Ausgabe 
5.8.1909
 
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Dr. Ei.

noch nie nicht schattiert. Was red' ich mir da ein? Ehnder ich den Garten fremden Lent' überlass', da müßt's noch ganz anders kommen. Ja, ist's dann ein Minder, daß nran so herunter ist, wann man so was durchgemacht hat? Du lieber Gott, wie die Zeit vergeht! Heut' sind's vier Wochen, seit sie ihn hinansgetragen haben. Und Johanni wird s schon ein Jahr, daß die Hochzeit war. Wann ich's noch einmal zu tun hält'! Hintennach kommt die Ver­nünftigkeit."

. Sie fuhr mit der Schürze über die Augen. Ihr Blick glitt matt über das blühende Gelände hin. Da staiid alles im Festtagsschmuck, da war allenthalben Leben und Be­wegung. Hoch in der Eschenkrone hatte der Goldammer wieder sein Nest gebaut und sang wie im vergangenen Sommer:

's ich is, is früh, 's is, ich is früh!" Die Meisterin schüttelte wehmütig den Kops.

Du machst mir nichts mehr weiß da droben. Ich bin zii Verstand gekorninen. Für mich ivar's halt zii spät!"

E ich ich rs früh," klang es wieder aus dem Gezweig. Die Meisterin aber mochte den kleinen Spötter nicht mehr hören, erhob sich und schritt langsam dem Hause zu.

Die Gchmdheitspflege in der Sommerfrische.

. Ä Die Ferienreisenden, die hochanfatmcnd die Mühen und Sorgen des Werktages hinter sich lassen, haben zunächst noch das Fege­feuer der Reise zu überstehen, bevor sie in das Paradies der Sommerfrische gelangen. Diese Stunden in der Bahn sind mehr oder ivemger nnhygienisch,- doch noch leichter ans der Hinreise Ms auf,der Rückreise zu ertragen. Ein notwendiges Uebel sind K hte sich der Wohlhabende durch Uebergang in die nächsthöhere Masse etwas erleichtern kann, die aber durch die Fahrkartensteuer m recht nngmistigem Sinne beeinflußt wird. Tenn die Ab- wanderuüg in die dritte Klasse füllt die Abteile immer Mehr. Auf der Riickrcisc ist das^ besonders peinlich, weil die Strapazen Und Mißheiligkciten die schöne gebräunte Farbe des Gesichts rasch verwischen und weil die an gute Lust gewöhnten Lungen die ver- vranchte Luft dann um so unangenehmer empfinden. Hier gibt es tm allgemeinen nur .ein Mittel: nicht zn' weite Reisen für erne verhältnismäßig zu kurze Zeil! Die Länge der Fahrt muß Mit der Langendes Aufenthalts in einem veriüiiistigeii Verhältnis stehen. Aber oagegen spricht wieder etwas anderes: diejenigen, vw sich nur kurzer Ferienzeit erfreuen u. die in der Nähe keine Höhen haben, werden weiter fort müssen. Dann fahre man rasch und vegnemt die paar Mark, die der D.-Zug mehr kostet, werden durch gesimdheitliche Vorteile reichlich ausgewogen. Wollte man sic.) nur ui bet jcälje be§ inK fc&en, fo kann man

besser zu Hanse bleiben. Denn es fragt sich sehr, ob die Un­bequemlichkeiten der Somnrerwvhnung dann wirklich durch ihren. Nuhen on'gewogen werden. Denn oft genug wird man es am eigenen! Serbe spüren müssen, daß Ruhe und bessere Luft allein Nicht den ganzen erwünschten Erfolg der Sommerfrische bringen, N«il die nötige Luft Veränderung fehlt. Nicht jeder ist gleich empfänglich und empfindlich dafür, aber für viele ist die Kiinatische Vcrandernng gerade der Faktor, der ihrem SßW neue wilhing gübt, dre Leoensgerster ausfrischt Und die Nerven stählt.

der Lee und des Gebirges beruht zu eineM!

