Ausgabe 
5.4.1909
 
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vermischtes»

C. K. Die M ode des So mmers. Aus Paris wird ge­schrieben: Soll uns der Frühling schon Ueberraschuugen aller Art auf bcm1 Gebiet der Mode bringe», so wird doch die eigentlich« Revolution, die das Formengefühl und den Geschmack der Toilette vollständig umgestaltet, erst in: Sommer sich vollziehen. Einen völlig veränderten Anblick werden daun die Bilder des Salons und der Straße, bieten, wenn der Flieder aVgeblüht hat und die Sonnenstrahlen senkrechter fallen. Daun werden wieder weite wogende Gewänder die Glieder lässig umfließen; die geradlinig knappe Enge des.Kleides wird weicheren runden Linien gewichen sein: die Taille wird nicht mehr direkt unter dem Busen ab­schließen, sondern sie wird länger und weitet, die Korsage er­scheint wieder in reicher Garnierung und das lange nicht gehörte Knistern und Rauschen der Jupons läßt die verführerisch leise Begleitinelodie zum Gang der Schönen vernehmen. Die neuen Modelle für Somniertoiletten, die in den großen Pariser Mode- firmen entworfen und hergestellt werden, zeigen inert ausfallende Röcke und Taillenschluß über den Hüften. Als hauptsächliche Garnierung tritt die Lairgfalte auf, die besonders am Hinteren Teil des Rockes stark betont wird. Die langen Aermel haben ziemlich breite Krausen am Handgelenk. Der Rock ist an der Taille gezogen und außerdem! wird die Taille noch durch reiche Gar­nierung akzentuiert. Es ist der Stil Von 1830, der in der Sommermoöe wieder auflebt; wir sind auf dem Wege zur Wespen­taille, die ein notwendiges Resultat des Breiten und reich garnierten Rockes ist: nur mit den Keulenärmeln 'werden wir bisher noch verschont, die dereinst den Stolz der schöner: Berehrerinrren der George Saird bildeteir. Mar: wird wieder viele feingestickte Fichus sehen, Häkeleien. und andere Nadelarveiten, die den Duft des Altväterischen mit sich führet:, wird matte Farben bewundern können, ivie sie eine schwärmerische Zeit liebte, in Altgrün schwelgen und Goldbraun. Die flatternde, anmutig die Gestalt umspielende Linie vor: Bändern imb Schleifen regt sich von neuem, die der strenge Stil des Empire verpönte; man kehrt zu iveichen Stoffen, zu lässigeren, loseren Reizen, kurz zu der: alten Lieben zurück. In den Schneiderkostümen, deren schnitt der: Wechselfällen den Mode überhaupt nicht so Unterworfen ist, hält sich noch eher der Stil der voriger: Saison: die Jacketts werden sehr lang getragen; die Garnierung mit großen Knöpfen dehnt sich auch auf die: Röcke aus, die sogar au der Taille inst großen Knöpfen abge-j schlossen werden. Auch hier macht sich aber eine stärkere Garnierung; des Hinteren Rockteils bemerkbar. Ueberhaupt ist die Verlängerung des Rockes nach hinten ein Charakteristikum der neuen Mode und.dieses weit ausfallende Schleppen gibt der Toilette die eigent­liche moderne schicke Linie. Bringen die Hüte des Frühlings bereits einer: Ueberfluß an Blumen, so Werder: die Sommerhiite zu wahren Garten. Niemals haben so viele Blumen die Köpfe bekrönt. Der Hut selbst behält die Topfform mit den: riesig hohen breiter: Kopf rrnd beirr tief heruntergehenden, sehr kurzen Rand. Ob sich die aufkommenden Bindebänder, die man mit diesen Hüten verbinden will, halten werden, ist noch zweifelhaft. Jedenfalls liegt die ganze Schönheit dieser wunderlichen Kopfbedeckungen in der Garnierung, und man muß zugestehen, daß die Putz- Macherinnen in der zartesten Kombination von Farben und der feinsten Anordnung blumiger Flächen wieder gut zu machen suchen, was, sie in der For m des Ungetüms etwa verbrochen. Buketts,; Tuffs und Guirlanden werden in reicher Abwechselmrg mitein­ander verbunden und die Mode läßt sich da zu Rutz und Schön- heit vor: der reich entwickelten Gartenkunst anregen. Levkoje:: und Rhododendren sind als Modeblmnen ansersehei:, aber der Sommer soll uns auch eine reiche Verwendung von Früchten bringen, von Kirschen, kleinen Aepfeln, Nüssen nsw. i Aller Fed ern- schmuck oder gar das Tragen von Bügeln wird von der neuen Mode verbannt, und so werden auch die Freude der Tierwelt und des Tierschutzes mit ihr zufrieden sein.

