272

des Glaubens an den Hexenntt in der Walpurgrsnacht erscheint die in Weimar und Ettersburg übliche Gepflogenheit, am, Abend vor Walpurgis die Heu- und Mistgabeln, fatote die Reisigbesen zu verstecken, damit sie nicht von den Hexen gestohlen und zum Ritt auf den Blocksberg benutzt würden, ^n den stallen richtet man die Besen mit den Stielen nach unten und setzt ne neben die Tür, um dadurch den Hexen den Eingang zu verwehren. Die Schüsse, die man in manchen Gebirgsgegenden Sachsens, aber auch in einigen Gegenden des Tieflandes in der Walpurgisnacht vernimmt, haben nun den Zweck, die Hexen zii vertreiben. Auch die Walpurgisfeuer werden angefacht, um den Unholden zu wehren.

Der 1. Mai als Sehenswürdigkeit, /

Wie es Engländer möglich machen, sogar bteM a i s et er geivisserniaßeii als gejchäitliche Transaktion zu veriverten tind den 1. Mai als eine Sehenswürdigkeit allerersten Ranges hinzustetten, davon weiß Element Ballte l >m PariserMatlli ein Niedliches Geschichtchen zu erzählen. c ., ,. . .

In einem Blatte von Manchester fand lch dieser Lage iolgeiide nlerkwttrdige Anzeige:

R e i s e g e s e l l s eh a , t X. . . and Sons Großartiger Ausflug nach Paris aus Anlaß der gräßlichen Ausstände am 1. M a t.

Preis 125 Francs (Reise, Hotel, $8eigen und Trinkgelder mit einbegriffen).

Unsere Reisenden werden in Paris Großartige T u m ulte sehen. Einschreiten der Polizei und d e r T r u p p e n. Imposante Aiiizüge.

B erh a f ttin g e>i in Masse.

P l ü n d e r li n g e n von Warenhäuser n.

Besuch der Krankenhäuser.

Die Gesellschaft empfiehlt diese Reise ganz besonders, weil sie die größten Sensationen verspricht.

Avis. Für einen Schilling v e r s i ch e rt man sich gegen j e d e s R i s i k o.

Ein wenig überrascht von dieser Ankülidigiing begab ich mich z>i deni Direktor der Pariser Filiale der Gesellschaft und bemerkte etwas schüchtern:Wenn nun aber der 1. Mai ruhig verlaiist, wenn es weder Aufruhr noch großartige Aufzüge gibt . . ."

Da lachte der Herr Direktor und entgegnete:Atem Herr, ete haben den Schlußsatz unserer Ankündigilng übersehe». Dort heißt es ausdrücklich: Für etwaige Aenderungen des Programmes über­nimmt die Gesellschaft keine Verantwortling!"

vermochte».

*' N e u e F a r b e n i n d e r M o d c. Ein geistvoller Künstle« hat einntal die Mode die Kunst genannt, die nicht nut Farben, sondernmit Stoffen malt". Und er hat damit das Gemeinsame von Malerei und Mode gekennzeichnet, 'daß sie nämlich beide ihren eigentümlichsten Reiz durch die farbige Wirkung erhalten Die Kunst der Kleidung ist freilich rioch ,pater als bte Kunst der Palette zu einer rein farbigen Wirkung gekommen; sie war itoch viel länger in dem Hervorkehren von Form und Linie befangen und erst mit dem Aufblühen desImpressionismus ist auch dcr Sinn für die rein farbige Schönheit im Aufputz eines Kleides oder eines Hutes durchgedrungen. Heute arbeitet auch du Mode Mit einerFleckentechnik", indem sw farbige Werte unvermittelt nebeneinander fetzt und mit einer Fernwlrkung ^rs Kleides rechnet, oder sie gefällt sich in einer vorsorglichen Kunst des Abstimmeiw und Ausgleichens der Töne, so daß alle Schattierungen der Farbe durchlaufen werden und in feinsten Abstimmungen alles zusammen- gestellt wird. Es Mag mit der Vorliebe für den Stil des Empire zusammengehangen haben, daß. man in den letzten .pahren dreifach verblaßte und gebrochene Farben bevorzugte, ^n der antikisieren­den Zeitspanne um die Wende des achtzehnten nnd neunzehnten Jahrhunderts waren ja eigentlich zum ersten Mal m der Mode unentschiedene Töne eingeführt worden, nachdem schon im Rototo das starke Farbengefühl früherer Zeiten ut rosa und grauen Tönen gedämpft worden war. Damals kamen allerlei gedampfte Farben auf, das dunkelrötliche Braun, das matt,chwarzliche Blau, das durchsichtigblasse Flaschengrün; daran schlossen sich in der Biedermeierzeit .zahllose Nuancen des Graus, bte ins Rötliche, Blaue ititb Violette spielten. Ein solches Zerstören der vollen starken Töne zugunsten unsicher schwankender Farbenspiele und gedämpfter Akkorde machte sich in unseren letzten Moden, bte auf Rokoko, Empire und Biedermeier, auf lauter koloristisch zarte und müde Stile, zurückgriffen, deutlich bemerkbar. Nun stnnmt die Mode wieder eine volle Fanfare der Töne an und als et» neues Merkmal kraftvollen Farbensühlens in ihr erscheinen grelle Farben, an die sich bas Auge langsam wieder anpassen muß. <20 erscheint uns in ben neuesten Hüten unb Stoffen manches wohl knallig und grell, bas eine spätere Zeit, beten Augen an diese gesättigte Farbenfreube in ber Toilette gewöhnt sind, als selvst- verstänblich hinnehmen ivirb. Da sich jeboch kein llmsturz plötzlich unb ohne Uebergänge vollziehen kann, bestehen in der »eiten Palette, die die Mode für diese Saison zusammengestellt hat, blassere Tone immer noch fort. So wirb sich nicht jede Dame mit beit starken

