Ausgabe 
3.7.1909
 
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Vermischtes.

* Anfiingc der Luftschifsahrt. Bei den großen Fortschritten, die die Luftschiffahrt in den letzten Jahrzehnten gemacht hat, ist es wohl von allgemeinem Interesse, etwas über die Erfindung und die Anfänge dieser Wissenschaft zu hören. Die Luftschiffahrt ist nicht etwa ein Erzeugnis der Neuzeit. Scho-, im Jahre 1670 gab der Pater Francisco Lona ein Werk heraus, in bcm er von großen luftverdünuten Hohl­kugeln spricht, mittels derer man sich in die Lust zu erheben vermöge. Etwa 40 Jahre später, am 8. August 1709 erhob sich in Lissabon der Pater Bartholomeo Luren^o de Gusman in einem mit warmer Lust gefüllten Ballone bis zu einer

habe zwar noch nie ein beschwipstes Huhn gesehen, aber I wer Jahren erzählte Brinkmann in einer naturwissen- | Pchuftllchen Zeitschrift ein artiges Geschichtchen von einem ! sockel, der allemal, wenn er geschnapstes Fiitter erhalten hatte, durch unaufhörliches Krähen, Fliigelschlagen und ein

I sehr herausforderndes Benehmen seinen Rivalen gegenüber I hoolllch zu erkennen gab, wovon ihm der Kamin so ge- I Mobilen war. er ober in nüchternem Zustand weder an I "eibeskrasten noch an Mut den Nachbarsleuthähnen ne» I wachsen war, während doch der Beobachter und feine Brüder

'hren Ltolz darein setzten, daß ihr Hahn sich den Nachbar­gockels überlegen zeigte, so gaben ihm die Knaben auf den Rar eures wohlwollenden Freundes in Form von geweichten Brottugelchen eine Dosis Alkohol ei». Tann rannte er alle­mal wieder dein Kampfplatze zu und hatte Wirt ivie ein

I Hermles, auch wenn ihm noch so viele Feder>r ausgerupft j wurden. Einmal verlor er sogar ein Auge in der Schlacht

Trotzdem kämpfte er weiter und.siegte. Aber ein ander» mal hatten die Knabe» das Quantum doch zu stark deine sen-

I pw ?wlgc war, daß der Gockel das Gleichgewicht verlor, sich slugelschlagend und schreiend auf die Seite legte und bis

I zum nächsten Tag total betrunken war. Zum Alköhol- I gegner hat ihn das Erlebnis aber doch nicht gemacht: er I !.9nWc ruhig weiter. Auch von gezähmten Krähen habe ich I ähnliches schon gelesen.

I Bon den ausgemachten Süffeln, die es unter Stu- I deuten- und Wirtshunden gibt, soll erst gar nicht gesprochen I werden. Ter Alkoholgenuß pflegt ja bei diese». Tieren, wenn er erst zur Gewohnheit geworben ist, nur allzu oft

I bep recht bösen Folgen zu enden, indem das berauschende Gift mit der Zeit auf das Nervensystem recht schädlich ein» wirkt, den Körper zerrüttet, die natürliche» Instinkte ver­wirrt und den Charakter der Tiere total verdirbt. Hunde, die anhänglich und gutmütig waren, verwandeln sich in

| bösartige, launische, zänkische Geschöpfe, vor deren gelegen!» 110)0» Tobsuchtsanfällen schließlich nicht einmal ihr Herr mehr sicher ist. Zuletzt kriegen sie regelrecht das Delirium und gehe», sich selbst überlassen, langsani daran ein.

| . Auch Pferde, Ziegen, Schafe, Ririder, Schweine. Ele- saute», Bären, Affen nud Katze,i sind .als Gelegenheits­liebhaber von Alkohol oder alkoholhaltigen Substanzen, wenn sw nur eine sonst für sie schmackhafte Form habe», bekannt iind lassen sich, je nach individueller Beranlagnng, leichter oder widerstrebender an seinen dauernden Genuß gewöhnen -- lehnen ihn aber auch unter Umständen nach der ersten Probe für alle Zukunft hartnäckig ab. Die größte» indivi­duellen Verschiedenheiten scheinen i» dieser Hinsicht bei Katzen zu bestehen, während Mäuse gar nicht erst der mensch­liche» Anleitung bedürfen, um einen Tropfe» Wein oder Krrfch recht schmackhaft zu finden. So berichtet Zell nach einer andere» Quelle, lute ei»e Dame einst beim Betreten ihres Kellers ein eigenartiges, singendes Piepsen vernahm, als dessen Urheberin schließlich eine Waldmaus ermittelt wurde, die neben einer Flasche Malaga saß und nicht im entferntesten aus Davonlaufen dachte.Die Dame holte Hilfe und mit Heeresmacht wurde in de» Keller gezogen." Die Maus war mit ihrem Liedchen noch nicht fertig, blieb jtpen und wurde schließlich mit einer Zange gefaßt. Bei näherem Zusehen stellte sich heraus, daß die Malagaflasche auslief, daß bie Maus tüchtig angetmselt war, und daß rrngs um die Sickerstelle ein ganzer Kranz von Mäusemist lag; der verhaftete Triinkenbold hat also hier schon länger em Gelage gefeiert. Aehnliche Geschichtchen finden sich noch einige in der Literatur erzählt. Die Ratten von Rochester stehen also keineswegs vereinzelt da. Sie haben nur getan was Mäuse gemeinhin scheinen nicht lassen zu können

