— 12
muß innr.cv matt den flüchtigen Bankdivektor suchen mochte, int 'Gefängnis suchte man ihn gewiß nicht. Semen Raub hatte er vorher an einem sicheren Platze versteckt, und ,er würde bald mit ihm verschwunden gewesen sein, wenn chm nicht die Liebe eines jungen Mädchens die ganze Rechnnr-g verdorben hätte.
Goethe in Mesiina nach dem Erdbeben von MZ.
Die furchtbare. Katastrophe, die jetzt Vie unglückliche Stadt Messina fast völlig zerstört hat, iveckt die Erinnerung an, dre arofje Erdbebenkatastrophe vom Jahre 1/83, die damals Meflum zur 5>älfte vernichtete. Als Goethe auf seiner sizilianlicheit, Reise in Messina eintraf, starrtenl ihm überall die grausigen trolgen der Elemeutarkatastrophe entgegen und in seiner ttaliemscken Reise hat er beit Eindruck dieses zerstörten Meglnas festgchaltcn. Er hatte die erste Nacht im Quartier des Vetturins zugebracht und plante, sich am Morgen nach einem besseren Quartier unMisehen. .Dieser Entschluß gab uns gleich beim Eintritt den fürchterlichen Begriff einer 'zerstörten Stadt: baut wir ritten eine Vwrtcl- stunde lang an Trümmern nach Trümmern vorbei, ehe wir zur verberge tarnen, die, im ganzen Iievier allein wieder aufgebaut, iiuS den Fenstern des oberen Stocks nur eine zackige Rumenwuste übersehen ließ. Außer dem Bezirk dieses Gehöftes spürte^ nwn weder Mensch Noch Tier; es war Nachts eine furchtbare stille. Türen ließen sich weder verschließen noch verriegeln: auf mmsch:- licke Gäste ivar man hier so wenig eingerichtet als tu ähnliche» Pferdewohuungen; und doch schliefen ivir ruhig auf einer Matratze, welche der dienstfertige Vetturin dem Wirte unter dem Leibe wcg- geschwatzt hatte." ddoch waren die zerstörten Bauten nicht lötetet errichtet und das eiaeulliche. Leben spielte sich außerhalb der Stadt ab. „Noch dem ungeheuren Unglück, das Mefsina betraf, so schreibt Goethe am 11. Mai, „blieb, nach 12 000 umgekommenen Einwohnern, für die übrigen dreißigtausend keine Wohnung: die meisten Gebäude waren niedergestürzt, die zerrissenen Mauern der übrigen gaben einen unsicheren Aufenthalt. Man errichtete daher eiligst int Norden von Messina, auf einer großen Wiese, eine Bretterstadt, von ter sich am schnellsten derjenige einen Begriff macht, der zu Meßzeiten den Römerberg zu Frankfurt, beit Markt Zu Leipzig durchwanderte; denn alle Kramläden und Werkstätte sind gegen die Straße geöffnet, vieles ereignet sich außerhalb. Mäher sind nur wenig größere Gebäude, auch nicht sonderlich, gegen das Oesfentliche geschlossen, indem die Bewohner manche Zeit unter freiem Himmel zubringen. So wohnen sie nun schon drei Jahre, und diese Buden-, Hütten-, ja Zeltwirtschaft ßat- auf den Charakter der Einwohner entschiedenen Einfluß. Das Ent- feiien über jenes ungeheure Ereignis, die Furcht vor einem ähnlichen treibt sie, der Frende des Augenblicks mit gutmütigem Frohsinn zu genießen. Die Sorge vor neuem Unheil ward am 21. April, also ungefähr vor zwanzig Tagen, erneuert: ein merklicher Erdstoß erschütterte den Boden abermals. Man zeigte uns eine kleine Kirche, wo eine Masse Menschen, gerade in demAugen-' blick zufammengedräugt, diese Erschütterung empfanden. Einige Personen, die darin gewesen, schienen sich von, ihrem Schrecken noch nicht erholt zu haben." In Begleitung eines freundlichen Konsuls durchschreitet Goethe dann die „Trüminerwüste" und beobachtet das Treiben ter Sizilianer, die mit grotesken Lustbarkeiten die Erinnerung an die furchtbare Heimsuchung zu betäuben trachten ober er besucht unter der Führung eines Einheimischen die improvisierten Wohnstätten, mit Bretter beschlagene und gedeckte Hütten, die auf Goethe in ihrer romantischen Buntheit einen Eindruck machen „völlig wie der jener Meßbuben, wo man wilde Tiere ober sonstige Abenteuer für Geld Hetzen läßt." Das prächtige Wetter und der helle Sonnenschein lässt die Spuren des Unheils nur um so schärfer hervortreten und für Goethe bleibt die verwüstete Stadt das „unselige Messina". Die prachtvolle halbrunde Palazzata mit ihren alten schönen Palästen war so gut wie zerstört. „Einzig unangenehm ist der Anblick der fogenannteu Pa- lazzata, einer sichelförmigen Reihe von wahrhaften Palästen die, wohl in der Länge einer Viertelstunde, die Rhede einschließeu und bezeichnen. Alles waren steinerne, vierstöckige Gebäude, von welchen mehrere Vorderseiten bis aufs Hauptgesims noch völlig stehen, andere bis auf den dritten, zweiten, ersten Stock heruntergebrochen sind, so daß die ehemalige Prachtreihe nun aufs