Ausgabe 
2.12.1909
 
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®K ift dörb, kalt tittb- schlagt alle -Seiii'eiii bie S&taht ; das fretit mich nun von Herzen, destn! ich gehe Mer des Menschen AM»- intttie mit der meinigen Me unter einer Dachtraufe, und die Herren Nbheritcn bekülnmern sich schon nicht mehr uhr mich. Ein schönes, schönes Weibchen hat er, existiert gaW ttr seinen Mindernr wenn die' Visiten ivmmen, seht er die 'Kistder anf'S Höfgen: weiß übrigens nichts was Geld und Gnt ist und ist Äberhmipt sehr brav. Nichts von der weisen, garstigen Mmw- nachte und dein Totengewimmer, könderw ist sehr lustig halt d« Könige.... in einen!« großen Respekt, geht ohne Stoch Und Degen und Puder mit deut bloßen lKchft MM PrSside'E, und der kamrS doch nicht über nehmen, spielt ein1 herrlich Klavier usw." " mit diesen prächtigen Worten schildert I. H. Merck, der be- mnnts Darmstädter. Kriegsrat mit der kritischen Feder übern« Ohr, seinem Freunde Wieland in einem! Briefe Dort Anfang Mai 1776 den alsOberlandkommissarins" nach Darmstadt ver-- schlagenenWandsbecker Boten", der am 17. April an I. H. Voß, di« fteudigen Zeilen schriet *):

Hier bin ich wohl ausgenom'men worden, und Himinel Md, Erde sind hier schön. Ans meinem Fenster sehe ich den Meiibvlus, einen großen Tannenwald int Vordergründe, und lveites Feld «und am Ende rundum eine Kette von Bergen in 'einer. Entfernung von 10-20 Stunden. Ach. wohne, in der Neuen Vorstadt recht gut und bequem."

Am Tage zuvor, am 1'6. April', Mr Claudius, der im! Tv- Mirber 1775 alsOber l an d eskomisti s s ar ins" zur Laiidi'ommission nach Tarnistadt berufen worden, mit seiner Familie in der fürstlichen Hauptstadt eingeirofsen, wo er,, sich nur denk' üllzeit, gastlichen Hause Mercks enger befreundete. Vor seiner liebersiedelung war Claudius noch! für eine zweite Kommission,, dieJnvalidenlommission" in Aussicht genommen und auch am 3. Januar 1776 dazu berufen. Diese Tatsache ist insofern wichtig, als Claudius erst durch die Stelle bei derInvaliden körn'- Mission", mit der er 1777 die Redaktion der ncugegrüw- detenPrivilegierten H essen-Darm'städtischeu L a n d zeit n n g" lTarmitädtcr Zeitung') übernahm, die Wäg- lichkeit an die Hand gegeben wurde, sich in doppelter Hinsicht, kiter arisch, amtlich zu betätigen. Ich mutz hier verweisen auf bis bedeutende Veröffentlichung von Stadtpfarrer D. Dr. Diehl:M. Claudius und die Darmstädter Zeitung" (Darnr- Wdter Zeitung, 1909, Beilage Nr. 44)3), wo zum' erstenmal daS Material über die zweite Berufung von Claudius mitgeteilt wird.

In der ersten Zeit seines' Darmstädter Aufenthaltes, her in literarischer Beziehung nicht besonders reich a'w wertvollen Schiöpftmgen ist, (ich teile hier ein Gedicht dieser Periode, das ich in einem der Briefe von Claudius an Voß fand, mit, weil ps ungedruckt iW weiß Claudius nur Erfreuliches an seine Freunde zu berichten; so schreibt er an Herder:

Der Herr Präsident von Moser hat mich nicht gnädig, sondern freundschaftlich empfangen. Gestern schickte er tote 2 Bvuteillen Bourgunder und 12 ditto Rheinwein 'M den gütigsten, feinsten Comp'limdntew."

?)- Ung'edruckt im Besitz der König,l. Hof- und EMtsbiblto-- the-k zu München.

