Ausgabe 
4.11.1909
 
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Wn, Dori bent Prinzen Georg Wilhelm, der wähl meist, auf seinem Lustschloß in Brannshardt lebte, später von dem Schöffen von Loen (aus Frankfurt), der es seit deut Jahre 1784 besaß und. Nachher an Merck verkaufte. Auch Freiherr von Schenck bemerkte gelegentlich seiner zusammen fassenden Darstellung der strittigen Frage in denQuartalblättern des Histor.Vereins für das Groß- herzogtum Hessen" (N. F. 1. Darmstadt 1899), der Schöffe von Loen habe das Gut verwalten lassen. Aecker hat Merck znmi größten Teile erst im Jahre 1790 gekauft; beim in den Flur­büchern sind die vorhergehenden Besitzer noch mit der Jahreszahl 1789 oder 1790 (erste Hälfte) verzeichnet. Auf jeden Fall steht fest, daß Merck seit dem Frühjahr 1776 in Arheilgen gewohnt hat.

Nun zu dem andern Punkte der Frage: Mercks Druckerei. Von vornherein muß ich ausdrücklich betonen, daß es sich nir­gends ausgesprochen findet, Merck selbst habe eine Druckerei be­sessen, jwtf) viel weniger wo, abgesehen von der Bemerkung Wag­ners (s. o.). Aus GoethesDichtung und Wahrheit" wissen wir, daß Merck den Druck desGötz von' Berlichingen" besorgte, während Goethe das Papier beschaffte. Kein Wort davon, daß Merck das Werk in einer eigenen Druckerei habe brücken lassen.

Es ist vielleicht von Wert, einige briefliche Aeußerungen Mercks über seine Verlagstätigkeit und mögliche Druckerei an­zuführen. In einem Brief vom 25. Dezember 1772 (ungedruckt, in der Herzoglichen Autographensammlung auf Koburg) schreibt er an F. H. Jacobi:

Hier lege ich etwas bey aus meiner Verlagsfabrik; lesen, erkennen, genießen Sie!. (Das folgende ist vorsichtig ausgestrichen inid nur mit Mühe zu entziffern als:) Sovil kau ich Ihnen zum voraus sagen, daß ich zu keinem ebenso wenig der Vers, als zu....."

Weiter heißt es in einem Briefe Mercks an I. G. Jacobi (1772):

Bald wollte .... ich Ihnen eine Annonce einer neuen Ausgabe von Shakefpear die ich unter Händen habe mitschiken, und was dergleichen mehr war. Ich wartete also, und könnte noch länger warten, denn es ist von allen diesen noch nichts fertig."

Merck an Wieland (1. Februar 1773):

Hier leg ich Ihnen noch alletley Piecen bey, die ich zum Theil verlegt, coinponirt und edirt habe. Die Rhapsodie (s. u.) ist von mir nach Swift. Die Baukunst und der Pastorbrilef von Tr. Goethe in Frft."

Aus diesen Stellungen geht unzweideutig hervor, daß sich Merck mit dem Verlag von Druckwerken abgegeben, keineswegs aber, daß er selbst eine Druckerei besessen hat. Nach dem Brief von Claudius an Boß:Es ist hier so wohlfeil drucken" (s. o.) ist vielmehr anzunehmen, daß sich die Druckerei, einerlei ob sie Merck gehörte oder nicht, in Darmstadt befand. Da Merck vor dem Jahre 1775 nicht in Arheilgen wohnte, seine aus­gedehnte Verlagstätigkeit sich besonders auf die Jahre 1772 und 1773 erstreckte, in denen er neben GoethesGoetz von Ber- lichingen" noch folgende Werke zum Druck brachte: Goethe: Von deutscher Baukunst. D. M. Ervini o. Steinbach. 1773 (ohne Ort; bereits im November 1772 ausgegeben) 16 S. 8°. Goethe: Brief des Pastors zu t T t an den neuen Pastor zu. t t 's. Aus dem Französischen. 1773 (ohne Ort) 26 S. 8°. (Merck): Rhapsodie von! Johann Heinrich Reimhart dem Jüngern. 1773 (ohne Ort) 16 S. 8°. Works vf Ossian; (Nachdruck der englischen Ausgabe mit einer von Goethe gezeichneten Titel­vignette) Band 1 und 2 ohne Ort und Jahr (vergl. darüber! Zeitschrift für Bücherfreunde" 1908) so halte ich es für vollkommen ausgeschlossen, daß Merck im Jahre 1773 in Ar­heilgen eine Druckerei, in der GoethesGoetz von Berlichingen" gedruckt worden ist, besessen hat.

Um es noch einmal zufaimuenzufassen, so steht fest, daß Merck seit dem Frühjahr 1776 in Arheilgen wohnte; wann er das Haus käuflich erworben hat, ist dagegen nicht mehr zu ermitteln. Keineswegs aber ist für Arheilgen die Hypothese von Mercks Druckerei zu halten.

Mercks Häuser in Darmstadt.

Nach Beantwortung derArheilger Frage" tritt nun eine nicht minder interessante,, noch ungelöste Frage an uns heran: Wo hat Merck in Darmstadt gewohnt? Welche Häuser dürfest wir als Geburts- und Sterbehaus bezeichnen?

Sein Geburtshaus ist nicht schwer zu finden; es ist das Haus Schiilerplatz Nr. 8 (Schuhhaus I. G. Jacob) nach dem alten Flurbuch 'Haus Nr. 4 in dem die Familie Merck bis zu dem Jahre 1819 dieEngelapotheke" führte. Hier hat Merck unter den Augen einer ihn zärtlich 'liebenden Mutter seine Jugendjahre verbracht; denn 1757 bezog er als sind, theol. die Universität Gießen und kehrte nach 'längeren Studien (auch in Erlangen) und Reisen (so nach der Schweiz als Reisebegleiter eines Herrn von Bibra) erst 1766 nach Hause zurück; verheiratet, ohne jede Anwartschaft auf eine Stelle in der Heimat, nur mit dem Namen eines kenntnisreichen Schriftstellers. Die Sorge für die Existenz seiner Familie zwäng ihn, so ungern er es auch tun litocbte, als Schreiber an der Fürstlichen Kanzlei von unten! astzusangen; doch schon 1767 zum Sekretär ernannt, würde ihm GN 30. November 1768ist Ansehung seiner uns angerühmten

Geschicklichkeit, und ihm weiters beygelegten guten Zeugnissen"4) das Amt eines Kriegs-Cassiers bey dem Kriegs-Departement, von 1774 ab nut dem TitelKriegsrat" verbunden, übertragen n .H", den ersten Jahren seines Aufenthaltes in Darmstadt wellte ihm fein Schwager, der Regierungsrat und Geh. Sekretär Hoffmann dessen Gattin, Mercks Halbschwester Anna Regina, zwar schon feit 1759 tot war, fein Haus Ecke Rheinstraßp und Loiusenplatz, in das 1819 die MerckscheEngelapotheke" verlegt würde, zur Verfügung.

Erst im Jähre 1773 kaufte Merck (nach dem Eintrag in dein Hauserverzeichms von 1772 im Besitz des Gvoßherzogl. Haus- nnd Staatsarchivs) von der Frau Majorin von Hill ein Haus m derdienen Vorstadt" Nr. 582 (vergl. den Weitzschen Plan von Darmstadt 1799) neben derTraube", heute Luisenstraße Nr.. 8, das.er zu Anfang des Jahres 1774 bezog und im Sommer 1781 an den Geh. Tribunalrat Höpfner, der von Gießen nach Darmstadt berufen ioar, verkaufte; nicht wie Fuchs fälschlich an- nunrnt 1775. Denn itnterm 4. Mai 1781 bittet Höpfner,34 Wochen in Gießen bleiben zu können, da das Haus noch nicht geräumt sehe, das er beziehen woll". Abgesehen von AeckerN und Wiesen, bie fast ohne Ausnahme 1788/89 in anbern Besitz übergingen, erwarb Merck im Jahre 1780 einen Garten (von 464 alten Ruthen)am Heilgen Kreuz Beim Brunnen rechter Hand", der heute zurRoederschen Villa" eingezogen ist. Der Garten, den er von 1776 bis ,1780 besaß, ließ sich nicht sest- stellen, bit hier die ist jeder Beziehung lückenhaften Flurbücher völlig versagten3).

Mercks Sterb eh a ü s.

