Ausgabe 
30.12.1908
 
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mich zur Königin zu haben, so Sitter büßen mußtenh. ein kleiner, rundlicher Fleck. Das ängstigte mich schwer.

Zwar keimte binnen wenigen Tagen aus ihrer Fußsohle ein kleiner rundlicher Fleck. Das ängstigte mich schwer und ich erzählte Sir John, was ich von dem Panther- dienst der Sanduks wüßte. Marys Vater befragte sogleich den Leibarzt des Radschas. Der erklärte, nur derselbe Fakir, der die Wunde geritzt, könne sie auch wieder heilen; nur er besitze das nötige Gegengift. Da rief Sir John die Freundschaft des Radschas an, und dieser kargte nicht mit seinen Mitteln; aber weder die Streifzüge der Ghasi- Huris noch das Versprechen einer königlichen Belohnung erreichten ihren Zweck. Jener Zauberer blieb verschwunden, als hätten ihn Wölfe anfgezehrt, als wäre er in die Lüfte zerflogen. Er war ttntergetancht ut die ungeheuere, dunkle Volksmasse Indiens, und da hätten ihn alle Residenten des Reiches nicht hervorzuholen vermocht.

Hub nun kam Alexis Bnroff, der reiche, fröhliche Mossy-, lotter, nach Ghasipur. Er reiste zu seinem Vergnügen, obwohl viele Engländer in ihm einen russischen Spion erblicken wollten. Seine gesprächig gewinnende Art, sein breites, .männliches Gesicht, seine Stattlichkeit and Kraft nahmen Mary gefangen. Sie wurde Russin; sie hieß von nun an Maria Iwanowna Bnroff.

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Ich hegte, Sahib, die geheime, törichte Hoffnung, daß dieser große Wandel in Marys Leben, da sie aus einem Mädchen ein Weib, aus einer Britin eine Moskowiterin, ans einer Tochter der Hochkirche eine Anhängerin des griechischen Glaubens geworden war, dem bösen Zauber nachhaltig eutgegenwirken würde. Sie selbst muß etwas Derartiges empfunden haben, ohne es sich zu gestehen. Sonst hangen ja die Briten allerdings lvar Mac Laren ein Irländer so fest an ihrem Volke. Sie aber sehnte sich glühend danach, gleichsam umgepflanzt zu werden irr einen ganz anderen Boderr. Mary, die der Dolch des Fakirs berührt hatte, sollte vergessen sein.

In den ersten Jahren schien denn anch die Nachwirkung der winzigen Wunde so gering, daß ich Hoffnung schöpfte, sie lvürde allmählich ganz verfliegen. Dann aber kam die erste Abkühlung über Marys Liebe. Burofs hatte sich einen Rausch angetrunken und war sehr häßlich zu ihr. Meine Herrin erregte sich furchtbar; und am nächsten Morgen waren ihre Füße bis zu bett Knien mit schwarzen Pont herflecken gesprenkelt.

In Todesängsten stürzte ich 3,11111 Arzt. Er fühlte sich der unheimlichen Erscheinung gegenüber vollkommen ohne Wissen und Rat. Denn was er da sah, stand eben außer allen Beziehungen zu seinen Erfahrungen, zu seiner Kunst. .Er nannte die Namen einiger berühmter Gelehrter des Westens, die vielleicht ... vielleicht , . . von der Sache etwas verstehen würden.

Nun konnte ich mich nicht enthalten, alles zu erzählen, was der Padhau damals gesprochen hatte, und auch Mary hörte es mit, mehr Staunen als Erschrecken zum erstenmal. Der Arzt belächelte die Pcmthergeschichte als ein albernes Märchen; doch hielt er es für möglich, daß mit dem Werkzeug des Fakirs ein unbekanntes Gift in die Haut gedrungen sei.

Burofs mußte jetzt die ganze Sache erfahren, damit er sich entschlösse, mit seiner Gattin die großen Aerzte Westeuropas anfzusuchen.

Da gab es aber einen entsetzlichen Auftritt. Sein voller, brandroter Bart sträubte sich vor Zorn: ,Uitb das hast du mir verschwiegen; mit diesem Gift in den Adern hast du mich geheiratet! Er schien Angst zu haben, daß etwas von der tückischen Bezauberung auch auf ihn über­gegangen sein könnte.

Danach machte er sich auf und brachte Mary zu den weisesten Doktoren in Berlin, Wien, Paris, London. Aber es vermochte ihr keiner zu helfen. Wahrlich, ich hätte die Kunst der Abendländer für größer' gehalten s

Eines Tages sagte der Russe zu mir: ,Moti, du kannst von heute an mit deiner Herrin zusammen hausen. Wir werden uns fortan nur bei Tische sehen. Im Vertrauen,- Ayah, es ist nicht allein dieses Fortschreiten der Panther- haut, was.mich so abstößt. Mir ist manchmal, als ginge, ein Dunst von ihr aus, wie er wilden Tieren eignet/

Mary trüg eng am Halse schließende Kleider und zu jeder Zeit Handschuhe. Sie war tapfer und lächelte dem Schicksal ins Gesicht.