") Die darin enthaltene Aufforderung veranlaßt rnvine grgen- wärtigs Veröffentlichung

8) ' Tas Gedicht, von Claudius, nach! einer beigeschlvssenest Melodie zu singen, lautet, nach« dcist Original der Hof- und Staatsbibliothek zu München:

Schwei z e'rli oh.

Es hätt ä'Butzr ä Tochtcrli, Mit Namen hieß, es' Babeli, Es hätt 'ä Paar Zöpfle, dich sind wis Gold;

> ' Trum ist ihM'Äuch der TnWe hvld. .

Ter Dußle lief dem Vater nach: ' =.

O Vater, wollt ihr nrir's Babeli lahst?"' Tas Babeli istnoch vile zu klein, Es schlaft dies Jahr wohl noch aller,st.

Ter TuUe lief in einer Stund

Voir Basel bis nach Solothurn, Er lief die Stadt wohl auf und ad, Bis er zum öbersten Hauptmann kant.

O Hauptmann, lieber Hauptmann mi, Ich will mich dingen in Flaudrin nie'n." , . Der Hauptmann zog die Säckelschnur, Gab dem TuHls dreh Thalep drns.

Ter Tntzls lief wohl wieder heim) Heim, zu seinem lieben Bäbelein: O Babeli, liebes Babeli mi, Itzt hab i mi düngen in FAnderst niest,"

Tas Babeli lies ivvhl hiuters Huß, Es greint ihm schier die Aeugle ust. O Babeli, thu doch, nit so sehr, Ich will jo wieder kommen zu Dir." Und ftmtin. i übers Jahr nit heim, Sv tvill i Dir schreibest ä Briefelein; Darinnen soll geschrieben stahn: Will" W Babeli ntz p«rl«hn." .

Tpch schon im Mgstst 1776 AM er, der .sich sicherlich seinen WntsgefchMkn nicht mit übertriebenem Eifer- widmete, in einem «ric-e an Herder überIrrungen", die zwischen ihnr und dem Direktor der Landlom Mission, dem Landkammer-

Etz'm es obgewaüet.Davon ich Euch mündlich erzählest will, schreiben mag ich von solchem Quark nicht ... Es scheint auch, dan, nachdem' ich vor einigen Tagen dem Herrn Präsidenten der em trestsicher Mann ist, gerade herausgesprochen, alles besserst Gang gehest^wolle-, , . Sonst lebe ich hier still und vergnügt, ganz stm bis dato, und mein Geschäft ist sehr angenehm und das ganze Geschäft der Landstnmnission sehr gut und menschlich, aber ine Lust conveniert mir nickt. Sela!"

, Kaum' nach Jahresfrist kehrte derWandsbccker Bote" Darm­stadt den Rücken, am 20. oder 21. April! 1777. Nach dem! Grunde! fernes Weggangs srug schon Wieland ist einem! Briefe an Merck von« ,4. April 1777; Claudius selbst gab in einem Briefe an Herder als Hauptgrundseine Gesundheit" an, er war iwi .Februar an einer Pleuresie schwer erkrankt.Bon den Nebeuursachen", heißt es in dem Briefe weiter,mündlich einmal mehr!"

,, lieber dieseNebenursachen" entnehmen toir Mercks 1782 bis 1783 entstandenenÄsttinecker" (vergl. auch: Loebell. der Antinecker Mercks und der Minister v. Moser, Darmstadt 1896), der gegen den 1780 verabschiedeten Präsidenten von Moser gerichtet ist und als Manuskript mi Grvßherzoglichen HauS- und Staats­archiv zu Darmstadt aufbewahrt wird, interessante Aufklärungen. Wir sehen aus den folgenden Mitteilungen' (u n gedruckt), daß sich dieIrrungen" zwischen Claudius und Eym'es allmählich zum! völligen Bruch zuspitztsn, und wie Claudius, den man als überflüssigen Nichtstuer hinstellte, fein. Amt inmitten einerBaud« Betrüger und Schelme" verleidet und verekelt wurde.

