Ausgabe 
4.12.1909
 
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(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Rheinlandstöchter.

Roman von Clara Biebig.

Gorge machen die Kinder bem Vater genug; damit ist's immer noch beim alten. Seit meine Besä mich verlassen hat, ist's still bei mir. Bald sind es vier Jahr, daß fiü tot ist Herr Gott, wer denken soll, daß das junge Leben 'o früh erlöschen mußtet Glaubst nicht, wie glnültch sie und der Hommes mit einander waren; lang genug hatten sie sich herum gezogen, bis es zur Hochzeit kam. Deut Hommes seine Alten wolltens partout nicht zugeben, und d-.e Befa 'hat auch gern mal einen Seitensprung gemacht. Junger Most will ausgären, wird nachher desto besser. Aber geliebt hat sie nur den Hommes. Und jetzt ist der Hommes weg nach Amerika" hier hatte Nelda beim Lesen einen tiefen befreiten Atemzug getan, beide Hände an die erglühenden Wangen gepreßt,'er war fort!die Heimat ist ihm ver­leidet; das Kind, das ihr das Leben gekostet hat, spielt bei den Großeltern vor der Tür-. Es dauert mich ber den alten .Hommes, wird herumgestoßen mehr oder weniger. Ich kann nicht Vorbeigehen, ohne das kleine Mädchen auf den Arm zu nehmen, hat Augen wre die Befa. Macht' gern mehr für es tun, aber wie?! Es ist öd' um mich. Ja, meine liebe Richte, könntest Du bei mir sein! Gut für Dich, gut für mich, gut für meine Eifeler! Brauche hellere Augen, die mir sehen helfen, meine werden schwachsichtig; auch eine jüngere Hand, die zwischen mir und ihnen hm und herreicht; da ist manches im argen. Auf der Besä ihrem Grab steht ein roter Rosenstock, sind alle anderen im ^orf erfroren, blüht der: dünkt mich, er lacht dann über s ganze Gesicht, wie -die Befa. 's ist doch was Herrliches um so einen gesunden Lebens- und Liebestriebl Verlier Du ihn auch nicht, mein Mädchen"--

Ach, der Lebens- und Liebestrieb nein, den hatte sie noch nicht verloren! In Reldas Wangen stieg ein wärmeres Rot, rascher kam ihr der Atem über die Lippen. Den würde sie auch nie verlieren. Klopfte nicht nhr Herz gleich rasch wie früher, waren nicht ebenso gut Wunsche darin? Ja, es hatte sich nur geweitet, das fühlte ,ie. Und das Wort kam ihr nicht so rasch mehr auf die Zunge, die böse Spottlust war weg, ein großes Mitleid an die Stelle, getreten. Ging sie über die Straße und ,ah ent Kind weinen, sie konnte nicht anders, sie mußte es trösten. War da ein verlaufner Hund, sie mußte ihn locken und ihm zir feinem Herrn zu verhelfen suchen. Allesneme großen Taten aber wohin mit der Fülle der Empfindung? _

Onkel, ich wünschte, ich könnte dir he.feu, imju fie laut und faltete die Hände. Ach ja, der war petzt recht einsam! Nelda mußte an die Befa denken, die das Haus einst ko lustig belebt hatte. War die zu beklagen? O, tausendmal nein! Hingegangen chbollster LebenschUe, den Kuß der Liebe auf den Lippen. Nelda fühlte heute noch die Erschütterung in den Miedern, die sie damals empfand, als der Onkel ihr den raschen Tod der jungen Frau Hommes mitgeteilt. Tot, das frische gesunde Erschöpf?! Aber gc- -storven mitten im Mick, rasch vergangen wie M achender Sommermorgen, an den man mit Wonne zurück denkt.

Neldir sah mit großen Augen nm sich - wie seltsam! Aber Fräulein Berg war ja mitunter sonderbar. Und doch fing ihr Herz an zu klopfen; sie sprang auf, jagte den langen Gang entlang, durchs Berliner Zimmer, hin zur Korridortür. "

Fräulein Berg,Fräulein Berg!". Keine Antwort nlehr, niemand auf der Treppe. Sie stürzte in Herrn Schmoltes Borderzimmer und riß das Fenster auf; was wollte sie denn nur? Ein paar Augenblicke noch und Fräulein Berg trat 'unten ans dem Tor auf die Straße, unschlüssig blieb sie stehen und sah nach rechts und links. Nelda hing Mit halbem Leib zum Fenster heraus, sie schrie laut:Fränlem Berg, Fräulein Berg!" Die rasselrrden Wagen, das Rollen der Pferdebahn übertönten den Ruf. .

Fräulein Berg!" Der Name zerflattcrte in der Lust. Da ging sie hin, das blaßblaue Kleid verwehte um. die nächste Ecke. ,,

Ich weiß nicht, warum ich so dumm put," murmelte Nelda und wischte sich über die Stirn; langsam, fast wtder- willig schloß sie das Fenster, und dann ging sie zurück und setzte' sich auf beit alten Platz in der engen Komnrke. Das Schreiben wollte nicht vorangehen.

Mein geliebter Onkel!

Wie geht es Dir? Alle Tage und Stunden denke ich an Papa und Dich, ich wünschte oft, ich könnte bet

Weiter kam sie nicht, und -sie war doch ganz allein. Nichts regte sich, nur der Star , drüben pffis: langiam verblaßte das Sonnengold, jenseits die hohe Hauswand warf schon eilten düstern Schatten ins Fenster. Sie lehnte sich zurück und schloß die Augen. .Ach, so emsam, so still.

Ich wünschte oft, ich könnte bei Dir seni. fte lächelte, ihr war, als hörte sie Tannen rauschen, eine frischere Luft umfächelte die Stirn, die Brust hob sich tu einem sehn­süchtigen Seufzer. Das ivar.die Natur, groß und unberührt, heilig; und mitten drein tönte des Onkels Stimme < Lieg du nur einmal so recht fest an der Brust der Natur, dann kriegst du andre Augen, sie werden heller. Atau wird besser. Wunden hcileik kann nur die Natur. Tic Natur ist Gott." ,

Ich wünschte, ich könnte dort sein," murmelten ihre Lippen. Die Feder fiel ihr aus der Hand, rollte uver's Papier, hinab auf den Fußboden; sie achtete es nicht. 1.. -Sie ging wieder durch die Dorfgafie, und die Kinder liefen ihr entgegen, und die Leute nickten ihr zu: Sei Se als Widder hei, Fräulen Nelda? Dat es gut! Wie der Onkel sich freuen würde! .

, Ich bin alt geworden," schrieb er ini letzten Bries, all und mkd. Meine Eifeler sind gut, aber Not und