Ausgabe 
4.1.1909
 
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bärtigen Herrn zeigte ein gewisses Erftautteii.Hatten Sie früher einen anderen Beruf als den eines Kutschers?

qn Befehl. Herr Direktor! Ich war vor meinem Em- trilt' zum Militär" Schreiber bei einem Rechtsanwalt. Wer nachdem ich an Tätigkeit und Bewegung gewöhnt worden war. wollte mir die sitzende Lebensweise nicht mehr gefallen.

Der Ausdruck der Verwunderung war schon wieder aus den Zügen des Direktors verschwunden.Antworten Sw dem Mädchen also, was Sie wollen. Dass der Bries o>irch meine Hände gehen muß, ist Ihnen ja bekannt."

Ich werde ihr überhanot nicht antworten, Herr Di-

Das ist Ihre Sache. Krause, führen Sie Nummer siebenundneunzig wieder ab!"

Der Aufseher öffnete die Tür. Wer der Gefangene folgte-dem deutlichen Winke nicht sogleich, sondern brachte nach einigem verlegenen Räuspern heraus:Wenn ich noch eine Bitte wagen dürfte, Herr Direktor"

Reden Sie 1"

Tie Person ich meine die Auguste Möbius könnte ich ja vielleicht auf andere Weise die Mittel zur Reise ver- chaffeu und könnte dennoch hierher kommen, um mich zu prech en. Wer ich will sie nicht sehen, und ich möchte ge- jorsamst bitten, daß man mich nicht dazu zwingt."

Es liegt gar kein Grund vor, Sie dazu zu zwingen. Die Erlaubnis, einen Besuch zu empfangen, bedeutet eine Ver­günstigung, und eine solche kann niemand aufgezwungen werden. Wenn sich die Möbius melden sollte, wird man sie von Ihrer Weigerung in Kenntnis setzen."

Ich danke gehorsamst, Herr Direktor."

Eine verabschiedende Handbewegung, und Nummer stebennndneunzig kehrte unter sicherer Bedeckung über die endlos langen, hallenden Korridore in den Arbeitsfaal zu seinen Tüten zurück.

(Schluß folgt.)

Die Mere und die Farben.

Im letzten Heft des Biologischen Zentralblattes luirb über Untersuchungen berichtet, die in jüngster Zeit über den Farben­sinn der Tiere, und zwar der höheren Wirbeltiere angestellt worden sind. In der lichtempfindlichen Schicht des Auges, der NetzlMit, befindet sich ein eigentümlicher Sw ff, der von Kühne guerst entdeckte Sehpurpur oder das Rhodophin. Er bildet sich in den Stäbchen der Netzhaut und zeigt die Eigeutümlichkeic, daß er sich unter dem Einfluß des Lichts chsmisch zersetzt und gelb oder farblos wird; deshalb muß das Auge des lebenden Tieres diesen Swfs beständig neu bilden. Nun zeigte es sich, daß dieser Sehpurpur in der Netzhaut der Tagraubvögel mir ttt geringen Mengen vorlMnden ist, in der der Tauben und Hühner aber so gut wie vollständig fehlt, und da angenommen wurde, daß von dem Vorhandensein oder Fehlen dieses Swffes die Möglichkeit der ^Adoption abhänge, d. h. die Fähigkeit des Auges, sich wechselnden Graden der Helligkeit anzupassen, so hielt man diese Tiere für nachtblind". Bekanntlich findet sich auch bei uns diese bei den Menschen als krankhaft zu bezeichnende Erscheinung nicht selten; solche Leute sind bei eintretender Dämmerung und in der Nacht unfähig, sich zurechtzufinden. Professor Heß in Würzburg zeigte Nun, daß tatsächlich Hühner in einem Käfig, auf dessen hell- erleuchtetem Boden durch Stäbe Schatten geworfen wurden, die Körner nur an den belichteten Stellen aufpickten, die auf den beschatteten liegenden aber unberührt ließen, selbst wenn sie vorher lange gehungert hatten. Trotzdem fehlt diesen Tieren dieAdaptious- fähigkeit nicht völlig, aber sie ist abhängig von der Farbe des Gegenstandes. Ein lange im Hellen gehaltenes Huhn beginnt mit der Anfnalmie der Körner, die auf einem auf dem Boden des dunkeln Käfigs geworfenen Spektrum liegen, aut roten Ende und hört am anderen Ende schon bei Grün auf. Offenbar sind die hellblau und duukelblait belichteten Körner seinem Auge nicht Mehr wahrnehmbar, obgleich das menschliche Äuge sic noch sehr lvohl zu erkennen vermag. Aehnlich "verhält sich ein dunkel adap- tiertes Tier, und es geht daraus hervor, daß die blauen und violetten Strahlen auf das Auge der Hühner (und Tauben) weniger wirken als auf das des Menschen. Auch wenn ein blau belichtetes und ein rotes Feld auf dem Boden hervvrgebracht wurden, zeigte sich diese Abweichung; sie ist auf eine schon von Waelchli fest- gestellte Ansammlung von roten und orangefarbenen Oclkugcln in der Netzhaut der Hühner zurückzuführen, die nur die Strahlen des roten Endes des Spektrums durchlassen. Setzte Heß ebenso gefärbte Gläser vor sein Ange, so ivar auch für ihn die Empfind­lichkeit für blaue und violette Farben gestört. Auch aus die Pupillenerweitcrung ioirken die Farben verschieden ein, und Abels- droff tvies nach, daß tatsächlich bei Tauben blaue Strahlen die Pupille weniger beeinflußt als rote. Ten Farbensinn des Hundes