In den« AbschnittSchätzung der gelehrten Md verdienten! Männer" heißt es von Claudius:

Dm guten Wandins', vdcr Asmus vön Mandsbeck hatte er fMofer) unter der Hoffirung, hier Ruhe und Friedest zu finden', aus seiner Wleu ^Hütte gelockt und unter eine Bande Bei- trüger und Schelms gesteckt.

Waudrns glaubte bei der neu astgesteltten Landkommfisions nach seiner sich bewußten Redlichkeit viel gutes stiften zu können. Er, dessen Herz australlie, wenn er einen Bauer und einen grünest Baum eMicktr, bekam dafür nichts.als ein Bureau vonT ahellenn schniiedon, Projekte zu neuen, windigen, unpraktischen Ber- ordmmgen, und was das' Schlimmste, einen aufgeblasenen, zwei­deutigen Direktor (Eyrm-s) zu sehen. Er, dessen Nacken sich nicht gern für irgend jemand beugte, beugte sich also auch noch weniger vor der Wörda seines' Chefs, und ward daher von ihm bald bei dem Präsidenten M ein untauglicher Faule n z e r anW- schwärzt. Claudius sollt« Exercitia fertigen, und diese sollten von diesen« Chef kiorrigiert worden. eine Lage, die noch etwas gewaltsamer ist', als die, wenn man sich .Hamann als Packhvf- inspektor denkt. Er ließ sich nach seiner bekannten Diskretion kein Wort weder vor seinen Ober» noch seinen Kollegen ent­fallen. Indessen kränkte man ihn genug, daß, man ihm nicht das Geringste zuteilte, unter dem Vorwande, daß er zu gar nichts tauglich fei.

Zu Ende des Jahres erschien das Tesinitiv-Urteck deS Ober- Appcllationsgerichis in denk Prozeß EymeS contra Backhauß, wv vhngeachttt aller höherer» Versuche, den Richter zu intünidieren, derjenige, der sich über SchMnereien betiagt Hatto, selbst als ein Schelm dastand. Claudius hörte dieses von feinem würdigest Chef mit Indignation, toterem anderes Faktum, das die Würde d e r. M e n s ch h e i t s rn iebrigt. Er ließ einige Anmerkungest in der Gesctlschaft falle», und-diese wurden von einem! bekanntest Ohrenbläser dein Präsidenten sogleich überbracht.. Hierauf schrieb Moser rin ungezogenes Milet an Claudius, der derb darauf antwvrtcta.imd damit schloß, daß er seinen Abschied forderte. Er erhielt ihn sogleich rat» um so williger, als man sich, auch dadurch an ihm betrogen sah, daß er die ihn» astvertrante Landzeimng nach feiner eigenen Laune schrieb, da mäst doch von ihn» erwartet! hatte, daß er alle zweideutigen, neuen Einrichtungen der Land- kbminission für svviclo jährliche Besoldung der Welt als eine Panaees ankündigen sollte. ' . ,

Dieses Billett und Claudius' Antwort daran» fiel mir einen etwas unschicklichen Tag. Er (Claudius) hatte eben den Hvsrat Schlosser wn Emmendingen zum Besuch erwartet, mir sreiuid- liches Mahl bereitet nstd einige Gäsch gebeten Ohngeachtet dieses wichtigen.Entschlusses für das künftige Wohl, und Weh« seiner Familie, wär er imgeinein heiter und nötigte lerne Gasch, bis in die Nackt zu Miben. Ter Zwang und der Unmut uuerl «rlittenes Unrecht warf ihn den änderest Tag aufs Lager, und CT fteo in das hitzige Fieber, dessen Schilderung der Leser uul Ettn Teile seiner Schriften findet?) Wäre Freund Harst mal nicht vorüber gMNtzen, so wär edi ein Todwchlag mehr, dessen man den um dis Welt so verdientest Beriafser desverrst und Diener" (von Moser, 1759 erschienen) unschuldigen komite.

Claudius ging, ohne ein Wort von Urteil oder. Wißvergnügsn st'ber Moser hören z,U kaffen, W?

«) Gemeint ist das GedichtNach der Krankheit 1777": JA lag und schlief; da Al M W Fieber. Isst dritten Teil feiMv Mmicheu, W-evke,