wobei sie fortwährend das FeuerEschern" mflfiU. unb Jo Sn Kaminherd ist fite sie etwas ganz NsneS- Mer nicht allein die sauberen Häuschen, die nun als Wohnungen für die in den Archen nntergebrachten Me>smesen d«nen sollen, setzen sie in Erstaunen, sondern vor allem die Art und Wei.se, rote fte entstanden sind. Das ging alles so ruhig und zielbewußt, mit einer solchen Selbstverständlichkeit zu, so ohtie ledes Streiten und Raten und Schreien, daß die Sizilianer nicht umhin Ernten, hie Ileberlegenheit derdummen Michel anziierieniteit.Diese Ruhe", schreibt dieOra",ist das Merkmal der höher stehenoen Völker Wo es bei uns am meisten fehlt, das haben uns die Deutschen gezeigt. Nun begreifen wir nut einem Male, Wie eS möglich ist, daß jene Nation die schwierigsten Ausgaben nut solcher Leichtigkeit löst, während tote immer hinten nach hinken

In der Tat hat das Werk der Marinesoldaten, besser als die teilweise ungerechte Kritik der deutschen Journalisten, dem Volke gezeigt, wo es bei der Hilfeleistung nt Messina gesthlt hat. Zuerst waren es die Russeii gewesen, die mit ihrem iuhigen Rettungswerk die italienische Marine ut den Schatten stellten, dieselben Russen, über deren Flotte man nach der schlacht bei Tsuschima spöttisch die Achseln zuckte^ lind nun smd die DeutMn die Helden des Tages, dieselben, über bereit Plumpheit der ge­wandte, elegante Sizilianer iioch tags zuvor ut em heiteres Gte* InCfig§"ist^etwäs Großes um die selbstlose, jede Schranke von Nationalität und Glauben überspringende Hilfe. Wie dankbar Man sie begrüßt, diese rüstigen Jungen,_ wenn sie abends, ein heimisches Lied singend, von ihrer Aroete zurückkehren und rn Wohlgeordneten Reihen im Taktschrrtt durch die bewegten Straßen marschieren! Wie viel besser denkt man letzt auch über das deutsche Volk als noch vor wenigen Tagen, da man nur seine Haudlimgi.'-- gehitfen und Journalisten kannte.

' Ja, diese Journalisten haben nicht den besten Eindruck hmter- lassen. Die Pflichtgetreuen unter ihnen, die aus den Itugutckö- stätteii iniit den Photographen um die Wette auf sensationelle Szenen Jagd Machten. (wobei manch einer bei dem schlechten Wetter mehr als nur den Schnupfen mag aufgelesen haben), diese mutigen Opfer des Berufes hat man freilich weniger temten gelernt, als vielmehr jene ganz Schlauen, die hübsch im Trockenenblieben, an Vahil- Höfen «und in Speisehäusern die Flüchtigen mit Ausl ragen belästigten und auf diese Weise in der Nähe von Post und Telegraph und Mit tvohl ansgeruhten Gliedern und befriedigtem Magen, viel mehr Erfolg hatten als ihre armen Kollegen tn den verschütteten Städten. Diese Herren begnügten sich dann aber n.och nicht damit, daß sie ihrer Heimat mit strafenden Artikeln answarteten, son­dern sie boten auch hierfür, ohne die Verhältnis)e naher zu kennen, eine alles vernichtende Kritik.Diese Sizilianer, hörte man sie immer wieder sagen,diese Barbaren! diese Halbasrikaner. mit denen ist doch gar nichts anzufangen' nsw.

Doch all dies ist ja nun glücklich vergeßen, und man ge­denkt jetzt nur noch der fröhlichen Erbauer des schmucken Kaiser Wilhelm-Dorfes.

VevM^chtss.

