Ausgabe 
2.12.1909
 
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ois DeutMl- der WÄt, als v- es Mosers Ohr sei, baK er sich rtfö ASmus bei der Audieiiz mit dem Kaiser von Japan?) auK- bat, ist völlig ungegründet." .

Soweit MeräS Worte, für Claudius' Charakter ein ehrendes Dokument! Vertrieben durch einen Schemen und nickst zum wenigsten durch Differenzen über die Redaktion derPrivil^ vierten Hessischen Landzcitnng" (Darmstädter Zeitung), ging er ohne ein Wort von Urteil oder Mißvergnügen undmachte Ss zur Ehre seines Herzens (so heißt es in § 74 der gegen ifer gerichteten Anklageschrift vom Jahre 1787), lieber jährlich 800 Gulden zu entbehren, als solche durch Windbeutelei zu ver- dienM."

Hart und ungerecht klingt dagegen (wenigstens im ersten Teih Moiers Urteil über Claudius in einem Bericht« über die Land- Vonwriksivn vom 28. Juli 1779; »Ehrend er sich in Lobpreisungen der übrigen Beamten ergeht, von denen der eineein ehemaliger Smtfet, der andere ein verdorbener Kammerdiener Und der Direk­tor M (durchs Examrs» durchgefallener candidatus juriS gewesen War", weiß er von dem Wandsbecker Boten nur zu sagen 'Er war zn faul, mochte nichts tun, als Böget singen hören, Klavier spielen rmd spazieren gehen, konnte die hiesige Lnft nid)t ver­tragen, fiel in eine tödliche Krankheit und ging von selbst $u seinen Seekrebsen imeder zurück. Doch hat man ihm dre ersten Monate der damals entstandenen Zeitung zu danken, welche die einziga dieser' Art in ganz Deutschland ist, die bisher innerhalb des Landes soviel Nüßen gestiftet und außerhalb soviel Beifall erhalten hat."

Seines oben erwähnten Besuches ins Darmstadt an demselben Tage, als Claudius um seinen Abschied bat, gedenkt Schlosser in einem Briefe an Merck vom 3. Mai 1777;Alle 14 Tage lvollten wir so eine Media irolle machen wie neulich bei Claudius !" und wenn er weiterfährt:Wohl dir, guter Claudius, daß dir ivieder W deiner Ziege kehrtest! Hättest du sie nie verlassen!", so traf er toMommen die Herzensmeiimng des guten Minus, die sich wieder herrlich offenbart in einem Briefe Mercks an Maler Müller, vom 28. Mai 1777:Mstr. Claudius laßt Euch herzlich grüßen. Frau und Wagen haben gehalten bis Wands- fca: er springt mit Caroline wieder im Garten bentin und ist so llng und vergnügt, als ob er gar nicht hier gewesen wäre."

Merck selbst, dessen freundschaftliche Dienstevon der Aus- imtMieruno des Logis bis zum letzten Gastgebot" Claudius oft dankbar anerkannte, ist sich in feinem Urteil über denWauds- bvcker Boten" immer gleich geblieben. Vollkommen falsch haben Zimmermairn (I. H. Merck, Frankfurt 1871) und Fuchs (I. H. Merck, eine biogr. Skizze; Milgem. Konservat. Monatsschrift 1892) daS Urteil, das er in seinem 1781 in WielandsDeutschem Merkur" veröffentlichtemAkademischen Briestvechsel" über Clau­dius fällte, verstanden. Es ist kein absprechendes Urteil, sondern gerade das Gegenteil; Merck erzählt von einem der größten Zeichner, die er je gesehen.Vielleicht hat keiner alle Verhältnisse und Formen so in seiner Gewalt rknd zum schnellen Gebote iuie er . . . In seinen! Kopfe stehen fertige Formen von Raphael, von Albrecht Dürer, von Buonarotti, von Paolo Veronese, und von wem du willst." Ties alles natürlich gilt von bent eineck Mnstler; nun fährt Merck fort:Und dieser Mensch steht in Gefahr weil er in Deutschland ist Hungers zu sterben. Sein ganzer Charakter ist der leibhaftige Asmus. Er urteilt ebenso wenig wie jener, ist ebenso bescheiden, ebenso unnütz und unge­schickt, wie andere Lumpenhunde Geld zu machen!"

Was wollte Merck wohl anders sagen, als daß Claudius kein zudringlicher Schwätzer und Schmeichler, sondern ein schlich- ter, gerader, ehrlicher Kerl! und eben weil er kein Lumpenhund gewesen, unnütz und nnbrauch- bar unter einerBande Betrüger und Schelme"!

Nevin! §ehtes.

* Hängebrücken. Das vor kurzem geschehene Eisen­bahnunglück in den französischen Pyrenäen hat die Aufmerk­samkeit der technischen Kreise wieder auf die Hängebrücken gelenkt. Bei der Probefahrt auf einer neuen elektrischen Bahn war der mit Ingenieuren und Arbeitern besetzte Wagen auf dem stark geneigten Schienenwege ins Gleiten gekommen und von einer nach neuem System gebauten Hängebrücke in die Tiefe gestürzt. Obwohl die von dem Deutsch-Amerikaner Nöbling schon vor einem Menschenalter erbauteSuspension bridge über den East River, die New-Pork mit Brooklyn verbindet, als eine großartige Schöpfung viel bewundert worden ist, so haben doch Hängebrücken für Ueberspannung großer Weiten in Deutschland wenig Eingang gesunden. Die von Köpke in den Jahren 1891 bis 1893 für den Fuß­gängerverkehr erbaute versteifte Hängebrücke über die Elbe

