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ein modischer Ochse dazu — sollte da nicht eine Bosheit gegen die allerhöchste Person geplant sein? Und der an das Ministerium erstattete Bericht vom 13. Juni 1816 stellte »ine erdrückende Menge von Verdachtsmomenten zusammen. Es heißt da: „Dieses Tier, das Symbol der Gewalt, ruft schon durch die Art seines Aufputzes und seiner Kopsbedeckung, die sich aus einem roten Kaschmir und einem Strohhut mit weißen Federn und blauem Band zusammensetzen, viel Gerede hervor. Ein anderes Band von gleicher Farbe ist um seinen Hals gelegt und trägt eine Art goldenen Vließes, wie es die Souveräne tragen. Der Hut, der die Krone darstellt, ist rückwärts gerutscht und im Begriff zu fallen. Dieser Umstand und namentlich die Vereinigung der drei verbotenen Farben (der von der Revolution geschaffe- neit Trikolore), zeigen offenbar eine schlechte Absicht an und bis in das gemeine Volk hinab sieht man in dieser Allegorie eine schmutzige Karikatur gegen seine Majestät." Das Ministerium nahm die Anzeige ernst und beauftragte die Polizeipräfektur, Nachforschungen zu pflegen und die politischen Gesinnungen der Inhaber der Restaurants zu erkunden, jedoch hierbei, wie bei der etwa zu veranlassenden Entfernung des Schildes die angemessene Diskretion LU bewahren. — Die Nachforschungen scheinen zu- gunsten der Restaurateure ausgefallen zu sein und erwiesen zu haben, daß diese keinen Hochverrat „im Schilde führen" und einen wirklichen, vierbeinigen Ochsen und nicht Ludwig XVIII. meinten. Denn dem „Boeuf a la mode" wurde das Leben gelassen und er hat sogar die Bourbonen überlebt. Er hat allerdings das Kostüm gewechselt und präsentiert sich heute als harmloser, jeglicher polit. Nebenbedeutung barer Faschingsochse.
C. K. Schminkeals Ehescheidungsgrund. Mit aller Energie gehen jetzt die gesetzgebenden Männer von Georgia ans Werk, um die Bürger ihres Staates davor zu bewahren, „den Schlichen und Ränken des weiblichen Geschlechts zu unterliegen und ihr Leben lang die Folgen einer böswilligen Täuschung tragen zu müssen." Im Parlament ist jetzt ein Gesetz eingebracht und nach einer außerordentlich interessanten Diskussion einer Kommission zur Weiterberatung überwiesen worden, in dem vorgesehen ist, daß alle Ehen für null und nichtig erklärt werden, in denen der Munn seine Gaftin des Gebrauchs von Schminke, falschen Haaren oder falschen Zähnen überführt, ohne daß er vorher davon wußte, wie überhaupt immer, wenn der Bräutigam durch raffinierte Toilettekünste, durch verführerisches Linnen, Pariser Schuhe und andere künstliche Schönheitsmittel zur Heirat verlockt worden ist. Der Urheber des Gesetzes, Mr. George Glenn, ist selbst verheiratet und in der Verteidigung seines Entwurfes fand er schwungvolle Argumente von unwiderleglicher Beweiskraft. Es gift, den Enttäuschungen vorzubauen, die so oft in der Ehe den ersten Tagen des Honigmonds folgen, wenn der Gatte schaudernd bemerken muß, daß die prachtvollen Locken der Geliebten nur ein Kunstwerk des Friseurs, ihre leuchtend weißen Zähne nur das geschickte Werk eines Zahnarztes und der zarte rosige Teint nur das Ergebnis Lester Pariser Schminke ist. Alle diese Ehen sollen künftig für nichtig erklärt werden, weil sie einem Vertrag gleichen, der unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zustande gekommen ist und in feinem tiefsten Wesen auf unsittlicher Grundlage beruht. Die Damen von Georgia sind außer sich vor Empörung und arbeiten mit allen Mitteln, um die Volksvertreter zur Ablehnung des Gesetzentwurfes zu bewegen. Aber Mr. Glenn antwortet auf alle Einwürfe, daß es ihm durchaus fern liege, den Gebrauch von künstlichen Verschönerungsmitteln überhaupt zu verbieten; nur die Frauen, die beabsichtigen, zu heiraten, sollen dieser unlauteren Mittel sich entschlagen. Die anderen aber, die ohnehin die feste Absicht haben, ledig und ans sich selbst vertrauend allein durchs Leben zu schreiten; die sollen sich, so erklärt Mr. Glenn, schminken und pudern, soviel sie wollen und den Friseuren möglichst viel zu verdienen geben.