fintierte Himstedt und Nagel an einem Pudel, der bald alle Farbenschattierungen genau unterscheiden konnte, so daß hier, wie nicht anders zu erwarten war, ein wirklicher Farbensinn vor­handen war; zu demselben Ergebnis kamen zwei russische Forscher, die ebenfalls nachwiesen, daß dieser Sinn durch Hebung sehr vervollkommnet werden kann. Was die niederen Tiere angeht, so dürfen wir wenigstens bei beit, geistig hochstehenden, den Infekten, und Spinnen, das Vorhandensein eines Farbensinnes sicher voraus» setzen. Allerdings hat Plateau vor einer Reitze von Jährest die Behauptung ausgestellt, daß nicht die Farbe der Blüten, sonderst nur ihr Tust die Insekten anlocke; doch diese Behauptung ist bald durch zahlreiche Versuche widerlegt worden. Aus leicht be­greiflichen Gründen begegnen exakte Untersuchungen hier noch viek größeren Schwierigkeiten als bei den geistig doch viel höher stehenden Wirbeltieren; aber alle die Schmuckfarben, in die der Sommer die Blüten und der Herbst die Früchte kleidet, wärest biologisch ganz unverständlich, wenn matt nicht das Vorhandensein eines mehr oder weniger gut ausgebildeten Farbensinnes bei der von den Pflanzen abhängigen Tierwelt annähme.

VeNnrischtSS.

