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Husaren ein junger Offizier, dann folgte ein geschlossener Landauer und darin saß Nastoleon, links neben ihm ein preußischer Offizier. Der Kaiser der Franzosen sah starr gerade aus, aber das Profil könnte ich heute noch nach dein i edächtnis zeichnen. Der Rest der Schwadron Totenkopfhusaren folgte, dann eine bunte Wagenreihe, offene Wagen, darin französische Generale und Adjutanten in ihren bunten Uniformen. Dann folgte das Gepäck und die Reitpferde. Es ging der belgischen Grenze, der nächsten belgischen Station entgegen, in die Gefangenschaft, nach Wilhelmshöhe.
Gestern der König von Preußen, über dessen Haupte wir ijtii dem geistigen Auge schon die deutsche Kaiserkrone schweben sahen. Heute der Kaiser der Franzosen, dem an diesem Tage die Krone vom Haupte sank.
vermischtes.
*LustigesausdenEröffnungstagendesSuez- kanals. Tie vergnüglichen „Erinnerungen eines alten Oester- reichers", die Ludwig von Przibram in der Deutschen Revue (Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart) veröffentlicht, erzählen diesmal allerlei unterhaltsame Geschichten von der Reise des Kaiser Franz Josef zur Eröffnung des Suezkanals und dem blendenden Glanz der Einweihungsfeste, die sich in der abenteuerlichen Szenerie Aegyptens und auf dem pittoresken Hintergründe orientalischen Lebens ganz märchenhaft ausnahmen. Für den Besuch einer solch feierlichen Veranstaltung mochten die Uniformen, die die Beamten der österreichischen Reichskanzlei trugen, nicht mehr genügen; sie sollten mit einem roten Frack, blauen Beinkleidern mit Goldborte und einem weißgefiederten Dreispitz ausgestattet werden; aber als sich der Sekretär des Reichskanzlers, Baron Branhczany, in diesem Kostüm dem Kaiser vorstellte, sagte dieser schmunzelnd: „Fehlt nur noch die Peitsche und der Stallmeister vom Zirkus Renz ist fertig." Darauf mußten denn die Beamten in dem alten „Briefträgerornat" zur Suezkanal-Eröffnung reisen. Viel wurden überlegt, ob man Kamelpacktaschen, Wasserbehälter und besondere Waffen gegen die Krokodile auf diese Fahrt mit sich nehmen solle. Einige Tage vor dem österreichischen Kaiser war Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser Friedrich, in Kairo eingetroffen, der damals in seiner vollen männlichen Schönheit prangte und ganz unoffiziell auftrat. In den bescheidenen Räumen des Klublokals der deutschen Kolonien, einem gewöhnlichen Bierlokal, durch dessen Decke allerdings einige Palmen ihre Kronen streckten, wurde er von der schmucken Wirtin, Frau Deutsch, begrüßt, die es als Erste unternommen hatte, Wiener und Grazer Bier an Stelle des bis dahin nur aus England und Christiania bezogenen Stoffes „offen" zum Ausschank zn bringen. Dem deutschen Kronprinzen folgte bald die K a i s e r i n Eugenie, die damals im Zeuith ihrer Schönheit und Eleganz stand nnd soeben in Konstantinopel dem Padischah den Kopf verdreht hatte, so daß der Sultan seit ihrer Abreise an Schwermut litt und seinem Harem böse Stunden bereitete. Sie wurde enthusiastisch begrüßt und bot viel Stoff zur Unterhaltung. „Heute sah man sie hoch zu Dromedar lachend den Gefahren der Seekrankheit trotzen, mit denen ein solcher Ritt dem Ungeschulten droht, morgen trabte sie auf einem weißen Esel zum Feigenbäume, den die fromme Sage zum Ruhepunkt der heiligen Familie weiht. Heute ließ sie sich von Mariette-Bey die Grabkammern zeigen, morgen versammelte sie alle französischen Journalisten ohne Unterschied der Parteifarbe und andere Fremde zu einem Bankett, dem