* Unter der Spitzmarke Alltagsdiuge und woher sie kommen, plaudert O. Promber in der „Frauen-Ztg.": Uober bie, Entstehung des Hutes ist nichts bekannt; jedoch ist es erwiesen, daß schon bie alten Griechen ihr Haupt bnrd) eine Kopfbedeckung zu schtchen suchten. Doch trug man vor Jahrtausenden in Griechenland einen Hut nur daun, wenn schlechtes Wtztter war, oder wenn man auf Reisen ging.
Die Form der Hüte war sehr verschieden; so trug man tn Thessalien niedrige und schirmförmige, in Arkadien breitkrempige Hüte und in Böotien solche, die einem Tannenzapfen nicht unähnlich waren. Der Stoff dieser Hüte war entweder Ziegenfell, gewebte Molle, dickes Tuch oder Filz.. Die Filzhüte kamen erst auf, nachdem schon längst Hüte aus den anderen Stoffen hergestellt worden waren. Wir vermögen nicht anzugeben, wer zuerst Ohrringe getragen hat. Jedenfalls sind solche schon vor Jahrtausenden von Indianern getragen worden. Sehr kurz ist dagegen das Dasein des steifen Damenkragens, der erst gegen das Ende des vergangenen Jahrhunderts aufgekommen ist. Sehr alt soll die! Bluse sein, die nach Annahme der neueren Forschung aus dem Orient stammt und bei Gelegenheit der Kreuzfahrer! eingeführt worden ist. Uralt ist das Korsett. Die Gattin Karls VI. von Frankreich war die erste, die dem Mieder' metallene Stäbchen einfügte. Auch die Naturvölker sind nicht frei von diesem Marterinstrument der Fraueneitelkeit. Wie der Forschnngsreisende W. A. Cook berichtet, ist eine Art Korsett bet den Bororoindianern, einem Urvolk Brasiliens/ bekannt. Er sagt darüber: „Im jugendlichen Alter tragen die Frauen eine Art Korsett, das den Leib einschnürt und aus der Rinde eines Baumes verfertigt wird. Das Taschentuch soll von den Chinesen, die Papiertaschentücher verwenden/ zu uns gekommen sein. Der Pantoffel scheint ebenfalls asiatischer Herkunft zu sein. Früher glaubte man, daß der Fingerhut von dem Amsterdamer Goldschmied Nikolaus van Benschoten erfunben worben sei, der ein goldenes Fingerhütlein seiner geliebten Dame verehrte. Indessen schon Walther von der Vogelweibe hat diesen Gebrauchsgegenstand besungen, und es ist erwiesen, daß der Fingerhut schon zu Ende des 12. oder zu Anfang des 13. Jahrhunderts bekannt gewesen ist, wenn auch vielleicht noch nicht allgemein verbreitet. Eine ehrwürdige Vergangenheit hat der Schirm. Auf alten griechischen Basen, auf Bildnissen der alten Aegypter und Römer kam er bereits zur Darstellung. In Frankreich waren Schirme bis Ende des 16., in England bis Ende des 17. Jahrhnnderts unbekannt. Danach wurde er erst in Deutschland allgemein bekannt und in Gebrauch genommen. Auch der Fingerring ist so alt wie die älteste Kultur, schon zu Pharaos Zeiten wurden mittels des Ringes gewisse Abmachungen besiegelt. Die ältesten Ringe wurden aus Eisen oder Kupfer gefertigt. Das Portemonnaie wurde von Karl Heue erfunden, der als Buchbindergeselle 1842 von Dresden nach Amerika auswanderte, und die Vereinigten Staaten haben das Portemonnaie zuerst in den Handel gebracht.
* Naturkunde. Onkel (auf dem Lande): „Diese Kuh ist zwei Jahre alt."' — Nichte (aus der Großstadt): „Woran siehst du denn das?" — Onkel: „An den Hörnern." — Nichte: „Ach so! Weil sie zweie hat."
Tatkraft.
Wenn dich dein Herz zu edlem Werke drängt, So zaudre nicht und stärke deinen Willen! Die ganze Kraft, die dir gegeben, setze ein, Laß schwellen alle Segel deines Schiffes, Gib Flügel den Gedanken, die dich treiben. Daß rasch sie wandeln sich in mut'ge Tat! llnd hole aus dem Feuer deines Geistes Was du ersinnen kannst, um zur Vollendung Und zur Vollkommenheit dein Werk zu sühreu! Ein rechter Mann strebt nach den höchsten Zielen llnd haßt das Stückwerk; besser unterlassen Als nicht des Ruhmes Würdiges vollbringen.
A. Ammann.
Rätsel.
Das Ganze ist den Menschen unentbehrlich, Ob arm, ob reich, sie könnens nicht vermissen. Doch den Betroffenen es traurig stimmt, Wenn du die erste Silbe weggestrichen.
Und läßt du dann die zweite auch noch fern, Was dann draus wird, das leistet niemand gern.
Herma n n Lindaue r. Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Hi m mel — Hu m m el — Ha inmel.
Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheri UniversilätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange. Gießen


