Ausgabe 
30.12.1908
 
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und sah nach einer halben Stunde den Elsenöahndamm und die Gebäude einer Station in dem Heller und Heller heranfsteigenden Morgen auftauchen.

Wie ich gleich in Erfahrung brachte, ivar es die gesuchte Station Jakechi.

Ich kann wohl behaupten, es war einer der glücklichsten Augenblicke meines Lebens, als ich in Schlveiß gebadet die Station betrat. Nicht daß ich die Empfindung hatte, ge­rettet zu sein, dazu hatte ein Gefühl der Furcht gefehlt, das ich während meines Nachtmarsches nie gehabt hatte. Aber ich empfand, daß etwas seltsam Unbequemes, Unheimliches, Ungewöhnliches hinter mir lag, dessen seelische Torturen unerträglicher waren als die leiblichen Qualen des Durstes, der Erschlaffung und der Blindheit in der unendlich er­scheinenden Nacht, und ich fühlte eine so innige Freude am Dasein, an den Menschen, an allem, wie sie nur ein Genesen­der nach schwerer Krankheit fühlen kann. . .

Bon dem Rittmeister der Station, der von seinen Kame­raden von Albrecht nicht das geringste gesehen hatte, wurde sofort die Schwadron alarmiert, und nun ritt man in aller Eile zu der Stelle, wo das Auto im Sumpfe stecken ge­blieben war, und den vereinten Bemühungen gelang es, den Wagen wieder aufs Trockene zu bringen. Mit dem hilf­reichen Rittmeister als Ehrengast au Bord ging es dann zusammen mit der eskortierenden Schwadron nach Zakechi zurück, wo sich schließlich auch der Rittmeister von Albrecht ernfand, der von seinem Führer weit in die Irre geführt worden war. C. W.

Vermachtes.

* nitten. Einen ergötzlichen Uebersetzungs- schnitzer > der Briefkasten in der Kladderadatsch- Nummer zur weiteren Verbreitung: Die Münchener Neueste» Nachrichten hatten die Meldung gebracht, daß Kaiser Wil- helnl am letzten Abend in Donaueschingen den Grafen Hülsen-Häseler geschnitten habe. Diese Nachricht gibt der PariserTemps" in seiner Parlamentsausgabe (Le Petit Temps") auf Grund eines Telegramms seines Berliner Korrespondenten folgendermaßen wieder:Enfin le jour mßme a Donaueschingen l'empereur aurait blessö le ßetter«t de Hülsen-Haeseler L table en manoeuvrant son couteau".

* Eine tragikomische Brandgeschichte hat sich, laut Berl. L.-A. in Tittenkofen in Niederbayern zuge­tragen. Dort brach abends 8 Uhr in einer Scheune ein Brand aus, die Feuerwehr löschte ihn und erhielt dann Frei­bier im Gasthaus, zu dem die Scheune gehörte. Nach drei Stunden ertönte von neuem Feuerlärm. Diesmal stand das Gasthaus, in dem die Feuerwehr weiterlöschte", selbst in Flammen uitb brannte trotz abermaliger Bemühungen der Löschmannschaft total nieder.

* Ein wirksames Mittel zur Stabtverschö- n e r u ti g. Der Magistrat zu Frankfurt a. O. veranstaltet etttett Wettbewerb zwecks Erzielung geschmackvoller Haus- fassaden. Zur Prämiierung der drei besten einer Auszeich- nung für würdig befundenen Bauten werden 1000 Mr. seitens der Stadtgenteinde zur Verfügung gestellt. Die Prämien erhalten die Bauherren, nicht die Architekten.

/' T e tusche Frofchschenkel i» Paris. Zn dein unter diesem Kopk erschienenen fleincn 9lrttfel schreibt man der Köln. Zkg. ans der Ptalz:Ym Nahem, niib hier in der Pfalz werden die Frosche sowohl wr den deutschen Verbrauch als auch für Frankreich gefanaen, Für die Ausfuhr nach Frankreich sammelt man sie lebend in große Säcke; die Aufkäufer verschicken sie so nach Meß. und von dort aebt d-e Reise nach Paris. In Frankreich selbst sind die Bestände durch die labrbnnderielange Vertilgung fast verschwunden; dort wird der rvroichfcmg fast nur mehr von Sportliebhabern mit der Ange! tut Sommer ansgcübt. Der reife eßbare Frosch tat ein Alter von 5 bis 6 Fahren, er wird in Deutschland in der Laichzeit, vorwtegknd im Btärz, gefangen. Darans ist leicht zu ersehen, welcae großen Verwiistnugen ein eifriger Froschjäger in einigen Fahren anrichteh Der Franzose ißr vont Frosch die Schenkel und einen Teil des Sinckens, der Deutsche dagegen begnügt sich mit den Schenkeln. Froschfänger, die für den deutschen Feinschmecker arbeiten, niachen ihre Waren sofort beim Fang sachgerecht fertig, d. h. schneiden gleich dte Schenkel ab. Nun gibt es viele rohe Froschfänger, die st.7 m1 Muhe nehmen, brn Frosch vor der Amputation zu toten,, sie schneiden.die Schenkel ab und kaffen den zuckenden Sterner« reft liegen, Srer tut März durch ein Wiesental gekommen ist, wo

solch em Rohling gewütet hat, und wo hmtderte zuckender, ver. stununelter Froschkorper liegen, wird den Herrn der Schöpfung nicht beurteilen. Ader auch wer einmal einen Trans­port Frosche, lebend ut Sacke verpackt, gesehen hat, wird den trau­rigen /Anblick., der beweglichen Sackmaffen nicht leicht vergessen. Was immer übersehen wird, ist, daß der Frosch - wie die Kröte! Gtbecltje utib Blindschleiche - wegen der Massenvertilmmch die er att Insekteii und Insektenlarven vornimmt, zu den nützlichsten Tieren der Landwirtschaft zu rechnen ist. Darum sollte der Frosch tute es bet beit nützlichen Vögeln längst geschieht durch Gesetz geschützt und es verboten werden, ihn zu sangen. Vorher jedoch sollten dis Tierschutzvereme sich des zierlichen Quäkers tmd JnsekteusiinaerS annehmen." J

Der Aermel der Japanerin. Der Aermel am Kleid der Japanerin ist etwas lebendiges; er nimmt teil an ihren Freuden, an ihren Smmevzen, er spendet der Trcmrigew er ist em H-reuud, dem man Geheimnisse anvertraut.

