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trt der „9f((gem. Konservat. Monatsschrift", 1892) verurteilen! wollen, ist nicht nur ungerecht und selbstgefällig, es' verstößt auch gegen die so oft gerühmte ChristenpMcht des „Verzeihens".
Mercks Landgut und Druckerei in Ar Heilgen.
Noch heute gibt uns das Loben' dieses' seltsamen Manuejs gar manches Rätsel auf, — Rätsel, die vielleicht nie ganz gelöst werden.
Heiß Umstritten ist vor allem! die Frage: Wann hat Merck in Arheilgen gewohnt, Und.hat er dort eine Druckerei besessen? Ich muß hier zurückgreifen auf die mit ziemlicher Schärfe geführte literarische Fehde zwischen Freiherrn von Schenck ('Direktor des Großherzogl. Haus- und Staatsarchivs) Und Pfarrer Fuchs' (Arheilgen). Im Jahre 1894 hatte Fuchs in Nr. 115 und 116 des „Darmstädter Tagblatts" einen Artikel über Merck veröffentlicht, in dem er, zurückgehend auf die Bemerkung Dr. Wagners2), aUsführte, Merck habe in Arheilgen seit 1775 ein Haus mit Oekorwmiegebäuden und einem großen Garten besessen und auch eine 'Druckerei betrieben. Das Merck zugesprochene Haus (heute das Gasthaus zum weißen Roß), an dem die Arheilger Merck- Freunde eine Gedenktafel hatten anbringen lassen, erwies sich auf Grund der Darlegungen des Freiherrn von Schenck als falsch ; Merck hat niemals das Gasthaus zum weißen Roß innegehabt, sondern das Haus nebenan, den „Freihof" (heute die Häuser Nr. 6 und 7), und zwar, wie Freiherr von Schenck auf Grund der .Arheilger Flurbücher annahm, erst seit dem Jahre 1789.
. Die Frage war mir so interessant, daß ich mich noch einmal eingehend mit ihr beschäftigte. Nach mündlicher (auch Darmstädter) Ueberlieferung galt in! Arheilgen für ausgemacht, daß Merck seit dem Anfang der 70 er Jahre dort gewohnt, und eine Druckerei errichtet habe, in der auch Goethes „Götz von Ber- lichingen" gedruckt worden sei; noch vor Jahren habe man in einer Arheilger Familie ein Exemplar des ersten „Götz-Druckes" aufbewahrt; einen alten Stich „Merck von Girsch" (nach dem Streckerschen Oelgemälde) hat man mir auch gezeigt. Schließlich sollen vor Jahrzehnten Kinder noch mit den Lettern jener Druckerei gespielt haben; gefunden haben sich aber keine mehr!
Allen Kombinationen war mit diesen Geschichtchen Tür und Tor geöffnet; doch es galt mehr als Geschichten sammeln! Drei dickleibige Folianten habe ich durchstöbert und zu Meinem Erstaunen begegnete ich sowohl bei dem Haus, als auch den Aeckern, Wiesen und Gärten überall nur der Jahreszahl 1790; demnach hatte sich Merck erst 1790 in Arheilgen angekauft, also noch ein Jahr später als Freiherr von Schenck angenommen hatte. !Da bot sich mir in den Arheilger .Kirchenbücher» ein willkommener Aufschluß; unterm 22. Januar 1789 fand sich der Eintrag über die Trauung von! Mercks Tochter Adelheid mit ihrem Vetter, dem Kammer-Assessor und Apotheker Johann Anton Merck °). Da wohl schwerlich anzuuehmen ist, daß Merck mitten im Winter 'ein Landhaus in Arheilgen kaufte, so lag der Vermutung nichts im Wege, Merck könne sich schon im Jahre 1788, vielleicht auch früher, angekauft habe», während der Eintrag in dem Flurbuch erst später vollzogen wurde, — was auch Pfarrer Fuchs für wahrscheinlich hielt.
(Schluß folgt.)
VeviMsHtes.
