Ausgabe 
3.5.1909
 
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will bloß Haben, Was sein ist. Das! Kind hat er schon nach sich gezogen, dann kommt die Frau daran, und dann"

Was dann?" , , .

Die Kühe r-i wegen der Kühe hat er kerne Ruhe irrt

Grabe."

Die Mnnerdeern schüttelte sich vor Grauen.Oha, oha, so'n Geist! Wie sieht er denn aus?"

Ganz weiß; seine Augen sind wie zwei durchgeglühte Kohlen. In jeder Vollmondnacht konrmt er durchs Haus

der wie Dbü

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Wenn doch Schaue einmal käme!" dachte sie.Wenn ich sie doch einmal sprechen könnte; sie würde mir alles sagen." Aber Schane kam nicht.

Einmal belauschte Tine ein Gespräch der Dienstmädchen. Die Mädchen waren beim Wäschespülen und hatten rhr Kommen überhört. Einen Moinent stand Tine zaghaft an der Tür der Waschküche. Sie hatte eigentlich nichts zu tun hier, nein, gar nichts. Nur die eigene innere Unruhe hatte sie hinausgetrieben. Die Großdeern würde sie vielleicht wieder so feindselig ansehen, als wenn sie feige» wollte: Kann man denn nicht einen Augenblick allein sein?"

Die Mädchen hatten ausgehört zu spülen. Der Korb mit Wäsche stand mitten auf der Diele, die Mädchen hockten am Waschkessel; sie hatten ihre nackten Arme in die blau­leinenen Küchenschürzen gewickelt und erzählten sich etwas. Tine stand wie angewurzelt.

Was?" sagte die Mnnerdeern (sie war noch nicht lange im Hause).Umgehen tut es hier? Oha, oha!"

Ja, aber das geht uns nichts an, das geht bloß den Herrn an und die Fran. Er ist doch ermordet worden, der arme Jak."

Um Gottes willen, ein Mord? Wer der Herr?"

Still, still. Die Frau war ja seine Maut; sie hat sich was davon in den Kops gesetzt. Darum ist sie so still."

Oha, oha! Ich bleib' hier nicht, bei Geistern habe ich mich nicht vermietet."

Sei doch nicht dösig, Deern, dir tut er ja nichts, er

Der Kronprinz war bei seinem Aufenthalt m Wien Gegenstand der allgemeinen Aufmerfianikeft, obwohl er sich; man bemerkte, nicht viel in der OesteMlichkeU zeigte. . Feuilletonist der WienerZeit" hat versucht, jetn Bild; wie es sich der flüchtigen, aber eindringlichen Betrachtung bot, sestzn-

Der Kronprinz von Spanien, Tvii Carlos, jaminerte M seinem! ehrgeizigen Gemüt:Dreinndzwanzig Jahre, und noch nichts für die Unsterblichkeit getan!" Der! Kronprinz von Preußen jammert nicht, sondern erfindet einen ManpchetteNMoptz

Dafür sicht er auch kreuzfidel aus. Und ist fabelhaft elegant. IN Berlin sagt man: Tipp topp! oder: Tadellos! Kem W? ßischer Kronprinz ist vorher so elegant. gewesen. Nicht Wi^ Helm II., der den schneidigen Soldaten immer zu strvmm be- tonte, nicht Friedrich, dessen Vater', der zu vvllbartig «ls deut­scher Recke einherging, um sich füv jene rnternatiouale Eleganz Hin; |ic niuujit vivi I zu eignen; auch nicht Wilhelm, den die Hofgesckftchte heute den

Aber es dauerte gewöhnlich I mrosen nennt, der fteilich als Sohn der schonen Iiecklcnburgischcn ' - '*- nr"r-14" 1 Königin Luise sehr schön, aber nicht elegant gewesen ist Man

muß schon bis zu Friedrich, dem wirkliche Großen, zuriick, wenn man ein Beispiel will. Der mag in seiner äugend inanche Neigung zur Eleganz gehabt baben, hiM auch E leidenschast- licker Liebe an den Franzojen; die damals der! Welt die -Uioofl diftierien. Wer er! konnte sich nicht ausleben, wurde als Kron­prinz zu kurz gehalten, als daß er jidji zu lange ^stueiderriechi- mrngeu Hütte erlauben können, und war spaten als Komg zu sparsam, zu groß und auch viel zu sehr; mit wichtigeren j-titgen beschäftigt. Dieser Krionpvmz aber kann sich ausleben Er hat, in Bonn, die NM den Hals geschlungene Ntzrkette kreiert, die jetzt so modern ist, hat die hohen -stelchinlegkragen gefordert, hat nachher iwch Niel für das WinterspvrtkostüM getan, und lanciert jetzt in der preußischen Armee jene schlanke, vornehin nachlässige Haltung, die man schon längst an unteren KavallerreoffizrerenI kennt, und die bald zu erreichen ist, wenn nfan aufhort, die alt- preußische Ladstockstrammheit für' die beste Haltung dcr Männlich^ leit zu erklären, uiibi wenn Man ferner aufhort, feine Schulter^ und seine Brust zu wattieren. -Dieser Kronprinz wird cs be­wirken, daß in der preußischen Armee der Verbrauchs an Watts auf ein Miiiimum herabsinkt.

