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„Und du m-efnff, da langt die Meisterin mit ihrem Anspruch nicht hin?"
„Da müßt' sie barbarische Arm' haben."
„Siehst du, Friedmar, du kennst nichts Von der Welt. Heutzutag' kann sich kein's mehr verstecken. Die Meisterin rührt sich noch nicht vom Fleck. Und auf der Post drücken sie auf 'nen Knopf. Und greifen dickst Und wanns äus dem Mond wär'."
Ihm war das nicht ganz klar, und er sah sic zweifelnd an. Sie aber sprach weiter:
„So geht's halt nicht, Friedmar. Hör' an. Ich hab' die Zeit, Gott weiß was, ausgestanden. Die Mutter hat mich angespauzt, und das ganze Dorf hat mich vermischen. Ich hab' dessentwegen keine Angst. Was geschehen ist, mach' ich mit mir ans. Da hat sich keins hereinzumischen. Du bist mir der Liebst'. Dich wollt' ich. Das sag' ich vor aller Welt. So herrlich war's, wie wir Bekanntschaft miteinander gemacht haben. Weißt's noch? Selbigmal hab' ich mir kein Wörtchen zu sprechen getraut. .So verschrocken war ich über dich. Kurios! Hernach hab' ich doch alles herausschwätzen müssen. Du hast ums Leben nichts gefragt, hast nur gehorcht und mich angeguckt. Ich war dir gleich gut. Ich chatt' kein Hehl vor dir. Und gefreut hab' ich mich — unbändig, wann du als gekommen bist. Ich hab' fein Obacht gehabt, was um mich gedutschelt worden ist. Ich geb' nichts auf das Geträtsch der Leut'. Dich Hütt' keins ans meinem Sinn gebracht. Und dann, Friedmar — wie du damals gekommen bist —, abends vom Bürgermeister — ich bin schier erstickt. Und hab' doch gemeint, 's müßt 'so bleiben in alle Ewigkeit. Gott, so überkäppisch zu sein? 's mußt ja ein End' nehmen. Dann du hast deine Frau —"
„Ich mag nichts von ihr wissen," schrie Friedmar auf und stampfte wütend mit dem Fuß den Boden.
, »Sei gescheit," besänftigte ihn Lina, „sie ist doch mal deine Frau. Darüber kannst du nicht weg. Mir ist's arg genug. Aber 's Batt' nichts, wir müssen voneinander."
„Wer spricht denn von müssen?" fragte Friedmar mit vor Erregung heiserer Stimme.
„'s steckt keins hinter mir," sagte Lina aufrichtig, „ich sprech' nur aus mir. Wir müssen voneinander, Friedmar. Ich bitt' dich, bleib' künftig fort."
„Mein, wann dir's drum zu tun ist."
„Geh', Friedmar, sei nicht schlecht."
Er schwieg verletzt. Da legte sie sanft die Hand auf seine .Schulter und stammelte erglühend:
„Ich muß dir was erzählen, Friedmar. Ich hab' auch ein Andenken von dir. Das macht mich mutterselig!"
Er fuhr in die Höhe und stand mit schlotternden Knien vor ihr.
„Sei ruhig," sagte sie leise, „die Mutter weiß es und behält mich im Haus."
Er brachte kein Wort heraus. Sie erhob sich und gab ihm schlicht die Hand.
„Ich muß heirn, Friedmar. Bleib stät. Und jetzt leb' wohl!"
Sie ging. Aber nach ein paar Schritten wandle sie sich um und sah ihn noch einmal mit dem innigen Blick der Liebe an. Uno die Tränen stürzten ihr aus den Augen. Gleich darauf war sie hinter den Päumen verschwunden.
Friedmar taumelte vorwärts, als wollte er ihr folgen. Plötzlich glitt er zu Boden und blieb von wildem Schmerz zerrissen auf der nackten Erde liegen.
Erst gegen Mittag kam er nach Ortenbach zurück. Er mied die Arbeitsstätte und kehrte in der Dorfschenke ein. Da trank er Bier und Branntwein im Uebermaß. Bei sinkendem Tag war er sinnlos betrunken. Man rief seine Gesellen herbei. Diese sähen gleich, daß man nicht daran denken konnte, den Berauschten heimzuschassen. So gingen sie den Wirt um Unterkunft für ihren Meister an und brachten ihn mühsam zu Bett.
XI.
