Ausgabe 
4.8.1909
 
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bedrückend eintönige Bild dieser Wohl gespannten HSuscrfchstur Kk bringen vermöchten, vermieden; nur für die Kirchen ist zumeist eilt Ehren raum gelassen, gern auch eine sichtbare Stelle auf dem S>ügel gewühlt. Und dieser Kirchen sind zahllose auf dem kleinen Raume der Vierdörfer: ihre Bewohner sind durch eine wahrhaft groteske konfessionelle Zersplitterung gespalten, und alle geistlichen Kirchen des Abend- und Morgenlandes, Katholiken, Lutheraner, Calvinisten, Unitarier und Orthodoxe, sind in der Gemarkung dieser seltsamen Gemeinden versammelt. Dazu kommt, daß selbst die Gleichgläubigen oft noch in den einzelnen Dörfern in zwei selbständige Kirchengemeinschaften zerfallen, so daß der blinkenden, hohen rind kleinen, kuppligen ustd spitzen Türme kein Ende ist, die sich mit ihren silbrigen Dächern von dem schwächlichen Hintergründe der Waldberge mannigfaltig genug abheben. Die Häuser sind klein, doch meist aus Steinen, selten aus Holz er­richtet, und in ihrer Bauart offenbar vom Stile in den Nahen sächsischen Gemeinden beeinflußt, ebenso nüchtern wie in diesen, nur durch ihre prächtigen hölzernen Tore vor ihnen' ausgezeichnet, die mit ihren allerliebsten geschnitzten Bekrönungen und Dächlein in den wechselndsten Mustern und Ornamenten das Individuelle in der sonst überall herrschenden Gleichmäßigkeit auf das reizendste vertreten. Auch die hölzernen Schattendächer, von zwei dünnen Stämmen gehalten, vor den Häusern, mit Bänken oder Sitztruhen darunter, sind von lieblichster Einfachheit, und ein Weib, das Nm Sonnenuntergang, den Säugling an der Brust, unter einem von ihnen ausruhend sitzt, vermöchte man für eine holde Mutter­gottes zu halten, wie manche von den alten Meistern sie ge- Lüdet haben.

Auch das Innere der besseren Häuser, die neben der ver­räucherten Küche rind dem Wohnraum mit einerguten Stube" prunken, die man so gut wie nie betritt, wirkt mit seinen bunt Und phantastisch benralten Truhen und dem Stolze seines Be­sitzers, dem Prnnkbett, auf deut gleich mehrere Strohsäcke auf- geschichtet liegen, die sichtbare Außenseite mit roten, blauen und schwarzen Stickereien auf das herrlichste geziert, sehr lieb und freundlich. Die Bettkissen, schön bestickt, stehen aufrecht zur Schau lind zeugen Dom Meiste der Töchter. Ihr Fehlen glaubt der Hauswirt seinem Gaste gegenüber sofort entschuldigen zu müssen, indem er beklagt, daß er keine weiblichen Kinder habe, die sein Haus ebenso fein zu schmücken verstünden, tote .das des Nach­bars. Das Prnnkbett ist nur für den Gast bestimmt, jedoch trotz einer Truhe, die davor gestellt ist, um dem so Geehrten -das Hin- aufklcttern zu erleichtern, Nur mit Mühe zu erklimmen: es gilt, sich mit einem kühnen Ansatz wie auf einen' Heuwagcn hinauf­zuschwingen, will man den Lohn der Mühe, in einer schier bodenlosen Flaumenweichheit zu versinken, nicht fahren lassen. So erhebt in den Siebendörfern am Rande der großen Wälder Und rauschenden Wildnisse mit Recht das Bett den Anspruch, als einziger und letzter Luxus der Kultur, als Brennpunkt aller überschüssigen, über die tägliche Notdurft hinausteichenden Be­dürfnisse dieser einsamen Ansiedler zu gelten. Und in einer rührend-kindlichen Weise verknüpfen sich mit ihm die Vorstellungen von Reichtum und Uebersluß bei den Bewohnern der Sieben­dörfer, die eben jene Csängös sind.

