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Will mich nicht durch ein Geräusch ablenken lassen, ich will
»mich nicht durch diesen Schmerz unterkriegen lassen, und man
wird cs mit der Zeit durchsetzen. Jeder gelungene Versuch in den angegebenen Richtungen festigt die Ueberzeugung, daß man
so viel mit dem Willen ausrichten kann, was inan früher nicht
gekonnt hat, und erleichtert den Sieg in einem nächsten Falle, ganz Ähnlich Wie eilt gelungener Sprung über die Springschnur dem nächsthöheren Sprunge den Weg bereitet.
wenn die Schwalben wiederkommen...
Die Schwalben, die graziösen, leichtbeschwingten Boten des Frühlings, die überall >o gern willkommen geheißen werden, sind auf dem Heimzuge; noch wenige Tage und die ersten großen Schwalbenschwarme werden übers Land dahinziehen, ihre alten verlassenen Heimstätten wieder aufsuchen, rind in den kleinen runden Nestern an den Dachrnndern wird bald ivieder fröhliches Gezwitscher von.den anmutigen Sommergästen erzählen, die von langer Reise zurückkehren und ihr kleines Heim eifrig von den letzten Spuren des überwundenen Winters säubern. Wann wir die ersten Schwalben erwarten dürfen, darauf weiß die Nntur- forschung eine genaue Antwort nicht. zu geben. Es hat nie an Vogelfreunden gefehlt, die die Reisedaten der Schwalbenzüge zu einem Felde liebevollen Studiums gemacht haben, aber ihre Forschungen haben eine genaue Antwort nie gegeben und nur gezeigt, daß die klugen Zugvögel ihre Reisedispositionei: von den meteorologischen Verhältnissen abhängig machen. Der 10. April mag wohl als das durchschnittliche Datum angesehen werden, zu dem die graugefiederten Segler der Lüfte wieder in Mitteleuropa cin- tresfen, aber cs fehlt nicht an Beispielen, wo schon Ende März in Frankreich und in Deutschland heimkehrende Schwalbenzüge gesehen wurden. Sie haben cs auf der Reise zum Norden nicht allzn eilig und entfalten auf dem Zuge keineswegs die gewaltigen Geschwindigkeiten, deren sie fähig find. Denn die interessanten Experimente Spallanzanis haben gezeigt, daß die Schwalben 140 Kilometer in der Stunde zurücklegen können; der italienische Forscher brachte zwei Schwalben von Pavia nach Mailand: sie vollzogen die Heimkehr von Mailand zu ihrem Neste in Pavia in dreizehn Minuten. Das Verschwinden der Schwalben im Herbste hat in früheren Zeiten die Phantasie des Volkes lebhaft beschäftigt und wunderliche Hypothesen sind dabei entstanden. In einem! interessaÄM Artikel des Journal des Dsbats wird erzählt, daß Mnl vor hundertfünfzig Jahren das herbstliche Verschwindet: der Schwalbe kunzerhand mit einer Auswanderung — zum Mond zu erklären pflegte. Das Volk glaubte, daß die Schwalben die kalten Wintermonate über die Gastlichkeit des Mondes in An- spruch nahmen, um dann. Mit den ersten Leirzestagen wieder zur Erde und zu den Akenschen zurückzukehren. In seiner „Repe in Lappland" erklärt Regnard, daß die Schwalben den Winter tief unter der Eisdecke der Flüsse im Wasser verbrächten. „Das Merkwürdigste ist, daß die Lappländer lOft ganze Reihen von Schwalben bringen, die völlig erstarrt mit ihren kleinen Krallen an Holzstücken klamucern. Sie sind Ivie tot und zeigen, wenii man sie Nus dem Wasser zieht, keine Spur von Leben, aber sobald Man sic dem Feuer nähert und die Wärme auf sie eindringt, erwachet: sie allmählich schütteln die Flügeln und beginnen zu fliegen, als ob es Sommer wäre." Regnard selbst hat das freilich nicht gesehen, aber „man hat es ihm erzählt". . Aber die wunderliche Änschauimg war in früheren Zeiten weit verbreitet; auch Johnson — aus seinem 1768 erschienenen Lebenslaufe geht es hervor —■ war fest davon überzeugt, daß die Schwalben sich in: Herbste ins Wasser versenken, nm in der Tiefe der Fluten ihren! Winterschlaf zu halten. „Sie vereinigen sich fliegend zu einem großen Kreise, der sich immer! dichter zusammeirdrängt und sich plötzlich ins Wasser stürzt, wo die Schwalben im Flußbett schlafen gehen." Roch zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts hatte diese Anschauung ihre Gläubigen. Heute freilich weiß jeder, daß die Schwalbet: in: Herbste nach Asien und insbesondere nach Afrika ziehen und im Frühjahr wieder nach Europa zurückkehren und bis hinauf stach Lappland streifen. Sie folgen dabei den großen Temperaturwechseln und vor allem den Insekten, die mit Beginn der kälteren Herbsttage verschwinden und bei: Schwalben ihre einzige Nahrung entziehen. Man hat Beobachtungen angestellt, ob die Schwalben dem Froste trotzen können. Von einem seltsamei: derartigen Versuche erzählt Cotte: „M. deBnffon hat mehrere zur Zeit ihrer Abreise in einen Eiskeller eingesperrt und sie sind darin gestorben." Das beweist allerdings,. daß die Schwalbest sich zum Leben in eiUem Eiskeller sticht eignen, wahrscheinlich ebensowenig wie M. de Buffon, der wohl das Schicksal seiner Schwalben geteilt hätte, wenn man ihn auf einige Wochen in feinen Eiskeller gesperrt hätte. Aber auch andere rationellere Versuche haben negative Resultate ergeben. Trotzdem hat sich lauge die Annahme erhalten, daß die Schwalben unter gewissen Um- ständen in Winterschlaf verfallen können. Ist den „Transactions", der königlichen geographischen Gesellschaft zu London erzählt ein Beobachter namens Achard: Als er Ende März 1762 den Rhein hinab fuhr, sah er in der Nähe von Basel an dem steilen Flußn ufer an langen Seilen Knaben klettern. Er erfuhr, daß sie Schwalben suchten, die sich in den Klippen befinden sollten.
