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feit ausbreitete: bald nach 450 dürfte die gesamte hellenische Kültnrwelt allgemein gemünztes Geld gebraucht haben. Oft aber erhielt sich auf diesen ältesten Münzen die Erinnerung an die früher gebrauchten Zahlungsmittel durch die ihnen ausgeprägten Bilder, iuie sich auch in Sprache und Sitte mancherlei Anklänge an den Gebrauch der Vorzeit lange erhalten haben. Allgemein anerkannt ist die Ableitung des lateinischen Wortes pecunia (Geld) von Perus (Vieh), und die zahlreichen sehr alten Münzen Italiens mit dein Bilde eines Stieres sind ein Nachklang der frühen tveikverbrei- teten Zahlungsweise, die sich des Kindes als des wichtigsten Gegenstandes der Viehwirtschaft bediente. Schon bei Homer wird mit Rindern und Rindshänten gekauft mtd gerechnet; im alten Rom wurden bis zum Jahre 429 v. Ehr. die Bußen in Bieh entrichtet; bei den ripuarischen Franken im sechsten Jahrhundert n. Ehr. wird eine gesunde Kuh einem römischen Goldstück gesetzlich gleichgesetzt, Isländer und Norweger kennen ein Kuhgeld, dessen Einheit die Kuh von drei bis höchstens acht Wintern, heil an Hörnern und Zagel, an Euter und an allen Füßen ist. Wenn auf alten Münzen von Metapont sich eine Wehre findet, so erinnert dies daran, daß auch das Getreide als Zahlungsmittel diente. Bon anderen Naturerzeugnissen sind unter den Zahlungsmitteln der Urzeit neben Muscheln, die in Afrika und Australien eilte große Rolle gespielt haben und noch heute spielen, besonders Felle zu erwähnen, die namentlich im tierreichen Osten Europas vielfach verwendet worden sind. Abgaben in Marder-, Iltis- und Eichhornfellen sind bis tief fit historische Zeiten üblich gewesen, und daran erinnert wohl das sonst nicht zu deutende Eichhorn, das auf Münzen von Polen, Schlesien und Oesterreich erscheint. Weiter zu erwähnen sind Fische, ferner Salz und Tee, Reis, Tabak und zahlreiche andere Nahrungsmittel, nicht zu vergessen die „Tonne Bier", die im Mittelalter einen Rechnungswert Der Ostfriesen abgab. Eine Kuriosität ist das Steingeld, das in Westafrika in Gestalt vier bis fünf Zentimeter großer Stücke erscheint, mährend es auf der Insel Dap (Karolinen) die Größe ansehnlicher Wagenräder annimmt. Im Mittelalter wurde in Böhmen und Schweden vielfach Leinivand als Zahlungsmittel verwendet. Das Gerätegeld, das in Griechenlands vorgeschichtlicher Zeit eilte sehr bedeutende Rolle spielte, scheint sich auch in der Bronzezeit schon eingebürgert zu haben. Aus dieser fanden sich offenbar ungebrauchte Aexte, Speereiseu und Ringe von völlig gleicher Form in großer Menge, von denen man annimmt, daß sie zum Tauschverkehr bestimmt umreit, also die Rolle eines Zahlungsmittels versahen, wie einst Fischhaken in Persien, Ceylon und Indien und noch heute bei afrikä- uischen Schmiedevölkern Schaufeln und Hacken. Ursprünglich _ waren diese Gegenstände natürlich für den Gebrauch bestimmt, da ja durch diesen allein das Metall für den Menschen der Vorzeit begehrenswert ivttrbe. Später sah man von dem praktischen Bedürfnis ab und bediente sich für Handelszwecke solcher Geräte, die auf Brauchbarkeit keinen Anspruch mehr machen können, da die Ringe zu schwer, die Beile stumpf oder ohne Oese, die Angeln ohne Widerhaken hergestellt sind. Ja, man will sogar wahr- genonunen haben, daß diese Ringe und Beile ein bestimmtes, sich gleichbleibendes Gewicht beibehalten, was d<nt ersten Anfang zn einer Art Währung bedenken würde.
Aus Mnstlerbriefen.