Tönen von Rubinrot und Smaragdgrün' befreunden können, die als Lieblingsfarben dieses Frühlings auftreten. Dunkles Haar und lebhafter Teint werden durch einen solch kräftigen Rahmen außerordentlich gehoben, aber die Blonden und Blassen werben lieber zu ben rosa Farben greifen, bte von ben lichtesten bis zu ben bunteUten Schattierungen getragen werden. Noch kühner unb Mit noch mehr Vorsicht zu verwenben sinb bas Jnbigoblau, das schrilleVeronese-Grün", das Korallenrot und das säst brennende Orange. Es erfordert den sicheren und fein abwagenden Geschmack einer Künstlerin, nm solche fremden Farbentöne mit der Hautfarbe in Einklang zu bringen unb sie geschickt zn bombten. Die beliebten Garnituren von Straß unb Perlen, bte man vielfach sieht können bazu verwendet werben; auch bte leichten, lichten Fichus, bte Hals unb Büste umfließen, bürten einen neuen Ton in die Wirkung des Kleides bringen und wirken auch farbig reiz­voll mit ihren Gold-, Silber- unb Perlenfranzen. Zur Belebung bes ganzenFarbenorchesters" bienen dann all die Arten bes leuch­tenden Grüns, des Gelbs vom sanften Goldklang bis zur Zitronen- farbe, die violetten Töne, die in beit neuesten Stossen wieberkelften. Neben ihnen steht 'braun unb grau. Noch starker als ut ben Kleibern macht sich bte Farbenfreube in ben Hüten bemerkbar. Hier sieht man hauptsächlich starke lila Farben, Sträuße von Anemonen/ Parmaveilcheit und großen Stiefmütterchen, bereit dunkles Violett bis zuM Schwarz geht. Im Strotz fallen Farben auf wie Ultblan und Altrot und die Samtbänder übertrumpfen diese Farben noch in starken Kontrasten. Eine bunte, Auge und Herz erregende Pracht entsteht so, deren Farbigkeit nur schwer zu bändigen ilt. Der Frühling naht Mit Prangen, aber noch prangender naht die Frühlingsmode mit ihren neuen Farben.

* Sehr richtig. Fran Biermund begleitet vorsichtiger­weise ihren trunkfesten Mann beständig zum Abendschoppen, lieber hält auch sie tapfer ans, als daß sie den allzu Gambrinusftohen allein ließe. Einmal fällt ihr die Sitzung aber gar zu schwer, besonders, da es am Abend vorher auch reichlichfrüh geworben war, unb so mahnt sie beim gegen Val2:Mann, nun mach

Schluß, wir sind heute auch erst früh um eins nach Hause ge­

kommen !"Aber Miezekcn," erklärte ihr Gatte,gerade des­halb müssen Wir schon noch ein Weilchen bleibe», cs Ware ia

ein Skandal, wenn wir an einem Tage zweimal ans ber Kneipe

nach Hause kämen!" , _ . ,

* Gipfel der Bequemlichkeit. Junger Geck (zum an beim):Was seh' ich, Tu drehst Dir die Zigaretten selbst? Jcu ber Arzt hat mir Bewegung verordnet

* ßiuter Rat. Fremder (am Stammtisch Platz nehmend): Die Herren gestatten? Mein Name ist Schwarz !" Stamm­gastSchwarz? Da Müssen Sie 'n halt waschen lassen.

Literatur.

Wilhelm Leibl. Ans seinem Lebenswerk. Eine Kiinstgabe. 14 Blätter, Umschlag von Prof. I. V. Eisiarz und Mit einer Einleitung von Otto Gebhardt. _ Gine neue Kunstgab ber Freien Lehrervereinigung zu Berlin ist int Skrtag uon Krfiinlr Maini erschienen, die eine Auswahl aus dem Leben.'- werke des großen Malers in der Absicht bringt, diesen Künstler aurfi den weiteren kunstliebenden Kreisen unseres ^Vaterlandes be­kannt zu machen. Ans den Werken Wilhelm Leibls tritt 111m eine starke und aufrechte Persönlichkeit entgegen; Liebe zum Wahr­haften eine lebendige Freude ant Ursprünglichen, wie eine fthiei unendliche Hingabe an den jeweiligen Gegenstand der Darstellung 'kennzeichnen sein Schaffen. Das Heft enthalt in Lwppelton- Knnstdruck: Selbstbildnis, Die Torfpolitiker, Birkhahniagcr, Bauernmädchen, Frhv. v. Perfall als Jäger, Dachauer Baiierlniun, In der Küche, Wildschützen, Tischgesellschaft, Dame 'n schwarz, IM Atelier, Pariserin, Bauernmädchen bet der Arbeit unb Baueru- jäger.

Diamanträtsel.

I» die Felder nebensteheiider

____ Figur sind die Buchstabe» a a a

abbdddddeeeeelm .

--, n n n n r r s derart eiuzutragen,

® I daß die wagerechte» Reihen

1---s folgendes bedeute» :

1 ! 1. Eine» Buchstaben.

.iaia ö A|a I 2. Teil des meiifchl. Körpers.

' ! 9 \ 9 9 9_^-l 3. Eine Tageszeit.

I 1 9 I 4. Deutsche Residenzstabt.

1,---------------- 5. Ei» Laub. . .

I I 6. Biblischen Namen.

--- 7. Eiile» Buchstaben.

Die senkrechte u»b ivagerechte

Mittelreihe ergeben das Gleiche.

Auflösung in nächster Nummerr J

---- M

Auflösung des Homonyms in voriger Nummer: Der Regen.

Redaktion: K. Neurath. - Rotcitionsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße».