Ausgabe 
31.8.1908
 
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Montag den 3V August

1908

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Der Dorfkönig.

Roman von Karl Böttcher.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Hennig reichte ihni die Hand :Das ist brav, Hertz Gutter- niann. Wenn viele so denken, dann hat keine Gefahr um unser Vaterland!"--

Diese Unterhaltung hatte die Herzen der beiden Männer näher gebracht, und als man auf Hugos Zukunft zu sprechen kam, unterhielten sie sich wie alte Freunde.

Hugo klagte, das; sein Lieblingswunsch, zu studieren, am Starrsinn des Vaters zuschanden geworden sei und er nun ver­urteilt wäre, zu verbauern. r t .. .

Wenn Sie so denken, vom Landwirtsberuf, dann und ©te zum mindesten falsch unterrichtet. Ich beneide Sie um Ihr zu­künftiges Leben. Sehen Sie, wo kann ein Gemüt, das Sinn für Poesie und Natur und Schönheit hat, mehr Genugtuung sin- ben als verzeihen Sie dieses anscheinende Paradoxon als bei einem gebildeten Bauer. Ich bin ja ein Großstadtkind durch und durch, und beim Großstädter, beim waschechten, erstarrt nach und nach der Natursinn. Aber diese herrliche Natur hier wirkt auftauend, und wer je Herz und Gemüt, besessen,, dem muß es doch hier, inmitten dieser Wälder wohlig und frei zu Mute werden. Sie werden nun hcreingesetzt wie weiland Adam ins Paradies. Sie können sagen: All das ist mein, ich kann darin schalten und walten wie ich will, das ist mein Reich, meine Heimat. Nicht bloß ein Gut soll Ihnen gehören, nein, ein ganzes Dorf, und gerät auf dieseni Felde die Frucht nicht, so auf einem anderen um so besser, also die kleinlichen Sorgen, die den kleinen Landwirt sonst ängstigen und niederdrücken, bleiben Ihnen fern. Und mitten in aller Natur können Sie noch Ihrer Wissenschaft, dem Kunstschönen huldigen, nicht doktriert und ge­zwungen, sondern frei und nach Ihrem eigenen Willen! Sie können ein glücklicher Mensch werden!"

Und das will ich werden, Herr Baumeister! Ich bin Ihnen unendlich dankbar für Ihre Worte, und jetzt erscheint mir meine Zukunft in ganz anderem Lichte, und was ich bis jetzt für ein Opfer gehalten habe, das ich mdinem Vater und und --noch jeutandem

Er stockte. Heber sein hübsches, frisches Gesicht zog ein vem klärender Schimmer. Vor seiner Seele stand wieder das Bild jenes blondlockigen Mägdleins mit dem knospenden Busen und den blitzenden Augen und weißen Perlenzähnchen.

Die drei schwiegen. Gin jedes hing seinen Gedanken, nach.

Von der Scheune herüber ttang ein Lied von den Italienern gesungen. Es mußte ein geistlicher Sang sein, denn die Worte ave Maria" wiederholten sich.

Morgen ist Palm'arum," sagte Hugo.

Und nächsten Freitag kommt Otto, auf Urlaub," fügte «orene hilWU.

Dann waren sie wieder still...

Unten cm der Mühle, wo der Fluß die Biegung mdcht und der Fels gerade aus den Fluten em'porstrebt, liegt mitten int Wasser eine winzige Insel, die mit trockener Heide und üppigem Gestrüpp bewachsen ist,--und dort auf der Jusel lauschte

auch jemand dem Monotonen Gesang der Italiener.

Erika Gnitermann war es, die jüngste Tochter aus dem Herrenhause. Sie hatte sich wohlig, auf das Moos hingestreckt und die Arme unter dem Kopfe verschränkt. Mit halbgeschlossenen Augen blickte sie in des Himmels düsteres Blau, ließ den Blick den kleinen Wölkchen folgen, die sich schäkernd haschten und wieder trennten, oder sie suchte nach dem flimmernden Abendstern, der bald aufblitzte, bald wieder verhuschte.

Erika trug offenes, schwarzes Haatz, das ihr im' Verein mit den mandelförmigen, tiefdunklen Augen und dem bräunlichen Teint etwas Südländisches verlieh. Für ihre 15 Jahve war sie un­gemein stark entwickelt, doch int Herzen war sie noch ganz Kind.

Plötzlich hob sie lauschend den Kopf: dem Wasser entstieg ein Plätschern und Knirschen. Am Ufer drüben schob sich vor­sichtig eine weiße Gestalt hin; unheimlich hob sie sich von dem düsteren Schwarz des Felsens ab.

Erika lächelte. .

Die Gestalt trat jetzt behutsam in das Wasser und von ©teilt zu ©teilt steigend, kant sie zur Insel.

Herald?" rief sie leise.

Siehst du, Erika ich halte Wort!" c entgegnete der Mullech bursche gedämpft und warf sich dann ohne weiteres neben der! Herrentochter auf das Moos.

Wie ein Gespenst sahst du aus, Herald, als du aut Felsen hinkrochst." .

Es gibt auch gute Gespenster," meinte er trocken, dann blickte er, wie seine Nachbarin, träumend nach dem Himmelszelt.

Erika bewegte jetzt ihre Hand und tastete suchend nach der Heralds. Nachdem sie sie gefunden, ballte sie ein Fäustchen und kroch damit in des Müllerknappen große, schwielige Hand, die dieser willig öffnete.--Weit unten am Flusse, wo an der

Steinbrücke das kleine Häuschen mit dem breiten Dache stand­schob sich der volle Mond herauf und saß dann oben auf deM Dachfirst.

Erika blickte unverwandt in die goldene Scheibe.

Sieh mal, Herald, Luna reitet auf dem Dache."

Wer ist das: Suita?"

Ach du Dummer! H der Mond!"

So.-- Alle Leute nennen mich dumm: Der Elan,

der Obermüller, der Herr---und nun auch noch du,

die Erika.--Ach!" Er seufzte. .

Das schnitt der Herrentvchter ins Herz, und sie löste ihr Fäustchen aus Heralds Hand und streichelte über seinen Arm'.

Siehst du, Erika, wenn der Elan und der ObetmiUter und der Herr mich nennen: du Summer, das ist mit egal,: denn wozu hat mir der liebe Hervgott zwei Ohren geschaffen!; Aber wenn du mich dumm schiltst,--du, das tut mir wehetz

wie die gröbste Ohrfeige voM Obermüller!"

Ich habe es nicht so gemeint, Herald. Woher sollst du auch, wissen, wer Luna ist!. Bitte nimM mirs nicht Übels":