Ein schlanker junger Mann, mit einem schmalen, laugen Ge­sicht und einem schmalen blonden Kopf. Das glatte Haar engsiich gescheitelt Die Stirn sparsam und- ausfallend- schräg. Und eine schmale, lange Nase, dünn wie ein schlanker Zeigefinger und spitz wie ein Bleistift, senkt sich zu dem blondem Bchtchen herab, stoßt ein wenig vor sich her in die Luft, so daß dieses Gesicht etuüs Schnupperndes erhält. Zwei grad-stehende, kleine Augen, die auS- schen, als antworteten sie auf seinen Ruf. Zwei aufmerfiame;- ncugierige, bereitwillige und muntere Augen. Dazu em schmaler, fast immer gespitzter Mund. Menschen, die sich beobachtet suhlen! und die auch mit ihrer Befangenheit kämpfen, ziehen die Lippen so zusammen, lecken sie Und spitzen ftc so. Dieses Antlitz, das so schmal ist, als habe- mau es dünn gepreßt, hat noch- den Wider­schein der Kindheit an sich; einer wohlerzogenen, braven Kindheit. Und die Züge der Männlichkeit sfitd darauf erst in Bildung begriffen, schreiben sich erst noch fit ganz zarten L-mien aus i dieses Gesicht. Mit diesem offenen, parallelen Lauscherblick dM Augen, mit -diesem spitzen Mund und der spitzen Nase erinnert rne)«fl I Antlitz manchmal au hie aufmerksamst Munterkeit eines GM

Schultern waren breit geworden, er ging aufrecht, und in seinem Wesen drückte sich zielbewußte Kraft aus

Jan Thomsen und seine Frau waren ein schönes Paar, es mußte wunderlich zugehen, wenn zwischen ihnen nicht eine echte schöne Liebe erblühen würde.

Wenn wir ein Kitld bekämen!" dachte Jan, UNZ bei diesem Gedanken wurste ihm warm ums Herz.

Seine Blicke suchten liebevoll in Tines Augen zu lesen, cu ..

aber das junge Weib sah scheu an ihm vorbei; es entlief I

ihm, ehe er noch die rechten Worte gefunden hatte. . . 1 IHast du ihn schon gesehen?"

Nach dem Fortgänge der Mutter fühlte sich Tine nochFreilich aber ich bin das gewöhnt, auf jedem weniger als früher Herrin auf dem Hofe. Früher hatte ordentlichen Bauernhof spukt es. Ich zieh meme Decke über die Mutter das Regiment geführt, sie hatte angeordnet, die Ohren und sag leise das Vaterunser her.

ausgegeben und aus alles ein Auge gehabt. Jetzt kamen Die beiden Mädchen schüttelten sich vor Grauen, sm die Leute zu Tine, und stiese wurde in peinlichste Verlegen- I kicherten und schrien leise auf und getrauten sich nicht ins

heit versetzt, wenn die Btnnerdeern fragte, wie sie dieses I Haus zurück. Tine schlich mit bebenden Knien fort.

und jenes machen sollte, oder wenn stte Außendeern den I Als die nächste Vollmondnacht kam, lag sie fast feie Kopf in die Tür steckte und rief:Uns Frau, was kocheri ganze Nacht mit offenen Augen im Bett, und als dann!

wir heute?" , , . plötzlich ein Zweig gegen das Fenster wehte und ein leichter

Dann war es Tine, als müsse jetzt eine helle, scharfe I Schatten ans ihr Bett fiel, schrie fte laut aus

Stimme, eine andere als die ihrige antworten, sie sah sich I Jan mochte wohl glauben, daß Tme schwerträume, ratlos um und sagte schließlich:Das ist gleich ich I E-x erwachte, horchte einen Augenblick auf und schlief dann weiß nicht was ihr wollt." Tine hatte wohl arbeiten I ruhig weiter.

gelernt, aber sie verstand nicht, etwas M leiten, andere! I Am andern Morgen ging sie im Hause umher wie eine ihrem Willen dienstbar zu machen. I wandelnde Leiche.

Sie saß oft, die Hände in feem Schoß, ihre Blicke schweif- (Fortsetzung folgt.)

len über die Spätings, und sie dachte:Ach, wenn ich . ...

stoch arbeiten dürfte wie feie da draußen." Manchmal kam I VCt OCUtfu)C MONprMZ.

ihr wohl wieder die Lust, ein Liedchen zu summen, aber sie hielt gleich erschrocken inne; das schickte sich wohl sür eine Dienstdeern, aber nicht für eine Bauersfrau.

Da die junge Frau keine Freundinnen hatte unfe am fcsgejen V-ignagm !-»d |o «-tzSing«- di- Tag->n. gypyg-ggfc ^«51» 3»w»: Grübeln und Sinnen. So lief das junge Wem im Haufe | «- ©rnntirm- von Spanien. Don Carlos, jamim umher, ohne ihre Rechte und Pflichten zu erkennen; es wußte nicht, an wen es sich halten sollte, und wurde immer unsicherer und ratloser.

Die Dienstboten aber hoben ihre Köpfe hoch, wurden dreist und laut und, wirtschafteten, wie es ihnen gefiel. Tine wagte es nicht, ihnen etwas zu sagen, und Jan küm­merte sich nicht um die Hauswirtschaft.

Die junge Frau war zu schüchtern, die Mädchen zu bitten, dieses oder jenes zu tun; sie machte viel lieber selbst, was andere vergaßen. Al"" nicht lange, dann nahm eines der Mädchen ihr die Arbeit aus der Hand und sagtetDas kann ich doch machen, uns Frau." Ja, es kam vor, daß die Großdeern, wenn sie ihre Frau bei einer Arbeit traf, schalt:Uns Frau kann einem doch feen Mund vergönnen!" Daun lächelte Tine verlegen, ging in die Wohnstube und griff zum Strickstrumpf oder zur Zeitung. Immer wieder aber, wenn sie allein war, sanken ihre Hände in den Schoß, und ihr Blick glitt träumend