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vollzogen fjat; die moderne Ehe neigt immer mehr zu' einer Vereinigung zweier Gleichberechtigter, sie ist mehr als ein Zusammen- klaug von Interessen, sie soll eine doppelte Wahl sein, die gegenseitige Freiheit begrenzt und gezügelt durch die Liebe. Die moderne Schauspielerin aber ist nicht mehr die kleine Soupense des 19. Jahrhunderts. Prevost spricht von der Annäherung des Schau- spielerstandes an die Anschauungen des Bürgertums, die Hand in Hand mit der bürgerlichen Anerkennung der Schauspieler gekommen ist. „Die moderne Schauspielerin, der die Rechte der Bürgerlichkeit zuerkannt sind, nimmt damit auch die bürgerlichen Tugenden an, mit allen ihren praktischen Wohltaten. In dem Maße, in dem sich die Ehe zu einer freien Wahl zweier Menschen entwickelt, die auch der Frau die Unabhängigkeit läßt, in dem Maße nähert sich auch die Schauspielerin dem einem Beruf anhängenden Bürgertum. Was ist daran erstaunlich, daß die Ehe lind die Schauspielerinnen sich miteinander aussöhnen? Ich weiß wohl, was man gegen die Einwirkungen des Theaterlebens vor- briugt, gegen den Snobismus, gegen die besondere Eitelkeit der Schauspielerinnen. Sind diese Fehler wirklich größer als die anderen Bernfsfehler irgend einer Frau, die eine Tätigkeit ans- ,übt? Ich tveiß es nicht. Man warte auf die Meinungen der Gatten, die Juristinnen oder Krankenpflegerinnen geheiratet haben." Nach der Meinung Prevosts bergen die Ehen die geringsten Chancen harmonischen Glückes, die zwischen den Ausübenden desselben Berufes geschlossen werden. Er will nichts von den Ehen zwischen Advokaten und Advokatinnen oder zwischen Aerzten und Krankenpflegerinnen hören: „Ihr Heim unterscheidet sich in allem von dein eines Tuchmacherpaares oder anderer Gatten, die zusammen dasselbe Geschäft betreiben; im Gegenteil, sie betreiben dann Konkurrenzgeschäfte und ein jeder betrachtet den Erfolg des anderen als ein Raub an dem eigenen Erfolg. Diese psychologischen Fälle sind zu oft und zu genau beobachtet, als daß, sie noch ausgeführt iverden müssen. „Schauspielerinnen!" so ruft Prevost den Damen des Theaters zu, „heiratet und bleibt beim Theater. Uber heiratet keine Kollegen . . ."'
* Sprachliches ü b e r die L u ft sch if fahrt, lieber- biicken wir die verschiedenen Ausdrücke, mit denen die Deutschen das Luftschiff im Laufe der Zeiten bezeichnet haben, so können !vir uns über den Eifer freuen, mit dem unsere Landsleute sich bemüht haben, diesem wunderlichen Dinge deutsche Namen zu geben. Als 1783 der Luftballon ijt Frankreich erfunden worden war, sträubten sich manche Schriftsteller wider diesen Fremdling. Der preußische Ingenieur Hahne gebramht 1784 dafür das Wort Luftmaschine, und in demselben Jahre redet der Abt Übelackev von der Lustkugel. 1823 verfaßt der Mathematiker Zachariä eine Geschichte der Lustschwimmkunst und ersetzt da das Wort Luftballon durch Lustkugel und Gaskugel, je nachdem es sich ton eine mit Luft oder mit Gas gefüllte Kugel handelt. Auch das Wort Luftball verbreitete sich: es hatte aber schließlich weniger Glück als das entsprechende Wort „luchtbal" in Holland, luie ja -Überhaupt das Holländische eine Menge glücklicher .Ersatzwörter für Fremdwörter hat, die bei uns vielen Leuten noch unentbehrlich Vorkommen. Das Wort „Luftballon" drang schließlich in Deutschland durch. 1884 wurde in Berlin sogar eine „Versuchsstation für ballons captifs" gebildet, aber schon zwei Jähre später ersetzte das preußische Kriegsministerium dieses häßliche Fremdwort durch Fesselballon. Das älteste deutsche Wort in der Luftschiffahrt ist Luftschiff, das schon 1682 belegt ist. Jetzt drängen sich auf diesem Gebiete eine Menge Fremdwörter heran. Hoffen wir, daß der gesunde deutsche Sinn unserer Luftschiffer die Aviatik, die Aviatiker, die Motorballons, die Aeronauten nicht aufkommen läßt, hat doch auch ihr Herr und Meister, unser Graf Zeppelin, den deutschen Ausdruck Flugschiff eingeführt. Die Aeronautik gehört außerdem zu denjenigen Fremdwörtern, über deren Aussprache mancher im unklaren ist: begegnet man doch häufig der Ansicht, man müsse Ärouautik uslv. sprechen. Eigentlich sollte darüber gar kein Zweifel herrschen können, denn nach den amtlichen Rechtschreibregeln darf man ein großes ä nur Ä schreiben, aber nie Ae: trotzdem setzen sich zahlreiche Druckereien über diese Vorschrift hinweg und drucken z. B. „Aera der Aeronautik," das erste Wort falsch, das zweite richtig. Druckten alle immer richtig Ära der Aeronautik, so würde bald niemand mehr daran zweifeln, daß Ä inte ft zu sprechen ist und Ae wie a-e. Auch aus diesem Grunde ist es also gescheiter, der Aeronautik den Laufpaß zu geben und „Luftschiffahrt" auf den Schild zu erheben.
