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Hochgebildeter Mensch wußte alles um1 sich zu scharen, was mit der Musik als Kunst in Verbindung stand, und man darf es wohl
sre hören aus der Sprache seiner inneren Gefühlswelt das Sentimentale anklingeu und sie verneinen das Persönliche in Mendelssohn, indeni sie in seinem stereotypen Stil den Mangel an kraftvoller Gliederung des Airsdrucks erblicken. Manches daran ist wahr, Vieles unrichtig. Es ist eine alte Wahrheit, daß in der Musik sich die Geistesrichtnng der Zeit sich besonders deutlich ausspricht. Als Mendelssohn schus, waren alle Bedingungen dazu vorhanden, einen schwärmerisch veranlagten Mrrsiker in die Bahn der Romantik zu drängen. Jahrzehnte lang hatte die absolute Musik in den Formen der Klassizität das Empfinden der Musikwelt beherrscht. Die Musik als solche, ohne Vorstellungszweck, ohne lebe Nebenabsicht, hatte sich itur an Allgemcinstimmungcn in dem
nu(. _ Ta,; ihm das Geheimnisvolle, das Zauberhafte, das Reich > ver Elsen und der Hexen am nächsten lag, das erklärt sich aus der an (eine j Ge>nhlsatmosphäre, ans der er seine literarische Bildung zog.
1 Wer ime er mit seiner ganzen Erziehung und Selbstzucht in dein Gedankenkreis seiner Zeit wurzelt, konnte nicht anders, als in cei» Raunen des dämmerigen Waldes, in denr Spuk der schwirrenden Geister den Anstoß finden zun, Nachschaffen einer Welt, die chin Inhalt und Wesen gab. Daß es nicht die schlechteste der V T ” W:lt7-i war, in die er sich versetzte, das sagen uns y I unsere eigenen Enipfnidungen, mit denen wir uns gern und .villig 1) Leipzig I semer Macht untcvordiien. Für die Jugend spricht auch in
I unserer heutigen Wirklichkeitszeit Mendelssohn die Sprache der
K Unterricht, der ihm' zuteil ward, richtete sich aus die Mus- , Hochgebildeter Mensch lvußte alles um sich zu scharen, was mit na seiner Begabiing durch gründliche Schulung. Schon hierin I der Musik als Kunst in Verbindung stand, und man darf es wohl liegt eine ganz außerordentliche Begünstigung Mendelssohns durch aussprechen, daß die erziehlichen und ästhetischen Werte der Jmer- das Geschick, beim nicht wie andere Große im Reiche der Musik j pretierung von musikalischen Kunstwerken durch ihn zum ersten mußte er Widerstände gegen seine natürliche Veraiilagung be- I Male in die breite Oessentlichkeit getragen worden sind siegen, ehe er die völlige Beherrschung über das rein Formelle I Jur Jahre 1837 verehelichte sich Mendelssohn mit Cäcilie ferner Kunst sich zu eigen machen konnte. An der fürsorglichen I Jeanrenaud. Nun folgte die Begründung des seither so berühmt Hand eines Zelter, daun von tüchtigen Lehrern wie Berger und I gewordenen Konservatoriums zu Leipzig, der Pflanzstätte so vieler Henning wurde er tu das Wesen der Musik als Kunst cingesührt, I ernster und zu Bedeutung gelangter schaffender Künstler Berlin Hub jeder seiner Schritte lvard von dem Bewußtsein seiner Lehrer I war wieder aus Mendelssohn ausinerksam geworden, und lvieder- begleitet, daß es in diesem Falle sich nur die Entwicklung eines I holt versuchte König Friedrich Wilhelm IV., den Meister nach Ungewöhnlichen Talentes bandle. Ter lebhafte Sinn des Knaben I seiner Hauptstadt zu ziehen. Er gab ihm Anregungen zu ver- ifür die Musik kam den Bestrebungen seiner Lehrer unterstützend I schiedenen Schöpfungen; auf seine Veranlassung entstand die Musik entgegen und sein Werdegang ist in der Tat das Ergebnis einer jur „Antigone" und „Oedipus", aber zum dauernden Aufenthalt tlüülichcn Verbindung von Anlage und Erziehung, — das Ideal in Berlin, wo er allerdings einige Male erschien, um Aufführungen es Menschenbildners, der mit klarem Auge sein Eigenes zu seiner Werke zu leiten, konnte sich Mendelssohn nicht entschließen, der Grundlage eines vorhandenen Bildungsmaterials hinzusügt. I Durch den unerwarteten Tod seiner geliebten Schwester Fann!) Sm Hause der Eltern wurde viel musiziert und auch kleinere I im Jahre 1847 tief erschüttert, starb er schon einige Monate rchester führten dort Stücke auf. Dadurch übte sich Mendelssohn I nach ihr am 4. November 1847.
