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und Löffeln. Jezo will ich mich auch MM Bürger in Rolle emkauffen, damit meine Kinder Schweizer Reckte genißen." Nur soviel kann ich zu diesem Brief erwähnen, daß Merck nach der Mitteilung des Stadtarchivs zu Rolle nicht dazu ge­kommen ist, sich das Bürgerrecht dieser Stadt zu erwerben; die Schläge des Sommers 1788 werden auch feine schönsten Hoffnungen für die Schweiz zunichte gemacht haben.

Wenn meine Darlegungen dazu beitragen, das Andenken an Merck zu wecken, so ist meine vornehmste Absicht erfüllt. Nur wünsche ich, unsern Stadtvätern noch einen ergebenen Vor­schlag vortragen zu dürfen. Sollte in einer Stadtverordneten­sitzung wieder einmal eine gewisse Verlegenheit bestehen, wie man eine neue Straße innerhalb Darmstadts taufen oder viel­leicht eine andere umtaufen könne, so wird es ein Akt gerechter Pietät sein, sich des Darmstädter Kriegsrates Johann Heinrich Merck zu erinnern! Es ist mehr lote bedauerlich, daß es 6i8f heute nicht geschehen ist, bald 120 Jahre nach 'dem Tode des Mannes, dessen strahlender Name Darmstadt immer einen Schein verklungener Größe leihen kann. Stolz müssen wir sein können auf diesen Herrn Kriegsrat mit der literarischen Feder Hinterm Ohr, wenn wir vor fernem Denkmal . . . Doch wohin verirrt sich meine Hoffnung!

Nicht unterlassen möchte ich es, zum Schluß die Darmstädter Merck-Freunde es wäre bedauerlich, wenn sich nicht viele als solche bekennen wollten! anzuregen, wenigstens das Sterbe­haus mit einer ehrenden Gedenktafel zu schmücken. Kommt es mir nur darauf an, den Anstoß zu geben zu einem Denkmal, das uns dankbare Verehrung zur Pflicht machen sollte, so bin ich gern bereit, auf ev. Veranlassung auch Noch ein übriges hierbei zu tun!

wie San Francisco aus der Asche stieg.

Große Festlichkeiten verherrlichen jetzt in ganz Amerika den glücklich vollendeten Wiederaufbau San Francisoos; glänzende Festzüge durchziehen die in herrlicherer Pracht neuerstandencn Straßen; ein Freudentaumel umfängt die Bewohner, die vor wenig mehr denn drei Jahren in eine nicht wieder gut zu machende Not, in hoffnungslose Verzweiflung gestürzt zu sein schienen. So grell intb überraschend sind die Kontraste zwischen diesem entsetzlichen 18. April 1906, der die mächtige Stadt in Trümmern begrub, rmd den nun anhebenden Jubeltagen, daß inan sich erst die heroische unermüdliche Arbeit dieser Zwischenzeit vergegenwärtigen muß, die das NeueFrisco" zu einem stolzen Deirkinal des nie verzagenden, ewig schaffenden Menschengeistes macht. In einem englischen Blatt erzählt ein Korrespondent, der das rasche Empor- blühen in seinen einzelnen Stadien genau verfolgt hat, von dem tvNndersamcn Neuentstehen derPhönix-Stadt". Wer kurz nach dem Unglück ureilenlang durch Ruinenhaufen, wirre Massen von Ziegeln, Stein und Stahl sich mühselig den Weg gesucht, der mußte glauben. Nun sei alles ans. Wie konnte man wagen, San Francisco auf derselben Stelle wieder aufzubaueu? Die Kalifornier selbst glaubten nicht daran. Oakland schien der Haupt- zufluchtsort, den man aus dieser rauchenden Hölle wählte; Ge­schäfte, die früher in der zerstörten Stadt gewesen, eröffneten hier prächtige Läden; vornehme Restaurants erschienen hier plötzlich tote durch einen Zauber. Aber bald war aller Zweifel gewichen: San Francisco' sollte sich wieder ans der Asche erheben, stolzer und herrlicher als zuvor. Eine Woche nach'der Zerstörung wurde bereits der Anfang gemacht; nach wenigen Tagen verkehrten schon wieder die Straßenbahnen und ein provisorischer Telephon­dienst wurde eingerichtet. Ein halbes Jahr später schien auf den 'ersten Blick zwar noch alles beim alten; da lagen noch immer in den Straßen Schutthaufen, die zerborstenen Stahlgerüste; ab und zuertranken" geradezu Personen in den; Schlamm und Schmutz an wichtigm Verkehrsadern. Aber wer näher zusah, bemerkte das Unaufhörliche Wirken und Walten riesiger Arbeitskräfte, wurde betäubt von deut furchtbaren Länn der stöhnenden und fauchenden Maschinen, von dem Gerassel'der hin und her eilenden Lastwagen, dem Gewimmel der gewaltigen Arbeiterscharen. Die Grundlage für ein neues San Francisco war schon geschaffen. lieber all wurden Pfähle eingerammt, denn die Stadt liegt ja zum großen Teil ans einem Boden, der erst dem Meere abgerungen wurde, und muß wie Venedig auf Pfählen gebaut werden. Dieser Teil hatte am meisten unter dem Erdbeben gelitten und die Aufführung der Fundamente für die großen Stahl- und Steiubauten nahm fast 'ebenso viel Zeit in -Anspruch wie der Bau selbst. Ungeheure Materialmengen mußten hcrbeigeschafft werden; niemals hatte matt so nötig Arbeiter gebraucht. Ein Emporschnellen der Löhne, -ein Aufblühen der verschiedensten Handelszweige war die Folge. Merarbeiter bekamen 320 Mk. die Woche, Maurer 240 Mk., besser ausgebildete Werklcute konnten die höchsten Forderungen stellen, 'ohne daß sie ihnen abgeschlagen wurden. Der Arbeiter fühlte sich als wohlhabender Mann; er trat danach auf im Wirtshaus und un Laden. Selten sind so viel kostbare Dinge in San Francisco verkauft worden, waren die Restaurants so überfüllt, tote tn diesen Monaten des ersten Feuereifers, in denen man die Wolkenkratzer aus dem Boden stampfen wollte. Natürlich folgten mtf diese Hochkonjunktur auch wieder Unterbrechungen; die Uüter-