Eine schwere Zeit brach für die Meisterin herein. Das .Geschäft, das ihr ganzer Stolz gewesen war, das unter Friedmars kraftvoller Führung einen bedeutenden Aufschwung genommen hätte, ging mit einem Male zurück. Die Pflasterarbeit in Ortenbach war zwar unbeanstandet von der Gemeinde- und Staatsbehörde abgenommen worden, allein die Aufträge aus der Stadt und der Umgegend blieben danach aus. Friedmar gab sich nicht die aeringste Mühe, neue Bestellungen zu erlangen. Lässig und teil-
nahmlos schlenderte er Umher. Ging er über Land, so kehrte er angetrunken zurück. Auch in den Bier- und Schnapskneiften der Stadt war er ständiger Gast. Der alte K'ipping erhob seine warnende Stimme. Friedmar ivar vollkommen gleichgültig dagegen. Aber auch die Meisterin schenrte dem Nachbar kein Gehör. .Hatte sich schon früher die Ueberzeugung in ihr festgewurzelt, der Himmel werde die Missetat Friedmars ahnden, so erblickte sie jetzt in der Trunksucht und Erschlaffung ihres Mannes den Vollzug des göttlichen Strafgerichts. Ueberstand er die „Krankheit," die über ihn verhängt ivar, so galt ihr das als sicheres Zeichen, daß der höchste Richter ihm verziehen hatte, daß er sich wieder zu friedvoller Gemeinschaft" mit ihr bekehrte. Erlag er seinem bösen Hang, so war's eine Schickung Gottes, darein sie sich zu fügen hatte. Den Abwärtsgleitenden ließ sie ruhig gewähren und verhielt sich ihm gegenüber zuwartend und beobachtend. Bei mangelnder Beschäftigung sagte ein Geselle nach den: anderen Fried- mar den^ Dienst auf. Zu Beginn des Frühjahrs lag das einst blühende Geschäft ganz darnieder. Auch jetzt tat die Meisterin nichts, in dieser bedenklichen Lage Wandel zu schaffen. Sie klammerte sich an ihren unerschütterlichen Glauben, daß die himmlische Vorsorge selbst hier eingreifen werde. Die Ehegatten sprachen nur das Allernötigste miteinander. Ihr trauriges Verhältnis lvar längst stadtkundig geworden. Hämisch und frohlockend sahen die Verwandten des verstorbenen Pflastermeisters die Dinge ihren Lauf nehmen. Da sie ein großes Interesse daran hatten, daß es zwischen Friedmar und seiner Frau zur endgültigen Auseinandersetzung kam, so steckten sie sich hinter allerlei Leute, die der Weisteriu zusetzten, sie solle int Hinblick auf die Verkommenheit Friedmars und den Zustand der Wirtstochter in Dietkirchen die Ehescheidungsklage gegen ihren Mann anstrengen. Die Meisterin ließ sich nicht aus der Fassung bringen und antivortete den Zwischenträgern:
„Ihr sprecht grat)’, als wärt ihr abgeschickt. No, mir ist's gleich. Ich sag' nur soviel, spart euer Redensarten. Ich lass' mir von keinem nichts kommandieren. Unser Herrgott oben führt mich mein' Weg. Und !vas Gott tut, das ist wohl getan. Und sein eingebor'ncr Sohn hat's den Menschen gepredigt: „Was denn Gott zusamengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden." Daran hall' ich mich. Also ein für allemal: ich tu’ in der Sach' kein' Schrill. Der Friedmar ist und bleibt mein Mann!"----—
(Schluß folgt )
Bilder aus Siebenbürgen:
Von Lev Grei ner.
Die C s ä n g 6 s.
Wer sind die Csängös? Auf keiner ethnographischen Landkarte Europas, in keinem ethnologischen Werke dürfte Auskunft über sie zu finden sein. Und selbst in ihrem Heimatland« Siebenbürgen, in dem dieses Volk einen engen Winkel am Fuße der süde östlichen Grenzgebirge zwischen dem TSmöser Und Alt-Schanger Passe bewohnt, ist die Literatur, die sich mit ihnen beschäftigt, kaum nennenswert: man ist fast ganz auf ungarische Quellen angewiesen, deren chauvinistische Färbung mehr zum Amüsement als zur Orientierung des Forschenden dient, und da dieser kleine, unbekannte' und verschollene Volksstamm sprachlich zn den Magyaren gehört, doch durch die örtliche Nähe seiner Ansiedlungen! zu bestimmten, ausschließlich von Deutschen beherrschten Gegenden! mit diesen in einem unaufhörlichen und wenig erquicklichen Konnexe stand, so sind auch die Erfahrmtgen, die man etwa mündlich über die Csangös sammeln mag, nicht eben zuverlässig und durch die jahrhundertelangen nationalen! Streitigkeiten bald zu ihren' GUn.sten, bald zu ihren Ungnnsteu rosig oder rabenschwarz getönt.
Zu Füßen der mit ungeheuren Wäldern bedeckten Zwischengebirge, die in den südöstlichen Karpathen den Peatra mare und den Csukäs miteinander verbinden, dehnen sich, streng dem Zuge der Berge folgend, langgestreckt und schmal die sogen. Siebendörfer ans, ein Komplex von sieben Ansiedlungen', von denen vier unmittelbar ineinander übergehen, so daß ihre Grenzen kaum' den Einheimischen bekannt sind, während die drei übrigen iw einer Entfernung von etwa einer Meile unter den WaldhügcM nahe beisammen sitzen. Auffällig ist insbesondere bei dcN Vier- dörfeni das Mißverhältnis zwischen Längens Und Breitenaus- dehniina: fast nur eine einzige endlose Gasse, zu deren Durch- wanderuug mau Stunden benötigt, macht mit ihren eng zusammen!- gebanten, schmalfrvntigen Häuschen di« vier aneinandergereihten Jofstr aus, indes di« SeitengäßcheN nur kurz und bucklig etit Stückchen den Berghang oder die Schlucht hinanklimmeN. dw Bevofternng dicht, der Raum karg ist, ist die Bildung von Platzen, dre etwas Ätemweite in das unendlich glcWnäßtgk,