* Im Au t o über eine n S alzse e. Der weite unheimliche Salzsumpf, der im äußersten Süden von Tunis sich dehnt, der berühmte Schott Dscherid, aus dem nach den altgriechischen Mythen Minerva aus den Wellen auftauchte und der seitdem eine Stätte bangen Aberglaubens für die nordafrikanische Bevölkerung geblieben ist, hat sich jetzt dem Automobil ergeben müssen: eine Frau war es', die bekannte Pariser Romanschriftstellerin Mhriam Harry, die mit einem kleinen Automobil es wagte, ihr Leben der trügerischen Salzkruste auzuvertrauen. Mit einem Begleiter und einem Kamele, das Wasser und Be'nzinvorräte trug, brach man vort Gabez auf. Mit einem Korbgeflecht waren die Automobilräder notdürftig gegen das Versinken int Sande geschützt, eine anstrengende! Wüstenfahrt, von mehr als 139 Km. mußte vollbracÄ teerten, ehe der kleine Militärposten Kebilli erreicht war. Aber Nun verändert sich das Bild. Die Oasen werden öder und kahler, die letzte dürftige Wüstenvegetation! hört auf. „Wir geraten in eine teerte Ebene von Salpeter und Magnesium. Das ist das Schott." (Sm in den Boden gerammter Pfosten zeigt den Fremden den ge- fahnich schmalen Pfad, den nur zwei Meter breiten Weg, der durch den verderblichen Sumpf führt, in dem schon ganze Karawanen spurlos unter der dünnen Salzkruste versanken. In Ab- 'ständeu von etwa zwei zu zwei Kilometer sieht man diese Weg-- teetler aus der weiten bleichen, kristallisch flimmernden Ebene Änporragen wie die Masten' gescheiterter und halbversunkener ®Riffe, Totenstille herrscht rings, nirgends ein lebendes Wesen, kem Mensch, kein Bogel, keine Schlange, ja selbst feine Mücken
Seite' ffuä bcm Freundeskreise .... (1847)
3) Bon beiden stammen die Glieder der in Darmstadt lebenden, angesehenen Familie Merck ab.
Und Fliegen. Abe-r an bett Rändern der schmalen Furt fieffl man überall Kamelskelette bleichen, vom Wasser sind sie abge? waschen, von den Salzen durchlaugt und weiß wie Schnee. Dä- Neben die Schädel vouKferden oder Mauleseln; es sind die Ueber- reste der unglücklichen Opfer des heimtückischen Schotts, die durch geheimnisvolle Flutbewegungen aus ihrem unterirdischen Grabe empor und über die Salzkruste gehoben werden. „Ein glühend heißer Südwind geht," so erzählt die kühne Reisende in ihrem Bericht ttt der Illustration, „aber die weiße Fläche, die glitzerndenl Salzpartikel, die unsere Hände und Kleider bedecken, 'erwecken die Illusionen, daß mau fern im Norden durch die kalten Eini- ödeu unerforschter Polarländer dahinzieht. Der anfailgs feste Weg verschlechtert sich, die Räder des Automobils laufen bereits im Wasser: da sind sie plötzlich, die berühmten Luftspiegelungen des Schotts, von denen die Araber erzählen, daß sie beit Geist umnachten und jeden Wanderer irre führen. Lenkbare Luftschiffe sehe ich vorüberschweben, einen Schweizer See, eine Meeresküste mit Badegästen, große Fabriken mit Schornsteinen', ein europäischer Wald: aber in dem Maße als wir näherkommen, entschwinden di« Bilder. Nur das Wasser, die Salzkruste und die schauerlichen' Gebeine zu beiden Seiten des schmalen Weges schwinden nicht." Aber endlich ist die gefährlichste Zone übetz- IwundeN. lieber 50 Kilometer sind zurückgelegt, aber noch immer ist das Ende der Salz-Heide nicht abzusehen, die an manchen Stellen nach den Messungen des Obersten Rondaier und von Lesseps eilte Schlamm'- und Wassertiefe von 400 Meter erreicht. Zwei Sekunden der Unaufmerksamkeit: da beginnt das Automobil im schlammigen Boden sich zu verfangen, sinkt tiefer und bleibt stehen. Zum Glück ist mau nahe am Rande des Schotts. Araber eilen herbei, unter die .Räder schiebt mau Knochen und Skeletts, und es gelingt, den Magen wieder flott zu machen. Eine halbe Wegstunde weiter liegt Kriz: die Ueberqnernng des Schotts im Automobil ist vollendet.
