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bett
ins
Wie
wieder btfn bei ihm. Er sagt, es wird schon alles wieder gut werden."
„Darf ich ihn sehen?"
Frau Vollrath nickte. Sie sah blas; und übernächtig aus, schien aber sonst gefaßt zu sein. Ter Gedanke, daß ihr Liebstes und Teuerstes ihr 'entrissen werden 'könnte, kam ihr gar nicht. So grausam konnte Gott nicht sein. . .
Als Werner in das trotz der offenen Fettster von betäubendem Karbolgeruch erfüllte Krankenzimmer trat, konnte er von Heinz zunächst nichts wahrnehmen. Doktor Schröders breiter Rücken und die Gestalt eines jungen, blonden Mädchens — es war Martha Bartikvw, die Werner nicht kannte — versperrten ihm jede Aussicht auf das Bett.
Es verging wohl eine Viertelstunde, bis der Arzt — der damit beschäftigt war, den am vergangenen Abend angelegten Notverband, durch einen regulären, kunstgerechten zu ersetzen — sich umwandte und Notiz von dem Eingctretenen nahm. „Ah, der junge Herr Baron," nickte er — er hatte stets, auch in den ernstesten Situationen, I ein nicht immer ganz zartes' Scherzwort bereit —; und als Werner ihm zur Begrüßung die Hand hinstreckte, schüttelte er den KVpf und parodierte, auf das Blut . an seinen Fingern deutend: „Kami dir die Hand nicht reichen —." Während er sich dann die Aermel seines Oberhemdes noch höher auskvenrpte, sagte er zu Martha, die ihm ein Waschbecken mit frischem Wasser brachte: „Also Sie wollen sich wirklich mit Frau Vollrath in die Pflege teilen? Na, mir kaun's recht sein und dem Kranken auch: wir haben Sie ja schon öfter im Schwesterdienst zu erproben Gelegenheit gehabt. Tie Behandlung bleibt vorläuf'g so, wie ich sie gestern abend bestimmte."
Werner war auf den Zehenspitzen an seines Lehrers Bett geschlichen und starrte auf das totbleiche Gesicht des immer noch Bewußtlosen, dessen Augen-unter den Lidern eingesunken waren und durch dessen bläuliche Lippen kein lebenspendender Bluts- trvpsen zu fließen schien.
Tr. Schröder trat, sich die Hände trocknend, neben ihn.
„Ja, ja, Jüngling, was man so alles erleben kann, bis man Großvater wird!" \
„Steht's schlimm?" fragte Werner, und die aufsteigenden Trauen würgten ihm die Kehle zu.
Ter Arzt zuckte die Achseln.
„Abwarten! Ich , denke, die Lunge wird nicht allzuviel abgeknegt haben. Wissen Sie übrigens", wandte er sich zu Frau Vollrath, „wo der Förster Ihres Sohnes Hut gesunden hat, den rch vorhin mitbrachte? Am Fließ unten. Ihr Sohn muß das Messer also schon dort, mitten im Wald, zwischen me Rippen gekriegt _ haben. Wenn ich wüßte, wo er die Kraft hergenommen hat, sich noch bis nach Hause zu schleppen mit dieser scheußlichen Wunde, die — wenn sie nicht schräg durchs Schulterolatt ginge — sein Tod hatte sein müssen auf der Stelle."
L. , „JAs wahr", fragte Werner, „daß man Verdacht hat ans diesen Menschen, den Bartikvw?"
Tü Schröder zog wieder die breiten Schulterrr hoch.
. man nicht eher was sagen, als bis der Kranke
selbst ferne Meinung kund getan hat. Uebrigens" ... er wies mrt vorstellender Handbewegung auf Martha, die durch das Fenster starrte —: „das ist die Schiwester von ,dem Menschen'
• Fraulein Bartikow!" j
, Werner machte eine ungeschickte Verbeugung und schwieg verlegen. Fran Vollrath.aber trippelte an Martha heran, nahm ihre Hand, streichelte sie und sagte:
„Und wenn er's wirklich ivar, feit kannst nichts dafür, du, mein liebes, bestes Mädel du!"
Martha biß sich auf die Lippen, strich sich mit der Hand über das Haar und ging zur Tür hinaus.
Tr. Schröder, fZrail Vollrath und Werner traten rasch zu ihm hm; nur Martha verharrte regungslos, wie gelähmt, Tuch, auf den sie die Eisschüssel niedergesetzt hatte. Schoer ließ sie den Kvpf auf die Brust sinken und grub die Zahne in die Unterlippe.
>,Isabella", flüsterte Heinz noch einmal.
Schm in der Nacht, als Martha bei ihm Wache gehalten, Mtte sie ihn den Namen zweimal rufen hören. Und jetzt
Werner, noch immer betreten, brachte mit stockenden Worten Auftrag vor, den sein Vater ihm gegeben hatte.
Gerade als Martha, eine Schüssel voll Eis tragend, wieder Zimnier trat, regte sich der Kranke.
„Isabella", murmelten fein: Lippen. Seine Hand irrte, suchend über die Bettdecke.
wieder Und wieder war es ihr, als erwüchse eine Eisensaust in ryrer Brust und Preßte ihr Herz zusammen.
