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Alten Testament. Ihre gcheiligte Stätte, die kein Mensch anders als barfuß betreten darf, erinnert an Jahwes' Gebot an Broses beim brennenden Dornbusch, oder an den geheiligten Bezirk um den Berg Sinai, den außer Moses keines Menschen Fuß übert- schrcitcn durste. Die Anlegung dieser Wclis auf Hügeln, die weit hin die Ebene überschauen, gemahnt an den von den Pro­pheten so bitter verfolgtenHöhen"-Dic-ust der Israeliten und an ihre heiligen Berge, den Zion und Gavizim', den Tabor und Karmel, den Hermon und Sinai. Tie Auffassung von JMve als einem Berggott muß bis in die Acht der Kindheit JsrlaelÄ zurnckgehen, und Greßmaiui hält sie gewiß mit Recht für uw- trennbar von der Vorstellung Jahwes als des Himmelsgottes, deren Entstehung man neuerdmgs bis in die Zeit des Propheten Ezechiel hat herabrücken wollen. Nur daraus, daß Jahwe im Himmel wohnt, erklärt es sich, daß man auf den Höhen ihn verehrte, auf den Bergen ihm opferte, 'deren Spitzen in den! Himmel hineinragten, und "auf die er selber! gelegentlich, wie es vorn Sinai ausdrücklich! berichtet wird, vom Himvtzel herabfuhr. Jeden Morgen schauen die Hirten auf dem Felde, wie dep Sonnengott gleich dein Bräutigam, der aus seiner Käminer tritt, zwischen denunbekannten Bergen" hervorkommt und des abends wieder dorthin zurÄckkehrt. Wer ivvllte zweifeln, daß dort die Gottheit wohnt?- Und wo wäre man sicherer, sie zu treffen? Sv wird uns der Ursprung derHöhlen" begreiflich, so verstehen wir auch, daß der K'ultort noch heute mit Borliebe auf den Berg- spitzen liegt."

Auch daß die mohammedanischen Welis stets an der Grabstätte eines Heiligen errichtet sind, erinnert an Aehüliches int alten Israel. So wird auf deut heiligen Berge Nebo das Grab des Moses lokalisiert, und auch die Höhle Machpela, das Erbbegräbnis der Familie Abrahams, ist einst ein Heiligtum gewesen, das ivahv- scheinlich dem Sonnengott von Hebron geweiht war.

'Bon besonderem Interesse sind.ferner die Opfer von Tieren, mit deren Bükt ein solcher Weli, gelegentlich aber auch ändere Bauten bestrichen werden, nm so die Gottheit des Ortes, an dem Man sich angebaut hat, mir.dem Eindringen in ihre MachtspWve auszusöhnen. Diese Tieropfer sind die Ueberreste einer alteren, üns entsetzlich erscheinenden Sitte, die aber für die geschichtliche Zeit Israels noch gut bezeugt ist. Ms tziel zu AHabs Zeit die einst verfluchte Stadt Jericho von neuem erbaute, da heißt es im Alten Testament (1. Kon. 16,34)lieber seinem Erstgeborenen! Mir am legte er den Gründ, und über seinem jüngsten Segub letzterer die Tore ein." Also Meuschjeiwpftr sind es ursprünglich geloescn, und besonders Opfer von neugeborenen Kindern, durch die ruan bei der Grundsteinlegung von Gebäuden', oder bei der Neiraulage von Städten die Gottheit des Ortes gnädig zu stimmen suchte. Die Ausleger des Alten Testaments haben versucht, alle möglichen anderen Erklävuirgen zu finden, aber die Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte haben uns gelehrt, daß diese. Worte buchj- stäb'lich zu. verstehen sind. An verschiedenen Stellen, auf pa- .Minesischem und syrischem Boden, hat man die Reste derartiger Bauopfer" gefunden, Skelette von Kindern und von Erwachsenen', unter Mauern und Torflügeln und unter der Schwelle voll Häu­sern. Der so Geopferte wurde daun zum'guten Geiste" des be­treffenden Hauses und die Türschwelle, unter! der er wohnt, darf daher nicht betreten werden, man mußte (vergl. Zeph. 1,9) Über sie hinüber Hüpfen.