Ende Mai 1781 bezog Merck ein anderes Haus, und zwar nicht, wie man bisher ganz unbestimmt annahm, am Balkon­platz, sondern, wie aus bent Häuserverzeichnis (von 1785) her-- vorgeht, das Haus Nr. 106 (vergl. den Weiß'schen Stadtplän), bestehend aus Wohnhaus, Seitenbau rechts und links, Scheuer und Remise, und einer Hofreite von 70 alten Ruthen; heute ist es das Haus Magdalenenstr. dir. 21, Herrn Landwirt Hilde­brand gehörig. Tas Haus ist mit allen Nebengebäuden bis heute noch fast genau so erhalten, wie es zu Mercks Zeiten gewesen ist; ursprünglich stieß der Garten an die Stadtmauer (nach bet Mauerstraße), bis dann 1840 und später Teile des Gartens ver- kanst wurden, so z. B. au das HauS Lautefchlägerstraße Nr. 5.

Merck selbst hat das Haus bis zu seinem Tode bewohnt, wo es 1791 an den Steuerkommissär Eberhard verkauft wurde (vergl. Tarmst. Flurbuch 1824, Bd. 2, S. 877); im Jahre 1799 wurde es auf 6000 fl. eingeschätzt. Von Eberhards Erben ging es 1830 in den Besitz von Martin Büttinger und seiner Frau, geb. Köhler, über; von 1869 ab besaß es L. Simon, bis es schließlich im August 1873 die Familie Hildebrand käuflich er­warb, in deren Besitz es sich noch heute befindet.

Ehe ich von der Frage nach Mercks Häusern Abschied nehme, muß ich erwähnen, daß sich Merck auch in der Schweiz angekauft hatte, wahrscheinlich im Jahre 1787 (vielleicht schon 1786); denn Herbst 1786 meldet er an Camper den reichen .Ertrag seiner Traubenlese in der Schweiz. Seiber ist es mir nicht gelungen, darüber aktenmäßige Feststellungen zu machen, trotz, der freund­lichen Bemühungen von Seiten des Staatsarchivs, der Schweizer Landesbibliothek zu Bern' und des Stadtarchivs zu Rolle: ich muß mich daher darauf beschränken, als einzigen Beleg den Brief Mercks an Wieland vom 19. Februar 1788 (ungedruckt; im Besitz des Germanischen Nationalmuseums zu Nürnberg4) anzuführen: Ich wär vorigen Herbst wieder in' der Schweiz, u. habe nun' förml. in der Schweiz besiz genommen. An dem weitesten Busen des Genffer Sees Thonon gegenüber, u. Evian, u. Ri­paille, besiz« ich ein Haus mit 7 Betten, das so meuHirt ist, daß ich nichts weiter mitzubringen habe, als meine Gabeln

2) Nach den Akten im Großh. Haus- und Stg,atsärchi'v.

3) Unterdrücken kann ich hier nicht bie Bemerkung, daß es sehr denken gibt, wenn eine Stadt wie Darmstadt keine voll­ständigen, zusammenhängenden Flurbücher besitzt. Das älteste, 1704 angelegt, in dem ein besonders kluger Schreiber von 1770 Sie Worte nicht verbeißen' konnte:O ihr armen Flurbücher, wie seht ihr traurig aus!" reicht bis ungefähr 1775. Es folgen weitere zwei Flurbücher von" je 6 Bänden, bie bie Zeit von 1780 bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts umfassen; beide sind Nnvöllständig, bei dem einen fehlt Band 1 (Häuscrverzeich-- nis), bei beut anderen zwei Bänbe (Häuserverz. u. Nieberfelb). Das nächste Flurbuch beginnt erst mit dem Iahte 1824. Ferner existiert noch ein Unabhängig von den Flurbüchern wohl um' 1785 angesangen.es Häuserverzeichnis (wahrscheinlich zu ©teuer» zwecken angelegt), das mit bent Haus Nr. 156 abbricht. Alles Suchen nach den fehlenden Büchern, selbst auf bent Speicher des Rathauses, war vergebens. Ich will es nicht versäumen, an dieser Stelle Herrn Rechnungsrat Danb zu danken für seine freundlichen Bemühungen bei dieser Suche; ebenso Herrn Stadt- geomter Fleckenstein für die Erlaubnis, das vorhandene Material längere Wochen benutzen zu können, löte auch Herrn Buchhalter Zepp für bie liebenswürdige Förderung und Herrn Primaner H. von der Au (Arheilgen). r

») Ter Direktion spreche ich hiermit meinen ftcuiiMwUi Dästk aus für die gütige Uebcrlassmtg der Briefe.