Linksschwenkung vor, während das österreichisch« Korps, das bis zu dieser Zeit dort allein gestanden hat, nach Stammersdorf znrück- wcicht. Der Erzherzog Karl hatte auf seinem rechten Flügel drei Korps, in der Mitte das Grenadierkorps und auf dem linken Flügel drei Korps in der Linie Deutsch-Wagram-Markgrafneusiedel; alles in allem 128 000 Mann. Es war dem Kaiser eine Uebcrraschung, daß ihm sein Gegner gar keinen Widerstand entgegengesetzt hatte, über seine Stellung und seine Absichten wußte er nichts. Um 4 Uhr nachmittags jedoch erhielt er die Nachricht, daß der Erz­herzog Johann noch nicht bei der tzauptarmce eingetroffcn sei, und so konnte er denn wissen, daß er nur die Truppen des Erz­herzogs Karl vor sich habe. Unter dem Eindruck dieser Erkenntnis beschloß er, den Erzherzog Karl sofort anzugreifen, ihn aus der starken Stellung hinter dem Rußbache zu vertreiben und dadurch der Vereinigung der beiden Crzherzöge vorzubeugen. Gegen 7 Uhr gab er den Beseht zur Eröffnung des Angriffes.

Der Erzherzog, die Gefahr bemerkend, zieht von seinem rechten Flügel her frische Truppen heran und führt diese der Division Eugen entgegen, die über den Rußbach vorgegangen war. Diese Division wird geworfen, und der Rest der italienischen Armee, der zu ihrer Unterstützung in die vordere Linie einrückt, erleidet dasselbe Schicksal. So ist der Angriff des Kaisers gegen den Erzherzog auf der ganzen Linie gescheitert, und seine Korps haben in der Nacht zum 6. Juli nur die am Nachmittag erreichten! Stellungen südlich dieses Baches inne. Der Kaiser hatte dem Angriff der ersten Division Eugens und ihrem Mißerfolg zugesehen und es war ihm klar, daß vor dem nächsten Morgen an dieser Stells nichts weiter zu machen sei. Dann aber will er wieder den Erfolg durch Einsetzen aller seiner Kräfte erzwingen, und die meisten Korpsführer werden noch in der Nacht bei dem kleinen Wachtfeuer des Kaisers versammelt, der dort mit ihnen die voraussichtliche Bewegung des morgigen Tages bespricht. Dann bringt er die Nacht bei dem Wachtfeuer zu, schläft aber nur wenig. Mit dem Morgengrauen des 6. Juli ist er wach und weist hie vor der Linie des Rußbaches stehenden Linien an, sich bis auf weiteres Nur in ihren Stellungen zu halten, bis er den Befehl zutu allgemeinen Angriff dieser Linse geben werde.

