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HassirlgeNs Blick ruhte unvcrlvandt auf dem jetzt tiefgcsenktcck
nicht mehr — ich möchte am liebsten —"
Sie vollendete reicht, aber ihre stcahlcndcn Augen siegelten ünberhüllt ihr ganzes zärtliches Fühlen wieder. Ein schwindel . erfaßte ihn, in dem alles vernünftige Ueberlegen unterging. Wer wollte ihn deswegen verdammen? Er war jung, und er hatte sie lieb, die kleine, süße Helens mit den schwärmerischen und zärtlichen Kinderaugen, die noch nicht lügen und betrügen konnten, tn'it den roten, unschuldigen Lippen, die sich unbewußt nach dem: ersten Liebeskuß sehnten ■— er wußte in denk Moment ganz genau, daß er es sein würde, der dies Sehnen erfüllen durste. Em verlegenes Schweigen breitete seine lähmenden Flügel über sie aus. Bon der Bank drüben klangen die flüsternden Stimmen der beiden Müderen'. Im jungen Buchenlaub spielte der Würd', es klang wie leises, geheimnisvolles Murmeln, von zwitschernden Vogel- lapten Merbrochen.
einziger Sohn. .
MS er es HassingeU! lachend erzählte, wöbet er nm ww immer, wenn, er gut gelaunt war, wiederholt an der krästrgen, wvhlgebildeten Nase zog, furchte dieser seine Stirn noch etwas mehr wie.sonst und bemerkte: „
„Ich sehe schon, Sie werden diese blonde „emzrge wochter heiraten, und die' kleiirc Heleue wird mit ihren sechs- Geschwistern, ohne .daß ich ihr helfen,' kann, sitzen bleiben."
Aber diese Vermutung, zu der Espach Nur amlisiert bemerkte. „Man soll nichts Vorreden," verdarb heut noch nicht Hastmgens Stimmung, über der, ihm selber noch kaum bewußt, der rostg Schleier jener Liebe lag, die man! so poetisch und- so voll^köstlecher Reize nur einmal, wenn das Herz jung ist und trotz aller wen uunft doch jung s-iWk, durchlebt und durchlcidct. Forts, folgt.)
Mädchenkopse.
Sie fühlte es und sprang Plötzlich hastig aus.
„Wir müssen gehen, Lisbeth, ehe unser langes Ausbretbcst auskällt," rief iie zu der Freundin! hinüber, und als Hassingert eilt bedauerndes „Ach, wie schade!" ausstieß, irrte ihr Blick schon und Wichtig zu ihm hin, und die Glut ihrer Mangen vertreste sich.
Aber auch die blonde Lisbeth war ganz der Meinung ihrer Freundin, daß es Zeit sei, zürn Tennisplatz^zurnckznkehren. Es wäre gar schöner, wenn man die strenge Tugendwachterm, oie Werk, gleich beim erstenmal mißtrauisch machen wurde, dann wäre''die Karre gleich von Anfang an verfahren.
Denn davon waren alle vier Beteiligten beim Abschied tref durchdrungen, daß man sich bei schönem Wetter recht oft „zufällig im schönen Buchenwald des Heckelberges treffen mußte, dieser Zuversicht trennte man sich. , .
T-ie beiden Offiziere gingen zum Essen ruS Kafmo, beide sehr animierter Stimmung. Es war doch etwas Eigenes, ivelchen Zauver ein paar solch leuchtende Mädchenaugen auszuflromcn vermochten.
Clvack batte sich, wie er lachend behauptete, lange nicht >» gilt amüsiert als heut mit dem blonden Backfisch. Lisbeths seiw sanr reise, sich schon ihrer Weibesmacht bewußte Art, in der ste in einem Augenblick keck war, um im nächsten schon in kahle Zu- rückhaltnng zil falleii, hatte ihn überrascht und zog ihn an.
