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„Säe tragen Hosenträger", sagte ich. „Der LeibgürteL wäre empfehlenswerter. Am besten ist's ohne alles."
„Oho, da müßte der Körper danach gebaut sein!" tief er.
„Oder die Hose", sagte ich, „aber das können die wenigsten Schneider. Bitte, setzen Sie sich."
Dann machte ich ein Trüherl auf und suchte Knöpfe und Nähzeug hervor. Er entfaltete seine Bedeckungen so weit, daß ich dran konnte. Seine Aufregung legte sich sachte, und während ich bei der Arbeit war, sprach, er von Dankbarkeit.
Dabei betrachtete er mich aufmerksamer und sagte: „Sie sind wohl doch nicht der Herr Schulmeister?"
„Warten Sie. Ein paar Stiche noch und den Faden herumgeschlungen, daß es auch hält. So, von diesen springt Ihnen keiner mehr los. Nein, der Schulmeister bin ich nicht."
„Oder gar ein Schneidermeister?"
„So weit habe ich's nie gebracht, mein lieber Herr. Sie sind wohl ein Wiener?"
„Sozusagen. Aus .Mödling. Ich wollte mir einmal die Waldheimat anschauen und ging über Stanz- auf den Teufelsstein."
„Gutes Wetter gehabt?"
Er antwortete nicht mehr. Er blickte im Zimmer umher, auf den Bücherkasten, auf den Schreibtisch. Und dann zuckten seine Augen über mein Gesicht.
„Sollte ich — sollte es —", stotterte er, „nein, ich werde mich täuschen. Am Ende hätte ich — das Vergnügen — — der steirische Dichter?"
„Einer derselben," sagte ich.
„Der Rosegger?! Wäre es möglich?!"
„Ich bitt' Sie, tun Sie nicht so. Seien Sie froh, daß ich's bin. Nicht jeder andere hätte Sie bedienen können."
Der Tenorist klatschte die Hände zusammen. „Aber da schau' man her! Jetzt hat er mir die Hosenknöpf eilt» geheftet! — Hatte ich mir's nicht heilig vorgenommen, im Mürztal beim geehrten Herrn Dichter vorzusprechen Und ihn zu bitten um ein Autograph!"
„Das haben Sie jetzt in der Hose. Es ist eines der tvenigen Autogramme, die zu was gut sind."
Ich hatte wirklich Freude an meinem Werk. Wie ganz Anders, wie stramm aufrecht stand er jetzt, da die „Hülfe" wieder anhänglich geworden tvar.
Ob wohl auch mit meinen Schreibheften immer so viel Anhänglichkeit erzielt wird wie mit dieser Stichprobe einer fadenscheinigen Kunst?
* Der Teufel im Wartesaal. Die Passagiere einer badischen Lokalbahn erwarten den Zug; aber umsonst. Ter Stationsverwalter macht die Mitteilung, das Zügli habe wieder „si Berspätig vom a Mertelstündli". Trotzdem wollen sich die wartenden Bauern nicht in den Wartesaal weisen lassen, wo ein geheizter Kohlenofen behagliche Wärme verbreitet. Dies fällt dem Stationsbeamten auf und er beauftragt den Stationsdiener, nach der Ursache zu sehen. Der geht, staunt, erschrickt, bekreuzigt sich. Der Landbriejbote neben ihm desgleichen. Die geärgerte Frage „Was gibt's denn da drinn'?" wird prompt erwidert mit „Der Tüsel hockt drinn'!"' Der Stationsdiener begründet dies mit der Behauptung, er habe „was wie Hörnle auf dem Kopf und a absonderliche Weise, zu gehen." Kurz entschlossen betritt der Stationsvorstand den Wartesaal. Erschrocken weicht die gesamte Bauernschaft weit zurück und wartet mit ängstlicher Neugier. Im Wartesaal aber sitzt, vergnügt eine Zigarre rauchend, ein greulicher Teufel: ein junger Herr, der im Kostüm zum Maskenball fährt und als einziger Insasse des Wartesaals den verhüllenden Mantel der Wärme wegen aufgeknöpft hat.
Neue vüchek.
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R. A. Schröder: Hama, Ged. und Erzählungen. Leipzig, Insel-Verlag.
