Ausgabe 
4.1.1909
 
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siL alle Hälse, und ein lunger Menü, ganz, in dr< beides Nähe, sagte ganz laut:

Donnerwetter, was siir'n schönes Mädchen!"

Der alte van Endert war- ihm einen, bösen Wick zu, und dem Jungen stieg das Blut dunkel in die Stirn. Fast unfreund­lich ritz der Alte die Hendriua mit sich herum.

Geh heim."

Wer die Hendriua muckte auf.Warum denn nur? Alle Leute sind hier nuten am Rhein! L-oll ich denn immer an Hause sitzen lute eine Beginne? In Goch, da läßt die Bas' mich nicht heraus, und hier soll ich in der engen Kajüte hocken!".

Der Alte hatte sich anders besonnen.

Na, komm nur mit. Wir trinken einen Schoppen!"

Die Hendrina warf einen raschen Blick auf Beert. Sie merke, datz er ärgerlich aussah, als ein ganzer Trupp junger, gutge­kleideter Leute ihnen ziemlich lärmend folgte und in der engen Wirtsstube dicht neben ihnen einen Platz suchte. Und als der junge Mann, der eben den Ausruf getan hatte, sein volles Schoppcnglas gegen sie hob, und sie wohl merkte, daß seinProsit" ihr allein galt, da mutzte sie Lächeln, datz ihre Mitzen Zähne blitzten. Was machte es ihr, datz Beert unmutig an den Lippen nagte und ihr Vater den Kecken wütend ansah. Mochten sie doch. In Goch, da sperrte ihr Vater sie ein wie eine Nonne, und die alte Bas' war wie eilt Drache immer neben ihr. Und die Gochcr, die waren so milchsuppig und dus, die Mädchen tMpelten über die Gasse, als gingen sie auf Eiern,, und die.Jungen, die schielten auch nur so von unten herauf, wenn sie an dem Fenster vorbei-' gingen, ivo die schöne Maria Hendrina van Endert einen Tag und alle Tage satz und Spitzen häkelte.

Hier waren die Menschen anders. Der da drüben am Tisch warf ihr schon wieder einen feurigen Blick zu, und sie lächelte ihn wieder an.

So grotz und stramm wie der Beert war er freilich nicht. Gegen den konnte so leicht keiner an. Wer der Beert war eine Schlafmütze, auch so ein Duser. Jedes Wort mutzte man ihm ab kaufen, und wenn er sie einmal ansah, dann wars nur für einen Augenblick. Sie le atzte auch wohl, datz ihr Bater sie mit dem Beert verheiraten wollte. Aber das hatte noch gute Wege.

Sie trank herzhaft an ihrem Schoppenglas. Und sie äugelte mit dem Fremden. Und sie lachte in sich hinein, und ihre Backen wurden röter.

Die Tür wurde anfgerissen, und ein großer, alten Schiffer kaut herein. Er hatte eine gestrickte Mütze tief ins Gesicht ge-- Kogen und einen roten Schal nmgebunden. Ans seinem roten Gesicht blitzten ein paar grellblaue Augen scharf in der ©iiibe umher und erspähten den alten van Endert, der sich unbehaglich hinter Beert zu verkriechen suchte. Mit einem gewaltigen Schritt war er bei ihm und schlug ihn auf die Schulter, daß der Alte förmlich zusammenklappte.

Duuuerschlag! Do sitzt der alt' Fitchs un will sich ver­krieche! Ich hawwe bei Schiff owwe im Hafe gesehe. Des sieht dir ähnlich, zwce Dag hie im Hase zu liehe, un bei leibliche Vetter net nffzesuche! Awwer so hawwe mer net gewett! Eso kimmst de net los. Nix wie uffgestanne.uni mitgegangc. Schampcs, e Schoppe, awwer fix!"

Sein Blick fiel auf Hendrina.

Dunnerfchlag!" Des is bei Tochter!" Er faßte sie an der Schulter und bog mit seiner Riesen Hand ihren Kops zurück.Dei Dochter! Mer sieht awwer aach, datz das 'm Rosche sei Tochter isl Mädche, was hoste for e Paar Aage int Kopp, 'tln was ä Haarspiel." Er griff lachend nach den dicken Zöpfen und zog daran.Alles echt? Bor dir kamt sich mei Hildegard ver­krieche! Awwer das schad't nix! Gut Freund werd't ihr doch."

Er schüttelte Beert kräftig die Hand :Der Beert aach! Die ganz Famitli beisamm«! Fehlt nor de Bas! Awwer die lasse wer deheem! Mer mutz am Mntcrdag net sei Drache steige lvsse, do is kei Webber dafür." z

.Er lachte laut über seinen Witz. Dann schüttete er mit einem Rieseitzug den Wein hinunter.

Allo jetzt mit der Gesellschaft! Alle drei kummt'r mit, die Hildegard mutz ee Portion Grumbiere (Kartoffeln) meh schäle. De Middag bleibt 'er bei mir. TS Matthes hüt's Schiff die anner Maria Hendrina. Na, mir is die hie lieber!"

Ter alte van Endert machte ein paar schwache Widersprüche. Aber das nutzte ihm wenig. Lachend schob der große Mann seinen Arm unter den feinigen und zog ihn mir. Hendrina und Beert folgten.

