Ausgabe 
5.8.1909
 
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Napoleons Uebergetvatt eröffnete: es iffl di« unter dem Rainen derSachsenklemme" bekannte Aufhaltung und teilweise Ver­nichtung der hauptsächlich aus deutschen Kontingenten bestehenden Division des General Rouher in der Eisackfchlucht. Irr seinem grundlegenden neuen Werk über Tirols Erhebung im Jahre 1809 gibt Josef Hirn eine anschauliche Schilderung dieser aufgeregten Szene. Rach der Schlacht bei Wagram war zwischen Napoleon! Und Oesterreich der Waffenstillstand von Znain geschlossen worden, in den Tirol nicht eingeschlossen war. Napoleon wollte an diesem kühnen Banernvolk, gegen das seine unb seiner Bundesgenossen Truppen schon zweimal den kürzeren gezogen hatten, einExempel statuieren" und schickte ihnen den Marschall Lesebre ins Land Mit dem grausamen Befehl,150 Geiseln zu fordern, wenigstens 6 große Dörfer sowie die Häuser der Führer zu plündern und niedcrzubrennen und zu erklären, das Land würde in Blut und Eisen aufgehen, wenn nicht alle Gewehre, wenigstens 18 000, abgeliesert würden". Äefebre zog am 30. Juli in Innsbruck ein, erließ ein Manifest, das Unbedingt die Unterwerfung forderte, leitete strenge Untersuchungen ein und ließ zwei zufällig auf­gegriffene Bauern hinrichten. Biele der Anführer der Freiheits- bewegung verzweifelten und schlossen sich den abziehenden äiester- reichern an. Rur der Sandwirt Hofer hielt treu am Kampf für die Heimat fest und bat und beschwor die Genossen, zu bleiben und sich zu wehren. Nur bei einem, aber bei dem tüchtigsten, fand diese Bitte Erhörung. Als S p e ck b a ch e r auf einem Transport­wagen bei Bruneck an ihm vorüberfuhr, rief Hofer ihm zu: Seppcl, Sie führen sich in die Schänd!" Da kehrte Speckbacher um und weihte sich wieder mit Herz unb Hand dem Freiheits­kampfe. Und bald sollte er Gelegenheit haben, seinem Vatertande einen großen Dienst zu erweisen. Lefebre begnügte sich nicht mit der Besetzung der Hauptstadt, sondern sandte den General Rouher mit den sächsischen Kontingenten, dem 4. ^bayerischen! Chevaux-Legers-Regiment und einer Batterie nach Süden, um den Brenner überschreiten. Am 4. August morgens brach er gegen Britzen auf, um sich hier mit den befreundeten italienischen Heereskräften zu vereinigen. Um dies zii verhindern, hatten ;icf) unterdessen Haspinger, der Mahrwirt Peter Mahr und der Kreuz- Wirt Martin Schenk vereinigt. Mit der Schnelligkeit eines Blitzes ging ihr Gebot:Zu den Waffen!" von Ort zu Ort: die Lturm- glocke sammelte die Schützenkompagiiien, die Geistlichen riefen von den Kanzeln zum Kampf auf. In Weitental zündete der Kurat Lantschncr das längst bereitgehaltene Kreidefeuer an, so daß binnen 5 Minuten jeder Streitbare auf allen Berghütten sein Arbeitszeug wegwarf und zum Sammelplatz lies". Mit Haspinger und dem Mahrwirt tvar unterdessen Speckbacher zusammeugetroffen, der die Anlegung von Verhauen und die Aufrichtung von Stein­lawinen anordnete nnd die Verteidigung organisierte. Die Vorhut Rouher, die sächsischen Bataillone, zogen nun mit klingendem' Spiel in die ihnen gestellte Falle, entfernten mehrere der Ver­haue und drängen trotz namhafter Verluste tapfer vor. Als sie mitten in der Eisackschlucht an der Peißerbrücke ankommen, tvird die Brücke in Braud gesteckt und ein verwegener Reiter, der noch über die lohenden Bretter sprengen will, bricht durch das halb- verkohlte Gebälk und verschwindet in den Wogen des Bergstromes. IN der Nacht sind die Sachsen eingekeilt; sie entbehren jeder Verpflegung und sind von Rouher verlassen, der um Mitternacht seine unverletzten Streitkräfte nach SterziNg zurückzieht. Die Sachsenklemme" ist fertig. Nächtliches Sturmgeläut zaubert neue Stürmermassen herbei, die die Bataillone umschwärmen; wer jetzt noch von Frieden sprechen will unter den Tirolern, wird arretiert. Am 5. August ist die Not der armen Sachsen aufs höchste gestiegen, immer neue Opfer werden durch das nun fast 36 Stunden währende Gewehrfeuer gefordert; sie leiden unter gnülenbem Durst; die Verwundeten sterben rasch ohne Pflege. Mit dem Mut der Ver- zweiflung versucht ihr Kommandeur Egloffstein einen letzten Durch­bruch nach SterziNg und kommt, während feine Truppen durch un­ausgesetzte Attacken Speckbachers dezimiert werden, auch glücklich bis zur Feste Sprechenstein. Kugeln und Steine haben klaffende Lücken in seine Reihen gerissen. Ein Bataillon aber, das die Eisack überschritten hatte und bei Oberau stand, war direkt den Tirolernauf die Schlachtbank geliefert". Tapfer hielt das Häuf­lein bis in die Nacht zum 6. August das verheerende Gewehrfeuer aus; endlich wurden die Häuser, in beiten sie sich verschanzt hatten, erstürmt und die Ueberlebenden gefangen genommen. Bon den 2000 Sachsen, die 2 Tage vorher den Marsch gegen Britzeni ängetreten hatten ,wären mehr als die Hälfte gefallen, verwundet Und gefangen. So war die Einsackschlucht zur Sachsenklemme ge­worden und der Vormarsch der französischen Truppen vereitelt.