Er liebte die kleinen' Gänschen uiit dem schüchternen Augeli- ausschlag, aus denen' ui-n» urühsanr banale Aeußerungcn ihre^ Geistes herausziehen mußte, durchaus nicht, er memtc, das wurden viel unbequemere Frauen als solche von sicherem, selbstbewußterst Wesen, die klug deck Wann 511 beherrschen wissen, ohne daß er i etwas davon merkt. t. , «...
Er gehörte zu den Männern, die ehrlich zugeorn, das. dm Eigenschaften der Frau günstig, ja veredelnd auf den .Aannem- wirken können, und daß der Rat einer verständigen Frau ost nicht hoch genug einzuschätzen ist. . , ,
An seinen Eltern hatte er das beste Beispiel dafür gehabt. Wie viel Unheil hätte der Jähzorn! semes an sich giitmueigen Vaters gestiftet, hätte die Mutter nicht klug und ruhig verstanden, I ihn unmerklich auf den'Weg ruhiger Neberlegung zu leiten. W,e hatte ihr feiner HerzeWtakt, vereint mit einem energtschcn, NÄ- bewußten Handeln zn vermitteln und schon begangen^ Unrecht gut zn machen, verstanden, ohne daß bcr den Leuten ras Ansehen i des Gutsherrn gelitten hätte. r,iGA<1#
Vielleicht war sie manchmal ein biMcn kichl, cm brsMi zu Überlegt in ihrem Tun', aber Leidenschaft sowohl als ^entr- uwntatität verwirren die Sinne und blenden die Augen, I über einen großen Hausstand wachen müssen. f(
Deshalb liebte er die Augen ferner Mutter, diese tlareu, grauen, gütigen Augen, denen man ansah, daß ste "ochvvr niemandem hatten den Blick zu senken brauchen. Und er hatte j e§ stets besonders beschämend empfirnden, wenn er vor dc^cit I Mgcil die seinen schuldbetvußt hatte Niederschlagen muiscn.
I Bei des Vaters Donnerwetter war ihm lange nicht so nn- | behaglich gewesen, der hatte überhaupt den Einzigen nach itrasten -verwöhnt und ihn Offizier werden lassen, worm dre Mutter, dm lieber gesehen, daß er Jura studiert oder eine Landwrrtschaftslchnle | besucht Ijlättc, sich nur schwer hatte finden können. Einmal müßte er ja doch das Gut übernehmen, meinte src, und da fehlten tunt | dann alle Borkenntnisse für seinen Berns.
Sie wurde überstimmt durch den Hinweis auf ine ckrüsng-. \ leit ihres erst 50 jährigen Gatten, der noch gar kerne Lust habe^ S «ch an.fs Altenteil zn setzen' niid ans dre Möglichkeit, daß oc. 1 Sohn, sobald der Vater arbeitsmüde werde, sich immer Mm I unter dessen Leitung in seine Pflichten cinarbeiten kömre.
Es war übrigens ein! drolliger Zufall, daß Lisbeth ^cwiser I auch eine Gutsbesitzerstochtcr war, und zwar stammte sie aus den | Rheinlanden, .nährend seine Heimat in. der Mark äag.
I Auch lvar sie ebenso die -verwöhnte, einzige Tochter ivie er
Md ich, cs reicht kaum für die Schokolade, die mr verfuttern, und wenn wir mit dem Ausreißen nicht eine Ketnk Vergnügungsreise verbinde» können, dann macht keinen Spaß.