Nedaktion; K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag
„Diese Vögel pflegten, so erzählt mast, den Winter in Löcherst zu verbringen, aus denen sie grausame Kinder mit einer Art von Korkziehern herauszogen." Achard verschaffte sich eitrige dieser Vögel, die völlig, erstarrt waren, bei der Wärme aber auflebtest und davonflogen. Sehr oft dagegen kann man beobachten, daß einzelne Schwalben sich im Herbst verspäten, zurückbleiben und dann gegen den Winter einen verzweifelten Kampf führen. Noch im November hat man Schwalben gesehen, die ihr Nest nicht verlasset: hatten, ja bisweilen bis in bei: Dezember hinein; mast konnte beobachten, wie die kleinen Tiere matter und matter wurden, vermutlich durch den Mangel an Nahrung, und schließlich zugrunde gingen. In: Departement Oise hat Raspail einen Fall beobachtet, wo eine verspätete Fensterschwalbe in dem Stall eines Gutes zurückblieb und hier bis zum April überwinterte. In: Stall fand sie durch Spinnen und Insekten zweifellos ausreichende Nahrung, au schönen Tagen flog sic hinaus; immer aber kehrte sie bald zu ihrem Nest zurück. Die Stallmägde waren auf den au- ntutigei: Wiutergast sehr stolz und niemals wurde abends der Stall geschlossen, ehe mau sich nicht überzeugt hatte, daß die Lri.te Schwalbe auch in ihrem Neste war.
Bismarck.
Leuchtender Name, nähre die Flaminen Großen ®[nitbenS in unserer Seele, Damit uns nimmer das Feuer kehle, DaS die Herzen schmiedet zusammen! Wecke mahnend wie Donars Stimme Lille Zaudrer in zagen Zeilen, Daß in hell ausloderndem Grimme Sie zur Tat sich wieder bereiten!
Herrlicher Name, zeuge den rechten Manu und Meister doch unserem Lande, Damit der Schwachheit Schrecken und Schande Nie erziehe das Volk zu Knechten!
Heiße uns hassen den Schein! Nur Pflichten Freudig erfüllen mit eisernem Willen Sollen wir, um uns aukzurichlen Unb der Seele Sehnen zu stillen!
Einziger Name, erfülle heute
Wieder das Land mit dem stolzen Klange, Damit der tatenlähmende bange Zweifel werde des Glaubens Beute!
Damit die Hoffnung die Schwachen stärke. Daß sie der Tage Not nicht erliegen!
Bismarck! Führer fei unserem Werke, Hilf uns, den Kleinmut zu besiegen!
Wiesbaden. Heinz Gorrenz.
vermischter.
* Auf die Dörfer gehen. „Auf die Dörfer gehen" ist heute nur noch beim Kartenspiel, besonders beim Skat gebräuchlich Und wird angewandt, wenn ein Spieler, anstatt sein Spiel mit Trumpf zu beginnen, seine „DÄufer" ausspielt, um es durch diese, durch seine „Handkarte", zu gewinnen. Der Ausdruck geht auf die jüdischen Händler zurück, die bereits im Mittelalter, weil sie dem Wettbewerb der größeren Geschäfte der Stadt nicht gewachsen waren, auf die Dörfer (rotwelsch „die Medina") gingen, um dort ihre Waren abzusetzcn. „Er geht auf die Dörfer" heißt demnach ursprünglich; er verläßt den für ihn eigentlich gebotenen Betriebskreis, ans Besorgnis, darin infolge seiner Schwäche den gewünschten Erfolg nicht erlangen zu können, und begibt sich auf ein anderes, abliegendes Gebiet, tun möglicherweise auf diesetst zu erreichet:, was ihm auf dem zunächst gebotenen versagt erscheint.
Silbenrätsel.
a, at, ei, d, bei, gu, hi, ie, il, nm, na, pa, pa, ra, ra, ra, s, seit, sp, tu, ti, tis.
Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sechs Wörter gebildet und derart uulereütauder gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von innen nach oben gelesen ein geflügeltes Wort ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes:
1, Australische Insel.
2. Wichtiges Erz.
3. Portugiesische Insel.
4. Orr der Unschuld unb Freude.
5. Marderartiges Raubtier.
6. Hafenstadt in Brasilien.
■ Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Köuigsproiuenade in voriger Nummer: Der Sturm sprach einst: Ich kenne Die Welt, denn ich zerpflücke sie;
Da sprach der Reif; Ich feinte
Sie näher, ich erdrücke sie;
Die Sonne lacht: Ich kenne
Sie besser, ich beglücke sie. Carmen Silva.
der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckeretz N. Lange, Gießern