Aber cS kam ein Morgen, da sich unter ihrem linken Ohr Ihr wißt noch, Sahib, was für süße, rosenfarbige! Oehrchen sie besaß ein kleiner dunkler Fleck bemerkbau machte. Kein Puder, keine Schminke, kein indisches Wasser konnte den Fleck zum Weichen oder auch nur zum Er­blassen bringen.

In meinem Ringe verwahrte ich seit jeher ein selteues',- kostbares Gift, wie es die Singhalesen auf der Insel Ceylon geheimnisvoll zu bereiten toiffeit. Es tötet, bevor man Zeit gehabt hat, mit der Wimper zu zücken.

, Sie hat es mir abgeschmeichelt. Ich erkannte, daß ich ähr nichts Besseres antun könnte, als ihrem Flehen Gehör zu schenken. Und da ich sie immer geliebt hatte, so gab! ich ihr das Gift. Ihr werdet mich nicht verraten, Herr. Wenn ich erst einmal in meiner Heimat bin, daun dürft Ihr davon sprechen. Denn ich leugne es nicht, daß ich! meinem Pflegling, meiner Mary, zur Erlösung verholsen habt:. Dieses Bewußtsein wird der einzige Trost meines öden und elenden Alters fein."

EinePanne" in der mongMschm Stepps.

Unter dem TitelIm A n t 0 u m d i e W e l t" veröfsent- licht dieser Tage im Berlage von Ullstein u. Co. der Ober-- leutnant Haus K 0 e p p e n eine ausführliche Schilderung seiner von so großem Erfolge gekrönten Antomobilfahrt Newyyrk-Paris", die er in einem Protos-Wagen auf ein Ausschreiben desMatin" unternahm. Er ist nach sechs­monatlicher Fahrt nach mannigfachen Mühen und Fährlich- keiten vor seinen amerikanischen und italienischen Mitbe­werbern als erster ans Ziel gelangt. Um die fast unüber­windlichen .Hindernisse, mit denen er zu kämpfen hatte, recht anschaulich vorzuführen, greifen wir aus dem reichen und spannenden Inhalt eine Episode in der mongolischen Wüste heraus. Es war in einem nördlichen Ausläufer der großen Wüste Gobi, als das Auto durch große sumpfige Wiesen an der Weiterfahrt gehindert wurde. Bei dem verwegenen Versuch, mit einem tüchtigen Anlauf durch einen quer über den Weg fließenden Bach zu kommen, brach die Vorder sedeu des 'Wagens, und die Hinterräder blieben unrettbar ins tiefsten Schlamm stecken. Ohne Hilfe war nicht heranszu- kommen, und so erklärte sich denn der Rittmeister von Al­brecht, der auf Befehl des mandschurischen Generalgouver- ueurs Tschitschagofs den Wagen begleitete, dazu bereit, die in dem nicht allzu weit gelegenen Ort.Jakechi stehende Schwadron zur Hilfeleistung zu requirieren. Gegen 1 Uhr mittags machte er sich auf den Weg und . konnte vor 5--<i Uhr nicht zurück sein.

Allein geblieben", so erzählt der Verfasser lueiier, be­sahen wir uns noch einmal genau die 'Geschichte, versuchten dies, versuchten das, es war unmöglich, mit unseren ei­genen Kräften auch nur beit geringsten Eindruck auf den fest im Schlammbad sitzenden Wagen zu machen. Da schien uns ganz unerwartet Hilfe zu nahen. Als wir noch ami Auto herumbastelten« gewahrten wir eine Karawane, dis aus uns zukam und unfern Engpaß zwischen den moorigen Wiesen passieren mußte. Es waren russische Auswanderer, die mit Pferd und Wagen, mit Frauen und Kindern, mit Sack und Pack ihres Weges zogen. Wir bemerkten dann lei­der auch bald, daß die männlichen Mitglieder der Schar betrunken waren; sie erklärten sich aber doch bereit, zu dem' festen Satz von 10 Rubeln das Automobil ans dem Bach­graben herauszuschaffen. Aber ihre kleinen, abgetriebenen Gäule konnten, so hageldicht auch die Hiebe fielen und so fürchterlich das Geschrei klang, ebenfalls auf das feitsitzends Auto keinen Eindruck machen, und nun glaubten die Leute, auch für den mißglückten Versuch die vereinbarte Prämie beanspruchen zu können. Ihr Benehmen mürbe immer dreister, ihre Forderungen immer frecher; wir dachten abM