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die Harmonie von nationaler Bodenständigkeit und allgemeiner Verständlichkeit. IN Knaus war nach einer Meinung der heimatlichen Kunst eine Persönlichkeit erstanden, die der spezifisch deutschen, aus dein nationalen Voltsboden hervvrgewachsenen Gattung, dein Sittenbilde, die Welt eroberte, das versunkene Ansehen der bildenden Kunst int Ausland mit einem Schlage wieder herstellte, gleichsam eilt Befreier und Erretter der deutschen Malerei. Diese überragende Stellung, die dem Meister damals in der Kunstgeschichte angewiesen wurde, erscheint uns heutigen, die wir dem Achtzigjährigen mit allem Respekt Unseren Glückwunsch darbringeu, wohl übertrieben. Aber die historische Bedeutung von Knaus bleibt doch bestehen. Seit langer Zeit war er der erste Deutsche, dem die Franzosen zujubelten und von dem sie lernten — erst Leibi ist wieder ein ähnlicher, doch weniger begeisterter Empfang in Paris bereitet worden — ein wahrhaft internationaler Ruhm ward ihm zu teil. Tie Akademien von Madrid bis Christiania, selbst die wählerische Londoner Akademie, der noch heute wohl nur ganz wenige deutsche Maler angehören, b-eeifertcn sich, ihn zum Mitglied zu ernennen, lind auch in materieller Hinsicht nahm er rasch eine Ausnahmestellung ein. Preise wurden für seine Werke gezahlt, wie sie damals in dem bescheidenen, sparsamen Deutschland unerhört waren.
Solch ein Ungewöhnlich starker Erfolg kann nur einer ungewöhnlich faszinierenden Persönlichkeit beschiedcn sein. Aus hem. Zeitgeschmack allein läßt sich das nicht erklären. Von Anfang an wohnte Knaus eine bezwingende Kraft der Ausdrucksfähigkeit inne, ein mächtiger innerer Drang des Gestaltens, der sein Leben und sein Schaffen bestimmte. Er wurde in W i e s b a d e n als Zeines armerr Mechanikers Sohn am 5. Oktober 1829 geboren. Schon als Kind begann er, ohne jede Anregung, zu zeichnen. Zufällig bemerkte ein Maler diese staunenswerte Veranlagung und gibt ihm zu seinem Vergnügen Unterricht. Aber der Lehrer verläßt Wiesbaden wieder und der Junge muß mit 14 Jahren, als er aus der Schule kommt, zum Vater in die Lehre. Und von neuem will es der Zufall, daß der Maler — Albrecht war fein Name — zum Besuch nach Wiesbaden kommt, den begabten Knaben in der Werkstätte wiederfmdet und nun den Eltern so lange zusetzt, bis sie Ludwig zu einem „Hofmaler" als Lehrling schicken. Er lernt zwar bei dem Meister nicht viel, aber spart sich während der zweijährigen Lehrzeit eine kleine Summe, mit der er mutig sein Glück auf der berühmten Düsseldorfer Malschule versucht. Aber da kommt er schlecht an. Der allmächtige Direktor, Wilhelm von Schadow, wittert in dein flinken wirklichkeitsfrohen Malschüler so etwas wie den Erzfeind der „hohen Kunst", der er sich seit seiner Jugend geweiht, und versagt die Unterstützung mit der Begründung, so etwas werde nur begabten Schülern gewährt. Ter Jüngling kehrt tief gekränkt der Akademie den Rücken und läßt sich int Sturmjahr 1848 in dem hessischen Dorf Willingshausen nieder, wo er nach alten Bauern und uiedlichen Kindern frische Studien lustig drauflos zeichnet und malt. Der tüchtige Frankfurter Maler Tielmann, einer der feinfühligen Eigenbrödler, an denen die deutsche Kunst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts so reich war, weist ihm die Wege. Mit 20 Jahren tritt er als ein fertiger Meister auf den Plan; mit einem „hessischeu Kirnt est anz" und einem lustigen, noch in Düsseldorf frisch nach dem Leben sestgehaltenen Bild, das das bunte Treiben der Martinsfeier schildert, erringt er seine ersten Erfolge, die sich bald bis zur allgemeinen Begeisterung und Popularität steigern.
