Ausgabe 
6.9.1909
 
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Freund den Oberst. Er parierte und grüßte. Und Unser Kommandeur rief ihm zu:

Das ist ja ein sehr anständiges Pferd! Wo haben Sie denn den her oder die, es ist ja wohl eine Stute?

Ich habe sie gestern gekauft. Sie stammt aus Ost­preußen.

Der Kommandeur blieb neben mir stehen und beob­achtete. Mir war es, als gebe sich mein Freund ganz besondere Mühe, und ich sah jedesmal, wenn er an uns vorüberkam, daß sein Blick über das Gesicht unseres Vor­gesetzten glitt, der in der Tat nicht nur ein hervorragender Pferdekenner, sondern vor allem ein geradezu außergewöhn­lich guter Reiter war. Es schien nur natürlich, daß sich Morstim in möglichst gutem Lichte zeigen wollte, ganz abgesehen davon, daß der Oberst eben unser Komman­deur war.

In der Mitte der Reitbahn stand ein Hindernis, .eine feste Bretterwand von ansehnlicher Höhe, nicht übermäßig breit, und ohne Fang -an bett Seiten.

Darauf führte nun Graf Morsum seine Stute zu, ge­wissermaßen als Abschluß des Vorreitens, wie.man das gewöhnlich §11 tun pflegt, um nun auch zu zeigen, daß der Gaul ein guter Springer oder doch wenigstens eingesprungen und im Gehorsam war.

Das ist so kavalleristischer Brauch'. Der Kommandeur Wandte sich zu mir mit dem Scherzwort:

Run kommt auch was fürs Auge.

Ruhig ritt Morsum gerade auf das Hindernis los, setzte etwa vier bis fünf Pferdelängen vorher den Gaul in Galopp Und kam bis dicht an die Bretterwand heran.

Ich freute mich schon über die wohlabgemessenen Sätze, als die Stute urplötzlich, als sie sich eben zum Sprunge Site heben sollen, tote angenagelt stehen blieb. Ihr Reiter pte vornüber, aber blieb im Sattel. Er wendete den Gaul, ritt ein Stück zurück, setzte sich zurecht, nahm das Pferd zwischen die Schenkel, orückte es an die Zügel und ritt zum zweitenmal an.

Meder näherte er sich dem Hindernis. Aber dieses Mal war er vorbereitet auf der Stute Versagen und gab ihr kurz davor ein paar scharfe Sporen, so daß sich das Pferd, das wieder Miene gemacht hatte, stehen zu bleiben, hob, um zu springen. Wer es stieß mit den Vorderbeinen an. Im selben Augenblick berührte seine Nase den Sand, Und die Kruppe sauste im Bogen herum. Der Gaul über­schlug sich und lag.

Morsum hatte es fertig gebracht, trotzdem noch im letzten Augenblick aus dem Sattel zu kommen. Er fiel nun, halb auf den Kopf, halb auf die vorgestreckten Hände, rollte sich unwillkürlich zusammen und stand einen Augenblick später wieder auf.

Geschehen war ihm nichts. Er stäubte sich die Uniform ab und sprang sofort zu, daß der Gaul nicht weglaufen sollte.

Die Stute hatte sich erhoben, stemmte alle viere in den Sand, schüttelte sich wie etto Hund nach dem Bad, daß die Sattelblätter klappten, die Bügel klirrten, pustete vor sich hin und ließ sich willenlos beim Zügel nehmen.

Der Kommandeur lächelte schmunzelnd. Der Sturz hatte weiter nicht böse ausgesehen. Besonders angenehm ist ja so etwas natürlich nicht.

Nun aber erwachte in imserm Oberst der Kavallerist Und er sagte:

Lieber Graf, schnell wieder in den Sattel!

Fritz Morsum saß sofort auf, teilte die Zügel, ritt einen Bogen und steuerte von der entgegengesetzten Seite aus das Hindernis los. Er wußte, daß es nun galt, so lange zu springen, bis das Tier glatt hinüberkam. Das war Erziehung für den Gaul wie für den Menschen. Ich bemerkte, wie er einen Augenblick zögerte und sich mit den Zügeln etwas länger abgab, als unbedingt nötig, und ich sah, daß er weiß geworden war wie eine Kalkwand.

Ich meinte, er möchte vielleicht durch den Sturz ein wenig betäubt sein, daher käme die Hautfarbe. Wer schon packte er seinen Gaul an und ritt los. Diesmal holte er etwas weiter aus auf den Rat des Kommandeurs, der jetzt sozusagen Reitstunde hielt, die Bewegungen regelte, Schenkel, Zügel und Gewichtshilfe angab.

Diesmal zog der Gaul förmlich das Hindernis an.

