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S»aa), Mmhrtgem Aufenthalt ul Salzburgl tritt et 1662 w Romre tn das Kloster Marta-Brrmn des Augustiner Bar- MßerorbenS miter dem Namen Abraham ein. Nachdenr er die OeolMstchen Studien absolviert und den Doktorgrad erlangt, zeigte s» bedeutende Anlagen zur öffentlichen Rede, daß er mSbald nach dein! Augustinerkloster Maria-Stern zu Tara in stzaheru, emeui! berühmtm Wallfahrtsort, als Feiertagsvrediger Mkaudt Ivurde. Tort mtfaltete Werst jene Beredsamkeit ihre Schwrngen, deren Ruhm! bald bie Donau auf und ab in Bayern M Oesterreich, m Lteiermark und Krain, in Böhmen und Mähren stch «usbreiten sollte. Leine persönlichen Beziehungen zu diesem Orta beschreibt xer nt dem wunderlichen Wallfahrtsbnchlein Gack, gack, , gack, gack a Ga, Morin viele erbauliche und alberne Wunder- gchchrchten mit gläubiger und .Glaubeir heischender Miene vvv- Setragen werden. Er, wurde „wegen seiner Vortrefflichkeit inKürtze wiederum nach Wien citiert, Mwv er viel Jahr die Kantzel destwgen im» ein imgemrines Auditorium und Zulauff des Boltes durch seins wnnderbarliche und angenehme Rede-Art an sich ge- zvgeii, altermaßen solche, gleich wie seine Bücher mit Lust und Und Ernst untermenget zu sehen."
.. ijüt unbestritten der erste Prediger des katholischen Teutsch^-- lands seiner Zeit. Bon nah und fern suchte man ihn zu. Gastj- st^digten zu gewinnen'. 1677 wurde er zum Hofprediger ernannt.
iut ims wohl, zu. sehen, welche Freimütigkeit Abraham in r Stellung entwickelte. Und das Lob eines ehrenhaften, surustloftn und durchaus wahren Charakters' darf ihm niemand vvrenthalten. Wie bitter und rücksichtslos liest er den Geistlichen den Text, welche oft Noahs Zimmerleuten nicht unähnlich seien, dm anderen die Arche bauten, sich selbst aber nicht retten könnten mid stut den übrigen Menschen in der Sündflut zu Grunde gingen. Wae- für Sttche sagt Abraham dem Adel ins Gesicht: StandeK- bvrnrteilo, Ahnenstolz, Aufgeblasenheit, Zehren von den Ber- dmisten der Ahnen, rücksichtslose Aufsaugung und Bedrückung der Bauern ! In welchem Tone redet er mit dem Hof! Bei Hofe
Redlichkeit, wie der Palmesel, nur alljährlich einmal «ns Licht, Bei Hofe sei soviel Treue zu finden, als Speck in den Bnckmluwen. Bei Hofe bekleide man die Nackten, aber nur die die Wahrheit, welche daselbst niemals bloß erscheinen dürfe, bei Hose, speise man die Hungernden, aber nur mit Worten. „Du wirst ber Hofe sehen, daß allda wenig Metall, aber viel Erz, piek Erzdrebe, Erzschelme, Erzbetrüger usw."
Es ließen sich noch viele ähnliche, wihshrühende, zvrnl-' fmiMnbe stellen Mitteilen, worin die Lügenhaftigkeit und Heuchelei deS Hoigetriebes, die Unmöglichkeit, daß unabhängige Mäimlich- Wit m biester Atmvsphäre sich halten könne, schommgslvs in un- «nchöpfttcher Fülle der Gleichnisse beleuchtet werden. Wir sehen ihn über die Mächtigen der Erde unbarmherzig zu Gerichte sitzen, ihn, bett Sohu des unglücklichsten, verachtetsten, mißhandeltsten Standes, den Leibeigenen von Kreenheiustxtten. Es ist nicht zu verwunderiu daß er sich bis zu den unwürdigsten Schmähungen! Segen den Prvtestautisiuns und dem gemeinsten Geschimpfe gegen Luther vergaß, das nur er selbst noch überbietet durch die wütendsten und sinnlosesicn Beschuldigungen der Juden.
