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Auf Liebespfaden.
Roman von H. Ehrhardt.
'Nachdruck verböte::.
(Fortsetzung.)
Lena von Rieding ivandte sich rnhig mit. Die Maske der liebenswürdigen Weltdame lag undurchdringlich auf ihrem Gesicht.
„Es tut mir herzlich leid, Exzellenz, es war ein ganz plötz- licher Entschluß von mir. Sie wissen, ich liebe plötzliche Entschlüsse."
„Du wärest ja doch nicht mit mir gegangen, Mama!" ließ sich der rotblonde Backfische von der Truhenbank her hören. „Tas sagst du jetzt so, weils vorbei ist. Aber zum Rosenmontag nach Mainz fahre ich doch."
*0« warf den Kops zurück und schürzte trotzig die Lippert, wobei sie mit ihren schnralen, schwarzen Augen den kleinen Ar- tillcristen auf dem Hocker vor sich verliebt anstrahlte.
„Bombensicher!" bekräftigte sie.
„Ich danke Ihnen für das Kompliment, mein gnädiges Fräulein."
Leutnant Keschers spiegelnd glatter Scheitel iteigte sich tief.
„Kompliment?" wiederholte sie etwas verdutzt.
Er tat seinen humoristischen AugenaussMag.
„Ich bin so nämlich Bombcnschnreiher, mei Gndeste, 5tcrr- leses."
Sie lachte, daß ihre Augen nur rroch zwei dnnKe Schlitze iln dem rosigen Gesicht waren.
„Also Maina," rief sie dann, „es ist bombensicher mit dem Rosenmontag, bombensicher."
, lMr wohl sehr hart rrnd grausam, iveim es galt,
ictnc Rlvalrn zu vernichten, aber sie war eine schwache Mutter — der Rosenmontag wurde bewilligt.
m . Lena von Rieding tauschte mit Hassingcn einen flüchtigen Bl'.ck, für einen Moment huschte, der müde Zug um ihre Mundwinkel.
Tann erklärte sie ruhig, sie habe auch die Absicht, nach Mainz zu fahren, es gab ja doch kein Entrinnen mehr.
„Aber bitte keine feste Verabredung!" sagte sie. „Ich hasse folche, wenn sic nicht unbedingt itötig sind, mau kann sich ver- Mcken, man kann Migräne bekommen, dann gibtS Abhetzerei, ..Absagen, M ißverstnudnisse — Sie iverden außerdem sicher gern nn „Holländer Hof" dinieren ,vollen, und das mache ick keinesfalls nut, für meine Nerven ist ein Nachntittag und Abend voll Karnevalstrubel genug."
Exzellenz war etwas pikiert, ihre Nasenflügel bewegten sich wltiernd, da steckte etwas dahinter. Sollte alter Haß jetzt endlich o:e stelle ftnden, wo diese inpertinente, scheinheilige Person verwundbar märe? ...
„Wir fahren eben allein, das heißt, Leutnant .Keßler fährt mit uns, Mama!" schmeichelte Erika, die mit ihrem Kavalier herangetreten war, schmollend ihtb trotzend.
Exzellenz musterte den hübschen, korrekten Artilleristen, der sie nut seinen braunen Augen, in denen der Schalk lauerte,
seinerseits eben so prüfend ansah, so daß Hassingcn im Hinter-- gründe Mühe hatte, nicht laut aufzulachen.
Und während die Exzellenz geringschätzig dachte: „Ein bürger-- licher Leutnant ohne nennenswerte Mittel, denn sonst wäre er wohl Kavallerist, tvas soll mir der für meine Erika?" hatte Walter Keßler, wie er .Hassingcn erzählte, sich innerlich bekreuzt und nach Art der Bauernleute, wenn ihnen der leibhaftige Satan erscheint, gemurmelt: „Alle guten Geister loben Gott den Herrn." Er hoffte damit den Teufel in Gestalt dieser Schwiegermutter, zu bannen.
„Tantchen," wie der Neffe sie zärtlich nannte, schwebte als rettender Engel dazwischen. Sie sah gar nicht ein, warum mail den Rosenmontag ttt Mainz ohne sie feiern sollte, sie wollte mit und zwar „iuenn schon, denn schon", also auch zum Diner im Holländer Hof.
„Sind Sie denn eigentlich mit von der Partie, Herr von Hassingcn?"
Exzellenz tat wieder gleichgültig und war doch sehr interessiert.
„Aber gewiß doch, Mama!" fiel Erika naseweis ein, während Leutnant Keßler spitzbübisch vor sich hinlachte.
Hans von Hassingcn schien bereits etwas von der Kaltblütig-- keit Lenas profitiert zu haben, er wurde nicht einmal mehr rot, als er sagte:
„Natürlich heißt auch meine Devise für morgen: „Rosenmontag in Mainz", aber nicht „Diner im Holländer Hof", ich bin in erster Linie Patient, Exzellenz haben mich bis jetzt noch nicht als Humpelnden Invaliden gesehen, ich kann keinesfalls meine Kur gerade Montag, nachdem schon Sonntag Pause war, unterbrechen, der Oberstabsarzt würde mich nicht schlecht ansauchcn imd mich fragen/ob ich zur Kur oder zunt Karneval nach Wiesbaden gekommen wäre. Ich hoffe, Nachmittag das Vergnügen zu haben, in Mainz mit Ihnen znsammenzutreffen."
„Also auch erst nachmittags?"
Wieder das boshafte Lächeln, das mehr sagte als Worte, das böse, fllnkclndeAuge.
Und daneben tauchte jetzt das mattweiße, ruhige Gesicht der jungen Frau auf, welche die Unterhaltung gehört zu haben schien, denn sie sagte, näher tretend und mit unverkennbar amüsiertem Lippenzucken:
„Wir beiden kommen als Nachzügler, Exzellenz, cs trifft sich in so nett, daß ich auch nicht ohne Kavalier zu fahren brauch,, es ginge wohl gar nicht — Herr von Hassingcn hätte mirs vielleicht auch ohne Kurzwang nicht abgeschlagen, wenn ich ihn gebeten hätte, mein Kavalier zu sein."
„Sicherlich nicht, gnädige Frau!"
Ihre lachenden Augen fanden sich verständnisvoll, die boshafte Exzellenz zog eine sauer-süße Miene.
Der blonde Offizier begann sich köstlich zu amüsieren, das sah ra ganz so aus, als solle sich ein regelrechter Kantpf entspinnen, bei dem er Partei ergreifen mußte: Hie Schlettau, hie Rieding. Er kam nicht einmal dazu, mit der jungen Frau ein paar ungestörte Worte zu wechseln, er hätte direkt unhöflich sein miiffat gegen die ältere Dame, und das verbot ihm Erziehung und Gefühl,
Exzellenz ließ ihn bis zum Abschied nicht von ihrer Seite,