C, K. S e l t s a m e Erfindungen. Bon den wunderlichen Pfaden, b:e der menschliche Erfindungsgeist bisweilen beschreitet, erzählt ein Beamter des englischer: Patentamtes, der nach larrg- jähriger Tätigkeit sich nunmehr von der Arbeit zurückzieht. Das Patentamt hat jahraus jahrein einen harten Kampf zu führen gegen eine Schar exzentrischer Erfinder, die die seltsamster: Ans- gebrrrten ihrer Phantasie staatlich patentiert wissen wollen und den Behörden viel Zeitverlust und Mühen verursachen. So er­schien vor einiger Zeit im britischen Patentamt ehr Herr, der nicht-wenig stolz ivar auf den Scharfsinn, mit dem er den Instinkt der weere mit Hilfe der .Mechanik automatisch verwerten wollte. Der Erfinder hatte einen Plan ausgearbeitet, imch demdurch erne Kette, ein Band oder ein anderes Mittel eine direkte Verbin­dung zwckchen dem! Schwanz des Jagdhundes und dem Drücker am Gewehr des Schützen hergestellt werden sollte". Besonders bei der «öpgb auf wildes Geflügel würde diese Erfindung, so meinte

Entdecker, von größter Bedeutung sein. Der Hnnd weiß rnstrirktw, wann die Enten oder Hühner auffliegen und würde dann durch eure Bewegung des Schwanzes bas Gewehr zur Eirt- laduug bringen. Der Jäger habe dann nichts arrderes zn tun, al'? das Gewehr richtig zu Haltert, alles übrige wird vom Hunde besorgt. Auf das Heer der Ehrgeizigen pflegen große Natnr- Redaktion: K. Neurath, Rotationsdruck und Verlag der Brü

katastrophen gewöhnlich anregend zu wirken; nach allen großen Erdbeben pflegt das Patentamt mit allerlei Borschlagen und Patentanmeldungen überhäuft zu werden. Die praktischste Lösung fand ein genialer Erfinder, der alle Häuser nub Gebäude mit Rädern oder Roller: versehen wissen wollte; während der Erd- erschütternngen würden die Bauten daun vorwärts und rück­wärts rollen und auf diese Art der Katastrophe entgeheir. Der Erfinder war nicht wenig stolz auf seine Idee, aber die Architekten verhaltei: sich einstweilen ablehnend. Ein anderer Anwärter civigcr: Ruhmes wurde eines Tages vom Neid auf die Stubenfliege über­mannt, die so gemütlich an her Zimmerdecke dahinspazierte, unbi beschloß, der Menschheit durch seinen Erfindungsgeist der: Weg zur Zimmerdecke frei zu machen. Nach langem Sinnen erfand er auch eine Vorrichtung, die das Ziel seines.Ehrgeizes erreichte: die Stiefelsohlen wurden mit Eisen beschlagen, die Decke elektro- magnetisch geladen, und Wer den Ehrgeiz hat, sich dieser: Apparat zuzulegen, kann nach Ansicht des Erfinders das Vergnügen ge­nießen, mit den Füßen an der Zimmerdecke hängend in seinem Hause spazieren zu gehen. Das. sind nur einige Beispiele für- viele, in denen genialer Erfindungsgeist auf die Teitnahmslosig- keit der Welt stieß und so nm ewigen Ruhm betrogen wurde.

* Gesund i m I r r enha u s. Aus Petersburg wird geschrieben: Bor drei Jähren drang aus Kiew die Kunde hierher, daß der dortige, bekannte Millionär Kumanski von seinen Schwiegersöhnen und Töchtern ins Irrenhaus gesperrt sei, um sich seines großen Vermögens zu bemäch- tigen. Alle Schritte, die von feiten Kumanskis Freunden unternommen wurden, um ihn, den vollständig gesuilden Mann, aus dem fürchterlichen Ort zu befreien, mißlangen. Erst seinem Rechtsbeistand Akazätow verdankte der arme reiche Mann seine volle Befreiung. Kumanski weilt gegen­wärtig in Petersburg, lieber seine Erlebnisse erzählt err Was ich in den drei schrecklichen Jahren gelittei: habe, spottet jeder Beschreibung. Als ich mit Gewalt ins Irren­haus Dr. Leplirrs in Kiew geschafft wurde, war ich anfangs durch eigenes Leid und durch die furchtbaren Quäler:, die ich andere durchmachen sah, inte toll. Ich machte dort die.Bekanntschaft des Prokureurs Worobjeff, der infolge der vielen Exekutionen, deiren er beiwohnen mußte, den Verstand verloren haben sollte. Ich fand ihr: absolut nicht als psychisch krank und war oft Zeuge, wie er den Arzt bat, ihn zu entlassen. Als Antwort darauf gab es Schläge. Ich sah selbst, ivie sechs Mann ihn in eine Decke hüllten und darauf erbarmungslos ans ihn losschlugen, ihm dabei Arme und Beine brachen. Die Folgen waren nach einigen .Tagen sein Tod. Derartig wurde auch eine intelligente Frau, die Fra:: eines Rabbiners, mißhandelt und geqitält, die schließlich sich nur hinkend fortbewegen konnte. Ich lernte ferner einer: jungen Mayn kennen, der: sein hab­süchtiger Brirder hierhergeschleppt hatte, um sich in den Besitz seines Erbteils zu setzen. Soll ich Ihnen sagen, wie ich dorthin kam? Erst habe:: Töchter und Schivieger- söhne darauf bestanden, daß ich ein Beinleiden haben müsse. Mir wurden 18 Operationen ohne Chloroform gemacht. Schließlich wurde gegen meinen Willen das Bein ampu- tiert. Als ich immer noch lebte, wurde ich ins Irrenhaus geschafft."

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Auflösung

in nächster

Nummer:

Auslösung der Charade in voriger Nummer r Po, Made-; Pomade.

'scheu NuiversitätZ-Buch- unb Steindrnckerei, N. Lange, Gießen.