, Nehmen wir zu dem Charakterbild Abrahams, soweit wir es Bisher gezeichnet haben, noch einige andere deutlich hervor> tretende Züge hinzu, seinen Aberglauben, seinen Wunderglauben, feuTcu Herenglanben, so erhalten wir das Bild eines Mannes, der Mar von durchaus lauterem Charakter, aber in geistiger Hinsicht, in Bezug auf Bildung Und Höhe der sittlichen und religiösen Anschauungen eine Stufe einnimmt, die sich über die der gewöhnlichen katholischen Geistlichen seiner Zeit nur in wenigen Punkten erhebt. Abraham ist ein unermüdlicher und eifriger BMmpfer aller menschlichen Schwächen und Laster, aber wenn ®c so nach besten Kräften warnt und mahnt und straft und tadelt, so stellt er doch niemals ein positives Lebensideal auf. Tie sittlichen Ideale, di« er überhaupt anführt, sind die katholischen Heiligen, abstrakte Tngcudmüster ohne Realität, der wahren Natur hes Menschen möglichst entschieden cntgegenhandelnd.
Abraham der Prediger, der jenen mit Humor, mit Pvsse Itnb Scherz nach Bedarf und Stimmung burchwirkteü RebeW zeitigt, das ists, was bei Nennung! seines Namens uns zuerst vor dw Seele tritt. Tie Fessettmg der Aufmerksamkeit des Lesers ist bei ihm oberstes Prinzip. Zur Erreichung dieses Zweckes setzt ito alle nur erdenklichen Mittel in Bewegung. Er sucht Spannung M erregen. Tie! Rede beginnt gewöhnlich mit einer Ueberraschung, ’ und so jeder einzelne Abschnitt in der Durchführung: der Hörer kvird bis zum letzten Moment im Ungewissen darüber gelassen, auf welches Ziel der Redner zusteuert. Tie Kunst der Steigerung! besteht er wie wenige. Die Redefigur der Frage brütet er auf eilte mögliche Weife aus'. Die höchst originellen und meist schla- Senden Gleichnisse', um so schlagender oft, je mehr sie allzu roh «und niedrig erscheinen, ergießen' sich in Strömen über jeden Punkt, der der Bersinnlichuug bedarf. Wie versteht es' Abraham über auch, Gemüts- und Seelenzustände zn versinnlichen, heftige Leidenschaften, wie sie den Menschen verwüsten, zn schildern. Seine Schilderungen des Neidischen, des Schmeichlers, des Zornigen, des keifender Weibes, der zänkischen Ehe bilden wahre Prachtstücke; unzählige kleine Genrebildchen, unmittelbar der Wirklichkeit abgelauscht, sprudeln von dramatischem Leben. Und das ganze damalige Wien mit seiner Schaulust, Leichtlebigkeit und- Mornehnituerer stellt er uns lebendig vpr die Seele. In der
' seiner Redekunst scheinest die zweierlei BilbungSAuWiss Zenter Jugeitd nackWiwirken. Zwei Arten teilten sich in sein« Erziehung: die ^esmten in Ingolstadt und die Benediktiner ist d^rkurg. Bon den Jesuiten rühren die Reizmittel der Phantasie,
Abraham kennen lernen' ivill, muß seine Werke leien!
Wallfahrtsschrift stammen aus seiner Handl ÄSdes wütenden Todes umständige Befchrei- !&' ^--chstderung der Pest, die 1679 mehrere Monate lang ME ^rwustete; em grvges Sammelwerk: „Reims dich oder ich ^st dtch , beifni wertvollstes Stück wohl die Predigt im Dau» gottesdienst nach Erloschen der Pest ist, und sein' größtes, vsv- katmicher Absicht angelegtes Werk, das ihn zehn Jahr« be,chasttgte^ „liudas der Erzschelm." Tie Lebensgeschichte des Berraters «oudas, als! des Ausbunds sämtlicher Laster, soll ©■&• beben, alle Lunder, welche Abraham in seiner Zeit „ts ® ^Iache zu bringen. Hier zeigt er sich als Humorist und Satiriker. So. besonders, wenn er das Thema behandelt:
Wellst du heiraten, so besinn dich fein, ...... Lonst bekommst Essig anstatt des Wein — rJ ,bet a"e d,e Täuschungen, die einem! begegnen könnest, ae- lchrldert,werden nrit dem Kehrreim „O hätt ich das gelmcht!" . . ES ist unbestntten, daß Abraham a Saucta Clvra auf Mw» Zuhörer, hoch und niedrig, großen Einfluß ausgeübt hak. l.ns freilich wurden seine Predigtest, auch oft seine Leichenreden^ Mn Zachen reizen. Aber die Wiener waren und sind nrit einer größeren Dosis Lachlust begabt als andere Deutsche. Der Spaß ist ihr unzertrennlicher Begleiter im Glück und ihr treuester Freund NN lmglück; und Abraham ist diesem Bedürfnis seiner Hörer nach Kräften entgegcngekomMM.