Der Vetter Weingartner," sagte Beert lachend,na, was der will, das geschieht. Gegen den kommt dein Badter nich an."

Hendrina lachte auch.Das fchad't Vater nix. 's ist auch

arg, wie er einem von- allen weg hält. Richt »tat seine nächsten Verivandten kennt man. Kennst bn denn die Hildegard?"

Beert nickte.Freilich. So eine kleine, schwarze Katz'. Immer mit dem Mund vorn ttnb immer kregel, 'n nett Ding. Aber ovdu dich mit ihr verträgst?"

Hendrina preßte den Mund zusammen:

Ich! Ja ich weiß ja gar nicht, wie das ist, wenn man mit Mädchen zusammen ist! Ich hab' ja niemand. Immer die Bas' und' manchmal Vater und dich, wenn ihr g'rad mal eine Zeit daheim seid!"

Beert sah sie überrascht an.Du hättst's gern anders?" sagte er.Was fehlt dir beim?"

Hendrina fuhr auf.O du, was mir fehlt! So seid ihr, du und Vater. Menn ich sart zu essen hab' und in der Stube sitz', int Sommer kühl und im Winter warm, da meint ihr, mehr brauch' ich nicht! Die Bas' is alt ttttb weiß nicht viel anders mehr, lind Vater! Der hat ja dieMaria Hendrina!" Richt seine Tochter, sein Schiff! Wenn er nur dadrauf ist, dann ist der zufrieden. Der denkt, wenn nur die Bas' zu Haus sitzt und mich bewacht, datz ich keilte Streiche mach', dann ist alles gut. Dann leb' ich meinen guten Tag. Und du! Du, du denkst auch, wenn ich nur gut aufgehoben bin. O du. . . ."

Sie brach ab. In ihren Augen blitzten zornige Tränen. Beert sah sie hilflos erstaunt an.

Du denkst, ich kamt ja lang gut da sitzen und drauf warten, bis du eines Tages kommst und mich heiratest. Und dann kaust ich wieder in der Stab' sitzen, weiter, alle Tage, nnd warten, bis da heimkommst. Oder mit dem Schiff fahren mit dir und dem Baker. Und du gehst herum und machst den Mund nicht auf und denkst, ich hab's ja gut, weil ich mit dir verheirat' bin. Wer ich laß mir das nicht gefallen. Ich laß' nich so mit mir umspringen." Sie brach ab.

Sie standen vor einem kleinen, niedrigen, blank gestrichenen- glänzend sauberen Häuschen. Es sah aus, als ob der Riese gar nicht hineinginge. Aber er öffnete die Haustür und trat, ohne sich zu bücken, ein. Dann rief er mit dröhnender Stimme:Hilde­gard ! Hildegard! Ich hawwe dir Besuch mitgebrunge!" (Fortsetzung folgt.)

3n 8icherhett.

Erzählung von Reinhold Ort mann. 'Nachdruck verboten.

lFortsetzung.)

Ter andere aber, den er als den Hauptschuldigen be­zeichnete, war verschwunden.

Er hatte am Tage vorher, als noch niemand etwas von dem verübten Verbrechen ahnte, einem der Prokuristen! in heiterster Stimmung erklärt, das; er die schönen Tage zu einem kurzen Erholungsausflug benutzen wolle.

Man wunderte sich jetzt nicht länger, daß er von diesem Ausflug nicht zurückgekehrt war.

Er hatte ja gewußt, datz am Dienstag beim Einkauf der bon ihm und Weruick namens der Bank akzeptierten! Wechsel in Höhe von huudertuudzwanzigtausend Mark das ganze Schwindelgebände zusammenbrechen müsse, und er hatte offenbar schon seit geraumer Zeit seine Vorbereitungen für diesen Augenblick getroffen. * Aus den Anfragen und Mitteilungen, die auf die ersten Gerüchte hin von allein Seiten einliefen, ließ sich unschwer seststellen, daß es dem ungetreuen Bankdirettor. gelangen war, sich für seine Flucht in den Besitz sehr großer Geldmittel zu bringen. Die ge­stohlene und erschwindelte Summe, die er mitgenommen, mutzte sich ans mehrere hunderttausend Mark belaufen vielleicht auf eine halbe Million, so daß an der Ergreifung des Flüchtigen noch ein mderes Interesse obwaltete als nur der Wunsch, einen Verbrecher seiner verdienten Strafe überliefert zu sehen.

Die Polizei, die natürlich sofort benachrichtigt worden ivar, setzte unverzüglich den ganzen Apparat in Bewegung, der ihr zu Gebote stand. Ta Neuhofs doch nur einen Borsprung von drei. Tugen hatte, zweifelte man in krimi- ualistischen Kreisen von vornherein keinen Augenblick, daß es sehr bald gelingen tverde, seiner habhaft zu iverdeu.

Waren doch alle Hafenplätze, nach denen er sich etwa gewendet haben konnte, telegraphisch auf die Möglichkeit 1 einct Landung vorbereitet, und befanden sich doch die Po­lizeibehörden aller zivilisierten Länder im Besitz, seines Signalements. Eine sofort ausgeschriebene Belohnung von zehntausend Mark, der sogar noch ein gewisser Prozentsatz der bei ihm vorgefundenen Summe hinzugefügt werden