Ausgabe 
30.3.1908
 
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und auch die Verpflegung gegen Ersatz der Kosten gestellt. Sc^n in Aus wurden uns für unsere persönliche Bedienung drer Barnbusen und zwar Hererojungcn mit den schönen Namen Petrus, Wilhelm und Isaak überwiesen. Waren Petrus und Wilhelm zwei kleine fire Kerlchen, so wies Isaak eine beträchtliche Korperlange und eine Tollpatschigkeit auf, die unwillkürlich an einen jungen &unö erinnerte. Petrus und Wilhelm haben sich spater gut bewährt, während der lange Isaak eines Tages auf polmsm Abschied nahm. Die Tage in Aus vergingen uns wie tm Fluge, -jd) [teilte noch drei Weiße, einen Oberkonduktor, der für die Ar­beiter, den Proviant und die Tiere zu sorgen hat, einen Koch und einen Meßgehilfen für die Expedition an.

Am 7. November, morgens 6 Uhr, verließen nur mit uusmm Personal und Gepäck das unvergeßliche Aus.. Wieder war der Salonwagen bereit und wir fuhren diesmal '«Begleitung des Eiseribahn-Kommissars und einiger anderer bekannter Hörern Auch das vierte Mitglied der Expedition, der Lanoesgeologe, den wir bereits in Lüderitzbucht kennen gelernt hatten, war in Au^ Mit unS zusammengetroffen und begleitete uns jetzt. Station Kuibis machten wir mit dem Wasserwagen auf besonderem Gleise nach der etwa 3 Kilometer entlehnten Masserstatwn einen siecher. Die Wasferstation liegt in einem schonen buichbestandeiwn Taji>, das einen erfrischenden Eindrucr auf die Besucher nicht. Der Landesgeologe und Vorstand der Bo^kolonne ,,Sud , ein sehr rühriger Manu, hat dort einen großen Wchserbehaltn erbaut, aus dem die Bahn das Lebenselement für ihre Loiomotiven ent­nimmt. Die BohrkolonneSüd" erhält zurzeit tn diesem ~ate, in dem auch ein von Lüderitz gepflanzter Feigenbaumsteht, ihr Standguartier. Die dazu erforderlichen Bauten sahen wir nahezu vollendet. Sind erst die Gartenmilagen und Anpflan­zungen etwas gediehen, so muß es dort ein cdAlifchE-^HE fein, fern ab von dem Hasten und Treiben der Menschheit.

(Schluß folgt.)

Gemäß einem mit der Bauleitung getroffenen Abkommen erhielten wir von dieser die Arbeiter zu unserem Unternehmen bäunieister Braubach hat inzwischen bereits Siidwestasrika,be­lassen und wird schon am 1. n. Mts. seine Gießener aait i )- Tätigkeit wieder beginnen. *'

Wechseln, dabei Gleise und Schutzbautcn verschüttend. Man Hat : die verschiedensten Anstrengungen. gemacht, dieses Nebels Herr »II werden Zuerst wollte man. die Dmien,trecke mit Wellblech- tunneln durchfahren. Diese Tunnel kamen jedoch nicht zur Ber- wendung undfristen jetzt ihr Dasein als Lagerschuppen m Luderitz- bucht und Aus, wo einige der Tunnelstucke aufgestellt und, em den Stirnwändeii geschlossen, recht geräumige fallen abgeben. Auch mit Schutzmauern und Saiidjangeii sucht man das Gleis freizuhalten. In neuerer Zeit werden Versuche. gemacht, die Wairderdüueu mittels Anpflanzung festzulegen, was jedoch in beK wasserlosen Gegend seine Schwierigkeit hat. Wünschen mochte ick der Bahnverwaltung, daß es ihr bald gelingt, die schwierige M ikoobe zu lösen Das Freischaufeln der Gleise, wie es eoen üb ich ^ist^ erfordert eine Masse Arbeitskräfte. Auch bei unserer D'nchfahrt waren verschiedene Arbeitertrupps zu sehen, die mit der Reinhaltung des Schienenweges beschäftigt waren.