Aber der Gegner fo.nt ihm zuvor. Denn auch der Erzherzog hatte den Angriff beschlossen und hatte hierzu sein rechtes Flügew korps bei Aspern, immer an die Donau gelehnt, in Marsch ge­setzt, ein Korps behielt er am Bisamberge zurück und eines ging) auf Breitcnlee. Im Zentrum sollte das Grenadierkorps vor­stoßen. Die am Unten Flügel stehenden Korps sollten vordringest, den Bach überschreiten und die feindliche Front angreifcn. Gegen 11 Uhr vormittags war es den Franzosen gelungen, dem um­fassenden Angriff des Erzherzogs gegenüber eine Flanke zu bilden und zunächst die drohendste Gefahr abzuwenden. Inzwischen dringt Davout vor, zur selben Zeit auch das Korps von MacdonalÄ. Es war , 1 Uhr mittags. Von Macdonalds Angriff wer­den Breitcnlee und Aderklaa geräumt, nur der Ort Sußenbrunn widersteht, und das französische Korps, nun inmitten der feindlichen Linie, hat einen schweren Stand.. Tie Versuche der Kavallerie, es herauszuhauen, mißlingen. In­zwischen jedoch war Eugen auf Deutsch-Wagram vorgegangen und hatte sich dieses Ortes bemächtigt. Bor dem Anmarsch dieser Masse, zu der sich auch Truppen von Wrede und Eugen gesellten, gab der Gegner Süßenbrunn aus und wich zurück. Auch an dem Rußbache war um die gleiche Zeit gegen 2 Uhr die Entscheidung- zu gunsten der französischen Truppen gefallen. Der allgemeine Rückzug der Oesterreicher macht dann auch Massena, der ins Gedränge geraten war, wieder Luft. Ter Kaiser schlug sein Biwak zwischen Raasdorf und Aderklaa auf, denn er hatte dort noch an unberührten Korps die Garde und das Korps von Marmont. Der Erzherzog versammelt am Abend seine Korps an der Brünner Straße, und am Bifamberge, nur das Korps vom äußersten linken Flügel hatte sich nach Wollersdorf zurückgezogen. Ta die Oester- reicher den Rückzug angetreteu hatten, ohne daß die Kolonnen völlig geschlagen worden wären, und somit eigentlich mehr das Schlachtfeld geräumt als schon bereits endgültig verloren hatten, so konnten sie noch eine hinreichend widerstandsfähige Haltung annchmen, um eine bloße Verfolgung nicht zu gestatten. Nach den schweren Verlusten aber und bei dem häufig schwankend ge­wordenen Erfolge des Tages wollte der Kaiser sich zu einem neuen Angriff nicht entschließen. Daher lagen sich von den Abend­stunden des 6. ab die beiden Armeen gegenüber, und der Kaiser vermochte sticht festzustellen, wohin der eigentliche Rückzug der österreichischen Armee geplant sei, ob über Wölkersdorf auf die Straße nach Brünn oder über Korneuburg auf die Straße nach Zuaim.

Wenn die Schlacht timt Wagram von der taktischen Seite betrachtet wird, so kann man seststellen, daß Erzherzog Karl schon damals sich des konzentrischen Angriffes bediente, der ja in späteren Feldzügen, zumal in den letzten Zeiten des Krieges 1870 und 71, so häufig und erfolgreich angewandt worden ist. Aber die Schlacht gibt auch das Beispiel dafür, daß ein fähiger und energischer Führer immer imstande ist, mit einer guten Armee, die er geschlossen ist der Hand hält, einer solchen Taktik erfolgreich entgegen zu treten. Interessanter mtb wichtiger jedoch ist Wagram für die Beurteilung Napoleons als Feldherrn; er war auch hier nicht imstande, die b®'.öe, Vernichtung des Gegners herbeizuführen, denn die öster- reichische Armee war nach der Schlacht fchnell wieder zu weiteren

Operationen bereit. Ter Erzherzog Karl war, wie Graf Yorck von Wartenburg in seinem BucheNapoleon als Feldherr" sagt, vollständig im Rechte, als er die Schlacht aufgab, noch ehe sie endgültig und völlig entschieden war. Er wollte ja nicht die Welt unterjochen, sondern das Bestehen seines Staates sichern, und dies geschah voraussichtlich am erfolgreichsten, wenn er die Armee int operationsfähigem Zustand wieder zurückführte. Setzte er aber alles an seinen vollen Erfolg, so konnte er eben auch alles verlieren. Ter Gegensatz in der Verfolgung bestimmter politischer Ziele hat der Kriegsführuug gerade in der Schlacht von Wagram seinen besonderen Stempel aufgedrückt. Als eine Folge dieser Taktik ergibt es sich, daß schon am 11. Jstli die österreichische Armee unter Festhaltung von Znaim den weiteren gesicherten Rückzug antreten und einen Vorstoß Massenas abweisen konnte, während Marmont das Herankommen von Verstärkung nbwartete, als plötzlich bei ihm gegen Mittag der Kaiser eintraf. Von der Höhe bei Teschwitz aus übersieht er, daß die Oesterreicher mit verstärkter Macht in guter Stellung stehen, und er weiß, daß aus­reichende Verstärkung für ihn nicht vor den ersten Morgenstunden des nächsten Tages zur Stelle sein kann. Ta er also an diesem Tage außerstande ist, den Feind zur Schlacht zu zwingen, so kann dieser, den Rückzug nach Böhmen fortsetzend, ihn dort zur Eröffnung eines neuen Feldzuges zwingen. Doch die schweren Verluste von Wagram und der nur unvollkommene Erfolg dieses Tages haben Wohl den damals auch körperlich leidendett Kaiser von enteilten1 Wagnissen, abhalten. Er griff demnach Vorschläge zu Verhand­lungen auf, die schon am Abend vorher Marmont gemacht worden waren, und schloß am Morgen des 12, Juli eilten Waffenstillstand, der diesem Kriege tatsächlich ein Ende machte. Am 15. November kehrt er, zum letzten Male als Sieger, in seine Hauptstadt zurück.