Ueber den Ursprung des Csängostammes ist nichts bekannt. Fest steht, daß sich seine Ausbreitung ausschließlich auf die Sieben­dörfer beschränkt; nur einige versprengte Familien finden sich in der Bukowina, ohne daß es erfindlich wäre, durch welche Schicksale sie dahin geraten sein könnten. Manche halten die Csängös für Mischlinge' von Magyaren und Walachen, doch spricht gegeir diese Annahme die Tatsache, daß die beiden Völkerschaften, obgleich in denselben Dörfern beieinander wohnend, fast jede gemeinsame Berührung vermeiden und es in historischer Zeit niemals vorgekommen ist, daß Csängojünglinge walachische Mäd­chen geheiratet hätten oder Umgekehrt. Andere wieder behaupten, die Csängös seien Nachkommen jener wilden Hordenvölker, die Jahrhunderte lang das siebenbürgische Laitd beunruhigten, der Kumanen rind Petschenegen, doch sind die aufgebrachten Beweise nur vor der patriotisch verdunkelten Vernunft magyarischer Ge­lehrter haltbar, die eine Ehre darein setzen, alle ungarisch sprechen­den Stämme von möglichst schreckenerregenden und durch ihren Blutdurst imponierenden Völkerschaften herzuleiten. Denn daß Europa dereinst vor diesen Völkern gezittert, scheint ihnen auch stuf die Enkel ein Lichtlein des Ruhms zu werfen, so daß man! füglich sagen kann, sie fühlten sich nie behaglicher, als wenn sie von ihren wirklichen oder vermeintlichen Vätern recht saftige Und unnatürliche Scheußlichkeiten berichten können, denn die er- hohen dieGloire" des Enkelstammes. Allein wie dem auch sei, jedenfalls unterscheiden sich die Csängös bedeutend von den vielen sie umgebenden Völkerschaften, sowohl was Eigentümlichkeit der Sprache und Kleidung, als was Sitten und Charakter anbelangt.

, Im allgemeinen gelten die Csängös als ein VolksstamM, dessen reiche tätige Kräfte, Fleiß, Bedürfnislosigkeit und Ausdauer leicht toon der hitzigen Endzündlichkeit ihres Temperaments überholt werden. Der Mangel an Ackerland wies die Csängös früh von der Landwirtschaft fort auf andere Erwerbszweige: ehe es Bahnen gab, waren sie die berühmtesten Fuhrleute Siebenbürgens und führ leit Waren bis tief hinab in den Orient und hinauf Nach Budapest und Wien. Ihre örtliche Nähe zu Rumänien und ihre Verbindung mit Händlern und Kaufleuten brachten einen leb­haften Schmuggel nach den Donaufürstentümern in Schwang, der

die dem Csängö uachgesagte List und Verschlagenheit und die bis dnf den heutigen Tag währende Unsicherheit der öffentlichen Verhältnisse nicht wenig förderte. Die Siebendörfer sind bei den Nachbarn wohl bekannt dafür, daß Mord und Totschlag auf offener Straße dort nicht eben zu den Seltenheiten gehören, und insbesondere ist es die Ungebrochenheit der erotischen Leidenschaften, die dem Csängö nur zu leicht das geschliffene Messer in die Hand drückt. Das Liebesleben des Volkes ist noch vollständig frei, und man erzählt, daß von Eltern, die sich gegen die nächtlichen Besuche des Liebhabers bei ihrer Tochter sträuben, der Zutritt durch diesen und eine Schar ihm behilflicher Freunde mit Gewalt erzwungen zu werden pflegt. Bei der Arbeit jedoch ist der Csängö ruhig, tüchtig und kennt keine Klage. Das gefährliche Gewerbe des Holzfällers betreibt er mit bewunderungswürdiger Zähigkeit: nur mit Speck, Zwiebeln und Brot versehen, bringt er damit oft Wochen ununterbrochen in den großen Wäldern zu', auf der nackten Erde beim Fichteufeuer schlafend. Als Holzver­käufer wiederum hat er seine Schliche: bringt er die Scheite nach der Stadt zuNt Verkauf, so hat er ein besonderes geschicktes Verfahren, sie so zu schichten, daß er den Käufer über die Menge des Holzes täuscht, und dieCsängöklaster" im Gegensatz einer vollen ist daher int. Lande weit und breit int übelsten! Verruf.