sie als einzige Dame präsidierte, und bei welchem sie den Toast auf die Vertreter der Presse ausbrachte. Ihr zur Seite saß ein Araber in weißem Burnus, dessen Kapuze das Haupt so verhüllte, daß bloß ein paar kohlschwarze Augen hervorfunkelten; ein dichter, schon stark grau, melierter Bart quoll über die Brust, um die sich das rote Band des Großkordons der Ehrenlegion schlang. Das war der einst so gefürchtete Emir Abd-el-Kader." Kaiser Franz Josef hatte unterdessen, da er ja auch den Titel „König von Jerusalem" führt, das heilige Land besucht und schiffte sich in Jaffa zur Reise nach Aegypten ein. Dabei ereignete sich eine aufregende Szene. Es war stürmischer Seegang und man konnte zu den Dampfern nur mit den für diese Uippenreiche Küste geeigneten, primitiven Kähnen der Eingeborenen gelangen. Als der Kaiser an die Reihe kam, wollte ihn der am Steuerruder sitzende Araber an die Sitzbank anseilen, damit er nicht von einer Überschlagenden Welle weggespült werde. Nach längerem Sträuben fügte sich der Herrscher und die Fahrt begann. Während das Gefolge ihm angstvoll nachspähte, wurde das Sck)ifflein von einer riesigen Woge hoch emporgeschnellt, um, jäh in die brandende Tiefe hinabgerissen, wieder zu verschwinden. Minuten, die zur Unendlichkeit wurden, vergingen, ohne daß man von der Barke eine Spur erblickte. Einer der Zeugen dieser bangen Szene, der Generalkonsul in Jerusalem, Graf Caboga, stürzte mit gefalteten Händen in die Knie und rief: „Jesus, nun ist er verloren!" Da gewahrte man plötzlich, aus einer Wellenfurche auftauchend, das Fahrzeug ganz dicht an der Seite des Kaiserschiffes, so daß Taue von Bord herabgeworfen werden konnten.
Nach diesen üblen Erfahrungen erklärte der etwas ängstliche Reichskanzler Graf Beust, daß er erst ruhigere See abwartcn wolle. Als dann das Kanzlerschiss die Kaiserjacht sichtete, ließ. Beust, der stark an der Seekrankheit litt, seinem kaiserlichen Herrn durch Flaggensignale den sehr witzigen und recht deutlich seinen Zustand bezeichnenden Gruß entbieten: „Ave, Cäsar, vomituri te salutant!" In Aegypten war dem Kaiser der berühmte Aegyp- tologe Brugsch-Pascha als Cicerone beigegeben. Als er in dieser Eigenschaft bei der Besteigung der großen Pyramide sich an der Seite des Kaisers befand, fühlte sich dieser durch die Art des HinaufkliMmens, bei dem arabische Führer den Fremden von rückwärts schieben und andere vorn an den Händen fassen und emporzerren, so unangenehm berührt, daß er auf halber Höhe die Frage stellte: „Ist es denir so lohnend, bis aus die Spitze zu gelangen?" „Lohnend?" lautete die Antwort Brugschs. „Das wohl nicht. Aber seit Friedrich Barbarossa hat kein deutscher Kaiser die Pyramide bestiegen." Der Kaiser stutzte und gab den Befehl zur Fortsetzung des unbequemen Aufstiegs... Die Festlichkeiten hatten natürlich auch manche nnlauteren Elemente angelockt, die sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollten, bei dem allgemeinen Trubel gute Geschäfte zu machen. So hatte sich ein Kaufmann die getarnte Butterlieserung für den Khediven zugesichert. Als aber das den Buttertransport mit sich führende Schiff anlangte, brachte es statt der erwarteten Ladung.pur riesige Ballen von Papier, die mit Fettflecken getränkt waren. Der Inhalt sei, so wurde angegeben, infolge unvorhergesehener Hitze — zusammcngeschmolzen. Das wohl nicht ganz unbefangene Gericht sprach sich.denn auch für „Force majeure" aus, der Lieferant erhielt die vereinbarte Summe ausbezahlt und wurde seitdem nur noch der „Butter-Pasch a" genannt.