widerlichste zahn- lückig erscheint und auch durchlöchert; denn der blaue Himmel schaut beinahe durch alle Fenster. Die inneren eigentlichen Wohnungen sind sämtlich züsammengestürzt. Au diesem seltsamen Phänomen ist Ursache, daß, nach der von Reichen begonnenen architektonischen Prachtanlage, weniger begüterte Nachbarn, mit dem Scheine wetteifernd, ihre alten, aus größeren und kleineren Flußgeschieben und vielem Kalk zusammengekneteten Häuser hinter neuen, aus, Quaterstücken aufgeführten Vorderseiten versteckten. Jenes, an sich schon unsichere Gefüge mußte, von der ungeheuren Erschütterung ausgelöst und verbröckelk, zusammenstürzen >, wie man denn unter manchen bei so großem Unglück vorgekommenen wunter- haren Rettungen auch folgendes erzählt: der Bewohner eines solchen Gebäudes Jet ßn furchtbaren Augenblick gerate in dis Mauervertiefung eines Fensters getreten, das Haus aber Hinter
Wir völlig MamMngestÜrzl; und so habe er, ül der Höhe gerettet, den Augenblick seiner Befreiung aus diesem luftigen Kerker beruhigt übgeivartet. Daß jene aus Mangel naher Bruchsteins so schlechte Bauart hauptsächlich schuld an dem völligen Ruin der Stadt gewesen, zeigt die Beharrlichkeit solider Gebäude. TaS Jesuiten-Kollegium und die Kirche, von tüchtigen Quatern aufge» führt, stehen noch unverletzt in ihrer anfänglichen Tüchtigkeit. Dem; sei aber, wie ihm wolle, Messinas Anblick ist äußerst verdrießlich und erinnert an die Urzeiten, wo Sikaner und Siküler diesen unruhigen Erdboden verließen und die westliche Küste SizilienZ te* bauten." __
Vermachtes.
" AlHahrSncichl. In der illustrierten HalbmoncstS» schrift xDie Schweiz" (Verlag der Schweiz", A.-G. Zürich) lesen wir baS folgende hübsche Silvestergcdicht von Alfred Huggenbergert
Das letzte liebe Fest im Jahr ’** Will ich in meinem Heim begehen. Kein Bild so rein, fein Licht so klar Ais Augen, die mich ganz verstehen.
Auch mir ging oll in Lärm und Luft Vorbei die ahmmgSreiche Stunde — Ich hab' es heimlich doch gewußt: Tas Gold liegt tiefer aui dem Erunds.
Ein leises Wort, ein Druck der Hand .Kann ein Geschenk von Gott bedeuten. Wir blicken in ein stilles Land Und hören <evtt die Glocken lauten.
DaS Jahr bat uns nicht reich gemacht, Das neue weiß von Sorg' und Mühen — Ich seh' in rauher Winte'ruacht Vor meinem HauS die Rosen blühen.
* Eine „Bekanntmachung" ganz eigener Art flutet sich in ter Jenaischen Zeitung vom 16. v. M> Dori steht also zu lesen: Bekanntmachung. Um der Stätte meiner rastlosen Arbeit näher zu sein, habe ich meine Wohnung von Pauli neu- stmße 11 nach teilt unteren Löbtergraben 17 verlegt, was ichi meinen lieben Freuuteit, werten Hoflieferanten und Gläubigern, vor allem aber den so überaus geschätzten Herren Geldbrief-- trägem hierdurch geziemend zur Kenntnis bringe. Ich gebe! mich der angenehmen Hoffnung hin, in meinem netten trauten Heim von den letzterwähnten Herren recht oft, von meinen wertens Gläubigern aber möglichst selten aufgesucht zu werden, und möchte diese Herren auch bitten, Ware stets nach meiner neuen. Rech > nimgert dagegen, und besonders Tret- und Mahnbriefe, ruhig weiter nach meiner tagten, zurzeit leerstchentett Wohnung senden! zu tvvllen. Egbert Caesar, sind. med.
* Der Entschuldigungszettel. Der Lehrer eines sticherschlesischen Kleinstadt sendet uns folgende Blüte eines Schul« Entschuldigungszettels: „(teertet Her Lerer. Ich wollte sie ser bitten nich so nitertrechtlich zu sein und keine Strafe schreibeit denn ich muß meinen Karl wegen morgen zu hause halten weil ich mit dem Schwein in die Statt faren muß Ich will es bet die Sau bringen deSwechen kamt er nich nach schule kommen. Hochagtungsfol der Batet.
* Ans der Vergnügungsreise. „Sie sagten dochj, Sie seien verheiratet: warum reisen Sie denn nicht mit Ihren Frau?" — „Ja, sehen Sie, mein Fräulein, das ist so eine etg'ne Sacke. W ist nut das halbe Vergnügen und kostet das Doppelte!" ___________
Charade.
Wohl freuen sich der ersten die Tiere viel, Doch ahnen sie nicht ibr blutiges Ziel. Ter Mutter Erde die zweite enliprossen, Ragt doch mit den Armen zum Himmel an; Ist schlank sie unb kräftig emporgeschossen, Man leicht zu dem Ganzen sie brauchen kann hin Auflösung in nächster Nummer. £
Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummert Els Rabe Seni Taler Eiögrub ReiS Birne Al,ab Loge Lott Ural Rimro»
Erster V a l l und Liebesbrirst
Redaktion: E. Anderson. — Rotationsdruck und Verlag bei Brützi'schrs Ihttottfttäti• Buch- und ©umöcwtterst, R, Lange, Gieße«.