* Die kunstbegeisterten Damen. Der Bvssischen Zeitung wird geschrieben: Es ist eitel Verleumdung, daß die ele­ganten Damen mir darum den Konzertsaal betreten, um ihre mo­dernen Hüte, ihre Kleider, ihre prachtvollen Ariubauder und Brnstspangen und last not least den Reiz ihrer Anmut vor den staunenden Blicken ihrer Bewunderer und den neidischen Äugen ihrer minder glücklichen Konkurrentinnen zu enttalten. Im Gegenteil die Damen beehren die Orte, an denen man bett Musen huldigt, nicht nur mit ihrer Gegenwart, um sich zu zeigen, auch nicht, weil esso Mode ist", auch nicht, um sich die Zett zu vertreiben, sondern getrieben von dem Interesse, das eine innige Kunstbegeisternng erzeugt. Und wenn, tote man es häufig beob­achtet, Damen während eines Konzertes sich mit nlehr oder weniger gedämpfter Stimme miteinnnber unterhalten, fo ist es gewi» nur der Gegenstand deS Stückes, ihre Begeisterung über die schöne Musik und die Wiedergabe der Komponistengedauken und Aehn- liches, worüber sie ihre Meinungen austauscheii. So ioar es offenbar auch vor einiger Zeit der Fall mit zwei Damen, die eifrig miteinander tuschelten, während die Töne einer Sinfonie immer gewaltiger anschwollen. Die beiden wurden allgemach eifriger, was ja mit der wachsenden Wirkung des Musikstückes in Einklang zu bringen war, und die Stimmen wurden etwas weniger gedämpft, so daß man, als das Forte des Konzertes plötzlich in ein Piano überging, noch deutlich die Worte zu hören bekam!: ,,. . . und meiner ißt sie gern mit Zwiebeln". ,

* Französische Frauen gegen das Korsett. Die Vorkämpferinnen der deutschen Reformkleidnng empfinden große Genugtuung. Aus Paris, der Geburtsstätte aller neuen Franen- moden, kommt die Nachricht, daß sich eine Liga gebildet hat zum Kampf fite die natürliche Schönheit der Frau, gegen die Brr- stüimnelmig des Körpers durch das Korsett. Ihr Sitz ist 4 Place Armand Carrel. Nach einer Mitteilung desZentralbl. des' Bundes deutscher Franenvereine" hat die Sigite des Mdres de Familie eine Broschüre herausgegeben, in der an Hand von Ab­

bildungen die schädlichen Wirkmigeit des Korsetts geschildert Wer* den, hat sie ferner eine Eingabe an die medizinische Fakultät der! Universität Paris gemacht. Vor einigen Jahren nämlich haben! Fabrikanten des damals neuen Corset droit (gerade Linie) die Gelehrteti dieser Fakultät veranlaßt, ein Gutachten über diese Art von Korsett abzugeben. Die Herren haben geprüft, ohne freilich selbst das Corset droit einige Zeit zu tragen, und sind zu denk Schluß gekommen, es sei als weniger schädlich zu betrachte». Wie die früheren Korsettformen, da cs die Verdauungstätigkeitj Weniger beeinträchtige. Dieses Urteil hat nun die verhängnisvolls. Folge gehabt, daß jedes derartige neue Modell mitgerader Linie",- mag es fönst auch feder iwrmalen Körperform entgegeuarbeiten, als: reeommande par la Faeulte oder par l'Aeademie bekannt gemacht! und verkamt wirb. Die Liga verweist zwar das Korsett, ist aber doch noch der Ansicht, daß Brust und Leib der Fran stützbedürsti'A seien und empfiehlt eine bestimmte Art von Brusthaltern. SiL betont ganz besonders auch die Notivendigkeit, daß die Schnesder- innen den natürlichen Körper kennen lernen, und daß die Schneider­puppen in normalen Gestalten fabrikmäßig hergestellt roerbeit

müssen. , .