Zur Urgeschichte der Münze.

Von einer Pariser Sängerin wird erzählt, sie habe durch ein Konzert auf einer australischen Insel eine Ein­nahme von drei Schweinen, 23 Truthähnen, 44 Hühnern, 500 Kokosnüssen, 1200 Ananas, 120 Kürbissen und 1500 Orangen erzielt. An diesem hübschen Geschichtchen illustriert Tr. Ferdinand F r i e d e n s b u r g in seinem Buche, das er soeben unter dem TitelTie Münze in der Külturge- schichte" bei Weidmann in Berlin erscheinen läßt, das Hinein­ragen der Urzustände menschlicher Kultur in die heutige Welt des Metallgeldes, wie es sich bei manchen Naturvölkern findet. Erst verhältnismäßig spät ist die Münze erfunden worden. Es erscheint uns heute kaum'verständlich, wie die Babylonier b'ei ihrem hochentwickelten Gewichtssystem ebenso­wenig wie die übrigen Kulturvölker des Orients, Assyrer und Aegypter, Juden und Inder, die Münze kannten und bei ihren weitreichenden Verkehrs- und Handelsbeziehungen sich mit dem Zuwiegen des Edelmetalls' und den Erzeugnissen der Natur, insbesondere der Landwirtschaft, als Zahlungs­mittel begnügen konnten. Wem nun wirklich die Erfindung der Münze zuzuschreiben ist, kann heute nicht mehr mit Sicherheit festgestellt werden; wahrscheinlich hat auch sie sich nur in langer Ausbildung in unmerklichem Fortschritt entwickeln können, um dann an verschiedenen Stellen zu gleicher Zeit ihre Vollendung zu erreichen. Strabo schreibt die Erfindung der Münze dem König Pheidon von Argos,, einem Abkömmling des Herakles im elften Gliede, zu, der in Aegina zuerst wirkliches Geld geprägt haben soll. Nach dieser Angabe müßte man die Zeit Um 700 v. Ehr. annehmen, und in der Tat sind aeginetische Münzen mit dem Bilde einer Schildkröte erhalten, die zu den ältesten überhaupt erhaltenen Geprägen gehören. Herodot schreibt dagegen die Erfindung der Münze den Lydern zu, die er als die ersten Krämer" bezeichnet, und auch seine Nachricht ist glaubhaft; denn der Reichtum der Lyder ist durch den Namen ihres letzten Königs Krösus sprichwörtlich geworden, und noch heute ist die Umgebung ihrer alten Hauptstadt Sardes die ergiebige Fundstätte uralter Goldmünzen mit den Bildern des Löwen und des Stieres, die sicher zum Teil noch über Krösus (gest. 554j hinausreichen. 'Verwandt mit ihnen find andere asiatische Münzen in Silber und in Elektron" (Mischung aus Gold und Silber), die auf Phokaea und andere Städte Ioniens, zum Teil auch auf Kyzikos an der Propontis Hinweisen. Auch in Unteritalien find Münz­funde zu verzeichnen, die bis in das siebente Jahrhundert hineinreichen, und ebenso haben nordgriechische Völkerschaf­ten und Städte uralte Geldstücke hinterlassen. Alle diese sind aus Edelmetall und geprägt, während das etwas spätere Geld der mittelitälischen Völkerschaften aus Kupfer besteht und gegossen ist was ihm an innerem Werte abgeht, ersetzt es durch riesige Größe und Schwere. Wie sehr die neue Erfinduna dem allgemeinen Bedürfnis cntgegcnkam, zeigt die Tatsache, daß sie sich alsbald mit großer Schnellig-