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SKumtti doch für keine einzige aufbringen können. Die war ihm zu dumm und jene zu klug erschienen. Nun iah er in Wodenbeck rote der Fischreiher, dem auch die Gründ- Unge weggeschwommen sind. Es war wirklich eine erbärmliche Geschichte!
vielleicht wenn sie alle nicht gar so entgegenkommend gewe,en waren! Nur halb so kühl und vornehm wie die zum Küssen schone schlanke Holdseligkeit, mit der er vorhin eine halbe stunde lang im Richtrauchereoup« zusammen- «Äessen hatte! Das richtige Prinzeßchen Stacheldraht, das allen fernen bewahrten kleinen Antnüpsungsversuchen geaen- über hart und stumm wie Marmor geblieben war und sofort das Damencouvö aufgesucht hatte, als der Esel von Schaffner mit der N chricht gekommen war. datz jejt Platz geworden jei. Das war eine gewesen, die 's ihm hätte antun können! Emen so schönen seiugeschwungeneri Mund hatte er lange recht tii'^ ^fe braune, geheimnissüße Augen erst
Auf den Fichtenwipfeln zu beiden Wegseiten ließ die Abendsonne den Schnee rosig aufjchunmern, während ein schadenfroher Windstoß an den unteren Zweigen hinsuhr und ein altes gebücktes Mütterchen mit einem schweren Handtvrb am Arme in eine richtige Puderwolke hüllte. Gerade hatte der Schlitten sie überholt und klingelte nun, seines nächsten Triumphes sicher, hinter einem tapfer ausschreitenden, schlanken Persönchen her, dessen anmutige Hal- tting in dem jungen Forstmann eine frohe Ahnung aufblitzen ließ. Solch halblangcn, taubengrauen Paletot und K dunkles Pelzbarettchen hatte Prinzessin Stacheldraht vorhin auch getragen?
Kutscher, halten!" kommandierte er, als sie das <• l ■ n!em erreicht hatten. Und den Hut höflich schwenkend, wandr er sich an die leise Errötende mit vollendeter Artig- »eit*
i f ich Ihnen einen Platz in meinem Schlitten an- In gnädiges Fräulein? Es wird dunkel und . . . ."
in Sie so menschenfreundlich sind," entgegnete sie, ihre Verlegenheit schnell niederkämpfend, „warum haben Sie das alte Frauchen nicht dort zuerst auf gefordert? So muß ich bedauern!"
Und sie neigte kaum merklich das Haupt und schritt weiter.
„Ci verflixt, da sein mer schön abgelaufen!" meinte der etwas redselige Kutscher mit einem dummen Lachen. Aber Heinz Duveneck überhörte es geflissentlich. Er biß sich nur ärgerlich ans die Lippen und brummelte:
„Recht hat sie eigentlich; das läßt sich nicht wcgleugnen k" Unb plötzlich gab er Order:
„Wenden Sie um, Kutscher! Wir wollen die Alte holen?"
Kopsschüttelnd kam dieser dem Befehl nach und half alsbald dem von Dankbarkeit überfließenden Weiblein aus den Sitz neben sich. Wie sie nun jedoch ihren Weg.aufs neue verfolgten, war feine schöne Augenweide plötzlich wie weg- geweht. Sir hatte offenbar einen Seitenweg eingeschlagen, um diesem verdächtig gehorsamen Schlittenkavalier noch rechtzeitig entwischen zu können.
Und nun lachte der alberne Kutscher doch wahrhaftig noch dämlicher! . . .
II.
„Sie kommen natürlich mit zu Pastors, Herr Kollege!" sagte der joviale Oberförster, der seine Ablösung in aller Kürze instruiert hatte. „Helfen Sie der Jugend flott Blei gießen, wenn wir Alten Ihnen zu langweilig sind! Die Pastorskinder sind ein fideles Völkchen und meine Frieda wird Sie schnell mit allem bekannt machen . . . Nicht wahr, Amsel? ... Ich habe vorher nämlich noch ein paar dringende Wege!"
Duveneck wollte Einwendungen machen. Wer die Leiden ließen nichts gelten. So fügte er sich ziemlich gleichgültig.
Als sie die Pfarre betraten, hallte ein fröhlicher Lärnr aus dem oberen Stockwerk.
„Vater arbeitet noch au seiner Predigt!" empfing sie strahlend ein langaufgeschossener, in das muntere Förstersrind unheimlich verliebter Primaner. „Wir gehn, nach oben! Aber leise auftreten. Die Mädels fragen nämlich gerade das Heiratsorakel, das die alte Marlene ihnen angepriesen hat!"
Auf Zehen schlichen sie «Ne drei jetzt die Stufen hinaus bis an das Zimmer, ans dem der ausgelassene Jubel drang.
.. "'m riß der Schabernack liebende Bruder plötzlich
die Tür auf, um sich an dem Wirrwarr zu weiden, den das fremde Glicht in diesem Augenblick unfehlbar hervorrnftn
. ^d-r «eugleng gewordene Assessor jedoch Einblick In den unchristlichen Silbe,ter,puk des Pfarrhauses gewinnen konnte, flog ihm als ein etwas sonderbares Willkommen «n zierliches braunes Lederpantöffelchen ins Gesicht, das er verblüfft, aber mit unwillkürlicher Geschicklichkeit anf- slng. Darauf jedoch entstand ein tolles Durcheinander. Schrewud und lachend entwichen die fünf, sechs Madel durch dre Rebenturen und nur Marlene, das alte Faktotum der Fa- milie, stand noch im Zimmer und rief triumphierend:
„Ev, du bist die einzige! Tu machst Hochzeit im neuen Jahr!
hatte die Pfarrermädel nämlich nacheinander den Pantoffel mit der Spitze rückwärts über den Kopf rversen las,en. Doch nur bei der ältesten war er ans die Stuben- tur zu, ja sogar durch diese hinaus geflogen, ein Anzeichen, von dessen unbedingter Zuverlässigkeit schon Marlenes Großmutter Wunderdinge zu berichten gewußt hatte.
• . Es dauerte eine ziemliche Weile, ehe der Mädelschwarm und mitten unter ihm das Glückskind wieder erschien, letzteres noch immer in verräterische Glut getaucht/
„ . »Ich muß sehr um Verzeihung bitten, Herr Assessor!" stotterte sie ganz verlegen und vermochte nicht, die braunen Augen zu ihm aufzuschlagen. Ihm wurde merkwürdig warrtt und weich ums Herz, als er sie nun erkannte.
„Ach, was denn," lachte er ein wenig befangen. „Das hat mir nicht weiter weh getan! Aber heute nachmittag —" Da war sie ihm schon leise auflachend entschlüpft. Herr Gott, wie füß konnte sie lachen, seine feine, schlanke Prinzessin Stacheldraht, die von einem Weihrmchtsbesuch bei Verwandten heute im gleichen Zuge mit ihm wieder beim- gskehrt war.
III.
Eine so gemütliche Neujahrsnacht hatte Heinz Duveneck bisher noch niemals erlebt. Wie waren sie lieb und nett gewesen zu ihm, Mte und Junge! Nur Es, die Aelteste, war bis zuletzt wie in einen unsichtbaren Mantel holder Zurückhaltung gehüllt geblieben. Und als er ihr in der feierlichen Mitternacht Glück gewünscht und dabei etwas verwegen ihren Vornamen gebraucht hatte, waren ihre braunen Augen ernsthaft über sein Antlitz hingeglitten und sie hatte nicht unfreundlich, aber doch abwehrend erklärt:
„Eva heiße ich nur für unsere nächsten Bekannten, Her« Assessor!"
„Verzeihung," hatte er in drolliger Zerknirschtheit erwidert, „aber wir kennen uns doch jetzt auch schon im zweiten Jahre!"
Daraufhin hatte sie doch lächeln müssen. Und von diesem Lächeln hotte er geträumt mit ihrem Pantöffelchen auf dem Herzen. Denn das gab er ganz gewiß nicht wieder heraus, dieses liebe Keine, küssenswerte Orakelzeichen! —
Schon in aller Frühe hatte er sich aus dem Gewächshaus des Rittergutes ein paar prächtige Sträuße besorgen lassen. An den mit der einzigen Rose darin aber hatte er seins Karte mit der Aufschrift: „Für Fräulein Eva Damberg mit herzlichen Neujahrsgrüßen!" geheftet. Und nun war dis Kirche aus, und er ging, frohüewegten Herzens, im Pfarrhaus feine Dankvisite abzustatten.
Merkwürdig, in dem Hause gab's immer ein Hallo, sogar am Reujahrsmorgen! Aber diesmal kam'S aus dem Erdgeschoß. Deutlich unterschied er das Lachen des Primaners, die etwas beklommenen Stimmen der Mädel, die begütigenden Worte der rundlichen Frau Pastor, die den anscheinend heute etwas kratzbürstig aufgelegten kleinen Pfarrherrn zu beruhigen versuchte.
Da er nicht unfreiwilliger Horcher werden wollte, klopfte er an.
„Herein!" rief der Hausvater, der wohl einen Bauern seiner Gemeinde vermutet hatte. Wie er jedoch seinen Gast von gestern erkannte, sprang er auf aus seinem Lehnsessel und humpelte ihm, ein bißchen verlegen werdend, entgegen.
„Entschuldigen Sie nur, Herr Assessor," sagte er, kläglich auf seine merkwürdig kleinen Füße heruntersehend, von denen der eine in einem kleinen, braunen, Heinz seltsam bekannt amuutenben. Pantöffelchen steckte, während der andere den grauen, hausgestrickten Strumpf ohne Prüderie preisaab, „aber die abscheulichen Mädel haben mir doch, gestern richtig einen meiner Pantoffeln verpvltert l Mr