Seltsam ist das Verhältnis der Csängös zu dem benachbarten Rumänien. Da es ihnen auch an Weideplätzen fehlt, die fast sämtlich int, Besitze der Umliegenden sächsischen Gemeinden sind, so halten viele von ihnen die gewaltigen Riitderherden, die den! einzigen Reichtum dieses Volksstammes ausmachen, jenseits der Grenze auf rumänischem Boden, wo sie den ganzen Sommer verbringen. Für den ärmeren Teil der Bevölkerung bildet Ru­mänien das Dorado, aus deut immer wieder goldene Früchte zu holen sind, wenn die Kargheit der heimatlichen Verhältnisse mit Not und Elend droht. Dann wandert der Csängö oft mit der ganzen Familie für einige Monate oder Jahre nach Rumänien aus, erarbeitet sich dort Geld und Gut und kehrt erst, wenn ec seinen Zweck erreicht hat, in fein Heimathäuschen zurück, wo er. den Faden seines früheren Lebens unbeirrt dort aufnimmt, toto er ihn fallen gelassen, obgleich er nun so lange in großen Städten, bei Herrschafleil und Adligen unter fremdartigen Verhältnissen gehaust. Merkwürdig ist in den Siebendörfern der Eindruck jener verödeten und verrammelten Häuser, die den Ausgewanderten! gehören und nun, höchstens von einem alten, sonst unterkunft- losen Müttercheir besorgt, der Rückkunft ihres für lange ver- Ken eit Besitzers harren. Insbesondere sind es verlobte Paare,

Venn es an Geld zünt Heiraten fehlt, vorerst ein oder mehrere Jahre sich nach Bukarest ober eine andere von den größeren! rumänischen Städten als Mägde und Knechte verdingen, um erst nach ihrer Rückkehr mit den zusamrnengesparten Löhnen den selbst erarbeiteten Hausstand zu begründen.

Die alten Trachten und Sitten der Csängös befinden sich, wohl Unter dem Einfluß dieser Verhältnisse, die sie die ttordische, aufs forciert Westeuropäische zugeschnittene Art des rumänischen Städters kennen lehren, bereits im Verfall. Selten Nur noch sieht man einen alten Csängö mit dem charakteristischen starren', um die Ohren zurückgestrichenen, am Nacken flach zugeschmttcnen Haar in weißer Wollhose, deren oberen Teil das außen getragene Hemd verdeckt, gestickter Jacke und riesigem schneeweißen Leder- mnittet, der innen mit LaMmssell gefüttert ist, in den Gassen der Siebendörfer schreiten. Selten auch hört man noch von einem' jener altertümlichen Volksfeste, die die Csängös in reicher Anzahl besaßen; wie das Nahuensest, bei dem die Knaben mit Pfeil! und Bogen nach einem an einem Pflock festgebundeuen Hahne schossen, oder dieborieza", ein wilder Faschingszüg von deutlich asiatischem Ursprung, bei dem die Burschen, das Haupt mit buntbebänderten, schwarzen Lammfellen bekleidet, und unter ihnen! die vierKuka", mit gräßlichen Holzmasken versehene Harlekine, unter Sporenklirren und Peitschenschlag roh und bacchantisch durch die Dörfer rasten. Und nur jene mildere Ostersitte, durch zier-i liche symbolische Malereien, die auf den gefärbten Ostereiern air­gebracht werden, künstliche Zeichen zwischen Liebenden' hin- und! herzuschicken, hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten.

Die meschuggene Snie.

Ein Büchlein, das seinem Leser wirkliche Freude macht, ist unter obiger Ueberschrift im Verlag Georg Müller in München erschienen. 200 Eulen, die im Blatterwalde deutscher Zeitungen unfreiwillig ausgebrütet worden sind, in Freiheit dressiert und vorgeführt von Felix S ch l o e m p, mit einem Bor- und Räch' wort von Otto Julins Bier bäum. Mit lustigen Zeiclp- nungen und komischem Umschlag von dein bekannten Simpli-- zissimilszeichuer C. O. Petersen. Es ist da eine sehr statt­liche Zahl vonStilblüten", Setzkastenteufeleien und änderest Früchten unwiderstehlicher, unfreiwilliger Komik zufammengetra- gen, daß man bis zum Ende ans dem Lachen nicht mehr heraus- kommt, wenn man einmal zu lesen begonnen hat, Einige Probest dürsten das beweisen.

Die Mosaik bilder in der Kuppelhalle des neuen Doms in Berlin.

Nach Westen hin wird dargestellt über der Ministerloge der Spruch:Selig ssird, die da Leid tragen", auf.der anderen