*Ich wollte, ich Wäre ans der Schule . Seinen- Gefühlen mit erfrischender Offenherzigkeit Ausdruck gegeben zu haben, das Verdienst müssen Wir einem Hamburger Volksschülep (Zweiter in der ersten Klasse) zuerkennen, dem von seinem Lehrer das obige Thema zu einem freien Aufsatz gegeben worben toar4 Der Aufsatz, der den Hamb. Nachr. int Original Vorgelegen hat- Wird manchem Leser wie ein Glockenklang aus der eigenen Er­innerung wirken. Hier ist er ganz unverändert:

Wenn doch nur erst Ostern wäre, damit ich nicht mehr zur Schule müßte! Es ist gar nicht zu sagen, wie schrecklich es in' der Schule von Tag zu Tag Wird. Jeden Abend muß ich wenigstens 2 Stunden bei meinen Schularbeiten sitzen. lute 7 Uhr kamt ich aber immer erst anfattgen. Dazwifchen toinmt das ' Abendbrot. Auf diese Weise muß ich jeden Abend bis y210 Uhr sitzen. Ja, ich muß sogar manchmal 3 Stunden zu meinen Arbeiten gebrauchen. DaS war gestern der Fall. Dazte kam noch, daß ich erst um/ä8 Uhr anfangen konnte Als ich zu Bett kam, war es bereits W- Das kann ich den Schulz arbeiten verdaiiken, daß ich höchstens 7 bis 9 Stunden Schlag habe. Jeden Morgen, wenn ich zur schule muß, habe, ich den Wunsch, von der Schule wegzubleibeu. In der Schule selbst ist es noch viel schlimmer als daheim. Ich muß mtbedinat bete Befehlen meines Lehrers folgen. Dann verlangt der Lehrer das Gelernte Wort fite Wort. (!) Die Arbeiten müssen Haar- nita, Druckstrich aufweisen. In den Stunden soll stets aufgepaßt werben, Dieses fällt mir in der Grammctzik- und Engltfchstitnde »ehr schwer. Die andern Stunden mag ich mehr oder weniger gern! haben. Die besten Stunden sind für mich NaUirlehre, Geo­metrie, Geographie, Geschichte, Literatur und Zeichnen. Wied den Geboten des Lehrers zuwidergehandelt, io gust es meistens eine schmerzhafte Strafe. Mein jetziger Lehrer ist viel strenger als mein voriger. Bei ineiiteut vorigen Lehrer war eS eine Freude, zur Schule zu gehen: jetzt ist es eilte forinlick-e Strast geworden. (! !) Wenn mein Lehrer ichlechtcr Laune ist, so schmipft er, als wenn das Domterwetter vom .Himmel regnet. (!) Beust Schimpfen wird er dann ganz rot, während er sonst blaß aussteht. Diese fürchterlichen Tage belaufen sich noch auf 70. Ich hoffe, daß sie schnell Herumlaufen: Dann wird es eine ganz andere Zeit werben. Ich werbe als Bote gehen. Gleich zuerst verdiene ich schon ganz gut. Bon diesem Lohn kann tch meinen Eltern fünf! Sechstel abgebeu. Es wirb nachher eine richtige Freude ,em, Später werde ick Schreiber. In diesem Beriise gibt es noch viel mebr Geld. Deswegen kamt ich dann auch Vergnügen mttmachen.. Das übrige Geld bringe ich dann auf die Sparkasse. ES ist immer im Falle der Not zu gebrauchen. Wenn doch nur erst diese schöne Zeit wäre; denn in dieser entsetzlichen Plage Weiter zu leben, habe ich keine Lust."

Der Einsender, der im Wahren «teilte de» Worte»betrmfene Lehrer, hat den Aufsatz mit 12 zensiert; der Lehrer ist alfol besser als sein Ruf. . . ... ... .

* Tempo.Papa, was iS eigentlich schneller, ritt Renn- pserd ober eine Brieftaube?"Ich mein, zu Fuß, e Pferd.

Geographisches Verschrehrätsel.

Böhme» Nebensiehenbe Namen follen derart tucker- Harz einander geschoben werben, daß eine Buchstabeif reihe, von oben nach unten gelesen, den Namen

Ser»0* eines viel besuchten Aussichtspunktes in bet Sachs.

Nizza Schweiz ergibt.

Auflösung in nächster Nummer:

Auflösung des Rösselsprungs in voriger Numtnerr

Ach, ein Tor nur kann

Von heut' auf morgen feine Rechnung machen.

Das Morgenrot gehört dir aber nicht, Bis diesen Tag du gtiicklich überstanden. Sophokles.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'fchen NmversttätS-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, Gießen.