* Nacktdarstellungen vor hundert Jahren. Der Verein für Körperkultur, dessen Vorstellungen die Polizei ist Berlin bekanntlich untersagt hat, kann sich darauf berufen, daß Olga Desmond bereits vor hundert Jahren eine Vorgängerin gehabt hat. Eine Pariser Zeitung, die ihre Leser auch darüber orientieren will, wie die Welt vor hundert Jahren aussah, und zu diesem Behufe dieollen Kamellen" mitten unter die neuesten Neuigkeiten stellt, druckt folgende vor einem Säkulum erschienene! Notiz eines deutschen Blattes ab:Frankflirt a. M., den 17. De­zember 1.808. Hier ist ein sensationelles, theatralisches Ereignis zu konstatieren. Eine berühmte Schauspielerin, Madame Haeudel, gibt hier ganz eigenartige Vorstellungen, die indessen von Pcrsonest mit. strenger Moral nicht gutgeheißen werden. Es sind das ein­zelne Szenen oder mich nur plastische Stellungen, die auf jedem! kleinen Theater, ja in jedem Salon vorgeführt iverden können. Zum Beispiel stellt Madame Haeudel die Galathea dar in einem Gewände, das vollständig durchsichtig ist und wie durch einest dünnen Gazeschleier die Körpcrsornten deutlich erkennen läßt. Oder sie führt in demselben Kostüm den Raub der Sabinerinnest vor. Zu dieser Szene gebracht die Künstlerin eine große Anzahl von Statisten, die die Römer darzustellen haben. Tie jnngeu Leute von Frankfurt reißen sich darum, diese Statistenrollen zu erhalten, und führen sie mit viel Eifer und Begeisterung ans!" Tie Polizei von Fmnkfurt a. M. scheint sich damals nicht für verpflichtet gehalten zu haben, gegen diese Art vonSchönheitsabenden" einzuschreiten, denn von einem polizeilichen Verbote wird in jener alten Zeitnngsnotiz nichts gesagt.

* DasHabt acht!" der Kassiererin. Eine drollige Geschichte wird der Wiener Zeit aus Neunkirchen berichtet: Tort erhielt die Kaffeehansbesitzerin Frau Viktoria Biwald eine Vor­ladung zur Bezirkshauptmannschaftbehufs Entgegennahme einer Belehrung". In der Bezirkshauptmannschaft wurde die Cafbtiere an den Herrn Konzipisten! Dr. Savitzky gewiesen, der ihr, offenbar», im Auftrag, folgendenVorhalt" machte: Der Herr Bezirks- Hauptmann Cäsar Schikich v. Belleüit habe tags vorher, als er das Kaffeehauslokal grüßend verließ, bemerkt, daß weder die Bor- geladene noch die Kassiererin seinen Gruß entsprechend erwidert hätten und hierbei nicht aufgestanden feien. Ein solches Benehmest fei zu rügen, und der Herr Bezirkshauptmann müsse zumindest vom Kaffeehanspersonal stehend begrüßt werden. Damit war die belehrte Cafetiere entlassen. Es ist nicht bekannt, auf Grund welches Gesetzesstelle der Herr Konzipist für den Bezirkshauptmanst dasHabt acht!"-Stehen der Kassiererin verlangte, da das einzig dafür in Betracht kommende Gesetzbuch, nämlich das Dienstregle-- ment auf Kassiererinnen nicht anwendbar ist. Die Kaffeehaus­besitzerin, die schon im Interesse ihres Betriebes die ungestörte fitzende Lebensweise der Kassiererin verteidigte, luenbctc sich ast die Genosscnfchast, die die Forderung des Bczirkshauptmauns für einen Ucbergriff erklärte und einen Advokaten mit dcn nötigest Schritten betraute.

Silbenrätsel.

Aus folgenden 22 Silben:

a, dir, eis, elf, ge, grub, hab, he, ft, (er, lo, Io, ne, ui, nim, rn, rat, reis, rod, je, ta, tt,

sind 12 Wörter zu bilden, so daß die AwaugSbuchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben zusammen zwei wichtige Ereignisse aus dein Leben eines jungen Mädchens ergeben. Die 12 Wörter bezeichnen: 1) Zahl, 2) Scknsssieil, 3) Astrolog. 4) Münze, 5) Stadt, 6) Pflanze, 7) Frucht, 8) König, 9) Thealcrplcch, 10) Gottheit, 11) Gebirge, 12) Jager. hb, Auflösung in nächster Nummer:

Auflösung der Charade in voriger Nummer:

A! a u l h e t d.

Nedaklion: E. Anderson. Rotationsdruck und Sietiag bei Grühlschsv UntorrsuaiS-Buch- und Stemdruckerei, 81. Lange, Gieße»».