Bahn.

Ach Gott!" schrie die Anna.

Sie wußte, jetzt ging's auf Leben und Tod.

Ter Italiener fiel den Jean an. Ter war aber gefaßt. Kragen, Rock, Weste, Hemd wurden ihm nur aufgerissen.

Nun kämpfte er mit freier Brust.

Er packte den Gegner an den Armen. Wie Eisenringe legt« er seine Finger um des Feindes Muskeln. Er drückte ihm die Arme in die Seiten. Ter Italiener keuchte.

Anfangs leistete er Widerstand. Auf einmal ward er ge­ringer. Aber der Jean war vorsichtig. Tie Krast des Gegners! konnte ja noch nicht erschöpft sein.

Plötzlich schnellte er denn auch auf, den Jean, den er sieges­gewiß wähnte, zu werfen.

Aber der hatte ihn schon an der Kehle gepackt und zusammen- gerissen, daß er sich überschlug.

Hurra!" schrie's.Der Jean hot gewunne!"

Ter Italiener bäumte sich auf. Ter Jean hielt ihnt die Arme bei. Auch jetzt fürchtete er eine List.

Ter Italiener warf sich auf die Seite. Er suchte nach feiner Messertasche.

Freundchen, Messer nicht!" sagte der Jean.

Steh doch einer dem HerrnOber" bei!" rief's.

Wenn der Kerl sein Messer erwischt!"

Nicht helfen, keiner helfen Kraft gegen Kraft! So will ich gewinnen!" rief der Jean halb außer Atem dagegen. Und mit aller Kraft suchte er dem Gegner den Kjopf aiuf den Boden' zu zwingen.

Er hot gesiegt gewunne! hoch der HerrOber"!" rief's! schon. !

Ta gellte ein Schrei. Er gellte furchtbar durch Mark und! Bein. Ein Menschenschrei und doch kaum zu glauben, daß er aus einer Menschenkehle kommen könnte.

Ah huiuuio!"

Tas schnitt, das riß, das psisf, das röchelte. Tas ging durch eine ganze Tonleiter, durch alle Vokale. Entsetzen machte alle starr.

Ter Streit war aus.

Ter Jean war rücklings hingeschlagen.

Schnuusst!" stöhnte er.

Einer der Italiener hatte ihm hinterrücks das Messer ins Herz gestoßen. Er stöhnte noch einmal noch einmal warf er sich auf. Er schnellte hoch. '

Schwer und dumpf fiel er nieder.

Dann lag er still, die Arme ivdit auseinander, Blut vvrmi Munde.

Tie Italiener waren fort. In der Bestürzung hatte sich keiner nach ihnen umgeschen, selbst der Polizeidiener nicht. Unbemerkt hatten sie sich davon gemacht.

Welcher hatte gestochen? Der Fiori nicht.

Man stand nm beit Toten.

Einer bückte sich nieder und legte dein Iran das Ohr atif bic freie Brust.Er ist tot!" sagte er.

Tie Anna saß auf ihrem Platz und weinte.

Sic konnte nichts denken, nichts begreifen.

Ter Jean war tot.

Ter Jean war tot.

Ta lag er nie wieder würde er aufstehen. Tot, tot!

Ztlidiensahri nach Trier.

Am 27. Mai fuhren die Professoren I m m i s ch, K ö r t e und Strack nebst 40 Studenten nach Trier, um, wie in den letzten Jahren des östern, die alte Römerstadt, die Augusta Trevirorum, zu besichtigen. Trier, die älteste I deutsche Stadt, war als Residenz römischer Cäsaren schon