Was den Maler über den breit behaglichen Ton emporhob, was das Geheimnis seiner Wirkung ausmachte, das war die dramatische in ihren Bann zwingende Kraft seiner Motive; die scharf pointierte, streng konzentrierte Komposition. Auf engstem Ramu werden hier spannende Tragödien und Komödien mit größter Ausführlichkeit erzählt; die Charakteristik der Personen ist in all ihrer einseitigen Betonung eines Moments auf die Spitze getrieben. Tas Kolorit war noch ziemlich dunkel; der Hauptakzent lag in der Zeichnung. Ten blühend reichen, harmonisch feinen Ton erhielten seine Bilder erst in Paris. Doch auch hier ließ sich Knaus durch die „kalte Großheit" des Franzosen nicht in seinem eigenwilligen Streben beirren. 1853 stellte er uu Salon ein Bild aus, das den Morgen nach einer Bauernkirmes darstellte. Mit dieser komisch grotesken Szenerie erhielt er die goldene Medaille und fand sogar Coutures.Anerkennung. .
Acht Jahre blieb er in Paris, und in dieser Zeit entwickelte er sich malerisch zur Höhe. In feinsten Nuancen der Farbe wußte er nun eine koloristische Stimmung zu einem einzigen Akkord zu- sammenzustiminen; nm reinsten in den Bildern, in denen er nicht erzählte, das Fernsein von den Vorbildern des heimischen Bauerntums machte sich nachteilig geltend. Seine aus deutscher Enge geborenen Gestalten bekamen etwas von Pariserischer Eleganz. Dagegen glückten ihm hier ein paar wundervolle Porträts, in betten mit einfachsten Mitteln eine lebendige Charakteristik erreicht war. , _ ,,v t
Als ein Triumphator kehrte er aus Paris nach Deutschland zurück, das Urbild geistiger und körperlicher Lebenskraft. Als ein Revolutionär erschien er. Bon der Banerngeschichte hatte. er sich damals mit der Mode abgewendet. Er bevorzugte exotische und romantische Stoffe, Zigeuner, Taschenspieler, Akrobaten, wie sie auch im damaligen Roman Beifall fanden. Der Witz, der glückliche Einfall 'überwiegen, und dem paßt sich auch eine auf
eleganten Schmiß berechnete Technik an. Doch selbst in diesen reinen Genrebildern blieb er unerreicht. Keiner feiner zahllosen Nachahmer konnte mit solcher Sicherheit eine Situation hinstellen, die sogleich im anschaulichsten Bilde zu dem Betrachter sprichst. Als er 1874 an die Berliner Akademie als Professor berufen wurde, gab er das unstete Wanderleben endgültig auf, entfaltete eine reiche Tätigkeit als Porträtist und schuf jahraus jahrein sehr viele hübsche Werke, die aber feilt Stoffgebiet nicht erweiterten und ihn von Feiner neuen Seite zeigten. Vorher jedoch lebte er noch einige Jahre in Düsseldorf und dort sind ^einige Bilder aus dem Dorfleben entstanden, die seine malerische Schön- heitund erzählerische Darstellungskraft im herrlichen Verein zeigen. Tas ergreifendste unter diesen Werken ist das „H e s s i s ck) e Leichenbegängnis". Wer vor diesem Werke stand, fühlte, daß der Genremaler Knaus ein großer erschütternder Künstler sein konnte. Tr. P. L.
Dar Thoma-Museum.
Die dreitägige Feier, die dem siebzigjährigen Meister Thomä in der badischen Residenz bereitet wurde, nahm diesen Samstag mit der Einweihung des neuen Thoma-Museums ihren würdigen Anfang. Tank der Freundlichkeit des greifen Künstlers und unter seiner persönlichen Führung durste ich die Räume, die der Oefsent- lichkeit erst vom 3. Oktober an zugänglich sein werden, schon einige Tage vorher in Augenschein nehmen. Zu ihrer Aufnahme hat man einen besonderen Anbau an die — unter Thomas Leitung stehende — großherzogliche Gemäldegalerie errichtet: dieser Uiuschließt in gerader Flucht drei Säle, von bereu mittlerem ein paar Stufen in den tiefer gelegenen vierten führen. Die vorderen Säle enthalten eine große Anzahl von Gemälden, teils solchen, die sich bereits im Besitze der Galerie befanden, teils vielen bisher unbekännteu aus des Meisters Privatbesitz. Unter anderem findet man hier eine Kollektion von etlichen vierzig Oelgemälden und Studien kleineren Formats, die sämtlich nur aus den Jahren 1861 und 1862 stammen und schon durch ihre Zahl und ihre frühe Entstehungszeit, mehr aber noch durch die sorgfältige Durchbildung bet Details ein bewundernswertes Zeugnis für den wahrhaft eisernen Kunstfleiß «biegen, mit dem damals schon der Zweiundzwanzigjährige an sich gearbeitet haben muß.