„Frisches Els , rief Tr. Schröder ihr zu. Sie schreckte auf, bereitete eme neue Kvmpresfe, trat ans Bett und legte sie Heinz "uf die Stirn Sie sah wohl, daß Frau Bollrath sie mit einem schüchtern-mitleidsvollen Blick streifte, aber sie gab sich den A-7- siübst' °I§ ,a&e 16 ES "lcE>t Sie schon wieder Herrin ihrer
Der Kranke schlug die Augen auf. Ms er Werner bemerkte, gltti ern mattes Lächeln über sein Antlitz, eine Sekunde lang • bann aber huschte sein Blick suchend über die Gesichter derer bte fein Lager umstanden.
herzlich grüßen", schluckte Werner mit träuen- deiugte । sich M:r Vollraths' Hand hernieder und kugle sie. Laß er sie nicht nur in seinem Namen küßte, sondern ancy im Namen einer anderen, wagte er in Gegenwart so vieler Zeugem nicht zu sagen. Wer die Seele i>eS Kranken schien es
rn”’ $ei}n E>as Lächeln, das schon wieder auf feinen blauen Zügen lag, vertiefte sich. Dann schloß er die Augen
. Martha zweifelte nun auch nicht mehr daran, daß Wilhelnt Heinz das Messer in den Rücken gestoßen. ,Tie Eifersucht hat ihn toll . gemacht', dachte sie. Fester heftete sich ihr Blick auf das Antlitz des noch im Schlaf Lächelnden.
Ter sonst so leichte, federüde Gang ihrer Gestalt erschien nachtwandlerisch gleichsam, als sie wieder zum Tisch trat, unt ne Eisolase neu zu füllen, feie sie von Vollraths wunder Schulter genommen hatte. ,
Mit heimlicher Bewunderung sah Werner ihr nach.
»Welch' ein schönes Mädchen', dachte er, ,eine blonde Madonna.' ... j
Eine Woche ging hin und noch eine, bis Tr. Schröder konstatieren konnte, daß Heinz außer Gefahr wäre — „ohne Zutun jeder Berliner Kapazität", wie er dem Kommerzienrat berichtete.
Isabelle verbrachte ihre Tage wie im Fieber. Nun, da die dingst um das Leben des geliebten Mannes sie nicht mehr folterte, riß das Verlangen, ihn wiederzusehen, an ihrem Herzen und Eifersucht auf Martha Bartikow, von deren Schönheit und Wesen Werner ihr nach jedem seiner Besuche neue Wunderdinge zu erzählen wußte, brachte sie um die ruhige Ueberleguug.
Als Friedhelm Ende Mai in Geschäften nach Schlesien gereist war, wo er ein unter die Leitung eines seiner Brüder gestelltes Bergwerk besaß, vermochte Isabella ihre Sehnsucht nicht zu zügeln. Die schönsten Rosen, die in den Treibhäusern und an den sonnigen Hängen des Ziergartens wuchsen, ließ sie schneiden und machte sich eines Spätnachmittags auf den Weg, sie dem Geliebten zu bringen. Zu Fuß brach sie auf, nur von Zanga begleitet, , der dort, wo der Wald aufhörte, zurück- bleiben und auf ihr Wiederkommen warten follte. O, sie würde Heinz, dem Zweifler, schon beweisen, daß sie ganz gut ohne Equipage . fertig werden konnte, — auch hatte sie das einfachste Kleid, das sie besaß, ein enganliegendes aus dunkelblauem Tuch, angelegt und kam sich darin schon vor wie eine kleine, bescheidene Frau Pastor — und bitten würde sie den Heißgeliebten/ sich doch jetzt schon öffentlich mit ihr zu verloben, damit sie vor aller Welt ein festgegründetes Anrecht an ihn hatte. Daß sie, mit diesem Anrecht ausgerüstet, sofort Mittel und Wege suchen wollte, die schöne Pflegerin aus ihres Bräutigams Nähe zu verbannen, war nicht das geringste Motiv zu ihrem Vorsatz.
Als sie, den Vollrathschen Laden betrat — einen zweiten Eingang hatte das kleine Häuschen nur vom Hofe aus —, legte sich die muffige Luft, die den dunklen, niedrigen, mit Regalen, Tischen, Kisten, Fässern und Säcken über und über bestellten Raum erfüllte und hauptsächlich durch die scharfen Gerüche von Essig, Petroleum und Zwiebeln gesättigt erschien, beklemmend aus ihre Brust. Mein Gott', dachte sie, ,wie schrecklich, hier leben zu müssen'. Aber rechtzeitig siel ihr ein, daß auch ihres Vaters Vater den Grundstein zu seinem Vermögen in einem Materialwarengeschäft gelegt hatte, und dann überwog in ihr ein sozusagen kulturhistorisches Interesse: ,Alfo auS_ diesem Milieu ist der Mann hervorgegangeu, den du liebst. Der Mann, dessen Empfinden so fein ist wie das des zartfühlendsten Künstlers, und dessen Stolz sich mit dem eines Ritters vom alten Schrot und Korn getrost messen kann'.
Frau Vollrath, die eben von ihrem Sttibchen aus in den Laden trat, machte verwunderte Augen.
„Ah . . . das Fräulein vom Schloß", sagte sie, nicht übersi mäfjig, freundlich: „womit kann ich dienen?" Und fie strich sich die blaue Wirtschaftsschürze glatt.
.(Fortsetzung folgt.)'