Weiter ging die Fahrt in die fast gänzlich wasserlose «andwuste, die Namib, die in einer Breite von etwa 100 Kilometer dem eigentlichen Lande vorgelagert ist. Unser Wagen lief am Schluß des Zuges, so daß man von der Plattform das Gelände übersehen konnte. Zwei uns befreundete Offiziere, die mit uns snhreii, erklärten nuS alles. Bald wurde es sehr heiß, imd die auf dem Sande flimmernde Sonne machte die Augen fchmerzen, so daß wir unsere Schutzbrillen hervorholten. Nach einiger Zeit gewöhnt sich das Auge allerdings an den Sonnenglauz, so daß wir später der Brille nicht mehr bedurften. Sieht man langer in die Ferne, so glaubt man öfters große Wasserfläche, ein­ladende Seen und schöne Gestade zu scheu; beim Naherkommen aber entschwinden diese Gebilde, Lnstspiegelungen Fata morgana. Wie Manchem sind sie schon zur Qual geworden. Die Fahr dura, d e Wüste mit Ochsenwagen, wie sie vor der Erbauung der Bahn üblich war muß sehr schwierig und wemg angenehm gewesen sein, denn überall am alten Bayweg, den man des vftern von der Bahn aus sehen kann, liegen die Skelette gefallener verdursteter 'en und sonstiger Tiere, em trostloser Anblick, so recht zu der Oede der Wüste passend. In der Ferne iahen wir vsr- schiedene Höhenzüge, die in der Sonne ganz wunderbar prächtig Und eigenartige Färbungen zeigten. Wir Passierten di Sta­tionen Graßplatz, Rotkuppe, TschaukaibuichGarub. Brunnen tinp nirgends vorhanden, so daß die Maschine ihr Rüper au, Behältern entnehmen muß, die mit dem flüssigen Element von Lüderitzbucht und Aus her mittels besonderer Wasserzuge versorgt werden D e Stationen haben nette kleine Häuschen, die emsam im Gelände lstgeu, und auf denen die Statwnsbeamten wohl kaum über allzu abwechslungsreiches Leben zu kl^en Haben. Bohrungen nach Wasser in der Wüste, wie sie im Gange cknd, haben bis jetzt das erhoffte Resultat Nicht gebra^; auch die Wünschelrute, die im ganzen Lande eine große Rotte fpieii, hat hier meines Wissens keine Erfolge aufzuweisen. Nach -juS' faae der Geologen wird es auch mit dem Wasserfinden rn dieser

.k (rhfprht bestellt fein. Man zeigte uns noch den T.ger- be'M drastisch auch derDicke Wilhelm" genannt, und die ^uras- berg'e ein schänbar noch recht gefährlick^s Gebietz Soll doch in letzter Reit dort ein heimkehrender warmer Buschleute bei seinem in Brand gesteckten Hause überrascht und bei dem sich ent­wickelnden Gefechte sieben Spitzbuben erschossen haben. Bei Kilo­meter 100 sahen wir den ersten Baum, em elendes verkrüppeltes

liehe kleine Niederlassung mit etwas REschMck und genugmdem irr reeßt feböuet Soge. Die fTÜijcic SJfoutiirftcittort muvii

Ravwea ist aufgegeben, die Magazine und Depots sind nach Aus verlegt-auch ist hstr der Sitz des Reichseisenbahn-Kom- misfars und'der Bauleitung der Lüdentzbuchtbahn, die tion her altbewährten Firma Lenz u. Co, Berlin, erbaut und zurzeit auch betrieben wird. v, ,

Rn Ans warteten unserer ein Paar ruhige und gemütliche Tage Jin Heim des Reichseisenbahn-Kommissars fanden wir liebevolle Aufnahme. Die Herren der Bauleitung und insbesonoere den Oberingenieur und Chef des ganzen Betriebes lernten mir in her kurzen Zeit als außerordentlich liebenswürdig kennen und schätzen Trotz der vielen Arbeit, die ein derartiger Großbetrieb macht fanden wir stets freundliches Entgegenkommen und tat­kräftige T Unterstützung, die uns unsere fujg"be wesmUioj er­leichtert und Nils kostbaren Zeitgewinn verschafstlat DieTasel runde im Hotel Germama, zu der auch die Offtzieregehvrten, war sehr gemütlich, so daß wir unsim dem schonen Ai^ wohl und heimisch fühlten. Unangenehm srnd nur tue vielen Fliegen, die die Menschen mit einer Hartnäckigkeit quälen, tote ich sie bis

Bauer?)