Tas eigentliche Sanktuarium des Museums aber und, wie mir scheinen will, von Thomas Leibenswerk überhaupt, umschließt der nach Süden gelegene vierte Raum, ein Hoher auadratischer Oberlichtsaal mit abgeschrägten Ecken. Man betritt ihn durch einen schmalen, kapellenartigen Vorraum, dessen Wandflächen mit farbig leuchtenden Majoliken nach Thomas Entwürfen bekleidet sind, und steht sofort im Banne einer ungewöhnlich harmonischen und einheitlichen Raumkomposition. Tie Wände bestehen durchweg aus braunem Eichenholzgetäfel mit in Flachrelief geschnitzten Medaillons. In diese Holzvertäfelung sind die Bilder derart eingelassen, daß sie von den freibleibenden Täfelungen umrahmt, aber nicht überragt werden und so mit ihnen eine einzige Wandfläche bilden. Was die Gemälde selbst — durchweg Neuschöpfungen aus der jüngsten Zeit — veranschaulichen, ist eine großartig schlichte Symbolisierung des Menschenlebens im Spiegel einer frei aufgefaßten bildlichen Evangelienharmonie. Tie ganze linke Wand füllt das — aus einem früheren kleineren Entwürfe m Reproduktionen schon bekannte, hier aber ganz neu geschaffene — Weihnachts-Triptychon, dessen Mittel bild die heilige Nacht in Bethlehem darstellt, während links die Verkündigung, rechts die heiligen drei Könige sich anschließen. Wundervoll klingt hier die nächtliche Beleuchtung der beiden Seitenbilder mit dein bräunlich-goldenen Farben ton des Krippenbildes zusammen, ans dein alles Licht von dem neugeborenen Heilandskinde ausstrahlt und beit dunklest kleinen Stall verklärend erhellt. Tie große Mittelwand mit den beiderseits anstoßenden schrägstehenden Schmalwänden umschließt in fünf — je etwa zwei auf vier Meter großen — Bildern die weiteren Lebenssta tjoneu Christi: Rast der heiligen Familie auf der Flucht, Christus und der Versucher, Christus als Lehrer und Prediger, der Oelberg und Golgatha, alles in einer jedes dogmatischen und historischen Zwanges ledigen Auffassung; die diesen Lebensweg des Gekreuzigten als den Leidensweg des Menschen überhaupt versinnbildlicht. Aie rechte Wand füllt wieder ein Triptychon als Gegenstück zu dem Weihnachtsbilde: in der Mitte Christi Himmelfahrt, rechts die Seligen (eine leuchtende ideale Frühlnigslandschafi mit weißgekleideten und singenden Jünglingsgestalten), links bie Verdammten (eine grau in grau komponierte Szene aus der Unterwelt mit züngelnden Flaminen und rotglühenden üwltennstru- malten). Tas Himmelfahrtsbild selbst ist ohne Zweitel der künstlerische Höhepunkt des ganzen Raumes und von einer em- prägsamen Symbolik, die sich nicht wieder vergißt. Von einer ganz mit Schlüsselblumen übersäten Bergkuppe schwebt der Heiland — Hans Thomas blauäugiger und blonder Christus —, senkrecht nach oben, den Blick emporgewandt, in der Rechnen die Kreuzesfahne, deren rotes Tuch wie zufällig einen Baloachin über seinem Haupte bildet. Unten im Vordergründe »oraontal1 ausgestreckt ruht der entseelt zurückgebliebene Lew als Skelett, zilin Teil noch in das Leichentuch gehüllt: eine fiir die Phantalie