M&n&^^KSSL^S1einUfSnefiA'X* & Hir unsere lebende Generation ist das Wirken Mendelssohns Wo». Jahre 1820 an b^inN die reaZ üstiae komvwtvMcm vornehmlich nach jener Seite hin wichtig und bemerkenswert, die Tätigkeit Mendelssohns nnd m LckmJaL sckmKü er Äue »»3 den Weister auf der Höhe seines Schaffens zeigt. Auch er W^lmsoiiate eine kleine Kanta e e ue Mi e Ov rette Lieder ^Lappen der Schulung und Entwicklung durchmessen, die wtd eiiHge%finnermwrtctfe & Jahr 1821 brachte Mmdels- Mer Schaffende erlebt, auch er hat m der Fülle seiner Schöpfungen
fctS-in bn SUnLwln M nach dem Bleibenden, nach den Ewigkeitswerten in seiner knft,
£ »S S« »nfcetai ffißttrf Schon versucht die moderne „Richtung", die Negation und das
dienen, -- Weber hat ibn ersetzt durch sein Bettviel d^s der Mü,rUe Schaffen zugleich, den Romantiker in die Gallerie der Tousprache nnr den vergeistigten Ausdruck einer inneren Stimmung I füMetHn bn zarten Art stiner'w'Kodik^das Reichen der Sckunäck^ HwkF^L?L?L^ie B'gegn-mg Mendelssohns mit Ären W ÄÖSSHläÄ«
'ätoetly. Beiter hatte dem Altme.ster den begabten Jüngling Angeführt, und Goethe nahm lebhaftes Interesse an ihm. Im Jahre 1824 hatte Mendelssohn schon seine vierte kleine Oper Ir/Ste beiden Neffen" fertig, und nun konnte ihn Zelter ans den «geregelten Bahnen des Unterrichts entlassen. Der Jüngling war tzum vollendeten Meister herangereift, und mit siebzehn Jahren Batte er bereits die Ouvertüre zur Musik des „Sommernachtstraum" seschaffen. Die übrigen Teile der Musik entstanden fünfzehn Jahre später.
. Seine erste und einzige Oper „Die Hochzeit des Camacho" Lieg Mendelssohn un Jahre 1826 int Berliner Königlichen Schau- wckagte'Musiker war"'lcin ^Drama'tike^und^ hat^nu^in^seiiwn | späteren Oratorien dem dramatischen Elemente allerdinas auf I m m G.ndrucki zu Sond<.rstimmungen und ausgeiprochenen feine Art, man kann wohl sagen Opfer ÄwS feiiiS kaum noch .geahnt In solchen strengen Zeiten,
kvaren. Eine künstleriscve at von' lchwerwieaenden I ? s. bce Musik nur im llassi-chen Gewände gelten lassen wollten,
Lwn Folgm ftiltt'in bSfÄÄ Neuerm.g,
große Tonmeister, war von der Generation, die an Beethovens I 1 1 ra e' U Schwingen der romantischen
Glanz sich berauscht halte, völlig vergessen worden. Die | <a-«luCrj ’"llln Male nach langer Zeit die Emp-
rvaltigen Werke des großen Mannes lagen verstaubt und unbeachtet I Persönlich machte, erhob sich die Melodik
in den Regalen der Musiker, die ihn nur noch vom Hörensagen I $HvUt.1.9ecl^rt ei"; Ausdruck. Aber was damals als
rannten, und es war eine Renaissance' im vollsten Sinne des
«SÄ =15 Mendelssohn es in. Jahre 1829 unternahm, die ^Aiatthauspassion in der Singakademie zu Berlin aufzustihren. In demselben Jahre besuchte Mendelssohn England, und von S’na(nö verbreitete sich der Ruf Mendelssohns als Ton- rS?l t lenr ereignete sicy mm im Lause der neueren «tDfpn Ärfwn Volk der Angelsachsen
Mächtige Förderung zuteil werden ließ.
