Samstag den 4. September
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Peter Nockler.
Die Geschichte eines Schneiders von Wilhelm Holzamer.
(Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Sie waren wieder hinunter in die Wohnstube gegangen !und sahen dem Michel nach, wie er im Nachbarhaus fernen Besuch machte. ._
„Er bringt's aber fertig!" sagte der Peter, „s rs en Spitzbub, das." Die Elise war still.
Nach einer Weile fragte sie: „Hast du's gemacht, Peter?
„Ja," sagte er.
„Und hast du mir gar nichts gesagt?" ,
„Es sollt ja grad eine Ueberraschung für dich werden. Und 's wär doch mir der halbe Spaß für den Michel gewesen, wenrr du's gemerkt hättest. Ich hab so schon geglaubt ,
Lange sah ihn die Elise an. Eine Rote flog rhr ms Gesicht.
„Peter!" sagte sie.
Er nahm ihre Hand.
Dann weinte sie bitterlich.
*
Die Frau Sieben hatte den Peter gefragt, ob er mit der Elise gesprochen habe wegen der Fahrt zu den Eltern im Odenwald. „ ,,, , .. .
Er habe es getan, aber sie wollte rncht- Und sie konnte auch nicht. Das Frühjahr greife sie zu sehr an.
Da sei aber erst recht die Luftveränderung gut.
Ja, aber sie tu es doch nicht. Er habe den Eltern geschrieben, daß sie mal kommen sollten. Der Doktor halte ja auch das nicht für gut, es rege sie zu viel auf.
Ob's denn so schlimm mit rhr stehe?
Ja, der Doktor hab ihm gar kerne gute Hoffnung gemacht^ Qrme ^u! So jung — und könnt's doch
so mit hawwe auf der Welt!" .
Da ging der Peter. Das Herz krampfte rhm rm Lerbe.
Er ging in die Werkstatt und nahm ferne Arbeit. Er nähte flink drauf zu. Zentnerschwer lag es auf rhm.
So vielen ging's schlecht in der Welt - so viele waren überflüssig — rind sie mußte dazu ausgesucht, werden.
Auch die Freude an der Fastnacht hatte nichts geholfen. Das war mal ein Dag gewesen. Umsomehr hatte sre nachher 9CU Tlrtb nun war sie immer weniger geworden. Nun das Gras frisch kam und die Bäume trieben, welkte sre.
Gott, er fühlte es ja: sie mußte sterben. Aber ,re war ja noch so jung. Das Leben lag ja noch vor rhr, das, Leben hatte ihr ja noch so viel zu geben. Nern - er webrte sich — nein, sre durfte nicht sterben. Und schwer fiel's auf ihn - er würde ihr nicht helfen können. Wider den Tod ist kein Kräutlein gewachsen. „Wie arnr ist der Mensch," dachte er. „Wie schwach!"
Die Hände waren ihm in den Schoß gesunken. Er faß lange so. Und immer tiefer sank er zusammen.
Plötzlich wachte er aus seinem Träumen auf. Er sah die lange Kirchhofsmauer da vor sich und den dunklen Zypressenstand unten. Hinterm Neuberg sank schon die Sonne. Ihr letzter Schein lag auf der langen, weißen Mauer. Und zwischen den schwarzen Zypressen schwamm s wie rotes Gold. . . ,
Aus denr Kirchhoftor trat eine Frau, «re ging sehr langsam den Weg herauf. Ihr schmaler, großer Schatten ging an der Mauer mit ihr.
Der Peter sah lange hin. Er starrte. Eo überlief tf)n Unheimlich war das. Eine Angst packte ihn, als ob ein Gespenst da heraufwandelte — als ob hinter einem Menschen der Tod ginge.
Seine Frau war's. Er war unfähig, aufzustehen. Er mußte nur Hinsehen. „Ihr Schatten", sagte er sich. Ev war ja etwas ganz Natürliches. Aber er brachte den unheimlichen Eindruck doch nicht weg. , •
Immer langsamer war seine Frau letzt gegangen. Sre konnte nicht mehr. Sie trat an den Wegstein, sich da niederzusetzen. Ihr Schatten war zusammengekauert und hielt still
Da sprang er auf. Er zog seinen Rock an und ging ihr entgegen. Er lief geradezu. Ganz erschöpft fand er sie.
„Was ist dir, Elise?" . . ar+_
Sie konnte kaum sprechen. Sre war ganz auyer Atem. Sie wäre auf dem Kirchhof gewesen, am Grab der kleinen Anna-Maria. Sie hält noch einmal da hingehen müssen, bevor sie ganz hinkäme. Das werde ja doch bald geschehen. Und sie Hab einmal die Reihen gezahlt, lute weit sie von ihrem Kinde wegkäme.
Sie solle sich doch nicht mit so schweren, trüben Gedanken quälen, meinte der Peter.
Er brauche sie nicht zu trösten — sie wisse, wie es ihr fei;
s"^Dann fingen sie zusammen heim. Die Sonneivar unter- gegangen. Aengstlich schaute der Peter einmal um Der Schatten ging nicht mehr mit. Er atmete erleichtert auf.
Die Elise mußte zu Bett geheii. Sie war ganz schwach Ihr Herz schlug kaum noch. , .
1x5 Der Peter saß bet ihr am Bett. Er solle mal ein wenig bei ihr bleiben, dann könne er den Doktor noch immer rufen. Es nütze ja doch nichts. Er solle also mal da sitzen bleiben.
Der Peter tat's also. ,
Ewige Augenblicke war's mäuscheiistill in der Krankenstube Der Peter hielt ordentlich den Atem an. Ganz matt waren die Atemzüge seiner Frau. Er mußte sie förmlich
-erlauschen. iv. .
Die Elise strich sich über die Stirn. c .
„Siehst du, Peter," sagte sie, „das ist nun das End