Mwßeu Teil auf dieser Hebung der Blutzirkulation durch die 1 5?"hch fine Fußwanderung kann glislosen, namentlich für die Angehörigensitzen- b« Beruft. Die erforderliche Lnstverändernng hängt aber elbst- verstandlich nicht lediglich von der Weite der Entfernung der Sommerfrische vom Hauptdomizil ab. Wer so glücklich ist See oder Gebirge in der Nähe zu haben, erreicht das Gewünschte ost Mit ganz kurzen EntfernungeU: denn westn er in die Höhe steigt hat er schon bald Klimaveränderung, und die Seeluft aeiväbrt siü gegenüber dem BinNenlande ebenso.

Aber die besondere Hygiene der Sommerfrische hat noch ein Seiten. Je nachdem, was man vvn der Reise er- luckn^'^w Jontmt, Anregung und Bildung

bliickluh ist, für die Gesundheit nichts besonderes nw ^llLbet stLstr unhygienisch und doch zweckmäßig durch

dm. Besichtigung von Städteii, Museen, historischen Stätten die- Spaniikiajt, die er haben will. Andere und die anie Lwi ,Abgeschiedenheit und Erholung in

rrn»TtP?t gesundheitliche Bedürfnisse eines

ist das Einholcn ärztlichen mates uUc^latzlw). Der bloß vom tnalickun Aus and Pww-,- Murde gemachte Naturmensch, der sich seinen Ruhr- mtb Lnst- reckro^Deu^'^ Ä'((ätF gewöhnlich in ein ländliches Biloiii rettro. Denn außerhalb der großeii Bade- und Gebirgshotels bei denen von einer besonderen SomMerfrischen-Hygiene kaum

xr 1^$eM der ländliche Aufenthalt, der

dstn?o^sundheülicher Hinsicht vorzugsweise Berücksichtigung ver-- "'E^nen, den Blick durch leichtbewegte -matier ms Mail des Himmels gerichtet das löst die Nerven- spannung iind tut gut für Auge und G<Nnit - aber man üga

Die Sachsenklemme.

(Zum 4. und 5. August.)

Der 4. und 5. August rüst eine denkwürdige Episode aus den Tiroler Freiheitskampfen des Jahres 1809 uns in die Erinnerung, Mit der das tapfere Bergvolk seinen dritten Befreiungskrieg gegen.

j W immer eine Ivoklette Decke, mindestens den Mantel Man nehme sich überhaupt imwer ein paar Winterkleider mit und vergesse auch einige Hausmittel sowie Verbandzeug nicht. Man werche auch mcht gar, zu sehr von den sonstigen Geivohn- heiten ab. Faulheit stärkt die Glieder. Wer aber abnehmen >vil!, Nniß viel laufen und soll nicht mehr als gewöhnlich essen und umgekehrt. Das sind ;a alles bekannte Dinge.

^ß mit dem Landaufenthalt auch mancherlei hygienische Gefahren verbunden sind, weil die hygie- vischen Verhältnisse auf dem Lande keineswegs so einwandfrei ls^d, ww man sie sich bei derguten Luft" auf dem Lande vor- #t r ist schon an sich von ganz verschiedener Gütc^

Mdrikarilagen m der Nahe, etwa in schönen Tälern, staubige Loi.chtiaßen, Eilenbahnen beeinträchtigen den Ozongehalt und die Reinheit der Luft ganz beträchtlich. Je nach der Beschassen- heit des Brennmaterials, das in Rauch ausgeht, ist die Ein­wirkung auf den menschlichen Organismus verschieden. Schwesel- verbindrmgen und Kohlenstoffverbindungen sind besonders schäd- lich, sei es nun, daß sie direkt die Lust verschlechtern, sei es! oatz ,ie die Nebeloildung begünstigen und die reinigende Kraft der SoNneustraUen abhalten. Also bei der Wahl der Sommer- sriiche weg von der Bahn und von Schornsteinen) weg auch von den Lagen, die gemäß der Hauptwindrichtung (in Tälern!) den I A^brrauch des ganzen Ortes zn schlucken haben! Aber auch fvbg I £{5. , Der Staub der Landstraße ist durchaus

