Mittwoch den H. Januar
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Maria Hendrina von Coch.
Novelle von Luise S ch ulze - B r li ck.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
AuS der Kiichenttir kam ein kleines zierliches Geschöpf, braun wie eine Brombeere. Ihre großen, fast schwarzen. Äugen hafteten funkelnd neugierig auf den Fremden. Dann reichte sie schnell Beert die .Hand, während sie Hendrina immerzu ansatz.
„Des is bei Büsche," stellte der Vater vor. „Die guck' der emol an, des is ä anner Mädche tvie du. Do kennt mer gioci von bet’m Kaliber d'raus mache. Nu freund euch zefammr jan. Die Hendrina kann dir ja helfe fors Middagesse sorge, Und hol' und fix entöl ä orntliche Schoppe ans'm Keller. Des Rheiuzugehe des macht Dorscht."
Das kleine braune Mädchen sah lacheird zu Hendrina auf. „Du bischr die Hendrina van (rudert, gelle?" Sie zeigte ihre weißen Zähne. „Der Beert hat mir als von dir verzählt. Das is schee, daß du da bischt, allctveil g'rad zur rechte Zeit. Wann der Nhei zugefrore is, da is es luschtig tu Mnge. Do gibt? alle >Dag Spaß. Um nägschde Woch is Ball. Do gehscht du mit." Sie sah schelmisch bedenklich auf das blonde, große Mädchen. „So eins wie dich soll mer freilich nirgends hin mitnemme! Du stichst ei'm ja üwerall aus. Awwer das schad nix!"
Bald saßen die Männer in der kleinen blanken Stube um den Tisch, aus dem ein mächtiger Steiitkrug mit einem guten Trunk aufgepflanzt war.
„Eige Gewächs!" sagte stolz der Steuermann. „Ult Net vum schlechteste! Dä geringe verkaufe ich. Dä guhde gönn ich mir selwec. Ich hawwe 's ja dcrzu! Des äöne Kind, die Hildegard, des Hot emol genug. Sei Muttcrschdeil kriegts wanns heirot't, uff mei Sach, do muß es noch warte. Will's Gott, noch recht lang! 's Leewe is vill zu schee, als daß mer so schnell abflattere soll."
Der alte van Endert zog ein schiefes Gesicht.
„Spiel dich nich e so auf." Sein singendes Niederrheinisch stach wunderlich von des andern rascher Rede ab.
„Wieso? Uffspicle? Warum?"
„'s gibt keiner gern was eraus! Auch 's Mudderdeil nich!" Steuermann Weingärtner lachte.
„Du mcchtsch dich wohl am liebsten uff der Hendrina ihrs sehe im es ausbrüte! Ra wart, wann du e Schwiegersohn kriegfcht, der wird dir schon die Weg weise."
„'n Schwiegersohn! Tie Hendrina is ja noch 'n halbes Kind. Und die nimmt den, den ich ihr aussuch'!"
Beert machte eine Bewegung. Liber der Binger lachte, daß er fast blau im Gesicht wurde.
„E nett Kind, wahrhaftig! Sv c groß stramm Mädche! Achtzehn is se ja wohl! Die sieht auch gar net aus, als ob so sich eine blinge ließ. Die is ein vun da Stille! Die hot was vnn dci'm Charakter mitkricgt. Ihr Mutter, jo, die hot sich den van Endert bringe lvsse, awwer die do? Irr' dich nik, Endert, uit bild' dir nix in, do. Wägt der auch nix fehl." __
Er blÜMlte ihn verschwitz an.
Der alte Niederrheiner machte ein verärgertes Gesicht. Aber hM focht den anderen wetüg an. Er lachte noch lauter.
„Glaobs wohl, daß dir das net haßt. Ae schecne Klumpe hat bei Fra« fir das Kind hinne gelosse! Fufzeh dauscnd Gulde «s de Stipp. Die böschte ja wohl mit in die „Maria Hendrina" eneigestoche?"
Der alte van Endert bekam. eine spitze, weiße Rase vor Zorn. Er hatte es nicht gern, wenn man sich in seine Sachen mischte. Und nun gar in diese Geschichten. Was brauchte der Beert zu wissen, wie viel der Hendrina zu kam! Welchen Anteil sie am Schiff hatte. An seinem Schiff, der „Maria Hendrina von Goch". Das tvar alles früh genug, wenn die .Hochzeit festgemacht tvar zwischen Beert und der Hendrina, wenn er erst alle Vorteile für sich herausgepreßt, sich die Oberhand und dm Hanptanteil gesichert hatte. Was der Schwätzer von einem Schwiegersohn schwatzte, focht ihn wenig an. Die Hendrina mußte folgen, mußte den' nehmen, den er ihr brachte. Konnte sie denn nicht zufrieden fein mit dem Beert? Gab es noch einmal am ganzen Rhein einen' so staatseu Jung? Wie er da saß so stattlich und gelassen, die braunen Augen unter der weißm Stirn blitzten, während der übrige Teil deS Gesichts braun verbrannt war, der blonde, weiche Schnurrbart über den roten Lippen mit den blanken, weißen Zahnen, tvar er da nicht ein Bild von Mannesschönheit? Mußte die Hendrina nicht mehr als gern solch einen Burschen srei'n? Ein tvenig still und in sich gekehrt war er freilich, und es schien fast, als würde er alle Tage stiller, man mußte ihm fast jedes Wort abkaufen. Aber tvar das nicht immer besser als solch ein Binger Spektakelmacher? Er tvarf einen zornigen Blick auf den Weingürtner, doch der ließ sich nicht aufechten. Er goß sein großes GlaS voll und schmatzte befriedigt.
„Ae fei Woiche! 97er! Jo, das war ä Jahrgang! So kriege mer so ball keine meh! No 's heißt jo immer: zu 'er Nhei — guter Woi'! Wanu's nur desvol auch zutreffe dhätl 's letschte Mol, tvie der Rhei zugange war, do is es auch inge- troffe. Weschte noch, Endert? Grad uff de Dog tvie desmol, der Dag vor Silvester. An Kalte tvars do, die Spritze sin vun Dach gefalle. Un knapp tvie e zu war, da hot's Tauwetter gerne, tut kaum Hot mer gemeent, mer kennt enüwwer, da is auch schau Eisgang komme, un so schnell is es gange, un so mächtig is es Wasser komme, daß die halb Gerbhausgass' ball fortge- schwömme toär. Weeßte noch?"
Nun vertieften sich die beid n in Erinnerungen, Beert saß still dabei. Immer sah er die Hendrina vor sich, wie sie ihren Baker anklagte und auch ihn. Wo hatten denn auch der ?llte und er ihre Augen und Gedanken gehabt! So ein junges Ding mußte doch auch eine Jugend haben. Man konnte sie doch auch nicht einsperren wie in ein Kloster. Ein Wunder tvars ja eigent- lich, daß sie nicht eher aufbegehrt hatte, Sie hatte wie im Dämmerlicht hingelebt. Jetzt regt sich das junge Blut, und auch das Blut ihrer Mutter in ihr und begehrte sein Recht. Beert seufzte, Mas würde jetzt werden? Er sah es deutlich genug vovaus. Mm KW heute Morgen schon der Anfang gewesen?, Mv fvenjfrg