„Ich dachte. Sie hätten Heinnmh! Sie wollten gern nach Haus," ivimberfc sich der junge Offizier. ,
Tic Bemerkung setzte sie in Verlegenheit, sie stocherte mit I Drein Sonnenschirm zwischen den Ritzen des steinigen Bod-ci.s I und hielt die Augen darauf geheftet. _
,AH, ju Haus!" mernte sie gedehnt, „v-o besonder schon | ist's'bei uns zn Harrs nicht. Sie müssen wissen, ich bin ans | Bannen, aus dem verräucherten, schmutzigen Barmen, mein ^anr | bat auch eine Fabrik da, eine Fabrik für Eis«,waren, rmd »mr I wohnen! dicht dabei und sehen nichts als rußgeschwärzte^Arbeiter I 'und hören den ganzen Tag das Pochen und Hammerm und schlucken I den häßlichen Qualm —", sic verzog das hübsche Gesicht zu eimm Ausdruck des Ekels, „pfui, mir wird ganz übel, wenn ich bloß daran denke." „ .. , ... .. o .. j
Jh.r Blick hob sich tiud schwerste, aufleiichtend über d.e ^.aud^ | schast.' „Da ist es hier schon schöner, viel schöner." I
„Aber Sie haben doch gewiß liebe Eltern!" fiel er warm I ein, "„und vielleicht auch Geschwister." 0. j
Ein humoristisches Lächeln zuckte um ihre Frischen Lippen.
„Bon letztereir' eine ganze Menge, sechs- Strick, noch drei I Schwestern und drei Brüder." ... . „ I
D Gott'" entfuhr eS ihnr rrnwillkrrrlrch erschrocken, und zur I selben Sekunde durchzuckte ihn auch der Gedanke, daß er recht gehabt, als er im „Fischkasten" Fräulein Möllers kernen Gvld-
\hn vier Töchter mit einer Mitgift auszustatten, wie er, Hans I Has sing en, sic bei seiner Frau brauchte, dazu hätte der gute Herr i Falk Millionär feilt müssen. Und das «mr er ganz sicher urcht. I
Sic können sich wohl denken," fuhr seine junge Nachbarin | fort,' „daß Mutter sich bei so vielen Kindern nicht viel um uns Mmmern kann, sie ist immer abgehetzt und müde, immer rn Eile, wir Mädchen würden! sie ja gern unterstützen, aber sw ist so eigen, nichts kann man ihr recht machen — auch mit den Dienst- | bvten gibt's immer Zank unb Aerger, und wenn der Vater ab- gcarbeitct aus der Fabrik kommt und die ewigen Klagen anhören muß, kamt maii's ihm auch nicht verdenken, daß er verdrießlich | ist und uns Kinder nicht weiter beachtet. Aber glauben Sie : Nicht," fuhr sie eifrig fort, „daß die Eltern nicht gut zu uns wären — Vater arbeitet ja doch nur so rastlos von früh bis spät, damit wir Kinder nichts entbehren, und Mutter hat doch ^eigentlich ein elendes Leben wegen uns, wie gut könnte fies haben, wenn wir nur zn Dreien wären, oh, manchmal saßt Mich so ein grenzenloses' Mitleid für sie, der heiße Wunsch, ihr cur besseres Leben zn verschaffen!. Ich denke oft darüber nach, was ich tun könnte, sie so recht zn erfreuen -- wenn ich ein Talent! gehabt hätte, womit man unmenschlich viel Geld verdienen kann "
Ein halb amüsiertes, halb schmerzliches Lächeln irrte um Hassingens Mund.
Geld! Initiier derselbe verzweifelte Schrei! Die einzige Hoffnung und Rettung aus des Lebens R-ot. Auch gier.
Arme, kleine Helene! Noch dachte sic nicht daran, daß auch die Liebe, die jetzt ihren -Zauberschleier über die Alltäglichkeit spann, einst mit diesem Aufschrei vor verschlossener Pforte stehen und traurig davonschleichen würde, um am Wege zu sterben.
Ihm Ivars wieder, als müsse er sic warnen.
„Vielleicht kommt es ganz ohne Ihr Zutun, daß Sie Ihren Eitern beiden' noch einmal eine große Fr-ende bereiten können, jober bis dahin würde ich wenigstens alles vermeiden, was sic betrüben könnte."
Harte sic ihn verstanden? Er musterte verstohlen ihr liebliches, geneigtes Gesichtchen. Sic schien einen Moment uachzu- denkeN, dann sagte sie, ihn fragend ansehend:
„Sie meinen das Ausreißen? Ach, das will ich ja jetzt gar