*’ Caruso als Schriftsteller wider Willen. Caruso, der jetzt in Italien, eingetroffen ist und entgegen den pessimistischen Meldungen amerikairischer Blätter sich besten Wohlseins erfreut, hat einem italienischen Jourua- listen eine amüsante Erfahrung, die er mit amerikanischen Zeitungen gemacht hat, erzählt. Als der Besucher von den amerikanischen Alarmnachrichten über Carusos Stimme sprach, meinte Caruso lächelnd: „Die Journalisten lieben es, Bomben zu werfen," und daun erzählte er ein seltsames Zeitungsabenteuer: „Sie sind sogar imstande, große Artikel mit meiner Unterschrift zu veröffentlichen, während ich nie daran gedacht habe, zu schreiben. Eines schönen
Tages lese ich int Globe einen riesenhaften Titel und bar- unter einen Artikel, der eine ganze Seite einnimmt. Ich bin nicht wenig erstaunt, mich als Verfasser angegeben zu finden. Es war von Gesangskunst darin die Rede. Wenn noch wenigstens vernünftige Sachen gesagt worden wären. Aber nein, lanter Kulissengeschichten und Foyergeheimnisse, die in solcher Form der Veröffentlichung mir tausend Unannehmlichkeiten bereiten konnten." „Und was geschah?" fragte der Besucher. „Es geschah, daß nach dem ersten Artikel ein zweiter veröffentlicht wurde. Dann ein dritter. Dann ein vierter. . ." „Dann ein fünfter?" „Nein. Ich schickte meinen Rechtsanwalt zu der Zeitnng nnd drohte mit einer Schadenersatzklage. Auf der Zeitnng erhielt er die Antwort: „Wir haben diese Artikel ordnungsgemäß gekauft und bezahlt." „Von wem?" fragte mein Advokat. „Bon der und der Agentur." Mein Rechtsanwalt läßt sich einen Vertreter des genannten Bureans kommen, der ihm rundweg und bündig erklärt, Carnso hat diese Artikel geschrieben. Mein Rechtsanwalt bestreitet das, der Agent erhält seine Be- hauptnng anfrecht. Schließlich riet mir mein Rechtsanwalt, nm Aufsehen zu vermeiden, die Sache, die ja nun doch geschehen und vergangen sei, ans sich beruhen zu lassen. Ich sträubte mich natürlich dagegen." „Und die Veröffentlichung hörte auf?" „Im Gegenteil, sie wurde wieder aufgenommen, aber diesmal in England." Und dann erzählt Caruso von dem Spürsinn amerikanischer Reporter, die einem auf Schritt und Tritt verfolgen. „Sie waren imstande, drucken zu lassen, daß ich mich betränke, daß ich zügellose Torheiten beginge, daß ich Orgien feiere, ich, von dem sie wissen, daß ich nnr Wasser trinke und an Abendeit, an denen ich nicht singe, um neun Uhr schlafen gehe/"
humoristischer.
* EinfacheAb h i l f e. Junge Braut: „Sic glauben nicht,: was ich für Angst habe, seit ich gelesen, daß das Küssen gesundi- Heitsgefährlich ist! Kann man sich denn gar nicht dagegen schützen?"" —• Hausarzt: „Nichts einfacher als das: Sie nehmen jedesmal vor iund nach dem Kusse ein Wattebäuschchen, das in eine zwanzig- prozentige Wasseroxhdul-Berdüunung getaucht ist, bestreichen damit die Lippen drei- bis fünfmal, gurgeln mit einem Eßlöffel Zitronensäure und trinken schließlich eine Tasse Sennesblätteptce, dann bleibt kein Bazillus bei Ihnen!"
* Am häuslichen Herd. Ein junges Ehepaar gerät in einen Heftigen Streit. Nachdem sie die schrecklichste Kritik an ihrem Gatten geübt, fügt sie in milderem Tone Hinzu': „Ich gebe zu, auch ich habe Fehler." — Ehemann: „Das weiß der Himmel!" — Frau (indigniert): „Bitte, nenne mir einen, einzigen!"
* Kein W n n d e r. Sie: „Du lmnßt gestern aber ordentlich im Dusel gewesen sein, als du vom Preiskegeln nach Hause kamst. Mir sagtest du, du Hättest ein Spanferkel mitgebracht: es warf aber eine Gans." — Er (nachjsinnend): „So, bloß eine Gans? Run wundert nrich's nicht mehr, warum: das Ferkel immer fliegen wollte!"
* S e kundä r baHnid hll. Passagier: „Sie Haben jai gar keinen Lokomotivführer, wie ich sehe?" — Vorstand: „Branchen wir auch nicht. Wir Haben genau so viel eingeheizt, daß es bis! zur Endstation reicht/"
Rösselsprung.
(Auflösung in nächster Nunrmer.f
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Auflösung des Ergänznngsrätsels in voriger Nummer; Mitleid hab' mit allen, Mit Mensch und Tier;
Nur eines lasse fallen:
Mitleid mit dir. O. v. Leixner.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, Gießen.