B a u e r", es gibt kein schöneres und stolzeres Wort in unserem Deutsch, als dieses, das den, der es führt, dem Ausüber einer der höchsten Menschentätigkeiten nach altem Sprach­geist an die Seite stellt, denn werbaut", ist ja fast noch mehr, als wer etwaskann", also nach dem griechischen Wirtslune der Poet. Aber viele Bauern nennen sich nttt einem helleniscymi WortOekonomlen". Immerhin find Fremdwörter eine gefährliche Sache; oixovoiio; heißt:Hausverivalter" und hat tuet er. eigen Uch bäuerlichen Tätigkeit.überhaupt nichts zu tun. Es gibt s^n ganze Landstriche, in denen er sich Mer dnrchlveg mit vcm abgeschlissenen städtischen Ausdruck anzieht, nm ^u beiligen, daß ihm Stolz und Würdegesühl zum Teufel geht. So i,tS ertrei> Uch, daß neulich ein bayerischer Beamter Mie Leute öffentlich auf den Unfug hingewiesen hat.Der Bäcker backt da^, Brot und heißt deshalb Bäcker, der Müller mahlt das Getreide nnd heißt Müller, dar Schuster heißt so, weil er Schuhe macht, der Lchreiner, roeil er Schreine, Schränke usw. verfertigt. Das ist vernünftig und recht. '^Derjenige aber, dessen Arbeit so wichtig für die Mensch- ljeit ist, weil er das Feld bebaut und die Früchte des Feldes für sich und seine Nebenmenschen einheimst, will nicht f&aucr heißen, sondern Oekonom. Mich freut, jeder, der sich Bauer nennt, und er darf überzeugt sein, daß bei den dem bäuerlichen Beruf nicht angehörigen Ständen der TitelBauer" mehr Ansehen genießt als die anderen beliebten neumodischen Benamsungen. Wie auf dem Lande die alte, schöne Bauweise erhalten und gepflegt werden soll, so soll man auch dem NamenBauer" die Ehre lassen und keine neumodischen hohlen Titel einführen. Die Herren Bn^w- meister ersuche ich, von dieser wohlgemeinten Anregung ihre Mt^ Bürger geeignet zu verständigen." Sv schreibt ba§

Kaufbeuren in einer Bekanntmachung, tn der sich, auch noch gegen die nichtssagenden TitulaturenWirtschafter undGuts­besitzer" wendet.Wirtschafter ist ein jeder, und wenn er ein noch so kleines Besitztum ober Hauswesen hat. Und ist vieUeicht Besitzer" eines Gutes zu sein, besser oder ehrerwvller, ab Skmer zu fein? Ein Gütler ist auch Besitzer eines Gutes, undes ist dock toahrltoftia viel nichtssagender, etwas bloß zu oesltzen, als etwas' zu hin." Bravo! Wir wünschen, daß die Berussgenossen dieses bayer. Beamten toeitum im, deutschen Laiü>e mtthulfen, den deutschen Bauern vor dun Gespött zu^ bewahren, dem er sich durch dieOekonomen"-Mbernheit aussetzt.

*Y Aus dem 12. Heft desKunstwarts" (Verlag Georg D. W. Callivey, München, Mk. 4. im Quartal).

Ver?ml?<tztes.

* Der schlaue Bauer und der schlimlme Arzt. Ein lustiges Intermezzo spielte sich dieser Tage bet der Gebmst eines türkischen Erdenbürgers ab. Die Frau eines Bauern aus einem Dorfe bet Konstantinopel fühlte ihre schwere Stund-