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Redaktion: E. Änderson, — RoratwnZdruÄ und Verlag der Brliüt'schen UntversttätS-Bitch- und Steindruckerei, R. Lange, Dieben.
Die Könige und die Karikatur. .: der Zeichner, der auch vor den gekrönten .Häuptern nicht halt macht, findet bei den Verspotteten selbst Nicht selten das beste Publikum. Grand-Eartcrct, der große Sammler and Historiker der Karikatur — so lesen wir im Gaulois — veröffentlicht soeben cm neues Werk, das den Karikaturen ans Wilhelin II. gewidmet ist, und das erinnert daran, daß Saran d'Ache vor etwa zehn Jalnen teil Kaiser mit einem Wlerkops und großen emporgcdrehten Schnurr- bartspitzen karikierte. Weit entfernt, sich darüber 'M argem, sand Wilhelm II. das sehr amüsant und ließ sich ,ogar das Journal in dem die Karikaturen veröffentlicht tvareil, ans die Jagd nam- schicken. . . In viel unehrerbietigcrer Wei,e als heute haben Karikaturisten früherer Zeit das Aussehen der Herrscher zur..Zielscheibe ihres Spottes genommen. Besonders die irauzv,!,chen Könige des ueunzehnteu Jahrhunderts haben darunter zu leiden gehabt. Mait amüsierte sich über die Dicke Ludwigs XVII. utp über seine Wadenstrümpsc, verlachte die spindeldürre Figur Karls X., seine mageren Stöckelbeine, sein langgezogenes Profil. Unter Louis-Philippe wurde die Karikatur ein meitig geistreicher, ■ in dem Phillippon den Kops des Königs in Gestalt einer Brrne darstellte. Als er sich daraufhiii vor Gericht wegen Beleidigung des Herrschers zu verantworten hatte, beschränkte er seine Berteidw gnilg darauf, iben Richtern zunächst ein von ihm verfertigtes Portrat des Königs zu zeigen. „Ist dies Porträt ähnlich, meine -Herren -' „Durchaus, ausgezeichnet getroffen. „Und dies zweite Portrat,
vermischtes»
* -ofni- i l sche rznndWissens cha f t IN der Straßburger Post lesen wir: Es ist nicht selten, daß bedeutsame Erfrirdungen durch nebensächliche oder zufällige Beobachtungen veranlaßt, wurden oder daß eine und dieselbe Erfindnug völlig unabhängig an Sei SSenen ©tetlen das Licht der Welt erblickte. Ein ebenso sonderbarer tvie bemerkeiiswerter Zufall hat eine wichtige neu- Zeitliche Erfindung, die des Quecksilber-Hohlspiegels für Fernrohr^, tu Verbindung mit einem Aprilscherz-Jmiilleton gebracht, das in der Stmßberger Post am 1 April 1897 erschien. ErsahrungS- aemäß sind die Glaslinsen und GlaS,piegel für Fernrohre außerordentlich schwer herzustellen und sehr kostspielig. Dem amerikanischen Astronomen Professor Wood ist es uu)r neueMugs gelungen, ein eigenartiges Mittel zu finden, um diese -Schwierigkeiten z umgehen, lieber seine Erfindung heißt cs in enter illustrierten -witnbri.it die eilt Bild des Professors während de» Expelinien- fiereus bringt: "Wood gießt in eine Schale Quecksilber hinein und versetzt sie durch. einey^danebenstehmdG
so entsteht ein Hohlstet und der in aswo-
cines Schnurlaufes in rasche Umdrehungeir Quecksilber am Rande , in die Höhe.steigt, spiegel, dessen Herstellung fast gar Nichts kos uomischen Fernrohren. gute Dienste zu leisten vermag. e®. bet- mögen in der Technik ost die euifachsten Mittel große, und kostspielige Schwierigkeiten zu beheben! Das erwähnt-. FeiilllJon aus dem Jahre 1897 führt den Titel „Einige Worte über.ine Retrospektivphotographie" und beschreibt die natnrimsstnschafillch. Entstehung einer vielbewunderten Photographie, Troglobyten tmr- stellenb. In der Manier Jules Bernes, der mit feinen phaiitastisch- tvifsenschaftlichen Schilderungen ja ebenfalls Anregung zu mancherlei Erfindungen gegeben haben soll, schildert deiu Verfasier icina retrospektiven Künste. „Das Verfahren/ heißt es, --beruht, ganz einfach auf dem Photographieren der von dm StWiien reflektierten Lichtstrahlen. Bekaniitlich braucht das Licht eine bestimmte Zeit, nm sich fortzupflanzen: allerdings ges^ schwindigkeit von 42 000 Merlen in der Sei....... .....