nicht indifferent. Wieviel Verwesungsprodukte ans dörflicher Straße juy versammelt finden, davon gewinnt man erst den rechten Begriff, wenn etwa das Kind auf der Landstraße hin­sollt und sich eine Wunde reißt. Da wird man in vielen Fällen lmA die Wunde durch den Straßenschmutz infiziert der Landstraße nimmt aber noch erheblich an MNdlicher Wirkung neuerdings zn, weil er nicht Mehr nur durch Wind, und ivenige Wagen, sonderii durch die rasenden Automobils weittnn verichleudert wird, überdies vermehrt undverschönert" durch den Benzingestank.

Geht man aber weiter, weg von dem dörflichen Verkehr mit seinen unreinlicyieiten, seinen Abwässern und seiner Staub- mtivicklung, so entflieht 'man damit noch nicht beit unhygieuischen mbäuerlicher Wohnungen und Wasserversorgung. Tr. Roth, der in einer Lchrift überLändliche Hygiene" bei der Betrachtung der Gesundheitsverhältnisse auf dem Lande zu einer reckst ungünstigen Beurteilung desgesunden Landlebens" kommt, macht nameiitlich auf die Gefahr der Whe der Düugerstätte und der rn der Nahe von Jauchegruben gelegenen Hofbrunneii auf- Ja9t/-Je weniger sorgfältig die Entfernung ^c-, WEofft gehaichhabt wird, uiii so näher liegt die Gefahr, daß Krankheitskeims durch den Verkehr von Mensch und Tier wie durch Vermittlung des Wassers verschleppt werden." Der Luden und Westen Deutschlands stehen hinsichtlich der Wasser- versorgniig hoher als der Norden und Osten, lieber schlechte Beschaffenheit der Einzelbrünnen wird viel geklagt. Wer also nicht, wie im Gebirge, kristallklares Oüellwasser beim Hanse findet, der sollte namentlich die Wasser Verhältnisse genau in Augenschein nehmen, ehe er für mehrere Wochen mietet Die Lage von der gesunden Luft des Kuhstalls soll auch zum alten Eilen^geworftn werden. Ländliche Unterkünfte dicht beim Knh- lUii> ^SWlnestall sind schon wegen der Lust und dann auch wegen der al» Krankheitsübertrager in Betracht kommenden Fliegen und E"rer Ungezieferarten zu vermeiden. Wer also eine beschaulich stille linterkniist rn ländlicher Ruhe liebt und den großen Hotel- betneb zu vermeiden spünscht, der sehe sich die Wohnung auf die angegebenen Eigenschaften hin sehr genau an, wenn er nicht Oie gute Wirkung seines Sommeraufenthalts verscherzen will Denn in den unvermeidlichen Regentagen ist man ja doch auf -^"ss'uer angewiesen und man wünscht in der goldenen! ms Wohltat des Bettes ausgiebiger zu benutzen

^duchüat man nicht kennt, trinke man mil besten überhaupt nicht. Die Milch aber geht jetzt meist in die und ui die Hobels so daß es- bei ländlicher Unterkunft schwierig wird, gute Milch zu bekommen. Also auch darüber vergewissere inan sich, damit man keinen Enttäuschungen »ns- gesetzt ist Daß man im übrigen auf gute Verpflegung sieht, braucht rncht besonders betont zu werden.

Es ist also, wie man sicht, für deii Städter gar nicht so leicht, eine geeignete Sommerfrische zu finden, wenn er nicht E großen Heerstraße und dem Hotel!- und Pensionsbetrieb sich ausliefern will. Aber es ist auch nicht so, daß man verzagen und zu Hause bleiben solle. Es gibt iwch der schönen und sau­beren Ltatten genug und der Linn unserer AusWhrnngen ist viel­mehr der, daß man bei der Sluswahl mancherlei in Bettacht zielun möge, was leicht übersehen wird. Wald, Wiese und Bach das ftnd die drei Hauptfaktoren der Reinhaltung der Lust und diö Bürgschaften für eine gesundheitliche vollkommene Sommer­frische. - "