. Aber wir dürfen uns nicht in Einzekheiten verlieren; nur eme aus eigener Anschauung gewonnene und überaus lebendig vorgetragene Schilderung eines Derwischtanzes, der mit seinen' an Rafepcr grenzenden Bcrzückungcu uns an diePropheteuvereine" Ms Zett des L-amucl und Glia erinnert, sei noch aus diesem' ersten Abschnitt des Buches hervorgehoben.

- In der zweiten Hälste, die für sieh ein geschlossenes Ganze vckdet, stot Greßmann eine glänzend durchgcWhvte nikd an fes- selnven und anregenden Einzelheiten reiche Darstellung seiner Auffassung Volk Jahwe als der im palästinesischen Lande hei­mischen Naturgvttheit. Die düsteren, furchtbaren, grauenhaften! Züge treten hierbei stark in den Vordergrund. Jahwe erscheint als der Gott des sengenden Ostwindes und des Erdbebens, als der Gott des Gewitters, des verheerenden Gießbaches und des Vulkans, und für alle diese Züge wird eine reiche Menge von! Belegstellen vor allem aus den prophetischen Schriften des' alten Testaments hcrangezogen. Besonders in den Ausmalungen pon der endlichen Katastrophe, die über Israel und über die ganze Welt Ehereinbrechen wird, spielen diese furchtbaren Züge Jahwes eme vorherrschende Rolle. Im Einzelnen findet sich eine Fülle von wertvollen Beobachtungen, manches wird ohne Zweifel auch viel­fach zum Widerspruch heraussordern. Höchst interessant ist die Schilderung des letzten großen Erdbebens in Palästina, an das samt die altisraelitischen Schilderungen von dem int Gewitter ein- her fahrenden Jahwe sich anschließen:

Jahwes Stimme zerschmettert Zedern, Jahwe zerschmettert wie Zedern des Libanon;

- Er läßt sie Hüpfen wie ein Kalb, Libanon und Sirion wie einen jungen Büffel.

. »In dem Rollen und Getöse des Erdbebens', das dem-Sturmi-' wend gleicht, glaubt der antike - Israelit die Stimme Jahwes zu Kren, die hier zu einem wundervoll grotesken Bild benutzt wird: -sWves Stimme ist wie Musik in den Ohren der uralten Berge, und wenn der Gott ihüen aufspielt, müssen sie tanzen; und sie

springen ungefüge, ungeschlacht wie ein münteres' Kalb, wie ein lunger Büffel auf der Weide." Für die Auffassung Jahwes' <1(8 Ecs Vulkan gvttes ist die Schilderung seiner Erscheinung pnf dem -Linat entscheidend mit dem' Berge, von dem Rauch aufsteigt,wie von einem Schmelzofen" kann gewiß Nur eilt Vulkan gemeint sein, und von hier aus erhält dann auch die bisher ganz unverständliche Gestalt bet' Wolkensäule und Feuersäule eine Erklärung, in der Jahwe bei Tage bezw. bei Nacht vor semem Volke Herzieht; das' Bild ist offenbar dem in Eruption befindlichen Vulkan entlehnt, der bei TageFeuer speit", während zur Nacht, schwagze Rauchwolken feine Gipfel verhüllen.

.. ®ifenen Gegensatz zu dieser vorherrschenden Auffassung der Bolksreligron, die in Jahwe den Gott des Unwetters fürchtet, setzt lief)! dann der Prophet Elias, als er von der ihm zuteil gewordenen Erscheinung Jahwes berichtet: Sturm und Unwetter ziehen furchtbar tosend au ihm vorbei,aber Jahwe War nickst darin"; ihm erscheint eil int stillen sanften Säuseln des Windes, das den Menschen nicht schreckt, sondern ihm wohltut. Hier! liegt der Beginn einer neuen Phase der israelitischen Religion.