chm die von der Erde ausgehenden Strahlen Hunderte, ja 4-miMtb. von Jahren, um bis zu manchen Sternen zu gelangen.. Sobaw
Vvü<inzu»gsrät,ei,
E.. K..pi.l.tz .f. b.c W..i;
.a. K.ci.zloii u.. . i. K.o.
T.ä.t . ei.. r, d.. n. ch. k. inp. t, .i. R.h. ..d .hr' b.v.n.
Auslösung in nächster Nummer.
Anslöfiina des magischen Dreiecks in voriger MtMlMl AMSEL M AAS
S A.I ES L
Macht besaß, über die Wellen dahinzuftiegen. Sie hielten ihn deshalb für den Gebieter von Wind und Wetter und achteten und verehrten ihn als gewaltigen Zauberer.
* Das Ende des Dro s ch keNg auls. Aus London wnd berichtet: Einen interessanten liebcrblick über den Einfluß der «Z ff1*" „BÄ KlK »Ä K» WÄ. «ui d°n «iiloiu« Slulif«. nm*
diu außerordentlich genaues Uhrwerk reguliert wird, bildet, sich I „Motor Traction" veröffentlicht wird. Bei dem Auftreten der ersten durch Zentrifugalkrafi ein mathematisch genau parabolischer Spiegel Mtonwbildwschke in London int Jahre 190o verzeichnete die. eng in dem Behälter." Professor Wood hat alp unbewußt eta Prob- I ,M Hauptstadt 11404 diensttuende Droschkenpferde, -seitdem, lern in die Praxis umgesetzt, das in der Straßburger Post schon ' l. wn Jahr zu Jahr gesunken: 1907 zählte man m vor zwölf Jahren in der Theorie gelöst wurde. I Ngnhou 723 Aubnnobildroschkeu, während die Zahl der Droschken-
ntackn ! Pferde bereits auf 9818 zurückgegangen war. 1908 betrug die t.ahk icht Halt macht, | , ^(»tomobife bereits 2805, die der Droschkenpferde nur noch
8475. Und ähnlich haben sich die Verhältnisse im Omuibnsbetricbe gestaltet 1903 gab es 13 Mvwromnibusse, während 8023 Pferde im Dienste der Omiiibusgesellschastcn standen. 1908 ivar die Zahl der Autovmnibusse auf 1133 gewachsen, während die Zahl vcr Pferde au? 2155 zurückgegangen war.
- Gend a r m er ie - A n z e i g e. Am Brandplatze angekoM MN, trachtete ich zunächst nach dem Leben der Kinder.
ähnelt es dem ersten?" fragte Phillippon weiter und zeigte deck Kopf des Königs, ganz eingezogen in den Hals, mit seinen dicken Favoritö, dem spärlichen, sich in einer Locke emporstraubeiiden Haupthaar, in seiner charakteristiscl-en, sich nach oben stark verjüngenden Form und seinen schläferigen Zügen. „Man.erkennt natürlich, wer es sein soll", sagten die Richter, „aber es ist nicht so mit getroffen." „Und mm, meine Herren, dies dritte Porträt- ähnelt eS dem zweiten?" Und er enthüllte die Birne Trotz dieser geistvollen Erläuterung wurde Phillippon zu einer gelinden Strafe verurteilt Thiers erscheint in den Karikaturen der Zeit mit einem Eulenkopf, an den seine Züge lvirklich entfernt erinnerten.-. «01(1) die heutigen Souveräne haben ihren fest ausgeprägten Typ in der modernen Karikatur. Da sieht man etwa König Eduard sehr dick, mit einer ungeheuren Zigarre un Mmid und ernenn, ganz kleinen englischen Offizierskappi auf dem Scheitel, .ll- sons XIII. erscheint sehr groß, sehr mager, gebogen ime cm Rohr, aiif dem unförmigen Schädel den T,chato der, spanischeit Zrm^ und mit tief herabhängender Lippe. Der Käst er von Oesterreich wird dargestellt mit seinen großeil Bartkoteletten und einer kleinen Stumpfnase. Der König von Italien erscheint alo Zwerg, fast ohne Bestie, mit dickeni Schnurrbart: Zar Rttolaiw bekommt einen strestg russischen