war, daß schon seit Jahren keine Mordtat m der Gegend vollbracht fei. Man schrieb noch einmal genauer. Jetzt wurde festgestellt, daß zu der angegebenen Zeit und an dem bezeichneten Orte allerdings ein Toter aufgefunden worden sei, ein Handwerksbursche, der erfroren am Wege lag. Eine gewaltsame Tötung anzunehmen, lagen keinerlei Gründe vor, der Tote habe sein Arbeitsbuch, sowie seine Uhr und seine Barschaft unversehrt bei sich getragen. Auf Wunsch des rheinischen Gerichtes wurde die Exhumierung des To teil vorgenommen, aber auch die gerichtliche Obduktion ergab teilte Merkmale für eine unnatürliche Todesart, freilich war die Verwesung hierzu schon zu weit vorgeschritten. Auch die Brieftasche war an dem von mir angegebenen Orte nicht gefunden worden. Der Vater des Toten, den man gerichtlich befragte, gab an, nichts von einer Brieftasche oder einem größeren Geldbeträge zu wissen, die sein Sohn bei sich getragen.
Ich selbst wußte nichts von all' diesen Ergebnes,en, denn ich lag in wilden Fieberphantasieeu. Eine Gehirnentzündung war mit voller Macht zum Ausbruch gekommen. Der Arzt erklärte, daß die Krankheit sich aller Wahrscheinlichkeit nach schon seit Wochen in mir vorbereitet habe, und daß die Behauptung, meinen Begleiter getötet zu haben, schort eine Fiebervorstellung sei. Vermutlich sei mein Kamerad au meiner Seite zusammeugebrochen, und das Entsetzen darüber habe meinen ohnehin von Hunger und Entbehrungen geschwächten Geist verwirrt. Es sei um so weniger an- zunehmen, daß ich die Tat begangen, da der Tote, wie festgestellt, größer und stärker gewesen als ich.
(Fortsetzung folgt.)
Am dem Lrinnerungs Album,
das Freunde und Kunstgenossen am 28. Jan. Victor H o l l a e n - der zum Jubiläum seiner fünfundzwanzigsten Kompomsten-Lauf- Mj'it widmeten, sei hier einiges wiedergegeben:
Bor etwa 25 Jahren — ich war damals' schon ein in ganz Deutschland unbekannter Schriftsteller — ließ sich ein Herr bei mir anmelden ... ein Name, den ich noch nie gehört hatte. Ein kleines, unscheinbares Männchen war's, bat mich um ein Buch für eine Operette. Ich lachte. Mer er setzte sich ans Klavier Und spielte so lustige Weisen, sang mit einer ganz unsanglichen Stimme so hübsche Lieder.... Aus dem wird was, sagte ich Mir! Ich schrieb das Libretto — er komponierte die Musik dazu! Und ich habe Recht gehabt! Nicht mit der Operette--di e ist
durchgefallen! Aber aus dem Männchen ist was geworden — — Victor Hollaender heißt er!
Gustav Kadelburg.
An Victor Holleander.
Wir waren drei muntre Gesellen, Der Richard, der Alex und Du, Wir schrieben zusammen ein Opus, Der künftigen Spielzeiten Clou.
Die schönste der Operetten Entstand auf diese Manier, Mr Divas und für Divetten Ein Labsal — auf dem Papier.
Sie war so geschmackvoll gesponnen. So reizend instrumentiert, Im Texte so witzig ersonnen. Daß >— keiner sie aufgeführt.
Behütet vor jedem Tumulte, So pflegt sie im Kasten der Ruh, Und immer noch wachsen im Pulte Ihr neue Reize hinzu.
Wir singen nächstens' Tedeunk Dreistimmiges Gloria, Wir feiern das Jubilauut Der schönen „Tulipia".
Wir feiern diejenige, welche Tas Muster an Huld und Geduld, Und gießen drei Pommerh-Kelche Der scheintoten Dame ins Pult.
Alexander Mos-z kowski.
Meinem lieben Victor!
