Moch'ene Vorliebe haben, behaupten wir von anderen, daß sie unserm Ange nicht zuträglich seien, ja daß sie uns direkt krank machen können. Man weiß, daß viele Leute grünes Briefpapier benutzen, um sich beim Schreiben nicht so leicht die Augen zu verderben: Für das, grüne Schreibpapier tritt unter anderen Henri Rochefort ein, und da er in seinem Leben schon sehr viel zusammengeschrieben hat, dürfte er auf diesem Gebiete einige Erfahrungen haben. Gelehrte Männer haben bemerkenswerte Experimente gemacht, um festzustellen, welchen Einfluß die verschiedenen Farben auf die Tiere haben. Man hat bei diesen Studien und Versuchen ergründet, daß die blaue Farbe im allgemeinen eine gewisse deprimierende Wirkung ausübt. Wenn man die Schlangen mit einem intensiv blauen Licht bestrahlt, scheinen sie gerade- zn krank zu sein: sie liegen dann ganz willenlos, träge ititb wie niedergeschmettert da. Die Erdwürmer lieben das weiße Licht und suchen regelmäßig Plätze aus, die weiß beschienen ; wie etwas Unheilvolles aber fliehen sie das rote Licht. Das blaue Licht übt auch auf die Pflanzen eine niederdrückende Wirkung aus: unter seinem Einfluß verlangsamt und verschlechtert sich ihre Ernährung, ihre lebhaften Farben verbleichen, und Blüten und Blätter beginnen, wie von einem schweren Siechtum heimgesucht, zu verwelken und langsam abzusterben. Es ergibt sich daraus, daß sowohl die Tier- als auch die Pflanzenwelt der blauen Farbe feindlich gegenüberstehen, von der grünen Farbe aber in sehr günstiger Weise beeinflußt werden.
* Uebertriebene Höflichkeit. Eine Schweizer Zeitung erzählt ein reizendes Geschichtchen aus längst vergangenen Tagen: Ein Franzose besuchte auf seiuer Reise durch die Grafschaft Northumverland einen alten, etwas kurzsichtigen Engländer. Der gastfreundliche Herr sagte dann: „Ich will Ihnen von meinem Sauterner Wein zu kosten geben, der seit 35 Jahren im Keller lagert. Dergleichen finden Sie selbst in Ihrer Heimat nicht!" Bald darauf brachte der Diener eine mit Staub und Spinngewebe bedeckte Flasche, in der der Wein goldig schimmerte. Der alte Herr schenkte ein Gläschen voll, das der Gast leerte. „Nun?" fragte der Engländer gespannt. „Köstlich", erwiderte der Gast und schloß wie verzückt die Augen. Jetzt schenkte sich auch der Engländer ein. Kaum hatte er am Glase genippt, als er es wegwarf, zu speien und husten begann, vom Stuhl aufsprang und einen Heidenlärm schlug. Der Diener hatte sich nämlich vergriffen und statt des vorzüglichen Weines — Brennöl gebracht. Bleibt die Frage: Hat der Franzose aus übertriebener Höflichkeit oder aus Bosheit das Getränke für köstlich erklärt?
* Mexikanische Schullehrer pflegen ihre Zu- kriedeuheit mit den Leistungen eines Schülers dadurch zu bekunden, daß sie dem betreffenden gestatten, während der Unterrichtsstunde eine Zigarre zu rauchen. Ist die ganze Klasse fleißig gewesen, so wird die Erlaubnis zu einem Generalrauchen erteilt, und selbst die jüngste Schülergeneration darf sich bei dieser Gelegenheit eine Zigarette an- zünden. Der Lehrer selbst raucht eine Zigarre, deren Größe Und Qualität seiner superioren Stellung entspricht, und trinkt dazwischen aus der beständig auf seinem Pult stehenden Likörflasche. Ist diese geleert, so wird sie von den Eltern seiner Schüler, die sich um diese Ehre zu streiten pflegen, durch eine neue ersetzt.