kri > die Wiege des Ruhmes geworden Ivar,
Triumphe erntete, so ebnete nun England
Jnv-r.Ä.kden Weg nach feiner Heimat, wo man mit Interesse, aber auch mit Staunen vernahm, welch großer Musiker der lunge Mendelssohn fei. In London ließ der Künstler seine OEol^suifome aufführet!, die glänzend, anfgeuommen wurde. Cnie Reise durch Schottland gab ihm mannigfaltige. Anregung knie’SST bK Hebriden-Ouvertüre uiiddie schottische S iw
toeiciühd}« Fortschritt gelten konnte, hört sich heute in der Periode des gesteigerten Empfindungslebens und der Beherrschung aller Wnstlerischer Ausdrucksmittel mitunter flach und gewöhnlich an. Nicht aber dürfen luir überfehm, was Mendelssohn uns an Positiven musikalischen Gedanken geschenkt hat. Auch nicht vergessen, daß er ein Formtalent von ganz außerordentlicher Begabung war und daß er aus einer vornehmen künstlerischen Natur heraus schuf. Darum ist auch das Kleinste, das Unscheinbarste, das er gab, ja selbst das, was uns heute als übersentimental dünkt, immer edel und würdig, der sichtbare Ausdruck eines Edelsinns, beni alles Gemeine fremd und widerwärtig gewesen ist. Was zumal rtl der deutschen Volksseele ans den Kompositionen Mendelssohns immer wieder,anklingt, das ist der unleugbare Gefühlswert, der ui sie versenkt ist. Singt er in seinen „Liedern ohne Worte" einfach und fr licht Melodien von klangschöner Frische, malt er in semen wundervollen Ouvertüren Schilderungen von eindringlicher Natiirtrene, läßt er in seinen sinfonischen Werken dem
Di« ihm angeborene Professur an der Berliner. WPtznen Gedankenkreis freien Sauf, — immer geschieht es vor
lehnte Mendelssohn ab und unternahm iui Jalre isw l’inp I einer inneren Veranlassimg zum Schaffen folgend,
längere Reise durch Italien, ging ” 1832 nach Ä n dsichts Gesuchtes trstt aus Mendelssohns Lebenswerk hervor, an £>«äe«Ä? ST' wandte sich wieder nach Lm'idon" « rauM d^r Strom des^vLhaft Empfundenen mäckstig
blick im k nsI, ,n^1 , h.CU % Ar einzige sckmierzkiche Augen- ,,111 runstlerifchen Leben des Merstcrs knüpft sich an feine mid das'Taw t^^cntenstelle an der Berliner Singakademie, «enialen Mom, ^',1 diese musikalifche Körperschaft den E?! -Wann erfolglos an ihre Pforten pochen ließ, stellt einen scheu Irrtümer. M PtthfTr"-!,.
^d'e Geivandhauskonrerte begründete n.ch dadurch Leivzm o21 der öffentlichen musikalischen Kunstübiiug semcr I i
-»eit gestaltete. Das Institut her (SmmnS.I ä”»V‘Ä *vnum#n;u»»cu, ^ruveisioyn «e «pracne oer
Ungeahnter Kraft in die Höhe' Wend'ivchlm *”.0 I Verheißung, für uns Nettere die Geschichte unserer eigenen Ber-
. .. oie Vipe, ^cenoeichoyn als Künstler und 1 gangenhcit, IN der auch wir die blaue Blume gesucht haben, im


