Ausgabe 
31.12.1908
 
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Dsnnmtag den 3l- Dezember

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6

Kl

Jahreswende.

SilveMr-Roveltette »an Thea von H ar b o n.

(Nachdruck ve.boten.)

..Meine Gnädigste?"

Möve Hudstone fuhr Wlfamme« und sah tieriuiri't xu Kapitän vvn der Hcyde auf, der, das volle Puiischglas in der erhobenen! Hand, sich über de» Tisch zu ihr neigte.

Auf ein fröhliches Neujahr!"

Von allen Seiten streckten sich ihr die Gläser entgegen, beim alle liebten die Karte, junge Frau in Trauer, die mit ihrem rührend hilflosen Kinderlächeln auf die guten Wünsche antwortete, alle fühlten sich verpflichtet, ihr ein herzliches Wort zn sagen. Man hielt ihr verwirrtes Erschrecken für ein Auffahren aus traurigen Erinnerungen und mühte sich, ihr über die gnälenden Gedanken der letzten Jahresstnnden hinwegzuhelfen.

Aber Möve Hudstone dachte nicht an den Tod ihres Gatten, Hwch an den Abschied von der zweiten fgcintnt. Sie dachte an einen Silvesterabend, wie lange war das her? mein Gott, vier fünf Jahre! Da war drüben int alten Lande ein Stübchen voller Kerzenschein. Denn sie hatte den Christbaum wieder angezündet. Und die Fenster standen offen es war eine milde, friedliche Nacht. Und sie stand mit dem Manne, dessen scharfgeschnittenes Profil sich jetzt regungslos gegen den lichten Hintergrund abhob, Schulter an Schulter im Erkerchen, und sie warteten auf Milter-- tzacht. Und sprachen beide kein Mort. Mer dann ....

Möve Hudstone schlost die Augen.

Und ein Jahr später....

Ist Ihnen nicht nwhl, gnädige Frau?" fragte Leutnant As- Missen Plötzlich neben ihr, und die besorgte, herzliche Frage nahm ihr den letzten Nest ihrer mühsam behaupteten Fassung. Blind vor Tränen stand sie ans und tastete nach dem zarten, indischen Tuch, das sie um die Schultern zu tragen pflegte. Fred Asmussen gab eS ibr.

Ich danke Ihnen," stammelte sie tonlos.Und verzeihen Sie mir, ich kann nicht mehr. Ich hoffe, die Luft wird mir gatt tun . . ."

Unwillkürlich hatten sich alle erhoben, auch Heiko Tenhusen. Mer in seinem harten Gesicht rührte sich nichts, als die junge Frau an ihm vorüberging.

Möve Hudstone hatte lange allein an der Reeling gestanden sind sich vom Wind die heitzcu Augen kühlen lassen. Nun war es seltsam still geworden in Luft und Meer. Es Nebelte.

Fred Asmussen hatte die junge Frau bald entdeckt, als er mit dem Freunde heranfkam.Hundewetter, elendes! Pardon, Meine Gnädigste!" sagte er und schnupperte wie ein Jagdhund.

Ist denn Gefahr im Anzug?" fragte Möve Hudstone sa,t unbewusst.

Gefahr? M»er keine Spur, meine Gnädigste! beruhigte Fred Asmussen mit seinem hübschen Spitzbubeulächelu,Sie dürfen ganz vertrauensvoll ins neue Jahr hinüberschlafen, wenn Ihnen die Sirenen keinen zu bollen Spektakel machen. Aber bat Helpt M ntch!. Also rM gute Nacht l" , v

Gute Nacht!" sagte Möve dankbar und drückte dem junge« Offizier die biedere Seemwmstatze. .Als sie dann auch Tenhusen die Rechte bieten wollte, liest sie sie auf b-ent halben Wege nnebet sinken, erwiderte seine straffe Verneigung mit einem Senken des blonden Kopfes und schritt müde die Treppe zu ihrer Kabine hi«» unter.

Asmussen schob seinen Arm in den des Freundes und seufzte melancholisch.Armes, blasses Frauchen!" meinte er. Als er ferne Antwort bekam, sah er auf.Mensch, wie sehen Sie den« aus? Wie Grünspan, pfui Deibel! Fehlt Ihnen 'was?"

Nein," sagte Heiko Tenhusen lakonisch und schraubte an seinem Rachtglas.

Asmussen zog d« Augenbrauen in die Höhe und dachte sich! das Seine. Aber er schwieg.

Der Nebel lag über dem Wasser wie eine greifbare Lasch nur mühsam schoben die Positionslaternen ihre Lichtkeile in dm graue Dämmerung. Unheimlich warnten die Signale der Sirenen, »nhetmlicher noch klang die Antwort irgend eines vorbeigleitenden Fahrzeugs, das man nur hörte, nicht sah.

TieHelgoland", ging. mit. halber Fahrt. .Kapitän von dec HeNde wechselte mit seinen Offizieren ein paar ernste Worte. Keiner dachte ans Schlafengehen. Die abgelöste Wache blieb in beti Kleidern.

Ruhe tut Schiff.

Heiko Tenhusen aber ging ruhelos auf und ab, die Hände in den Taschen vergraben. Er überzeugte sich mit eigenen Augen, daß die Retinngsbote misterbords klar zum Tieren waren, und sprach mit der Wache. Irgend ettvas hatte die'Ruhe in ihm aufgse peitscht zu siebenider Spannung, und nun wartete er auf die Gefall die er fühlte, wie ein alter Soldat die Schlacht voransahnt.

Plötzlich, mit einem Ruck, verhielt er den Schritt. Tief hinein- gedrückt in den Schatten vor ihm lehnte eine dunkle Gestalt, als- ob sie ihn erwartet Hütte.

Heiko Tenbnsen wollte rede«, aber die Erregung packte ihm wie eine würgende Faust nach der Kehle. So griff er stumm nach der Mütze und wollte weiter. Aber die Fran fand endlich das

erlösende Wort.

Nur drei Worte," sagte sie tonlos.Nur einen Äugenvltck, Ich ertrage das nicht länger. Ich bin müde, o mein Gott, wen* Sie ahnten, Heiko, wie müde mich das Leben gemacht hat., Aber ich will frei werden von meiner Schuld, so iveit daö möglich ist. Ich will diese Last nicht mit hinüberschleppen, in das neue Jach: was übrig bleibt, ist noch schwer genug.... He--ko, verzerheA

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Er stand regungslos.Was soll ich Ihnen verzeihen.? fragte er und sah über sie hinweg.Daß Sie ein Leben nk Reichtum und Beguemltchkeit einer ungewissen, kleinen, sorgenvolle» Existenz vorzogen? Das habe ich vollkommen begrifsen. Mr. Hudstone bat den Vorzug der sicheren Gegenwart und seiner Millionen, ich den Nachteil der Dienstrersen und der Armut. , Jte Entscheidnng war einfach und daran ist nichts zu verzeihen.

Das meinte ick nicht," murmelte sie, und ihre seinen,, blaffen Hände falteten sich krampfhaft.Ach, Heck». . -

Und das findere/-' fiel er thr silzraffM Mort, imb_ |iiti5_