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ko firmierte Wachsfiguren, Ne hervorrag'ende PersEn aus btifl Dramen Shakespeares barstellten. Später tauchten die Vaiican- foufdjm Automaten auf, an ihrer Spitze der Flötenspieler, sind die Hafer fressende und verdauende Ente, die Goethe 1805 bei dem wunderlichen Professor Beireis in! Helmstädt besichtigte. 25 Jahre früher — man schrieb 1780 — war in Paris bereits! das Tnssaudsche Wachsfigurenkabinett eröffnet Wörden. In großem Maßstabe angelegt, kann es mit Fug und Recht als das erst« Panoptikum bezeichnet werben. Seinen Inhalt bildeten in großer Menge Gestalten erotischen Charakters und BerühmheiteU der Geschichte, Bühne und Verbrecherwelt. Das höchste Ent- zücken der Pariser riesen eine Anzahl zwitschernder Kolibris!, eine atmende Venus unb ein jonglierender Chinese hervor. Sogar König Ludwig XVI. und Marie Antoinette besuchten das Tusfaudsche Kabinett. Fm Jahre 1802 verlegte Madame Tussaud ihr Institut nach London, wo es qn der Maryelebone-roab noch heute existiert unb sich ebenso wie seine erheblich jüngeren Kollegen, Canstans Panoptikum und Passages-Panoptikum in Berlin, großen Zulaufs erfreut. G. B.
Vermischtes.
* Der Nordpol und die Seherin. Wenn nicht alles trügt, ist Graf Zeppelin gänzlich frei von Aberglauben; er wird daher um so erstaunter fein, wenn er hört, daß seine geplante Nordpolfahrt per Luitschiff bereits im Jahre 1905 — angekündigt worden ist. Damals hat die speziell in Berlin ehemals sehr geschätzte „Seherin" Ferrism, die durch ihre Visionen über das Erdbeben auf Martinique, die Freilassung des Kapitäns Dreisus lt. a. viel von sich reden machte, ein Buch veröffentlicht unter dem Titel: Mein geistiges Schauen. Tarin sagt die „Seherin" über die Erreichung des Nordpols: „In dem dritten Gesicht, welches sehr deutlich war, sah ich zwei Luftschiffe, von denen! das eine lenkbar machende „Adlerflügel" unb eine innen mit Aluminium ausgeschlagene Gondel besitzen wirb, mit bestem Erfolg dem Pol zufliegen." Aber die Seherin laßt es dabei nicht bewenden; sie sieht auch die plötzliche Gründung einer deutschen Kolonie int höchsten Norden, nahe dem Pol, voraus, durch deren Besitz Deutschland der mächtigste Staat sein wird, „das Ganze wird ein politischer Schachzug sein," sagt sie. Gras Zeppelin w>rd nun wissen, wie er es zu machen hat, vorausgesetzt, daß die neueste Meldung vort der Erreichung des Nordpols durch Cook sich nicht bewahrheitet. Sollte diese indessen Tatsache sein, so scheint die Seherin iit ihrer Clairvohance nicht allzu klar gesehen zu haben.
* Die Nationalhymne der Afghanen. Eine amüsante Kitchener-Anekdote wird in M. A. P. erzählt:. Lord Kitchener gehört- zü- den wenigen Sterblichen, die silch rühmen können, eine Nationalhymne geschaffen zu haben. Bei dem Besuche des Emirs von Afghanistan in Indien nämlich war von dem Generalstab in Simla der Befehl ausgegangen, daß her Emir bei allen festlichen Gelegenheiten von den Militärkapellen mit der Nationalhymne von Afghanistan begrüßt und geehrt werden sollte. Aber als man nach der Nationalhymne der Afghanen forschte, da geriet man in die größte Verlegenheit, denn niemand kannte etwas derartiges oder hatte je davon gehört. Zn dieser schwierigen Lage wandte man fidj an Lord Kitchener und der wußte rasch Rat. „Wozu erst soviel Geschichten machen?" sagte ler summarisch, „spielt einen Takt öder zwei von irgend etwas, das langsam und pomphaft klingt, unb damit ist's gut!" Da man aber meinte, daß „ein Takt oder zwei" für den Emir doch zu wenig sei, so spielte die erste Kapelle, die ihn begrüßte, einen Marsch aus einer deutschen Oper sehr langsam unb feierlich unb das ahmten bann alle Militärkapellen in Indien nach. Das Amüsanteste an bei:. Sache war, baß einige der indischen Zeitungen in begeisterten Artikeln das Lob von der „zauberhaft schönen Nationalhymne der Afghanen" sangen.