Marie von Redwitz: Planeten-Kalendariüm. Leipzig, Insel-Verlag.
Heinrich von Kleists: Erzählungen, eingeleitet von
Erich Schmidt. Leipzig, Insel-Verlag.
Aus Goethes Tagebüchern, eingeleitet vvn H. G, Gväf. Leipzig, Insel-Verlag.
Grimmelshausen: Simplizissimus. Leipzig, Inseln
Verlag.
El. Evrrei: Siehe, es beginnt zu tagen. Berlin, Concordias
Deutsche VerlagS-Anstalt.
P. Posener: Ter junge Jurist. Breslau, I. U. Kern-
Ko enigs illustr. Jahrbücher der Erfindungen. Berlin- Merkur.
G. E. Beetz: Das eigene Heim und sein Garten. Wiesbaden-
Westdeutsche Verlagsgesellschast.
AmalieJessen: Die bürgerliche Küche. Hamburg, Heim«
rich Bandholdt. , J
Böttners Garten-Taschenbuch. Frankfurt a. O., Tvowitzsch u. Sohn.
v. Komvrowicz: Quer durch' Island. Charlottenburg- M. Teschner.
— Feuergewalten. Charlottenourg, M. Teschner.
Gegenwartsfragen» Heft 1—6. Stuttgart, Greiners ti. Pfeiffer.
A. Grooß: Dec hessische Staatshaushalt und die Eisenbahn-!
gemeinschast. 1
Ernst Haeckel: Tas Weltbild von Darwin und Lanwrck.
Leipzig, Alfred Krüner.
Dr. Rühlemann: llnterrichtsbuch für die Scmitätskolonne'lk vom Roten Kreuz, Berlin.
Tony Kellen: Das Zeitungswesen Kempten, Jos. Mel.
G. A. Friedlieb: Das Gesetz von der Erhaltung bey Substanzintelligenz, Leipzig, Bruno Bolger.
W. Geert: Jahreszeiten, Leipzig, Bruno Bolger.
P. Winkler: Im Spukfelsen, Leipzig, Brmw Bolger.
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Marie Hummel: Für frohe Stunden, Leipzig, BruM Bolger.
K. Bertram: Neues und Altes, Leipzig, Bruno Bolger.
O. v. Kraft: Tie Liebe in Wagners Musikdramen, Leipzig, Bruno Bolger.
K. Ren rode: Potpourri, Leipzig, Bruno Bolger.
H. Roquette: König Otto, Leipzig, Bruno Bolger.
H. v. K l e i st: Die Hermannsschlacht, für die NaturbühuA
bearbeitet von K. Neurath, Gießen, Wandervogel d. B. f. A
H. D. Thore au: Walden 3. Ausl. Dresden, M. Menzel
Der Türmer. XI. Jahrg. Heft 6.
Kind und Kunst. III. Jahrg. Heft 5.
Humoristisches.
* In der Instruktionsstunde. Unteroffizier: „Tetz Soldat hat das Recht, sich gegen seine Vorgesetzten zu beschweren, wenn er ungerecht behandelt wird, aber es ist lasser für ihn, wenn er sich nicht beschtvert." „ . .
* Boshaft. Fremder: „In Ihrem Städtchen praktizieren wohl viele Aerzte?" — Einheimischer: „Warum?" —1 Fremder r „Es macht so 'nen ausgestorbenen Eindruck!" , ,
* O weh! Schauspielerin: „Dieses Armband hat mir gestern ein Verehrer übersandt! Was sind das für Steine?" — Juwe-< licr: „Prellsteine!"
* Auch eine Eheirrung. „Das hätte ich von weinet» Schwiegervater nicht erwartet; die Mitgift hat er mir gutgeschrictM und mit der Tochter hat er mich belastet!"
Versteck-Rätsel.
Ltedereomponist — Hnndesperre — Lagerstätte — Schnhmacherimnmg — Drahtzauu — Bttderrahmen.
Alls jedem der vorstehenden Wörter sind der Reihe nach drei zusammenhängende Buchstaben zu entnehmen, so daß stch daraus ein Sprichwort ergibt.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nunnnerr Allzu nahe mindert die F r e u n d s ch a t t.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen U-uuersiläiS»Buch» und Steindruckerei, R, Lange, Gießen.