CM Japanerin m den Aermeln ihres Kinwnos ctue flro&c Falte,Kataage" genannt, und diese Falte wird erst ent­fernt, . wenn das junge Mädchen Frau wird. So kündet bie Veränderung ihres Aerrnels der Schönen von Nippen ein neues an. Sie wird nun schweigsamer und träumerisch; sie ver- giM ihr Klnderlachen, und sie vertauscht ihr Helles leuchtendes Klew mit. entern dusteren, einförmigen Gewand. Im Eheleben begiimetk ihre Sorgen und ihre Schmeißen, und tu dem mono« ^ueu Gleichklatig ihrer Stunden ist der Besuch der Feste und des Theaters der einzige belebende Wechsel. Dem Aermel vev- traut die Japanerin, ihre tiefften Gefühle, ihr .Hoffen, Sehnetti und Sorgen. Der Aermel hat ihre heißen Tränen getrunken-, und darum haben die Dichter ihn in unzähligen Liedern be ungen, Charles, H. Laurent führt in einem Aufsatz der Jndependenee Beige einige tapantsche Lieder zum Preise des Aerrnels an.Dev ungerannte Fels, verloren im weiten Meer, tuirb unaufhörlich bfspull. von den Wellen; so ist auch mein Aermel, allen fremden Augen fein, nicht einen Augenblick trocken."Tränen lmben, meine Aermel getränkt; fragt man mich, warum sie so feucht, find, so antworte, ich, es ist der Regen des Frühlings/' ..Nun tch nicht mehr bett sehen kann, den ich liebe, wollte ich, der Mond werfe seinen Schein auf meine Aermel, die von meinen Tränen: glanzen." Diese tiefe Melancholie des japanischen Frauenliedes spiegelt ihre liebessieche, sehnsüchtig schwere Stimmung in denk tranenbenetzten Aermel wieder:Im Herbst sieh, alles so traurig! aus, und Tränen nässen die Aermel mir selbst dann, wenn ich tn den Glanz der sinkenden Sonne schaue." Ihrem Aermel er» rahlt die Japanerin von ihrer Liebe und von ihrem Leid, von des Frühlings heiterem Blühen tmd traurigem Enden:Noch traut/ ich nicht um den Frühling, der endet, denn noch sind meine Acrmek ganz gesättigt von dem Duft der Pflaumenblüten."Traurig bin ich, daß ich diesen Kimono aülegen muß, dessen Aermel durch­duftet sind von einem süßen Geruch, aber die Jahreszeit läßt nicht mehr zu, daß ich ihn trage."Zwei Aermel, die eiuaitdea streifen, sind zwei Herzen, die sich in Liebe begegnen." So sagt em altes Sprichnwrt: Die Berührung der Aermel ist die Folge eines Herzensöandes, geschlungen in einem früheren Dasein." Für die Geisha ist der Aermel das ausdrucksvollste Zeichen ihrer Liebe. Man sagt zwar von ihren Aermeln, daß sie weich- seien uub weit und wehend im Wind, aber sie sind auch fchwer und stark in ihrer verführerischen Lockung und ihrer festhaltenden Leideinchaft. Der Aermel ist die Seele der Geisha: sie würde ohne ihre langen Aermel, die fast auf der Erde schleifen, die den Bewegungen ihres zierlichen Körpers die Fülle verleihen, in ihrer üppigen Grazie einbüßen: sie würde im Tanz ohne sie ihre Liebe, ihren Schmerz, .ihre Scham und ihr Lachen nicht aus-- drücken können. Wenn die Japanerin alt wird, dann werden die Aermel ihres Kimonos immer kürzer und mit der Beweglichkeit ihres seelischen Fühlens schwindet die Ausdrucksfähigkeit deS Aev- mels. Erst am Tage ihres Todes, in ihrem weißseidenen Sterbe« kimono ist sie zum leistenmal angetan mit dem langen Aermel ihrer Jugend, der sie wie ein treuer Freund in den Tod geleitet-

- Aus der Schule. Professor (zum Primaner, der f rt- wahrend gähnt,:.Müller, ich bemerke, daß Sie andauernd gäh­nen. Das tun Sie nut, um mich zu ängern." Müller;Rein? Herr Prosestor, ich gähne nur ganz willkürlich."

Homonym»

Das beutfebe Hans int Bild

Vor Augen er dir führt, Ein Künstler, geisteriülit. Dem Ehr' und Dank gebührt, Doch fürchtest btt ba§ Wort, Fühlst btt dich fchuidbewußk; Auch trägst du's fort und fort In deiner eignen Brust. h&,

Auslösung in nächster Nummer,

Auflösung des Rätsels in voriger Nllnkmer;

M eer Meter.

Redaktion- E. Anperu» n. - ÄormwEruck und Bertas <*» Brüh!Ich«- Untee<litiU»-»uc&» und Sleuidruckeeet. R. Lang;«- Gießen.