Der .Wert des' Grtzßmnnnschen Buches liegt zum Teil in den . überaus anschaulichen, allen faßlichen Darstellungen, in dep kr die Resultate seiner selbständigen und eindr'ingenden Forschungen allen für das alte Testament Interessierten vorlegt, auf der aw- veren Seite aber auch ganz wesentlich darin, daß er neue Probleme stellt, Anregungen bringt in Hülle und Fülle, mit denen seine! spezielleren Fachgenossen sich auseinaiiderzusetzen haben. Er bringt kemcn Abschluß, sondern neue Anstöße zu weiterem Schaffen.

Die VoNseele in ttriegszeiten.

Die großen Geschichtswerke und die militärischen Studien, die nachschasfend die.großen Ereignisse blutiger Kriegsjahre schildern, können die Schwankungen der Volks­seele in den Tagen der Erregung nur in großen groben Umrissen nachzeichnen; ein annähernd getreues Spiegelbild des Volksempfindeus und des Echos, das die kriegerischen Geschehnisse wecken, läßt sich weniger aus der Rekonstruktion der Ereignisse und ans den Memoirenwerken gewinnen, als aus den Briefen und flüchtigen Aufzeichnungen, die die Kämpfenden im Felde oder daheim die Angehörigen unter dem unmittelbaren Eindruck ihrer Gefühle niederschrieben, ohne je an eine Veröffentlichung zu denken. In der Revue unterzieht sich. Kürt Larsen in einer interessanten Studie der fesselnden Aufgabe, auf Grund solcher Dokumente einen Einblick in die Seele eines kriegführenden Volkes zu. tun; aus Tausenden alter Briefe aus dem Jahre 1864 gewinnt er ein Bild der Gefühle, die das dänische Volk und seine kämpfenden Söhne in jenen Tagen erfüllten. Im Vordergrund steht der junge Krieger, der draußen im Felde das Vaterland gegen den Feind verteidigt. In den zahl­reichen Briefen, die im Felde stehende gewöhnliche dänische Soldaten an ihre Lieben in der Heimat schrieben, enthülle» sich die kämpfenden Dänen des Jahres 1864, die sich so wacker und zähe schlugen, als die friedlichsten Menschen der Welt, die inmitten der Aufregungen des Kampfes und des Kriegslebens nur den einen Wunsch kennen: sobald als möglich zu ihren Lieben heimzukehren. Die Bauernsöhne! denken an die Arbeit, die zu Hause vernachlässigt wird, und aus allen Aeußerungen spricht ein instinktiver Abscheu gegen den Krieg. Aber alle Aeußerungen durchzieht dabei ein stoischer Fatalismus, der den Kampf als ein von Gort gewolltes Müssen hinnimmt, das nur durch ein stark aus­geprägtes Pflichtgefühl zu höheren Sphären sich, anfschwingt. . . und ich hoffe, daß Gott mir den. Mut und die Kraft geben wird, meine Pflicht zu erfüllen, ohne die Ehre zu verletzen, und daß ich die Prüfungen überdanere, die die? Vorsehung mir auferlegt". Ein jnnger dänischer Bauer schreibt dies nach Hanse 'und seine Worte sind gewissermaßen das Leitmotiv dieser gesamten Soldatenbriefe. Die Pflicht und die Vorsehung: aber nirgends spürt man den heißen Pulsschlag kriegerischer Herzen oder das Aufwallen froher patriotischer Begeisterung. Eine passive Hinnahme der Pflicht und ein fatalistisches Gottvertrauen: das ist der dänische Soldat von 1864. Er ist froh, wenn er dem Kugelregen fernbleiben kann, ohne die Pflicht und die Ehre zu verletzen. In zahlreichen Briefen wird ungeschminkt der Freude Ausdruck gegeben, daß der Schreiber durch diesen oder jenen Zufall dem Kampfe fernbleiben konnte, von dem er später erfuhr, daß er sehr blutig verlaufen ist. Heroische Empfindungen fehlen völlig. Ein moderner Ja­paner würde vielleicht darüber erröten, aber er wird die Ehrlichkeit achten, mit der der dänische Bauer seine Seele enthüllt. Und auch im übrigen bleibt er Bauer. Sein Auge ruht schmerzlich auf den verwüstetest Felder«, auf den schönest Backst,einhänsern^, die er anzünden muß, aus den