Aus dem Nachlaß Adalbert von Goldschmidts, des Wiener Komponisten, veröffentlicht Ernst Friedegg in dem dieser Tage erscheinenden Jnniheftc der jetzt von Dr. Max Osborn herausgegebenen Monatsschrift „Nord u n d Süd" eine Anzahl Künstlerbrfefe, die für den Empfänger wie für den Absender gleichermaßen charakteristisch sind. Franz Liszt und die Fürstin Wittgenstein, die Altistin der Wiener Hofoper Marie Wilt, Moritz Mosz- kowski, Hamerling, Hans von Bülow, Viktor Tilgner, Francisque Sarcey, Jules Massenet und Peter Altenberg, — von diesen allen werden Briefe abgedruckt, in denen sie das Schaffen Goldschmidts mit freundlicher Anerkennung begleiten und in für sie selbst bezeichnender Weise dazu Stellung nehmen. Liszt nahm so leb- hasten Anteil an Goldschmidts Werken, daß er ihn später zn sich nach/Weimar zog; sein weltliches Oratorium „Die sieben Todsünden" nannte er oft ein „großmeisterliches Werk", und von n e In-m £uS" er üt eiltent Briefe aus Weimar vom J. Mar 1884: „Ein außerordentlich beschaffenes, potenziertes Werk — Bel Ihrem nächsten Werke gedenken Sie des alten
Spruches: „Ne quid nimis". Die meisten Komponisten leiden an Blutarmut (Anemie), Sie aber, lieber Freund, an Blutexzeß (Plethore). Wenn Sie weniger bieten, wird man es mehr au- erkennen. Der „Helianthus" ist, meines Bedankens, viel zu vollblütig, — auch Ihre „Todsünden" — Beneidenswerter Neber- reiz! Oekonomie muß aber leider selbst die Musik Wandlungen regulieren." Einen interessanten Beitrag zur Entdeckung des jetzt so berühmten W e i u g a r t n e r lieferte der Brief H a in e r - l i n g s, der Goldschmidt das Libretto zu den „Sieben Todsünden" geschrieben hat. „Hochgeehrter Herr und Freund! Endlich habe ich einen Menschen gefunden, einen prächtigen jungen Menschen, der mit seinem schönen Kompositionstalent eine gediegene Klavier- technik verbindet und danach glüht, mir die 7 Todsünden vor- zuspiclen, dies auch schon teilweise, vom Blatt weg, zu meinem und seinem größten Genüsse getan hat. Da ich ihm aber nun den Klavierauszug zum gründlichen Studium übergeben will, so bitte ich Sie, falls Ihr Weg Sie doch noch in nächster Zeit hierher führte, mir den Tag Ihrer Ankunft vorher, bekannt zu geben, damit ich den Klavierauszug rechtzeitig von Herrn Felix Weingartner - so heißt mein junger Mann — zurücknehme und bereithalte. Ihr warm ergebener Rvb. Hamerling." Bezeichnend für den Gemütszustand Hamerlings ist ein anderer Brief vom 14. De- »zember, in dem der Dichter die Aufforderung ablehnt, zur Ausführung nach Wien zu kommen: „Hochgeehrter Herr und Freund! Ihrer so wohltuend warmen, herzlichen, liebenswürdigen Einladung könnte ich. mein schmerzliches „Non possumus" in Gestalt der beiden folgenden Tatsachen entgegenhalten: Erstens: ich würde um alles in der Welt nicht nach Wien gehen, wenn ein Schauspiel von mir dort zur Aufführung käme; und selbst im gegenwärtigen Falle, wo ich nur zur kleinen .Hälfte persönlich beteiligt bin, würde die Aufregung eine viel zu große, eine unerträgliche für mich sein ... Mit schwerem Herzen m u ß ich auf den freudigen persönlichen Mitgenuß Ihrer Schöpfung verzichten! Ich bin es freilich gewohnt, daß zwischen meine sehnlichsten Wünsche und ihre Erfüllung sich überall ein böses neidisches Fatum drängt! Mit Spannung, ja mit beinahe peinlich krankhafter Spanming sehe ich dem 22. Dezember entgegen. An Ihrem Erfolge zweifle ich nicht int geringsten: aber ich kann mir denken, wie die Wiener Kritik mit Ihrem Librettisten umspringen wird! Man wird mit Vergnügen die Gelegenheit ergreifen, mir wieder eins zu versetzen. Sollte es Ihnen unbekannt sein, daß die Wiener RedaktionsstubeU von meinen intimsten — Feinden wimmeln?" —. Sehr amüsant ist ein Brief H a n s von B ü l o w s, der von dem Ehepaar Gold- schmidt eine Torte als Geburtstagsgeschenk erhalten hatte und bei seiner damaligen Geldnot sich auf geistreiche Art zu revanchieren wußte, indem er eine Torte mit — nicht quittierter Rrnti- uung sandte, dazu folgendes Briefchen: „Hannover, 18. März 1879. Verehrtester, Süßigkeiten von mir - daS klingt zu unglaublich — impertinent; deshalb lege ich meine Rechtfertigung bei: wie Sie sehen, biu ich nur Kommissionär eines Konditors, der mich durch seinen Auftrag nicht nur äufs höchste ehrt, sondern sogar aus einer peinlichen Verlegenheit erlöst..." Adalbert von Goldschmidt, der aus einem vornehmen Bürgerhause stammte, hatte in den letzten Lebensjahren noch mit mancherlei Nöten zu kämpfen. In die Widerwärtigkeiten und Bedrängnisse, mit denen ec zu kämpfen hatte, läßt ein letzter Brief einen Einblick tun, eilt Schreiben an Josef Lewinsky vom 16. Februar 1899, in dem man nach verschiedenen geschäftlichen Auseinandersetzungen liest: „Meine Sache ist vernichtet, niemand kümmert sich um mich, und meine Kunst und mein Werk, alle Hoffnungen, die ich einst hegte und Pflegte, waren nur große Enttäuschungen. Ich bin ein gebrochener Mann und habe keine Hoffnung mehr tu diesem Leben — keine — gar-keine. Verzeihen Sie, teurer Freund, diesen Ausbruch meiner Stimmung, die mich verzehrt, er gehört garnicht hierher, Aber Sie waren immer so gut mit mir, und da wird selbst ein Einsamer mitteilsam und geschwätzig..."
humoristisches.
* Ein Friedfertiger. Junge Frau: „Denk dir, Männchen: die Marie hat das Essen anbrennen lassen, und nun meint das freche Ding, einige Küsse würden dich wohl versöhnen!" — Gatte: „Na, so schick sie doch herein!"
Rätsel.
Zu einem Tischgerät, das jeder kennt, Sei noch „r i" am rechten Ort geschrieben; Dies ist ein Rächer, den die Bibel nennt, Er hat zwei arge Sünder einst vertrieben.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Geographischen VerschiebrätselS in vor. Nr. i Mexiko
Cuba
Habana
Haiti Florida Jamaika.
Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steiudruckerei, R. Lange, ®ießen.


