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Die Pflastermeisterin.
Roman von Alfred Bock.
! (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Dem Beispiel Dietkirchens folgend, lieft auch die Nachbargemeinde Ortenbach ihre Hauptverkehrsstraße mit Pflastersteinen belegen. Die Arbeit, die man Friedmar übertragen hatte, nahm bei der günstigen Witterung so raschen Fortgang, daß am vierten Advent nur noch eine kleine Wegstrecke zu pflastern blieb. Friedmar entließ die Hälfte seiner Leute und erachtete drei Gesellen und zwei Handlanger für hinreichend, das Pflasterwerk zu vollenden. Während er nun hinter Schloß und Riegel saß, mußte man sich ohne seine Anweisung und Leitung behelfen. Statt seiner erschien der Straßenaufseher tagtäglich auf dem Platz, und auch der Ortsvorsteher schnupperte mißtrauisch unter den .Gesellen herum. Diese waren durchaus zuverlässig und taten ihre Pflicht und Schuldigkeit.
Es war Frühstückspause. Im Freien, etwas abseits von der 'Arbeitsstätte, verzehrten die Leute ihr Bauernbrot mit Käse oder Wurst. Dabei ging die Schnapsflasche um. Die wenigen Worte, die gewechselt wurden, galten dem Meister, den man wieder erwartete.
„Wann ist er dann losgekommen?"
„Gestern, schätz' ich."
„Er muß im Augenblick da sein."
„Wie wird's dann geh dl mit ihm?"
„Er soll mir von Dietkirchen wegbleiben."
„Warum?"
„Ei, weil sie ihn kurz und klein verhau'n drüben." „Schlechtkopf, als tät der sich fürchten."
„No, das ist doch auch keine Art und Weis', er mag die Muckel im Einhorn in Ruh' lassen."
„Eben. Für was hat er dann seine Frau?"
„Gestern ist der Polizei-Schmidt von drüben hier durch." „No, und was sagt er?"
„Das Einhorn ist alleweil jeden Abend gestopft voll." „Da kann die Roth ja lachen."
. '/Und der Schmidt spricht, da sitzen die Neuntöter auf einem Klumpen und sticheln und gaffen das Mädchen wie verrückt an.
„Die Neidsäck'."
„Sonst sind sie wie Hund' und Katzen aufeinander. Aber wann ihnen ein Auswärtiger ins Geheg kommt, halten sie zusammen."
„Geb' acht, der Meister lackt sich da bös herein."
„Laßt doch euer Geschnepper. Ihr seid hier seine Arbeitslent'."
„Und dessentwegen sollen wir das Maul nicht auftun? Hä?"
Plötzlich verstummten sie. Am entgegengesetzten Ende der Dorfstraße tauchte der Meister auf. Hier und da die Arbeit prüfend, schritt er langsam die Masterbahn ent
lang. Nun kam er näher nnd bot seinen Gesellen die Zeit. Er erkundigte sich, ob in seiner Abwesenheit nichts Besonderes vorgefallen sei. Man verneinte. Er sah noch einmal flüchtig über die Arbeitsstätte hin und ging dann in der Richtung nach Dietkirchen weiter. Sobald er, Ortenbach im Rücken, die Landstraße erreicht hatte, setzte er über den Chausseegraben und schlug einen kürzeren, über die Dietkirchener Höhe führenden Waldpfad ein. Er ivar noch keine zweihundert Schritte voran gekommen, als er von fern eine Frauengestalt talab schreiten sah. Er strengte seine Augen an. War's möglich? Wahrhaftig! Das war die Lina! Er klomm so rasch bergan, daß er den Atem verlor. Zwei Minuten später hielt er die Geliebte im Arm. Er zog sie ins Tannendunkel. Sie überließ ihren Mund seinen brennenden Küssen, aber da er sie auf den Schoß nehmen wollte, litt sie es nicht, sondern setzte sich neben ihn auf einen gefällten Baumstamm nieder.
„Gottlob, daß du wieder da bist!" sagte sie ohne aufzublicken. „Wie ist dir's dann gegangen?"
„Soweit ganz gut," erwiderte er, „aber ich möcht' doch nicht mehr ins Gefängnis."
„Das glaub' ich dir gern."
„Eine Sort' Menschen sitzt da, du kannst's nicht ausdenken."
„Warst dn dann mitten drunter?"
„Nur am Tag, wann ich mit ihnen geschafft hab'. Die Redensarten hätt'st du hör'n sollen. Gott behüt' ein’ vor der Gesellschaft."
Sie dachte daran, daß er um ihretwillen die harte Strafe auf sich genommen, und sah mit feuchten Augen zu ihm auf.
„Guck, Lina," sagte er, ihre Hand ergreifend, „wann man so abends im Stockhaus sitzt und kein Schlaf kriegen kann, kommt man auf Sachen, wo man früher gar keine Gedanken drauf gehabt hat. Ich mein' als, ich wär' die Zeit her so hingedorzelt. Alleweil schanzen und die paar Pfennig' zusammenrapschen. Und in die Heirat hineinstürzen. So 'ne Dummheit. Und die Leut' laufen um ein' herum und wollen gar nicht, daß man wach wird aus seinem Dormel. Ich bin aber halt wach geworden und lass' mich nicht mehr einpflastern. Mag die Meisterin widerborstig und störrig sein, mag uns' Pfarrer sprechen, 's wär' wider die Gesetzlichkeit, daß wir zwei uns zusammentun: wann du nur fest bleibst, Lina. Das paßt mir schon grab’ nicht, daß wir bei Nacht und Nebel zueinander schleichen sollen, wo die Hintersprecher um ein' herum- lugsen. Wozu dann? Ich weiß !vo 'naus. Wir machen fort —"
„Wohin dann?" fragte sie gespannt.
„'s sind Leut' aus Fischbach in Amerika drüben. Buffalo schreibt sich der Ort. Da kommen als Brief' von denen, wo man sich erstaunt, was die für Geld verdienen. M wollen wir hin."