* Christlicher Unfug. Unter dieser Ueberschrist schreibt Generalsekretär Bohn in der „Zeitschrift" des deutschen Sittliche keitsvereins: Durch einen Teil der Presse ging vor kurzem die Nachricht, daß in einem vom christlichen Soldatenbund in Süddeutschland herausgegebenen Soldatenliederbuch das Lied „Deutschs land, Deutschland über alles" umgedichtet ist in
Deutsche Sitte, deutsche Treue, Deutscher Mut und deutscher Sang.
Auch uns hat dies Machwerk vorgelegen, und wir stehen nicht an, uns ebenso wie die Presse in der schärfsten Weise gegen diesen christlichen Unfug auszusprechen. Das können in der Tat keine Christen sein, sondern sind unnatürlich verborgene, in ihrem Empfinden gestörte Mucker, die nicht mehr von deutschen Frauen, deutscher Treue singen können und dabei glauben, durch solche kindliche Mätzchen irgendeine erziehliche Wirkung auf deutsche Soldaten! ausüben zu können. Gesundes Christentum und gesunde Sittlichkeit haben mit solchen Auswüchsen nichts zu tun./
* Der Feldzug gegen die Hutnadel. Die durch die modernen riesenhaften Hutnadeln der Damen verursachten Uir- fälle haben sich in der letzten Zeit so gehäuft, daß M. Löpine, der Pariser Polizeiprafekt, an Maßregeln denkt, um die Bürger gegen die Gefahren dieser Modetorheit zu schützen. In der Po- lizeipräfektur ist eine Sammlung von Nadeln angelegt, durch die in den letzten Wochen Mutige Verletzungen hervorgernsen wurden. Einige der Nadeln sind über 18 Zoll lang. Bor kurzem wurde ein Mann im Omnibus durch eine solche Hutnadel erstochen; der Omnibus hielt plötzlich an, der Manu fiel gegen die elegante Nachbarin und die Hutnadel drang ihm durch das rechte Auge tief ins Gehirn. Ein Ladenmädchen hat das Augenlicht verloren durch eine Kundin, die sich zu hastig umdrehte. Der Polizeipräfekt sieht in diesen Hutnadeln eine Gefährdung des öffentlichen Verkehrs.
* Vereinfacht. „Diese billigen Extrazüge sind doch ein Vergnügen. Für sechs Mark kann man nach Hamburg fahren! Da freue ich mich unbändig darauf." — „Und toenn Sie ein Hamburger wären, würden Sie sich freuen, daß Sie für sechs Mark nach Berlin können!. Also bleiben Sie hier, sparen Sie’ä Geld und freuen Sie sich so!"
Arithmogriph.
4256255 2 ein Schloß in Bayern.
2 17 8 1 ein männlicher Vorname.
5 8 9 10 11 ein Fluß in Frankreich.
5 9 13 11 10 14 8 8 5 ein britischer Staatsmann.
11 10 12 16 11 15 9 10 16 11 ein Gebirge Deutschlands.
1 2 7 2 5 eine britische Kolonie in Afrika.
3 2 10 17 9 1 9 11 1 eine Insel.
7 18 14 6 19 3 eine schwere Krankheit.
11 3 14 11 10 2 1 7 8 eine Sprache.
9 16 1 2 12 ein männlicher Vorname.
1 19 17 11 5 elwas, was in die Suppe kommt.
Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter geben den Namen einessberühmten Feldherrn.
Auflösung in nächster Nummer»
Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Eisenbahnamt — Iller — Nero — Murawjetv — Audett — Nicolai — Nelke;
E i n M a n n ein Wort.
Redaktion: I V.: E. Lest. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Univerkitä'lK.Nnch. und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,