* S ch iffbr ü chige Huude. Von einem schrecklichen Seeabenteuer berichtet der Kapitän der „Jllanita", eines französischen Segelschiffes, welches in der Nähe von Neufundland am 2. .September gesunken ist.. Kapitän Mert ist der einzige Ueberlebende seines Schiffes. Als die „Juanita" zu füllen begann, erzählt der Kapitän, retteten sich fünfzehn Manu von der Besatzung in zwei Boote. Das eine Boot versank sofort, das andere einige Minuten später, während der Kapitän, welcher mit 10 Mann auf der „Juanita" zurückgeblieben war, sehen mußte, wie seine Genossen elendiglich umkamen. Es verging eine Stunde der Angst und Sorge und daun wurde die „Juanita" in die Tiefe gerissen. Nur der Kapitän rettete fich, indem er sich au einen großen Balken anklammerte, alte feine Kameraden ertranken im Meer. Als Kapitän Mert wieder ein wenig zur Besinnung gelaugte, bemerkte er, daß zwei große Hunde, welche einem Offizier des Schiffes gehört hatten, feinem Balken zu- schwammen, aus demfelbeu Rettung sucheich. Er freute sich
sogar ein wenig dieserhalb, weil die Hunde die einzigen lebenden Wesen waren, welche außer ihm von der gesunkene» „Juanita" übrig geblieben waren. Mer seine Freude verwandelte sich in Schrecken, als nach 30 stündigem Umher-« treiben auf dem Meere er bemerkte, wie die Hunde, vor Hunger toll gemacht, daran gingen, ihn anzugreifen. Es gelang ihm trotz seines geschwächten Zustandes, das eine: der Tiere, welches ihn, offenbar in der Absicht, seinen Körper nachher anzusressen, zu beißen begann, mit seinem Taschenmesser zu toten und das andere zu erwürgen. Dieser Kampf mit den beiden Hunden, sagt Kapitän Mert, welcher bald darauf von einem vorüberfahrenden Schiffe ausgenommen wurde, war die schrecklichste Viertelstunde, welche ich je durchgemacht habe.
* Er kennt ihn. Mutter: „Wenn du dem Franz das Geld nicht zum bestimmten Tage sendest, hat er sicher eine schlaflose Nächt!" — Vater: „Und wenn ich es ihm sende, mehrere."' ______ („Fl. Bl?)
Rene Bücher.
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R. Kaulitz-Niedeck: Goethe und Jerusalem, Gießen« Otto Kindt.
Dr. G. Stresemann: Jndustriepolitik. Berlin, Verlag der Neuen Revue.
Dr. K. Steinbrück: Handbuch der gesamten Landwirt-, schäft. 48—50 Lief. Hannover, Dr. M. Jänecke.
Allgemeiner deutscher U n i v e r s l t ä t s k a l e n d e r, Rostock i. M. G. B. Leopold.
Kunstwart. 1. Novemberheft. München, G. D. W. Call- iv et).
Süddeutsche Monatshefte. 5. Jahrg., Heft 11« München, Süddeutsche Monatshefte.
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Adolf V ö l cke r s „Fastebretzel und Kimmelweck", Allerhand in Frankfurter Mundart.
I u g end r un ds chau. Herausgeb. Otto Fritz. Nr. 1< Karlsruhe, G. Braun.
Der Guckkasten. Jll. Wochenschrift für Kunst undi Humor. Nr. 42, 43.
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Dr. A. Guthmann. Naturgemäßes Leben und Denken«; Stuttgart, Schwabacher.
Berwandlungsrätsel.
Eber — Einig — Reno — Hammer — Igel — Bigi — Puck — Aber.
Jedes dieser Wörter ist dadurch in ein anderes zu verwandeln, daß sowohl der Auiangs- als auch der Endbuchstabe geändert werden, z. B. Hals in Wald, Scliai in Achat. Die Anfangs- und Endbuchstaben der gefundenen Wörter bestätigen die Richtigkeit der Löstmg.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung de§ Ergänzungsrätsels in voriger Nummer: Sorge und Plage Wächst alle Tage;
Mußt sie verjagen Oder ertragen.
Redaktion: E, Anderson, — Rotationsdruck und Vertäu bei Brühl'schen UntversttätS-Buch- und Slemdruckeret, R. Lange, Gießen,