bei Loschlvitz und die fünf Jahre später von Leibbrand und Kübler ebenfalls für Fußgängerverkehr erbaute versteifte Kabelbrücke über den Argen bei Langenargen, diese mit einer Hauvtweite von 72 und jene mit einer solchen von 146,68 Metern, sind so ziemlich die bedeutendsten Werke dieser Art, die in Deutschland zur Ausführung gelangt sind. Als wunder Punkt der Hängebrücken wurden besonders ihre starken Seiten­schwankungen angesehen. Selbst bei geringen Weiten machen sich diese Schwankungen in sehr unangenehmer Weise be­merkbar. Als Beispiel seien nur die kleinen Hängebrücken über die Seine bei St. Denis angeführt. Zogen im deutsch- französischen Kriege Truppen über diese Brücken, so fanden Seitenschwankungen bis zu zehn Zentimetern statt. Vor­sichtshalber wurde daher angeordnet, daß nur kleine Abteil­ungen ohne Taktschritt hinüberzuführen seien. Zur Vermeidung solcher Schwankungen haben die Hängebrücken über die Elbe und den Argen möglichst wirksame Versteifungen erhalten. Für den Eisenbahnverkehr hat man in Deutschland den Balken- und Brückenbogen den Vorzug gegeben, und zwar solchen Bauten, die sich bis in alle Einzelheiten genau auf ihre Tragfähigkeit und Haltbarkeit berechnen lassen. Die größte Sicherheit muß hierbei mit sparsamem Materialverbrauch und leichtem Aufbau zu verbinden sein. Wie dieses Prinzip sich bewährt hat, geht aus dem hohen Ansehen hervor, daS gerade unsere deutschen Brückenbauten in der Welt genießen. Lieber verzichten unsere Ingenieure auf eine Bauart, die, mag sie auch noch so kühn und schön sich ausnehmen, nur den leisesten Zweifel an Sicherheit aufkommen läßt. So hätte man für die neuen Nheinbrücken bei Köln, die bis zum Jahre 1911 völlig vollendet sein sollen, gern die Hängewerkform gewählt, aber man sah davon ab, weil die Berechnung ergab, daß die Durchbiegung über der 167 Meter weiten Haupt­öffnung etwa 27 Zentimeter betragen würde. Diese 27 Zenti­meter kommen also fast einem Sechshundertstel der Spann- ungsiveite gleich, während für Eisenbahnbrücken nicht einmal ein Zwölfhundertstel als zulässig angesehen wird und unsere meisten deutschen Brücken überhaupt nur ein Achtzehnhundertste! Durchbiegung zeigen. Es wurde denn auch bei den Kölner Brücken für die Hauptöffnungen auf die Bogenform zurück­gegriffen, wie sie im letzten Jahrzehnt für die Brücken bei Bi a i n z. Bonn und Düsseldorf zur Anwendung gelangt ist.

* Der Einkassierer:Snip u. Co. haben mich engagiert, um den Betrag dieser Rechnung von Ihnen emWkassieren." Der Schuldner:Meinen herzlichsten Glückwunsch, mein Herr, zu der Lebensstellung."

* Vererbung. Sie:Ich weiß gar nicht, wo unser Fritz das liebenswürdige Wesen her hat?" Er:SelbstberständliM von dir. ich bin ja noch im Besitz des meinigen!"

Literatur.

Mutter Und Kind. ZrvrimvustSfchrtst für SänMrtzN- sürforge. Herausgegeben von dem Verein für SängliugKfürsvrgp an Regierungsbezirk Düsseldorf und der Großherzoglichen Zentrale Sr Säuglings-- und Mutterschutz int Großherzoginm Hessen, unter Mitwirkung' bebtittenber Fachleute. Oktober 1909. 2. Jahrgang, Nr. 1. (Verlag der Düsseldorfer Zeitung, .Düsseldorf.) In­halt : der erste deutsche Kongreß für Säuglingsschuh, Dr. Marie, Baum; Entbindungsanstasten, Wöchnerinnen- und Säuglingsheime als Mittel zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit, Pwfessior Tr. v. Franquö Dießen); Uebcr die körperlich» Sauverhaltung der Säuglinge', Dr. Engel, Oberarzt der Akademischen Kinderklinik zu Düssel­dorf; Tie Milchwirtschaft des Gutes Haus Horst bei Hilden; Meine ersten Unterrrchiskurfe in Kinder- und Säuglingspflege, Kornelie Babing, Wanderlehrerin für Kinder- mrd Säuglmgsl, pflege des Vereins für Sauglingsftirsovge im Regierungsbezirk DLMdorf; Kleine Mitteilungen.

Geographisches Berschiebrätiel.

Heidelberg - Elsaß Amiens Weißenburg Friedrichsruh Versailles Lothringen.

Vorstehende Namen sollen derart untereinander geschoben, werden, daß eine Buchstabenreihe, von oben nach unten gelesen, den Namen einer Stadt im nördlichen Deutschland ergibt.

Auflösung in nächster Nummer.

^Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: M a n tri u 6 Amboß ode r H a in in e r fei n.

r) Bergs. Dell 3 seiner sämtl. Werke:Nachricht voll Meiner MndienA beim Kaiser ton Japan."

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu UniversitätS-Vuch- und Steindruckerei, R, Lange, Gießerin