vom Nestor der englischen Malerei.
William Power Frith, dessen 90jahriges, an Er-» folgen und Errnnerungen so reiches Lehen nun beendet ist, kvar einer der besten und beliebtesten englischen Genre-- m aler, der sich als packender Beobachter des Lebens schon vor mehr als einem halben Jahrhundert ein realistisches Stoffgebiet zu. erobern wußte. Nachdem er Bilder nach Shakespeare, Cervantes, Molisre, Tickens u. a. gemalt hatte, lvandte er sich 1855 mit dem „Seebad von Ramsgate" der Darstellung der Gegenwart zu und hatte 1858 mit feinem berühmten „Derby-Rennen" einen großer! Erfolg. 1868 malte er dann für die Königin Viktoria ein großes Bild, auf dem die Vermahlung des Prinzen von Wales mir der Prinzessin Alexandra dargestellt war. Neun war es zum gesuchten Maler der Gesellschaft geworben. In seinen vergnüglichen Erinnerungen, die er hier und da in eng-' tischen Zeitschriften veröffentlichte, verweilte er besonders gern bei seinem ersten großen Bild, das er für die Königin Viktoria geschaffen, und erzählte dabei, daß ihm die meiste Mühe der junge PriuzWil h e l m v o n P r e u ß e n, unser jetziger Kaiser, gemacht habe. Der damals 4 Jahre alte Prinz war zur Hochzeit mit nach England gebracht worden und sollte nun auch in dem Bild seinen Platz haben. „Da ich der Königin ein Gemälde von der Zeremonie machen sollte," erzählt Frith, „so wohnte ich der Feierlichkeit bei und hatte von meinem Platz, nahe am Altar, aus bett den besten Blick auf dieses Schauspiel, das keine Worte und ich fürchte auch keine Farben in seiner ganzen Pracht wieder- geben können. Da ich vor Kindern als Modellen eine große Furcht hatte, so war ich froh, daß nur ein einziger, ganz! kleiner Junge im schottischen Kostüm, der nahe bei der Kronprinzessin von Preußen stand, mit anwesend war. Doch er sollte mir mehr Mühe machen, als ich geahnt. Mir war anbefohlen worden, daß ich das Kind so behandeln sollte, daß es nicht etwa glaube, es habe den Erwachsenen etwas zu befehlen. Es Ivar ein entzückender kleiner Junge sprühend tzon Leben und Geist, ja für mich zu sprühend) „Ist das Onkel Wales?", fragte der Prinz lebhaft und wies auf die Gestalt im Bild. „Ja; aber nun halt still und laß mich dich recht genau anschauen!" „O, da ist ja Ganma!" fuhr der Kleine sogleich- wieder auf. „Ganma" nannte er seine Großmutter, die Königin, die, in einem alten KirckM- stuhl sitzend, der Zeremonie beigewohnt. „Wenn Du nur für eine Minute oder zwei einmal ruhig hältst, so ivill ich Dir Farben und einen Pinsel geben und Du sollst auch so ein Bild malen," mit diesem Einfall suchte der verzweifelte Maler das lebhafte Kind zu beruhigen. Kaum! war der kleine Prinz etwa 30 Sekunden ruhig gewesen, dann rief er auch schon ungeduldig: „Jetzt will ich malen, jetzt ivill ich malen!" Was sollte ich tun? Ich muhtö ihm' eine Ecke auf meinem eigenen Bild einräumen und bie konnte er mm nach Herzenslust mit Farbe vollschmieren,