Typ. Die französischen Prä, identen find inder Karikatur, immer sehr beliebt gewesen. Der geniale Zeichner Lc:an- der bat erst kürzlich Fallidres in höchst ergötzlicher Weise als. Bacchus vorgeführt, mit einem großen Bauch, Mit ^einieben umschlungen, auf einer Tonne thronend. Er erscheint stet» m beit Witzblättern sehr dick, sehr plump> mit nefigen Holzschuhen und mib struppigeni Bart, hinter dem das kupferrote Gesicht, freundlich ^^"^Berlioz' Liebe. Der verstorbene.Komponist Neuer war ein leibeiischaftlicher Bewunderer M
erzählte gern Geschichten, die er von dein Meister im Laufe ihres Verkehrs gehört hatte. Einstmals erzählte ihm der Komponist der -------------------- { „Trojaner" von seiner Liebe zn einer rnsnsthen Dame, die ihn fchieht dies mit einer Ge- I luä(>rcnb seines Llusenthaltes in St. Petersburg ergrifren imtte c Sekunde. Trotzdein brau- il6(e Olga . . . Ich liebte sie leidensckmftlich . . . Endlich
I nach langem Widerstreben hatte sie mir ein ^^dezvous zugestauRn.- von Zayren, um vis zu immujen -o-uimu öu sn»«»,«. I hatte mir erlaubt, mich it'nr sieben llhr morgei v . -
es nun gelingt, einen Stern ausfindig.®u machm, desseil Ober- Brücke der Newa einzufinden, über die sie ko'nmen wurR. Nu» fläche glatt genug ist, um die von der Erde auf ihn aesaudten I halb sieben ivar ich.da: es war furchtbar kalt, sie kam um ach, Strahlen vollständig Tiirückzusenden, ist es auch möglich, mrt nit mir vorbei inu- sagte ,nilt ihrer reizenden W«-?w Hilfe von hinreichenden Vergrößerungen die auf der Erdoberfläche Stimme: „Sind Sie es, Hektor? ,,^a, Olga . . . „Und dani . sich abspielcnden Ereignisse ivie in entern Spiegel zu erblicken. I {ragte Reher gespannt, „Und ivm> dann? erwiderte -ex!u$ Dadurch aber, daß die Lichtstrahlen, wie bekannt, Jahrhunderte I geärgert, „was wollen Sie beim noch mehr i brauchen, um diesen Weg znrückzulegen, wird nicht das spiegel- I * § Räuber boot. Aus Stockholm wird uns gemeldet:
bild der Ereignisse der Gegenwart, sondern dasiemge der Vor- I I)£tt in Petersburg einem Korrespondenten des „Stan-
gänge längst vergangener Zeiten auf die Erde ziiriickgeworfe . I /■ magische Kraft auf all seinen gefährlichen
Auf diese ebenso einfache ivie natürliche Weise ivar es eben auch wrt ei aW, weiyc »wm {n bcm cv die
gelungen, die Troglodyten zn photographieren: Da der Erfinder I Reipn ihn vor nllem fchützte. w. w n ruaebictes zu- der Retwspektivphotographie sich anfangs über mangelhafte-scharfe, 1 Reise durch den volksreicheu Teil des Biahiitaputragepicti- z nitgenügenbe Größe und Lichtstärke seiner Bilder zu beklagen hatte, rücklegte. Die Eingeborenen hatten bw bahnt noch nte «n^ Boot heißt es in dem Scherzartikel dann wörtlich weiter: „Die,en Uebel- I gesch-n unb konnten sich nicht erklären, luie J>tefer JSrembe bic stand zu überwinden, gelang dem Erfinder erst, nachdem er alle I ™ >•<— «o-«— .«.<>»-,> v>ne hielten ihn de-,-
bis jetzt angewandten Systeme der astroiiomischen Fernrohre verworfen und eine von ihm erfundene neue Spiegelkonstruktwu angewandt hatte. Dieser Spiegel besteht ans einem schmiedeeisernen tcllerartigcn Behälter von 6,5 Meter Durchmesser : derselbe ist mit Quecksilber -gefüllt und rotiert auf einer .ficlnr geführten