Vermlsehtes.

* Theodor Storm hat länger als ein Jahrzehnt, dem Drucke der dänischen Gewaltherrschaft weichend, fern von der geliebten Holsteinischen Heimat weilen müssen. Die wundervollen Briefe, die er während dieser Zeit als preußischer Assessor und Kreisrichter von Potsdam und Heiligenstadt aus an seine Eltern gerichtet, und die neuerdings seine Tochter pietätvoll heraus­gegeben hat (Theodor Storms Briefe in die Heimat, Berlin, Verlag von Karl Curtins) gewähren einen tiefen Eindruck in das reiche Gemütslebeu des Dichters und legen auch Zeugnis von der Menschenfreundlichkeit und Vorurteilslosigkeit ab, die ihn beseelten. So schreibt er am 20. September 1863 an seine Eltern (Seite 200); Unser älter Hans (Storms Sohn) ist nun fest entschlossen, Tech­niker zu werden. Dies definitive und rasche ANgreifen der Sache verdanken wir einem ueuerworbenen jungen Freunde, Herrn Lud­wig Löwe in Berlin, Inhaber einer Maschinenfabrik, einem Juden, Sohn des hiesigen jüdischen Lehrers, eines armen, kinderreichen, aber sehr braven Mannes. Dieser Sohn er ist jetzt erst 25 Jahre alt ist in geistiger wie in sittlicher Hinsicht eine Art Seltenheit. Nachdem er hier aus Sekunda abging, wurde er zum Kaufmann ausgebildet und machte sich daun durch eigenes Studium zum Techniker, derart, daß er jetzt ein wissenschaftlich's Werk über Technik herausgibt. Er ist von einer Noblesse nnd Feinheit des Wesens und der Erscheinung, daß selbst die mit starker Judenantipathie ausgestattete Frau v. Wnssow (die Gattin des Heiligeiistadter Landrates) sich gänzlich überwunden erklärte, als sie einen Abend mit ihm bei uns zusammen wär. Mit 19 Jahren stand er einer großen Blechfabrik vor; ich meine in Frankfurt a. O. Nachdem er durch ein höchst energisches Ein­greifen die Fabrik und den Besitzer bei einem entstandenen Brande gerettet, mußten aus Anordnung des Kommandanten ihm von bett Wachen dieselben militärischen Ehren gemacht werden wie einem Offizier, so lange er dort war. Bei seinem Fortgang brachten die 300 Arbeiter der Fabrik ihm einen Fackelziig, und als er am anderen Morgen in bett Eisenbahnwagen stieg, meldete sich eilt Unteroffizier int Auftrage des Kommandanten bei ihm, der ihn als Ehrenwache zur nächsten Station begleiten sollte. In Berlin, wo er seit zwei Monaten etabliert ist, bewegt er sich in den bedeutendsten Kreisen der liberalen Partei Böckh, Stahr, Lassalle usw., dabei ist er der Restaurateur und Chef des ganzen Berliner Turuweseus; Pietsch sagt, Ludwig Löwe ist eine Macht, er kamt 4000 Arbeiter kommandieren. Noch ehe er etabliert war, nahm er zwei seiner Brüder nach Berlin und sorgte ganz für sie, wie er für den noch hier auf dem Gymnasium befindlichen, daS Schulgeld zahlt. Als Bismarck das Säbelgerassel in betreff Schleswig-Holsteins machte, meldeten sich viele seiner Turner tvemr er mit ihnen ziehen wollte, als Freiwillige, was er tljnert auch zusagte. Es wurde natürlich nichts daraus Daneben ist er Präsident einer BezirksvorsteherversüMmlung,, Mitglied Gott weiß welcher philosophischer Gesellschaften, nut einem Wort, ein selten begabtes Menschenkind. Ich habe diese Dinge nicht voN ihm, denn er tritt mit der Bescheidenheit eines vU>ngl>ngs auf unb spricht in biefer Weise nie von sich selbst. Da er ein uw» Haber meiner Schriften ist, machte er mir, da er neulich seine Familie besuchte, seine Visite, unb ba er uns wie allen McuM.u ausnehmend gefiel, veranlaßten wir ihn, während seines drei­wöchentlichen Aufenthaltes öfter za uns zu kommen, und dabei hat er sich denn mit der lebhaftesten Zuneigung an uns geschtosten und Namentlich aus Hans einen lebens frischen und anregenden Einfluß ausgeübt." In dem Briefe vom 8. Februar (Seite 217) heißt es:Neulich hatten wir unseren jungen, manchen Freund Löwe wieder einige Tage hier unb hatten ihn habet noch lieber gewonnen." Subluig Löwe, von dem ber Dichter in 1» rühmenden Worten spricht, ist der Begründer der großen ber­liner Maschinenfabrik, der heute noch unvergeßliche, laugmyuge liberale Parlamentarier.

Kreuzrätfel.

--------1 In die Felder nebenslehendcr Figur sind die Buchstaben a a ccccdd ee lihlih iii ... j|mm nnnn oooo oorrrrrsttt u n derart einzutragen, daß die wage- rechten unb senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes ergeben- 1. Form der Kirchenmusik.

2. Veralteten Frauennamen.

3. Bezeichnung für wichtige, aber uiiberühmte Sänger-

______ innen.

Auflösung in nächster Nummert

Auflösung der Charade in voriger Nummer:

D o n a u w o r t h.

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