Durch manche Saison
Sah man gemeinsam uns wandern.
8.4 —
Den eiuM M' ,,Bunimel kompagitott" Getreu an der Sette des andern..
i Wir fuhren per „Nvrdexprcß" hinein JuS Reich der Abenteuer, Es waren die „süßen Mägdelein" Uns beiden gemeinsam teuer!
Wir schlenderten „zum Kasino hin". Wo uns flotte „Kusinchen" erwarten. Und pflückten mit brüderlichem Sinn
; Die „Kirschen in Nachbars Garten".
Wir haben „die Herzen der Fran'n von Berlin"
\ Umworben — und reizend war es. Ins Land der „Märchen und Träume" zu zietz'n .Gemeinsam — zum „Manzanares"!
Ich immer mit Dir — und Du mit mir!
Die Mitwelt mag's staunend lesen, Was' wir beide — am Schreibtisch und am Klavier Mr zwei Don Juans gewesen!!
Mit herzlichem Jnbiläumsgrnß
Dein Mitverbrecher ;
Julius Frßund.
Wer so lustig wirkt und doch nie gemein, Ter wird künftig auch semper Victor sein, Und kein Holland in Not des Trübsinns stöhnt. Solang Hollaender in N o t e n tönt.
Louis Herrmann.
Du hast im Lauf Deines Werdegangs
Einen Gailg Dir erkoren:
Du gehst — nicht einem jeden gelang's —’ In die Beine und in die Ohren! .
Rudolph Dchauzer. .
vermischtes.
* Wie sich königliche Diener verhalten sollen. Eine Handschrift des Königs Heinrich VIII. von England, welche sich im Louvre befindet, verzeichnet eine Reihe von Vorschriften, die fite die königliche Dienerschaft maßgebend sein sollen. In der Zusammenstellung heißt es: Der Barbier muß sich stets sehr sauber halten, damit er oie Gesundheit Se. Majestät nicht gefährde. — Der Schatzmeister soll keine zerlumpten Mchenjungeik halten, die halbnackt umherlaufen und die am Küchenherd uml>cr- liegen, um zu schlafen. — Die Diener müssen hinreichende Bürgschaft leisten gegen Entwendung hölzerner Trinkbecher, überhaupt aller Gerätschaften, so Sr. Majestät gehören. — Ta Zinngerät zü kostspielig ist Site den täglichen Gebrauch, soll mit größter Sorgfalt auf die hölzernen Schüsseln und Zinnlöffel geachtet werden. — Kein Junge oder Träger soll für die Bedienung der Diener am Hofe gehalten werden. — Verschwenderische und übertriebene Weiber sollen schleunigst vom Hofe entfernt werden. — Ebenso soll man keine Hunde dulden mit Ausnahme einiger kleinen Wachtelhunde für die vornehmen Damen. — Stalljungen sollen sich hüten, Sr. Majestät Stroh zu stehlen, damit sie cs in ihre Betten tun. Sie erhalten so viel, daß sie Genüge daran haben können. — Zwischen 6 und 7 Uhr haben die mit dem Dienste in den Zimmern des Königs betrauten Diener das Fetter anzuzündetr und Stroh nt den Gemächern Sr. Majestät ausznbreitcn. — Kohlen werden nur verabreicht für die Zimmer der Königin, des Königs und für Lady Mary. .— Die Ehrendamen haben ein Stück weißes Brot und etwas' Rindfleisch als Frühstück zu bemtspruchcn. -- Alle Beamten, die sich verehelichen, erhalten von Sr. Majestät ettt Geschenk, Bedingung ist jedoch, daß sie dem König ein anderes! dafür machen. c-C1
Anagramm.
Rastlos ström' ich dahin durch Schwabens liebliche Gaue: Setzest zwei Zeichen bn um, bin ich ein jagdbares Tier.
Auslösung in nächster Nummer» i ---—
Auflösung des geographischen Verschiebrätsels in vor. Nr.: Böhmen
Harz Paris Sudeten Bern
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brtthl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen-