NLhmer machten sich durch UeberbieteN gegenseitig dw Arbeitet abspenstig; immer höhere Löhne wurden gezahlt und immer größere Forderungen erhoben, bis schließlich Streik auf Streik ausbrach und die Arbeit stockte. Die kaum zu einem Biertel erbaute Stadt schien als ein Monument des UebermNts und Größenwahns zurück­zubleiben-. Aber auch.diese Schwierigkeiten ivurden überwunden; gesundere Verhältnisse traten wieder ein zwischen Unternehmern und Arbeitern; stetig und machtvoll stiegen nun die Mauerst höher und höher empor. Int Winter 1908 umrahmten die ganze Market-Street große Gebäude, die plötzlich da zu sein schienen wie Aladdins Palast. Die prächtigen Fassadeit strahlten in ihrem Schmuck, große Läden und Geschäfts lokale öffneten sich; int Jnnerst war aller moderner Luxus vorhanden, von der Porzellanwanne bis zum elektrischen Licht. Und auch sonst waren die Häuser wie Pilze empor geschossen. Auf den Ruinen des alten erhob sich ein schöneres neues Frisco. Was War z. B. aus dem schmutzigen verfallenen Chinesenviertel geworden? Solide Stahlbauten standet i nun da in luftigen, Hellen, reinlichen Straßen; die Fassaden leuchteten von blitzendem Glas und nur die exotischen Ornamente, die bunten Laternen und die geheimnisvoll abgeteilten Räume verrieten die Stätte der Opiumhöhlen und anderer Laster. Palast­artige Rieseuhotels öffneten ihre Pforten und erglänzten in Glanz von Gold und Purpur, in der luxuriösen Ausstattung mit vi«l- farbigent Marmor, Alabaster und Mahagoni. Die Wiederaust- erstehung San Francisoos war in allen Einzelheiten so vollständig, daß mau sich von dem Gedanken nicht sreimachen konnte, hier sei ein Wunder geschehen. Der große Wan des berühmten ame- rikanischen Architekten Burnham, der aus Frisco dasParis des Westens" hatte machen wollen, war freilich nicht ausgeführt worden. Die Stadt ward in der alten Form wieder ausgeführt, jedes Gebäude auf seinem alten Platze, nur größer, schöner und prächtiger. So entstand ein strahlendes Bild, das gerade durch den Vergleich mit der Bergaitgenheit seinen höchsten Zauber entfaltet.

vermischtes.

* Der M u f f. Er ist ein Liebling der Frauen, die ihm ihre Neigung, freilich erst seit kaum hundert Jahren, zuwenden. Vordem galt er als ein Gardcvobestück der Minner; selbst Offiziere schämten sich nicht, mit ihm Staat zu machen. Tas !var zu Paris, wo alle Mode geboren wird, und in den französischen Salons galt es- in den Tagen des jugendlichen Voltaire als besonders elegant, wenn die Kavaliere ihre Hände in riesigen Pelzröhrcst versteckten. Damen verschmähten damals seltsamerweise die schützende Hüll« eines Muffes und überließen dies Gerät dem stärkeren Geschlechte. Auf der Gasse sah man den Muff auch bei den Männern nicht, er war ausschließlich ein Paradestück des Salons, und die feinen Stutzer ließen sich von ihren Dienerst jene gewaltigen Gehäuse aus Bärenfell bis in die Besuchsstube nachtragen. Ein Schutz ftir die Hände gegen Frost und Wetter war der Muff damals also nicht, und als er int Laufe des 16. Jahrhunderts zu Paris erfunden wurde, dachte man kaum an de» nützlichen Dienst, dessen er fähig ist. Aber die Grönländer und Eskimos haben sich auf eigene Faust den Muff ersonnen und man weiß, daß die Jagdherren, die den Unbilden des Winters' int Walde trotzen müssen, längst vor den Pariser Modenarrest den Muff zu ihrem nützlichen Begleiter erkoren. In den bunten Tagen der Restauratioit sah man auf den Boulevards bereits die ersten Frauen Muffe tragen, und von da ab 'verzichten die Herren der Schöpfung auf dies Toilettenstück und überlassen es großmütig ihren schöneren Partnerinnen. Die Mode aber macht auch fernerhin den Muff zum Spielball ihrer Launen; bald von riesigem Umfang, wie in den Zeiten der Biedenmeier, bald klein­winzig, daß kaum die zartesteit Händchen darin Raum finden, ist er ein klassischer Zeuge für den Watchel und ewigen Wechsel unseresGeschmackes".

Rösselsprung.

Auflösung in nächster Nummer.

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Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer:

N i ch t s ist h ö h e r zu schätzen, als d e r W e r t desTageS.

Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Veclag der Bruhl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießest.