Ausgabe 
31.12.1908
 
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ivar'S, als ob die jahrelang binuntergewürgte Bitterkeit in kochen­den Weile» hervorbrechen mutzte aus ih:n,das andere. das kann ich nicht verzeihen, das kann kein Mensch auf Gottes Welt; das; mir mit diesem erb-ärmlickM Trenbruch alles Gute und Sckwne in Trümmer und Scherben ging, datz mir nichts mehr blieb als Zorn nnd Ekel und Verachtung, dafür konnten Sie nichts, daran war meine eigene Liebe schuld, die Sie zu hoch gestellt hatte und nun stürze» mutzte, was sie zum Götzenbild erhoben hatte, diese Feigstem, diese jämmerliche, gottserbärmliche Feigheit, mit der Sie diesen Treubruch übten, datz Sie mir das offene, lösende Mort nicht gönnten, datz Sie mit diesem Manne flüchteten vor mir, das hat mir den Glauben an die Menschheit zerschlagen, und das ' '''en Sie nie ivieder gut machen und das kann ich nie verzeihen!"

'Htiiwcn Sie nicht," fragte sie, immer' mit diesem stillen, Mick in sein üraitnes, kantiges Gesicht,datz ich es 1 fca&e, qualvolle Jahre hindurch, bis mein... bis Mr.

? . ne^ Harb? Ahnen Sie. was eine Fran durchringcn mutz, « Mttelnde vor ihrem Kläger steh! und um Verzeihung

steht? ^jch wußte, w-'s ich tat, als ich gerade dieses Schiff zur Heimkehr nach D-" nd wählte. Ich wußte, daß ich Sie hier um ^ergcbv" ^-eigheit bitten würde. Aber daß Sie

OTl$ - 'n, das wußte ich nicht, Heiko. Ich

toer iälen. Sie haben wohl recht. Mit'

' o.che Schuld nicht aus. Gute Nacht."

5*s lyrn vorüber, so dicht, datz der Schleier, den sie seine Wange streifte. Er fuhr zurück, als hätte verbmnnt. Lelstndenlaug schloß er die Augen und in .,.rn Schläfen Nmmerte das Blut in fieberndem Takt: ,Mäve

Möve, Möve..." '

Und nun wollte er ihrs sagen:Fühlst duS denn nicht, du, was in mir grollt und zürnt und dich quält, es ist ja nicht der Hatz, Möwe, es ist ja noch die gleiche, zitternde, selige Liebe wie damals, heut wie vor fünf Jahren, da du mein eigen wurdest und alle die jauchzenden Glocken der Neujahrsrmcht unser Glück -einlünteten . .

Und nun ivar er allein. Und keine Glocke» läuteten, aber säst ununterbrochen heulten die Sirenen, und der Nebel lag um das Schiff wie ein Hexenschleier. Und das Schift? Was hatte das Schiff? Heiiv Tenhusen fühlte unter seinen Füßen, wie toä ruhige, rollende Heben und Senken des riesigen Körpers kurzer und heftiger -mtrde, er hörte das unruhig spritzende Klatschen der Welten, mit raschen Sprüngen war er hinaus und beim Lapttmt. Luret, drei Worte hinüber und herüber, ein scharfes Kommando, eine hastige, knappe Meldung, rauschend schtua die Schrauoe nach rückwärts, aber dieHelgoland" war noch in Fahrt, und da..."

Heiliger Gott . .

Ein geller, jäher, entsetzter Schrei. Keiner wußte, wer ihn eitogeMen. Jin gleichen Augenblick ging ein erschütternder Stotz dutth das ganze Schiff, daß es krachte und splitterte, und noch einer, und dann ein seltsamer, pfeifender Gurgeiton

Ern Augenblick wahnsinniger Verwirrung folgte. Alles stürzte an Deck. Aber es war nur ein Augenblick. Im nächsten sckw« hatte Kapttan von der Heyde wieder die Herrschaft über sich und die Manttschaft getvonnen, und seine hallende Kommandostimme gab ihre Befehle knapp uitb klar. Die Passagiere, die wie eine Herre, m die der Blitz geschlagen, durcheinander drängten, und d-e Verwirrung zum Unheil zu steigen drohten, überließ er der Sorge seiner^ Offiziere. Heiko Tenhttsen und Asmussen standen Lchulter an epchulter und suchten die fragenden, entsetzten Menschen Mit ihrer eigenen Ruhe zu bändigen. Nach und nach gelang es ihnen, Klarheit in die Situation zu bringen. Das Schiff war verloren, das war ihnen in zwei Minuten klar. Aber die Menschen konnten sicy retten. Im Nu waren die Boote ausgesetzt und be- lt :/ "hie Lwauen zuerst!" befahl Tenhusen und riß jeden, der sich thm entgegensetzen nwllre, mit energischer Faust zurück _ Me Kütze war nicht fern, das Schiff lag auf ben Klippen toi Rocky Hell, dessen Blindeuer nicht die Kraft gehabt, den Nebel zu durKmngen. Es war Rettung möglich für alle, wenn fre gruhe und Besonnenheit behielten. Aber.die fehlte den meisten

,nu£ Knuten die Offiziere verhindern, daß die

Boote überfüllt nnd für alle der Untergang besiegelt wurde.

Heiko kitte mit heißen Augen die Ausbootting überwacht und unter den drängenden, kämpfenden Menschen nach Möve Hudßone gesucht. Er hatte fie nicht entdeckt. Eins rasende Angst Packte ihn. Wo war sie?

@r fi-öSte Asmussen nach ihr. Der hatte sie nicht gesehen. Fast alle Passagiere hatten das Schiff verlassen, das letzte Boot harrte aut dre übrigen. Tenhusen stich die Menschen beiseite und hetzte nach unten. .

Aiöve, Möve!" tief er veWseifelt und suchte in allen, I

iuümnen nach ihr, wo er sie nur vermuten konnte. Und dis Mi- nuten, die kostbaren Minuten verronnen und er sand sie nicht.

Vielleicht ist sie doch mit den anderen Frauen fort und wir sie nur nicht gesehen," tröstete ihn Asmussen, dem das verstörte Gesicht des Freunde- genug erzählte. HeiL, hörte kaum üvrt also, ohne Abschied, ohne ein letztes Wort, -- tat Zorn ne- schieden und in Bitterkeit... u

Mit einem fauchenden Laut sprang der Wind von der Küste auf und peitschte den Neben auseinander. Wie eilt boslmstcs Lchlangenauge blitzte das Blinkfeuer von Rockv Hell herüber zu dem todgeweihten Schiff. Und der Wind wuchs zum Sturm und von den schwachen, überfüllten Booten, wie viel würden d-e Küste erreichen? Und wer sollte Hilfe bringen für die todes­mutige Besatzung des Schisses, um dos die Brandung stieg?

Heiko Tenhusen dachte nicht mehr an Rettung. Gedankenlos pruste er das Wachsen der Flut um das Schiff dessen Deck die Sturzseen überspielten. Ties geneigt hrng es an dem tödlichen Rrff. Und die schwere, traurige Silvesternacht deckte die grausige Zerstörung.

Heiko fuhr sich mit der Hand über die Stirn. Er fieberte wo!?!. Lächerlich! Seine eigenen Gedanken narrten ihn Aber das Bild war nickst zu verscheuchen, das Bild der Frau^ die in tiefster Ruhe da vor ihm saß die Hände um die Knie ge­schlungen, das schöne, weiße Gesicht ihm zugekehrt, und ein ruhiges Leuchten in den Augen.

Möve," stammelte er und starrte sie an wie eine Erscheinung.

Ja," nickte iie lächelnd.Nun durstest du mich schon finden. Nun kannst du mich sa nicht mehr zwingen, mich von dir zu trennen und mich allein zu retten. Ich habe so gezittert, daß du mich finden könntest, vorhin. Aber du sahst mich im Tunkeln nicht, Gott sei Dank. . ."

Möve, Möve," sagte er fassungslos.warum tust du das?"

Siehst du, Heiko," antwortete sie, immer in der gleichen, stillen Fröhlichkeit.Ich war so tief in deiner Schuld. Taß ich mit dir leben könnte, das darf ich dir nicht mehr beweifeik, weil ich damals zu feig dazu war. Aber sterben kann ich mit dir, Heiko, das kann ich, das will ich, das mußt du mir schon er­lauben ..."

Möve," sagte er, und plötzlich lag er vor ihr auf den ftnieii und hielt ihr leuchtendes Gesichtchen in beiden Händen und küßte ihren blassen Mund mit (eineu verdursteten Lippen.Möve, Mvve, wir feiern doch unser Neujahrsfest, so schön kommt kein Glück, um im Jammer zu enden. .

Aber sie horte ihn nicht mehr. Sie wahr ohnmächtig geworden.

Als sie wieder erwachte, lag sie in einem hellen, kleinen! Zimmerchen, in dem ein tüchtiges Feuer prasselte, eine vergnügte, kleine Frau stand am Fußende ihres Bettes und nickte ihr strah­lend zu, neben ihr stand der Schifssarzt mit der Uhr in der Hand und ja! Neben dem Bette kniete Heiko, verwildert' wie ein Stromer, ober mit lachenden Augen, glücklich wie ei« Kind.

Sic besann sich nicht gleich, ihre Gedanken flatterten noch wie Sommervögel burdjeinanber.Heiko," murmelte sie und legte die freie Hand auf sein geliebtes Haupt.Sterben ist so schön. . ."

Wunderschön!" bestätigte der Arzt bereitwillig und steckte die Uhr ein.Aber leben ist noch viel schöner. Ich würde es ein­mal erst damit versuchen! Glückliches Neujahr, gnädige Frau!"

Das Grakei'püNiöffekchett.

Eine heitere Neujahrsgeschichte von Alwin Römer, (Nachdruck verboten.)

I.

Durch die Breite schneeglatte Waldstraße klingelte ein Schltttenfuhrwerk. Heinz Duveneck, der aus der Großstadt plötzlich zur Siellveriretung eines reiselustigen Oberförsters reiher ur die Waldstille versetzte Forstassessor, saß in seinen btuen Pelz gemummelt, verdrießlich Dann, um von der tomnten n°*^ 00r ^eud an seinen Bestimmungsort zu

Welch ein behördlicher Unfug, einen so lebenslustigen Kerl rote ihn just zur Jahreswende ans allen sieben Him- meln des Vergnügens zu reißen! Für neun Bälle hatte 'l Einladungen gehabt und rein närrisch waren die hübschen Mädels hinter ihm her gewesen. Nun konnte er in diesem Eulenwinkel sitzen und Trübsal blasen! Das neue Jahr fing, bei Gott, großartig an!

Schade, daß er sich nickt wenigstens in eine der reizen- ben Großstädterinnen ernsthast verliebt hatte! Da wär' ihm doch jetzt ab und zu mal ein tröstliches Briefchen ins erusame Horsthaus geflogen! Wer er halte denrechten