* Der Pharos von Alexandria. Der alte Leuchtturm des antiken Alexandria, der zu den sieben Weltwundern, gezählt würde, ist seit altersher für den Bau von Leuchttürmen vorbildlich 'geworden: sein Name ist sogar zum Gattungsnamen für Leuchttürme überhaupt geworden. Aus dem lateinischen Pharus ist das portugiesische Pharo, das französische phare, das italienische Und spanische faro geworden. Nach zahlreichen Umbauten wurde der in der antiken Welt hochberühmte Pharos im Jahre 1317 zerstört. Der Name lebte weiter, aber seine Reste gerieten in Vergessenheit, und jahrhundertelang kannte man nicht einmal mehr den Standort des alten Leuchtturmes. Professor Thiersch Vermutet ihn in der Nähe des heutigen Forts Kaftbay und hat, wie er in der „Internationalen Wochenschrift" ausführt, die Absicht, das noch vorhandene Fundament zu durchforschen; zugleich gibt er eine interessante Rekonstruktion des alten Bauest Er erhob sich äüf der östlichen Spitze der kleinen Insel Pharos. Im Jahre 283 v. Chr. wurde er im Auftrag des Königs Ptolornäus' Philadelphns vollendet. Drei Stockwerke bildeten den Feuerturm. Das erste, im Grundriß ein Quadrat, war 60 Meter hoch, hatte auf der Südseite eine Eingangstür und war von kleinen Luken durchbrochen, die zur Beleuchtung der im Innern befindlichen Vorratskammern dienten. Dieses Hauptstockwerk wurde von einer
Plattform abgeschlossen, die geschmückt war mit riesigen bronzenen, Muschelhörner blasenden Seekentauren. Es folgte ein 30 Meter hohes, rechteckiges Geschoß, das mieberüirt durch eine Plattform! abgeschlossen war. Das dritte Stockwerk war zylinderförmig Und Barg in seinem Kops das Leuchtfeuer. Darüber stand noch eine bronzene Riefenstatne, wahrscheinlich die des Poseidon. In seinen Tiefen enthielt der Pharos ein Trinkwasserreservoir. Ein list- artiger Auszug am Außenbau ermöglichte das Emporschasfen der notwendigen Materialien. Die Gesamthöhe des Pharos betrug nach 'Thiersch 120 Meter, eine auch für einen modernen Leucht- turirt respektable Höhe.
* Das Bvrrücken des Ziesels. Volt der interessanten Tierwelt, die Deutschland in seiner Steppenzeit beherbergte, haben sich nur ganz wenige Arten bei uns gehalten, als das Klima sich änderte und die Steppe dein Walde Platze machen mußte. In jener Zeit lebten Springmäuse, mehrere Ziesel- unb Hamsterarten, das Steppenmurmeltier ober Bobak, bie rüsselartige Saiga- antilope, Wildpf erbe unb Wildesel bei uns. Sie alle wichen zurück, als ber Wald immer mehr Land bedeckte, bis' auf oeitz Hamster, der sich in Ost- und Mitteldeutschland hielt, und den Ziesel. Nach 'Albertus Magnus kam er früher noch bei Regensburg vor, ist aber dort schon lange verschwunden. Bei Wien, im südöstlichen Böhmen und in Schlesien behauptete er sich noch Und rückt seit einiger .Zeit, begünstigt durch 'bie Zunahme der Getreidesteppe, mehr nach bem Westen vor. So hat er bie nieb- rigen Sättel des östlichen Erzgebirges überschritten unb sich int Königreiche Sachsen zwischen Lauenstein unb Hellendors an- gesiebelt. Dieses zierliche, saubsarbige Zwerg Murmeltier lebt in Erdlöchern auf besseren Stoben, nährt sich von Wurzeln, Kräutern unb Insekten und kann, wo es massenhaft vorkommt, burch feilt Wühlen unter Umständen lästig werden. Für Deutschland ist das kaum zu befürchten, da das feuchte Klima seiner Vermehrung nicht günstig ist.
* Trauergebräuche i m A1 ter tum. Schwarz ist seit einigen Jahrhunderten die Farbe, die zum Zeichen ber Trauer getragen wird; dies war aber nicht immer der Fall, sondern es waren und sind zum teil auch noch andere Farben zu biefent Zweck in Gebrauch. So kleideten sich die Aegypter beim Verlust eines Angehörigen in Gelb, die Acthiopier in Grau. In Rom unb in Sparta trügen bie Männer schwarze, bie Frauen bagegen weiße Farben. Bei beit Chinesen unb Siamesen ist noch jetzt Weiß, bei den Türken Türkisblau unb Violett bie herkömmliche Trauer- färbe. In allen diesen Füllen handelt es sich um Symbole. So soll das Gelb ber Aegypter an bie Zersetzung des menschlichen Körpers erinnern und das Grau ber Aetiopier den Staub versinnbildlichen, aus bem ber Mensch kommt und zu dem er wird. Violett dagegen bedeutet die Hoffnung auf bie Ewigkeit, Weiß ist die Farbe ber Unsterblichkeit. Außer den Farben aber gab und gibt es, abgesehen von ben Zeremonien, bei allen Völkern noch andere Abzeichen der Trauer, von betten das Giornale d'Antro- pologia in seiner letzten Nummer eine Zusammenstellung bringt. Orest schnitt sich am Grabe seines Vaters die Haare ab: dies ist ein uralter orientalischer Gebrauch, der noch heutzutage geübt wird. Die Römer dagegen ließen Kops- unb Barthaare wachsen. Die altert Juden zerrauften sich, wie die Bibel berichtet, Haar Und Bart, zerkratzten sich das Gesicht und bestreuten sich 'mit Äsche, eine Sitte, die in Polen noch heutzutage gattg unb gäbe ist. Die Zeit ber Trauer war bei den Römern auf 10 Monate festgesetzt; während dieser Zeit durste der zurückgebliebene Gatte nicht wieder heiraten. Für Kinder unter drei Jahren existierte keine festgesetzte Trauerzeit, für ältere dagegen betrug sie so viel Monate als der ober bie Verstorbene Jahre gezählt hatte. Beim Tod berühmter Männer.unb hei nationalen Katastrophen wurde! vorn Senat eine eigene Trauerzeit festgesetzt, so nach 'der unglücklichen Schlacht bei Cattrtä eine solche von 30 Tagen.
Rösselsprung.
Auflösung in nächster Nummer.
ab
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je
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harten
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mühe
treue
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schweiß
sich
die
wissend
galt
schick
ringt
Auflösung des Ergänzungsrütsels in voriger Nummerr Vielen teile deine Freuden, Allen Munterkeit unb Scherz, Wenig Edlen deine Leiden, Auserwählten nur dein Herz l
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag ber Brühl'schen Universitäts-Buch- unb Steindruckerei, R. Lange, Gießen-


