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Mttwoch i>M Zo. Dezember
letzt aber ergreift man sie ititb schleppt sie in jenen Teil oes Term, des fieberdünstevde« Sumpfwaldes, durch de» der göttliche Panther seinen Weg zur Tränke zu nehmen gewohnt ist. Man bindet sie Lt fest «7 eine« Baum und überläßt sie daun den Zähnen des Gottes
, der alte Asse von einem Padhan seine'Rede ge- brach dao versammelte Volt — denn es waren inzwischen SandutS aus allen Dörfern de§ Tales zusannneu- ~~ 'n mißtönende Jubelrufe aus. Mary, diese fuße Törrn, wähnte offenbar, man wolle sie zur Königin ausrufen. Sie dankte mit einer stolzen Bewegung des Hauptes. Da wiederholten die Gelben ihr krächzendes, Freudengeschrei. Und schon nahte der Zauberer des Tales, in- war kein Sandukmann, denn seine faltige baut dunkelte ivie unter schweren Schatten. Woher er stammte, habe« w -nie t» Erfahrung bringen können. Seinen Kops umhüllte ein feuerfarbenes Tuch. Aus feinen? aschgrauen Ge- ^ti”bc 8,?8 et einen Gegenstand, der einem elfenbeinernen Dolche ähnlich sah. Dann flehte er Miß Mary durch "Erwttrflge Zeichen an, sie möge doch ihren rechten Fuß entblößen. Sre willfahrte ihm lächelnd. Sie hatte sehr kleme und wohlgeformte Füße. Ich wollte sie am Aus- ziehen ihres Schuhes hindern; aber zwei von den Sanduk- teufeln hielten mit ihren gelben Krallen meine Hände wie mit eisernen Zangen fest und entehrten mich auf ewig durch ihre schmutzige Berührung.
Da erflaminte aus den benachbarten Bergen der rote, zitternde, blutgierige Schrei einer kriegerischen Tromvete. Uni) die gelben Gesichter der Sanduks wurden fahler,' als, die Haut der grünen Viper ist, wenn ihre Nähte platzen. Die Hände, die mich umklammert hielten, wurden weich und matt. Aber es war schon zu spät! Der Fakir hatte Marys Fußsohle mit seinem Elfenbeindolch geritzt, bevor er sich zur Flucht wandte und wie ein Schemen ent« schwimden war.
Tenn eine Flucht war's, voll jammernden Entsetzens^ Die ledigen Pferde unserer ermordeten Begleiter waren nach Ghasipur zurückgerannt,- sogleich war Sir John mit einer auserlesenen Truppe des Radschas ins Gebirge auf. gebrochen, und nun wüteten die Säbel der Ghasipuris int Sandukdorf. Ein Flintenschuß streckte den alten Padhan zu Boden. Er kollerte gerade vor Marys Füße; sein Affen- gesicht verzerrte sich, zu ihr emporgewendet, im Todeskampf zu grinsendem Hohn.
Als wir ivieder glüeklich in Ghasipur waren, fing mein Liebling an, das ganze Schrecknis als ein herrliches Abenteuer zu betrachten. .Schade nur/ pflegte sie in kindischem Stolze zu sagen, ,daß diese armen Sandukleute dm WunsH
•t’er seltsame Fall der Madame Vuroff.
Aufgezeichnet von Bodo Wildberg.
Nachdruck verboten
(Schluß.)
Endlich öffnete sich die Tür unseres Gefängnisses Die Augen taten uns weh, so blendend schimi draußm die uns "der £lrt)te ltand ein sehr alter Mann vor
* ** vollständig einem jener geheiligten greifen Affen
H ^bmpelhofe zu Tapobana ihre Possen treiben. Er trug einen weißen Turban und fletschte schadbafte
'Als Mary in den Türrahmen trat, warf er sich dreimal mit seiner Stirn den rötlichen Schmutz der Dorfgasse. Mary lächelte: sie Ivar nun gewiß, daß eine Wendung zu ihrem Heile eingetreten ßLa'S ^r“lte,n.iöarett lchon getrocknet. Die Huldigung f?an.ne8, ec »och so dumm, häßlich oder böse, vermochte ja zu jeder Zeit ihr Angesicht zu erheitern
erbebte in tiefster Seele. Denn ich hatte auf des alten Affenmenschen Stirn die drei Kreidestriche er’
d« ch» 8um bedingungslos ergebenen Knecht des Zerstörers Schrwa gestempelt hatten.
ibn, UJtb ^rach zu den Umstehenden, die
rhm, als dem Padhan oder Ortsvorsteher, geziemende Ehr- surcht bezeigten: . »„ v
. .Heil uns! Schiwa wird sich freuen! Der göttliche Panther wird springen'und brüllen; denn siehe, eine weiße
blttI0en to,c chm bar, wie noch keine fein Antlitz
. Mary verstand die Sprache des Mannes nicht; ich aber verstand sie, und die Luft wurde finster vor meinen Augen.
>vch habe Euch schon gesagt, Sahib, daß jene gelben Teufel den Gott Schiwa anbeten in Gestalt eines Panthers. Von Zeit zu Zeit nun pflegen sie ihm ein Mädchen von anmutender Erscheinung als besonders wertvolles Opfer darzubringen. Die Unselige wird von einem Zauberer zur Pantherbraut geweiht, indem jeder mit einem beinernen Werkzeug ihre Fußsohle berührt. Nach einer Weile ent- jW dort ein Zeichen, das den Flecken des Panthers ähnelt. Es dauert nun Jahre, oft sechs, oft zehn, manch. Mal sogar zwanzig, bis der gesamte Leib der Panther- brairt mit schwarzen Flecken bedeckt ist. Da die Sandilks, wie ich Euch erzählte, Sahib, eine gelbe Haut besitzen, so gleicht solch geschecktes Menschenkind einem Panther oder Leoparden aufs_ erstaunlichste. Wenn nun die Flecken des Panthers der Erwählten ins Gesicht zu steigen beginnen, daun ist der Tag der Opferung gekommen. Die ganze Zeit über hat man ihr die größte Verehrung erwiesen —>