___ A. K.

ftuf die Trunkenbolde veranstaltet, und mancher kam in seinem Rausche elend um. Anschließcud hieran bringen dieM. N. N." eine nette Abhandlung von A. K., die wir nachstehend wiedergeben:

Bekannte von mir haben sich gemindert, zu hören, daß auch die Ratten zu den entschiedenen Alkoholfreunde» gehören sollen, die es da und dort im Tierreiche gibt. Sie meinten, von Natur aus verabscheue wohl jedes Geschöpf das. Berauschende, so ungewohnt riechende Gifte, und es sei immer erst der Mensch, der die Tiere auf Schleichwege» au den Alkohol gewöhnen müsse, um ihnen seinen Genuß schließlich als begehrenswert erscheinen zu lassen. Tas ist aber nicht richtig. In der Gelegenheitsliteratur, die es über diesen Gegenstand gibt, finden sich zahlreiche Beobach- tungeil verzeichnet, die von allem eher zu erzählen wisse», als von einer natürlichen Gegnerschaft der Tierheit gegen berauschende und betäubende Getränke.

Schon bei den Insekten fängt die Freude an einem guten, süßduftenden Schnäpschen an. Wenn wir in unseren .Gymnasiasteniahreii seltene Nachtfalter auf bequeme Weise sangen wollten, rührten wir in einem Schusselchen ei» paar Wei voll Quitten- oder Johannisbeergelee mit einem Klemen schnapsgläschen voll Apfeläther an und bestrichen damit an Waldrändern, in Blumengärten und Wiesenqrün- deil etliche freistehende Bäume. Am ander» Tage lagen crt,l!t~..Ur Schmetterlinge, oft zu Dutzenden, betrunken auf den Tilchern, die Wir rund um de» Stamm am Boden hmgebreitet hatten. Ich emfimte mich auch, daß wir einst, um der Insassen eines Hornissennestes, das sich i» einem hoh e» Birnbaum unseres Obstgartens angesiedelt hatte ; habhaft zu werden und mit den Arbeitern zugleich auch die Königin zu erwische», eine mit Sirup gefüllte Schale I i» der Nahe des Flugloches aufhingen. Als sich die Tiere dann au einen regelmäßigen Besuch dieses Futternapfes gewohnt yatten, inischten wir dem Sirup eine Dosis Alkohol I unb träufelten^eine spur davon an den Eingang zum lchgr stunden später lag die ganze Horuisseii- ge,ellschaft mitsamt der Königin schwer berauscht in einem unter der Schale aufgespannten Tuch oder hing betrunken I m ber Nahe an den Zweigen.und ani Boden auf den Grcis- palmen herum. Einige lagen mich tot oder halbtot mitten in der fufjen Pfütze. Wespen und Bienen fallen ebenso e.7 olnemgirteii schnapsigeii ft le in zum Opfer. Wer Halle nicht schon im Herbst gelegentlich einmal eines dieser j Lrere ans einem Obst- oder Tranbentresterhaufen gefunden: I bon Dem gegorenen Safte so beschwipst, daß es kaum mehr s» kriechen imstande war, geschweige denn noch fliegen | foiitue. schwerkrank liegen sie umher, fallen bei ihren I unbeholfeneii Krabbelversuchen bald auf den Rücken, bald aus die Seite und würgen unter Umftnnbcn auch den tücki- wieder heraus. Je nach der Schwere des

Rausches erholen sie sich aber dann nach zwei bis sechs I ^^der sind jedoch, wie der Däne Petersen (glaub'

Wea Pnicht mehr imstande, de»

ö» ihrein Reste oder Stock zurückziifinden. Alle Ge- ps'Ap^s'bi.der, mit deren Hilfe sie sich zu orientieren pflegen I fc'1 ^luiiicritngenjinb ausgelöscht, und wenn man bi? | Ein Biene!,vm/^bw Heim znrückbringt, sind sie verloren. I

Zlenenvolk, das an einen neuen Ort versetzt werden I unb die al.e Heimat vergessen soll, braucht deswegen nur betäubt zu werben; nach dein Erwachen aus dem Rausche |

" Nch die Insekten an ihrem neuen Standplatz in berjeWon .ibciie ein, wie sie s beim ersten Ausflug au dem I m ^Zten und bleiben bestimmt. Das offenbare

Unwohlsein, das dem ersten Rausch zu folgen pflegt, hält I übrigens? eine Biene oder Wespe nicht ab, sich ein zweites I Jtal öu betrinken; sie fallt immer wieder auf de»vor- I ä1äme»!ifördi! muß er f» halb

, systematischen Versuche» würde sich wahrscheinlich I urf; mancher biedere Feld- und Wiesenbürger aus dem weiten Reiche der Gliederfüßler als Alkoholliebhaber ent»

S,CP ^buke da besonders an die »aschigen Ameisen- I itbftafei arten; vielleicht liegen sogar schon diesbezügliche I lw- Jur heilte möchte ich nur noch ein paar Worte über Vogel nnb Säugetiere sagen.

Man hört in Süddentschland zuweilen die Redensart: h'chww 'me ein Huhn". Aber man sollte die Worte mit K°-ficht gebrauchen. Es gibt eben Hühner von allerhand nii .,no Darunter auch solche, die in Schnaps geweichtes I -orot sicher ebenso gern fressen wie trockenes Brot. Ich |