* Vanille und Vanillin. Seitdem die wissenschaft- lichö Chemie namentlich in Deutschland so gewaltige Fortschritte gemacht und der chemischen Industrie die Mittel und Wege gezeigt hat, wie sie gewisse Stoffe billiger Herstellen kann, als sie sonst durch Anbau und Bearbeitung von Pflanzen zu erlangen sind, ist manchs Pslanzenkultur fast ganz eingegangen. Wir erinnern nur an die Indigo kulturell. Neuerdings ist auch der Vanille ein großer Konkurrent in dem .auf chemischem Wege erzeugten! Vanillin entstanden. Die Vanille ist eine Zwischenkultnr, bereit Pflanzung in unfern Schutzgebieten noch ziemlich int Anfangs steht; in der Hauptsache wird sie in Mexiko und in den französischen! Kolonien gewonnen. In diesen leben gegen 40 000 Personen' von ihrer Kultur. Aber der Wert der berühmten französischen Vanille, die in die ganze Welt verschickt wird, ist so tief gs- snnken, daß die Pflanzer alle Hoffnung verloren haben und eifrig nach Mitteln suchen, den Preis wieder zu heben. Tie Schuld an dem großen Preissturz trägt die Billigkeit des Vanillins, dessen Preis, anfangs 400 Mark für ein Kilogramm!, durch Verbesserung der Erzengungsmethoden nach und nach bis auf 30 Mark gesunken ist. Tie französischen Vanillepflanzer verlangen daher eine Steuer für das Vanillin, das zur Grundlage die Stärke des Riechstoffs hat. Man hat nun gefunden, daß das Vanillin hundertmal so stark riecht, wie Vanille. Sie wünschen daher, daß die Steuer auf Vanillin hundertmal so groß, sei wie aus Vanille; letztere betrügt nur 2,08 Franks für das Kilo. Indessen hat die französische Regierung doch geglaubt, hier etwas vorsichtiger zu Werke gehen und nicht gleich die äußerste Möglichkeit heranziehen zu müssen. Sie hat daher in dem Etatsvorans- schl'ag für 1910 zunächst einmal eine Steuer von 60 Franks sich das Kilo Vanillin vorgeschlagen, wozu noch 15 Franks für dasjenige Vanillin treten, das von fremden Ländern nach Frankreich eingeführt wird.
* A m Stammtis ch. Kulicke (Sonntagsjäger): „Ich will ja alles gern glauben, meine Herren — aber daß es Völker gegeben haben soll, die nur von der Jagd lebten, das ist ganz undenkbar !"
Zitaten-Rätsel.
Aus jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, sodaß sich ein neues Zitat ergibt:
1. Mein Sohn, nichts in der Welt ist unbedeutend.
2. Mensch, bezahle deine Schulden!
Lang ist ja die Lebensbahn ....
3. Und immer höher schwoll die Flut.
4. Der Knabe Ton Carl sängt an, mir fürchterlich zu werden.
5. Wer früh erwirbt, lernt früh den hohen Wert
Der holden Güter dieses Lebens schätzen.
6. Stets ist die Sprache kecker als die Tat.
7. Am Ende ist der ganze Kerl noch nicht einmal geboren.
8. Ein jeder gibt den Wert sich selbst.
9. Das ist des Landes nicht der Brauch.
10, Tages Arbeit I Abends Gäste'I Saure Wochen! Frohe Feste l Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer:
AllerAnfang i st s ch w e r.
Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