Der Oberst hatte Morsum gewarnt, er möchte vor dem Nusbrechen auf der Hut sein. Und ganz von selbst hatte er

sich seitwärts ausgestellt, bereit, etwa die Arme zu erheben oder dergleichen.

Ich stand an der anderen Seite. Die Stute kam heran und wurde sichtlich kürzer, so daß unser Oberst, mit dem die Reiterpassion durchging, ungedulidg ries:

Nanu, etwas Feuer dahinter!

Ich meinte, es dem Gaul anzusehen, wie er laurig wurde, rechts und links blickte, dem Gebiß auszuweichen und gegen die Schenkel anzudrängen suchte.

Aber Morsum gab ihm noch ein paar kalte Eisen und brachte ihn richtig an das Hindernis. Die Stute hatte zwar ihren Sprung sehr verkürzt, hob sich aber doch noch im letzten Augenblick. Und der Oberst rief:

Na ja: nu Kopf frei: Kopf frei! Donnerwetter l Kopf frei!

Der Reiter gab, als das Pferd wirkliche sprang, die Zügel nach, aber sei es nun, daß er doch etwas verfehlt, sei es, daß es eben die Ungeschicklichkeit des Tieres war, genug: der Gaul klappte wieder an, überschlug sich, und diesmal kam Graf Morsum nicht so recht aus dem Sattel, sondern im Sturz, bei dem seine rechte Schulter heftig den Sand berührte, siel ihm die Kruppe des Gauls auf den Unterschenkel.

Aber er hatte die Zügel nicht losgelassen. Und der Oberst, der immer ein ermunterndes Wort liebte, meinte:

So ist's recht, lieber Graf. Nur den Schinder nicht weglaufen lassen!

Im ersten Augenblick stand Morsum nicht auf, weil das Pferd ihn noch behinderte. Wir sprangen beide zu, um den Reiter frei zu machen. Und der Kommandeur sagte besänftigend:

So, 's ist nichts. Aufs Küie ists nicht gegangen) es schadet weiter nichts. Wir wollen den Gaul schon in Ordnung bringen. Diesmal springt er.

Morsum war aufgestanden. Es schien in der Tat nichts zu feüt, denn er konnte gehen. Er schüttelte sich, trat hin und her. Wer es dauerte noch einen Augenblick, bis er sich wieder auf das Pferd setzte. Und da niir seine außer­ordentliche Blässe auffiel, meinte ich) zum Kommandeur gewendet:

Herr Oberst, ob er nicht schwindelig ist?

Morsum hatte das gehört und ging infolgedessen so­fort auf sein Pferd zu, obgleich seine Augen tief in deuj Höhlen lagen und er, trotz Anspannung aller Nerven, es sich nicht anmerken zu lassen, einen Ausdruck hatte, aus dem etwas wie das starre Entsetzen sprach.

Der Oberst lachte mich aus, während Fritz Morsum einen Bogen machte und den Gaul erst etwas herum ritt:

! Was wollen Sie denn? Da sitzt er ja wieder!

Nun sollte erst gesehen werden, ob das Pferd etwa lahm fei. Deshalb ging Morsum auf das Viereck, trabte seinen Gaul ab. Der Oberst beobachtete:

Er schont nicht! Er schont nicht! Also, nu gleich mal wieder 'rüber mit dem Schinder! Das wäre doch der Teufel, wenn die Bestie nicht spränge. Sie wird schon um ihre eignen KUochen bange sein. Es ist nichts besser für einen Gaul, als wenn er mal tüchtig fällt. Das merkt sich so ein Tier. Nu legen Cie mal einen Zirkel au- . . ., So, hier um das Hindernis herum nu mal wieder eine Volte. ... Nu kommen Sie mal ganz nahe hier vorbei. . - < So ist's recht. ... So ist's gut.

Jedesmal, wenn die Stute sich dem Hindernis näherte,- pustete und schnaubte sie und blickte das Ding verdächtig an. Wer schließlich beruhigte sie sich. Und als sich Morsum gerade in oer Anrittlinie zum Hindernis befand, rief linse« Kommandeur, der sich wieder als Verlängerung des Hinder­nisses aufgestellt:

Los jetzt! Wer ein bißchen dalli! dalli!

Die Stute kam heran, sprang, klapperte sozusagen mit allen vier Hufen dabei an, konnte auf der andern Mite beim Landen auch, wie der Kommandeur sagte, ihre Beine gar nicht auseinander fitzen, aber der Sprung war doch glatt verlaufen.

Nun loben. Nu ist's gut, meinte der Oberst und ging nach ein paar Abschtedsworten ins Kasino,

(Fortsetzung folgt.)

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